50 Jahre Musikkassette – 50 Jahre Bandsalat

Die Musikkassette feiert mitten in ihrem Siechtum ihr 50. Jubiläum. Womöglich das letzte 00er, an dem sie noch halbwegs lebendig teilhaben wird, denn viel dürfte von ihr nicht mehr zu erwarten sein. Auch wenn es immer noch Liebhaber der Bänder und sogar Labels gibt, die erst jetzt an den Start gehen und ihre Releases primär auf Kassetten veröffentlichen, wie das junge Dubtechno-Label Ferro Tape Records das tut.

Dennoch: die besten Tage ihres Lebens dürfte die Kassette hinter sich haben.

Ich erinnere mich gerne an sie zurück, im Osten war sie DAS Medium um Musik aufzunehmen, zu kopieren, zu tauschen, zu hören. Nur mein oller Cousin fand sie schon damals unkuhl und hörte auch Ende der 80er noch Musik von seinem Tonbandgerät wenn er vor Omas Haus seine MZ TS 250 wusch. Hipster!

ZDF Hallo Deutschland hatte kürzlich dieses Feature zur Kassette und beweist, dass viele Kids den kognitiven Zusammenhang zwischen einem Bleistift und einer Kassette nicht mehr herzustellen in der Lage sind. Aber ist ja auch nicht schlimm, ich weiß ja auch nicht, wie man einen Pflug hinter einen Gaul spannt. Außerdem geht es um die drei ???, die wohl jeder im Westen Sozialisierte sofort mit den Bändern assoziiert.

(Direktlink, via Antischokke)

Kommentare: 22

  1. Justus1975 23. Januar 2013 at 08:13  zitieren  antworten

    Ich muß ein bisschen weinen, wenn ich das lese.

  2. nappel2 23. Januar 2013 at 08:39  zitieren  antworten

    ich war früher sehr geschickt, zerissene Tapes mit zugeschnittenem Tesa zu kleben… heute muss man wohl kaputte mp3´s reparieren…

  3. Harro 23. Januar 2013 at 09:10  zitieren  antworten

    …aber ein knittriges reinkriecherband wurde nie wieder gut, Bandsalat blieb Bandsalat.

    Inzwischen sind mir alle Gummis in den Tapes verrottet und der schwarze Mathmos der übrigblieb läßt sich kaum noch entfernen, ich komme auch ohne klar, auch wenn mir einige Tapes schon am Herzen liegen…

  4. Harro 23. Januar 2013 at 09:18  zitieren  antworten

    Du meist es hat in der DDR der Achtziger schon Hipster gegeben, man wart ihr Avantgardistisch – hätte ich ja gar nicht gedacht…

  5. Ferro Tape Records 23. Januar 2013 at 10:05  zitieren  antworten

    Hallo KFMW, vielen lieben Dank für die Erwähnung unseres Labels in diesem Post… Wir haben direkt mal die Bleistifte gespitzt, falls Retouren wegen Bandsalat kommen :) Schönen Tag noch !!!

  6. jens 23. Januar 2013 at 10:28  zitieren  antworten

    Dann war ich ja ein Hipster. :D

  7. stegoe 23. Januar 2013 at 11:48  zitieren  antworten

    Home Taping is killing Music!

  8. floh 23. Januar 2013 at 12:37  zitieren  antworten

    home taping is killing the vinyl industry

  9. oliver breitenstein 23. Januar 2013 at 13:14  zitieren  antworten

    “die qualität so hervorragend ist, dass sie der schallplatte kaum noch nachsteht.” toll!

  10. oliver breitenstein 23. Januar 2013 at 13:19  zitieren  antworten

    @oliver breitenstein
    interresant auch die ???-sprecher zum thema: raubkopie bzw mixtape! wenns nichts so traurig wär, wär schreiend komisch.
    viel glück bei deiner abmahnung übrigens.

  11. […] Das Kraftfuttermischwerk) Bewerten:Share this:FacebookTwitterPinterestGoogle […]

  12. _Flin_ 23. Januar 2013 at 16:48  zitieren  antworten

    Gott sei Dank ist sie tot. Das lästige Ding.

    Am schönsten ist es doch, wenn ein nostalgisches “hach, damals” mit einem “jetzt haben wir es viel besser” beiseite gewischt werden kann.

    – Aufnehmen in Realtime
    – Bandsalat
    – 2×45 Minuten Fassungsvermögen
    – Qualitätsverlust beim Kopieren
    – Durchmagnetisierung

    Danke, aber nein Danke.

  13. michaela 23. Januar 2013 at 17:11  zitieren  antworten

    @_Flin_
    mp3 = viel besser??

  14. _Flin_ 23. Januar 2013 at 17:43  zitieren  antworten

    @michaela
    Ja.

    – verlustfreies kopieren
    – kaum verlustzeit durch spulen
    – durch playlists frei kombinierbar
    – Für 10.- € kriegt man einen 32 GB Stick, auf den 10.000 Songs passen
    – Die 10.000 Songs zu kopieren, dauert 10 Minuten (=> verlustfreie Backups, keine Furcht vor Bandsalat oder kaputtem Datenträger)
    – Lieblingssongs werden nicht schlechter, je öfter man sie hört
    – Nicht Lieblingssongs werden nicht schlechter, nur weil sie 5 Jahre im Regal liegen und nicht umgespult werden
    – Kaum Abspielgeräusche (wenn man nicht grad ne PS3 nimmt)
    – Metadaten, so dass man weiß, welcher Song gerade läuft

    Insofern würde ich sagen: MP3 ist vollumfänglich besser als Musiccassette. Mir fällt nichts ein, wo die Musiccassette besser ist als eine MP3 auf USB Stick. Und zwar absolut nichts. Außer Nostalgie.

    Eventuell Tonqualität, aber man kann statt MP3 ja auch Ogg Vorbis, AAC oder DTS HD-Master nehmen, wenn man es denn abspielen kann.

  15. harro 23. Januar 2013 at 18:33  zitieren  antworten

    @_Flin_ Jetzt muss man nur noch einen Datenträger haben der länger als 20 Jahre die Daten hält, dann kann man das bestätigen, ob man in 50 Jahren noch was mit den blöden USB Sticks oder gar den Silberscheiben anfangen kann sei mal dahingestellt…

    …in 20 Jahren hat niemand mehr einen dedizierten MP3 Player.

    Vielleicht gibt es dann berührungslose Genspeicher die man sich ins Haar knotet mit 100000000 Songs bloß darf die praktisch keiner besitzen.

  16. julius 24. Januar 2013 at 01:33  zitieren  antworten

    @Harro bügeln hilft

  17. michaela 24. Januar 2013 at 12:22  zitieren  antworten

    @_Flin_
    “Eventuell Tonqualität” *gröl*

    Natürlich sind Musikkassetten überholt.
    Aber das heißt noch lange nicht, dass mp3s die Antwort auf irgendwas sind. Es sei denn, man schafft es, unterwegs 10.000 Songs zu hören… (muss dann wohl ‘ne ziemlich lange Reise sein).

  18. Dennis 24. Januar 2013 at 21:37  zitieren  antworten

    @michaela
    naja bei 12-15KHz wurds bei den Dingern echt dünn, und teuer wurde das auch, ich hatte mal ein Tapedeck mit Einmeßcomputer das war ganz nett, konnte Tracks springen und Faden, aber so richtig viel Dynamik hatten die nicht auch wenn man mit DolbyC und HighCom gespielt hat. Ach bei MP3 fehlt auch was nur was anderes, da sind die Details weggeputzt, bei Tape fehlt die Dynamik und die Details saufen im Grundrauschen ab, beides kommt nicht an die Platte ran.

    Letztlich gibt es aber heute keinen durchgängig analogen Weg mehr die Plattenmaster werden auch vom digitalen Material geschnitten, insofern ist das auch nur ein umständliches mechanisch analoges Filter…

    Und das mit der fehlenden Mechanik ist unterwegs schon irgendwie reizvoll. So ein richtiger Bahnjunkie, der täglich fährt hat doch einen Ipod classic wegen der 10000
    Songs

  19. Dennis 24. Januar 2013 at 21:39  zitieren  antworten

    …btw gibts eigentlich mp3 Player mit flac?
    Oder muss man da einen Ipod mit Linux versehen?

  20. […] schon fast vergessenes Medium feiert in diesem Jahr Geburtstag! Der Blog Kraftfuttermischwerk erinnerte kürzlich daran, dass vor 50 Jahren die Firma Phillips diese kompakte und […]

  21. Oliver Tuttisolo 25. Januar 2013 at 13:33  zitieren  antworten

    Hi Ronny,
    freue mich über Deinen Erfolg bei der Spendensammlung und wünsche Dir weiterhin viel Erfolg, besonders falls es juristischen Stress gibt. Bin seit längerem Fan Deines Blogs, insbesondere Deines exzellenten Musikgeschmacks! Ich blogge seit kurzem auch und hab Deinen Beitrag mal verlinkt:
    http://tuttisolo.de/blog/2013/01/25/happy-birthday-musikkassette/

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