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Rügen Rose

14. Juli 2010

Ich erinnere mich nicht mehr, wie wir hin kamen. Da wir vor Ort mit einem alten Polo herumfuhren und am Ende in Stuttgart aus einem Intercity ausstiegen, nehme ich an, dass wir am Anfang bis Rostock mit der Bahn fuhren und uns dort ein Auto mieteten.

Ich erinnere mich an holprige Pisten. Ich erinnere mich an die riesige Ex-LPG mit dem winzigen Laden, in dem es Milch zu kaufen gab. An die Stoppelfelder, auf denen meine kleine Schwester Autofahren lernte, während ich mich zu doof dazu anstellte. Ich erinnere mich an das Ferienhaus, das uns Bekannte aus Stralsund vermietet hatten. Alles darin war in gelb und braun, es gab einen Riesenfernseher, der aber kaum Empfang hatte. Und ein Boot, mit dem wir auf den Bodden fuhren und im Schilf nackte Pärchen umschlungen entdeckten. Ich erinnere mich an den Italiener in Stralsund, der Ägypter war, aber immerhin gab’s Pasta statt Soljanka. Ich erinnere mich an das uralte, fast zerfallene, riesige Kino im Sassnitz, in dem wir einen Kinderfilm sahen. Am Strand waren wir auch. Muss nördlich von Binz gewesen sein. Und außer uns waren fast alle nackt. Auch die Mädchen.

Ich war 14 und war mit meinem Vater und meinen Geschwistern im Urlaub auf Rügen im Sommer 1992.

Und ich erinnere mich, dass an den allerschrägsten Orten, im schieren Nirgendwo abseits der Touristenströme aber auch mitten drin an Hauswänden, Gartenmauern, Plakatwänden, Stromverteilerkästen und überall, wo ein wenig Fläche war, eine Rose hingesprüht war. Eine einzelne, langstielige Rose mit etwas Blattwerk. Manchmal stand “DM” dabei.

Während ich damals Beatles und die Prinzen hörte und R.E.M für eine Indieband hielt, wusste meine Cousine von der Schwäbischen Alb Bescheid. Sie hörte wie alle Provinzkids gefährlichen Gothicrock. Immer versucht, mich mit diesem Virus zu infizieren, gab sie mir hin und wieder einen Einblick in die neuesten Trends dieser Untergrundszene. Dadurch war mir klar, welch morbid-schaurigschöne Musik für Selbstmordkandidaten mit dem Rosenemblem gemeint war und fühlte mich eingeweiht und beängstigt zugleich. Was für krasse Musik die Kids im Osten hörten, während das lokale Radio an der Oststee von Roxette “Fading like a Flower” rauf und runter nudelte.

Die Wende

Volcano Choir: Island, IS

7. Februar 2010

Als ich hier vor zweieinhalb Jahren den Reigen der Gastblogger eröffnen durfte, musste ich zwanghaft festhalten, dass ich ja eigentlich mit dieser Computermusik nichts anfangen kann. Aus ebendiesem Impuls heraus wollte ich auch unbedingt dieses Mal ein wenig Folk hier rumstehen lassen.
Gedacht hatte ich an das vor einem Jahr veröffentlichte und unglaublich schöne “Blood Bank” von Bon Iver, doch dann kam ich drauf, dass der Mann hinter diesem Ding, Justin Vernon, mit seinem neuenalten Bandprojekt Volcano Choir ja im Herbst eine Platte namens “Unmap” rausgebracht hatte. Und da ist “Island,IS” drauf, zu dem es auch ein Video gibt, das für mich irgendwie hier viel besser hin passt:

“Island, IS” by Volcano Choir from Secretly Jag on Vimeo.

Immergute Videos

La repubblica napoletana

6. Februar 2010

Als ich damals™ in dieser kleinen mittelitalienischen Provinzuni ein wenig Heidegger und Futurismus studierte, hatte ich nicht viele Freunde.
Das lag unter anderem an dem Umstand, dass die Mammoni von Freitagmittag bis Montagfrüh in die kleinen Käffer im Süden fuhren, aus denen sie stammten. Ein anderer Grund war, dass die Uni vor allem Wirtschaftswissenschaftler ausbildete. Und die waren meist wie mein einer Mitbewohner die Kinder von Kleinunternehmern und damit qua Geburt Berlusconi-Anhänger und das hält ja keine Freundschaft aus. Genausowenig wie die kulinarische Ignoranz der küchentechnisch an sich begnadeten Stiefelbewohner.
Als ich einmal ein heimisches Carepaket mit Schwarzbrot und Maultaschen bekommen hatte, wollte ich letztere mit meinen Kommilitonen teilen, doch die fanden Teig, der nicht Pasta ist, widerlich.

Aber es gab Ausnahmen. Und das waren alles sympathische Typen.

Mein anderer Mitbewohner beispielsweise. Auf dem Papier war er Psychologiestudent, im täglichen Leben hatte er hauptsächlich drei Interessensfelder: 1. Mit mir das von mir regelmäßig importierte deutsche Bier zu trinken und über Bier zu philosphieren. 2. Am Wochenende nach Rom fahren, mit seiner Freundin vögeln. 3. Unter der Woche tat er (abgesehen von Interessensfeld Nr. 1) alles, um mit seiner Mannschaft, die uniinterne Meisterschaft im Fußball zu fünft zu gewinnen.

Der Sohn eines örtlichen Carbinieri-Offiziers. Er war groß, schlank, schön. Ein Frauenheld. Und Anarchist. Er kannte die besten Weinclubs (die anders als die regulären Kneipen keine Sperrstunde hatten). Er hatte immer Gras am Start, in seinem Autoradio liefen immer die Doors. Apropos Auto: Er fuhr nachts immer die kürzesten Wege, Einbahnstraßenschilder und ähnliches waren ihm egal. Den Polizeistreifen war es egal, dass es ihm egal war.

Und dann war da Roberto. Roberto fuhr im gleichen Bus wie ich und wurde mir von der aus einem kleinen apulischen Dorf stammenden Kommilitonin mit den vielen Haaren im Gesicht und auf den Armen vorgestellt. Er sei ein wenig verrückt, sagten die Jungs mit dem Parteibuch der Forza Italia und die Mädchen mit den Heiligenbildchen im Geldbeutel. Man solle ihn besser meiden, sagten sie.
Naja, er wusch sich nicht so oft und er sah keinen Sinn darin, nicht im napoletanischen Dialekt zu sprechen. Er bezeichnete sich als Kommunist, obwohl er die italienischen Kommunisten blöd fand. Zu allererst aber war er glühender Lokalpatriot und als solcher hatte er eine angenehme Abneigung gegen Norditaliener, war aber genauso besorgt um den Ruf seiner Heimatstadt. Als Gegenprogramm zur Camorra-Tristesse wollte er eine Art Hippie-Kleinstaat gründen:
Die Republik von Neapel.
Essen und Singen sollten Staatsbürgerpflicht sein, außer Kochen sollte es so wenig Arbeit wie möglich zu erledigen geben. Als Nationalflagge hatte er ein großes weißes Tuch mit einer Riesenpizza entworfen. Eine Hymne hatte er auch schon:


Direktcantare

Augenblicke

Stulp

14. August 2007

Ich habe ja ein ambivalentes Verhältnis zu dem, was angeblich Stil ist in Berlin. Also so die Bekleidungsgewohnheiten der hippen Ultraindividualisten (rofl) im Kinder- und Milchschaumparadies betreffend.

Einerseits sehen Playmobilfrisuren erstmal scheiße aus. Auch Gummistiefel dienen zunächstmal der Gartenarbeit und nicht dem Clubbesuch. Und wieso Omas Nachthemd über der Jeans getragen werden muss (wieso wird Omas Nachthemd überhaupt außerhalb Omas Schlafzimmer getragen???), ist mir auch noch nicht letztgültig dargelegt worden. Bei den allerallermeisten Kleidungsstücken, die ihren Weg in die Altkleidersammlung fanden, hatte das gute Gründe. Und: Die 80er des vergangenen Jahrhunderts haben kulturell zwar viel Gutes gebracht. Die damalige Klamotten- und Frisurenmode allerdings ist davon explizit ausgenommen. Neongelbe Stulpen und schwarzweiß-gestreifte Tops an rosalackiertem Gürtel verstoßen gegen die Haager Landkriegsordnung. Echt jetzt, das ist Folter.

Andererseits kenne ich ja durchaus liebe Menschen, die so herumlaufen (Deine Gummistiefel sind echt süß, Anne) und hab mich nach der ein oder anderen interessanten Schaufensterpuppe aus Prenzlauer Berg selbst schon mit Sabber im Mundwinkel umgedreht.
Auch geht mir an Moden grundsätzlich ihr elitäres Getue auf die Nerven. Fast immer bedeutet Hipness, dass mensch dazu extraschön sein muss, sonst sieht es nach billigem Hinterherlaufen aus, wenn sich der nicht ganz so perfekte Körper in die angesagten Schnitte und Stoffe presst.
Nicht so beim Berlin-Stil. Da ist hässlich das neue schön und das ist extrem demokratisch.
Scheiße aussehen können alle, niemand muss sich ausgegrenzt fühlen.

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Auf Treu und Glauben

9. August 2007

Nach drei Jahren Beisammensein musste sich das Paar für ein paar Monate berufsbedingt auf eine Fernbeziehung einlassen. Was ihn dazu veranlasste, sich mit der netten Mitbewohnerin einzulassen. Das gab Ärger. Am Ende durfte er reumütig zurückkehren. Weitere drei Jahre später stehen sie vor dem Traualtar, der Betrüger und die Betrogene. Das der Pfarrer etwas über die Treue erzählt liegt wohl an seinem Job. Selbst schuld, wenn es einen vor den Traualtar zieht.
Dass sich aber der DJ auf der Hochzeitsfeier erdreistet, nach dem Brautwalzer Andrea Bergs “Du hast mich tausend mal belogen” zu spielen, ist nicht nur ganz ganz schlechter Musikgeschmack, sondern ein Schlag ins Gesicht des Bräutigams.
Dass sich die Verwandtschaft der Braut das Lied am späteren Abend nochmal wünscht, macht mich sprachlos.

Fremdgehen muss keine Heldentat sein. Aber soviel Demütigung ertragen auch nicht.

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Back for good

20. Juli 2007

Wenn ich mir alles richtig gemerkt habe, kommt der Hausherr heute zurück von der Erlebnispädagogik. Ich räum dann jetzt noch schnell den gröbsten Dreck weg, einmal ausfegen und dann gehe ich wieder nach Hause und gönn mir zur Belohnung ein leckeres Graubrot. Ich danke für die Aufmerksamkeit, werte Kraftfuttermischwerkkunden, ich war gerne für sie da!
Ich danke dem Hausherrn, es war mir eine Ehre und ein Vergnügen, hier zu sein.
Ich danke meinem Produzenten, ohne den das alles nicht möglich gewesen wäre.
Ich danke meiner Mutter … Ok, ich hör schon auf.
Auf Wiedersehen!

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Auch hübsch

20. Juli 2007

Die Ware Schönheit ist die außen.

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Techno? Nein danke!

19. Juli 2007

Meine musikalische Sozialisation begann mit Vaters Plattensammlung. Drei Alben hatten es mir besonders angetan. Eine von zwei kabarettistischen Liedermachen, deren Namen ich nicht mehr weiß. Eine von Konstantin Wecker (die mit dem erschlagenen Willy drauf). Und das blaue Album der Beatles. Damit war der Rahmen erstmal gesteckt. Ich mochte Pathos, ich mochte Musik, die sich bei aller experimentellen Ausflügen auf Gitarre, Bass, Schlagzeug und eventuell Piano zurückführen lässt. Ich war die einfache Einheit des Songs gewohnt.
So vorgeprägt, war es ein kurzer Schritt hin zu R.E.M. Ich hatte irgendwo schon kurz nach der Veröffentlichung im Sommer 1991 Shiny Happy People gehört und war angefixt. Der einzige, der damals außer mir in der Klasse noch R.E.M. kannte, war ein komischer aber sympathischer Computernerd, der zwei wesentlich ältere Brüder hatte und ihn mit dem versorgten, was in der schwäbischen Kleinstadt „Indiemusik“ genannt wurde. Und R.E.M waren bis in den Sommer 1992 verdammt „Indie“ bei uns in der Provinz. Und zum Indiemusikhören gehörte auch die Arroganz, alles andere doof zu finden.
Zum Glück waren Nirvana erlaubt. Denn dieser verzweifelte Zorn von „Teen Spirit“, der sprach mir als 14 jährigem Bürgerssohn in Schwaben voll aus der Seele. War ja klar, dass nur ein völlig kaputter Junkie aus Seattle mein Lebensgefühl wiedergeben konnte. (Hatte ich erwähnt, dass ich Karten hatte für das erste Konzert, das Nirvana nicht mehr gespielt haben, nach Kurties Zusammenbruch in Rom? Seht Ihr, ich war so was von Indie!)
1994 hatte ich dann zwar immer noch keine coolen älteren Brüder, aber ältere Freunde mit coolem Indiemusikgeschmack. So lernte ich den größten Egomanen der Indiemusikgeschichte kennen: Billy Corgan. Bis heute gehören die Pumpkins-Alben bis inklusive „Adore“ zu dem ergreifendsten Zeug, das ich kenne. Obwohl das Corgansche Repertoire stilistisch nur sehr sehr bedingt Varianzen aufzeigt. Das Konzert am 19. April 1996 in Stuttgart gehört zu den besten Abenden meines Lebens. Ich war zwar nach der ersten Dreiviertelstunde schon so fertig, dass mich die Ordner aus dem Moshpit ziehen mussten, aber zu den Zugaben war ich dann wieder mittenmang dabei. Zwischendurch habe ich eben von der Vorhalle aus glücklich gelauscht.

Mit dem Quartett „Beatles-R.E.M-Nirvana-Pumpkins“ war meine offizielle Musiklandkarte abgesteckt. Was da nicht reinpasste, wurde verdammt. Oder mehr so heimlich gehört, beziehungsweise nur mit den ironischen Gänsefüßchen versehen konsumiert. Weil ohne Nena, Depeche Mode und den bildungsbürgerlichen Kommerz-HipHop der Fantas war es dann schon etwas langweilig auf Dauer. Letzterer hatte den Heimat-Bonus (Hatte ich erwähnt, dass ich Michi Beck mal volllaberte?) und war irgendwie genehmigt. Und Punk gehörte sowohl zur linken Attitüde und zu den Wurzeln von College-Rock und Grunge. Was ich darüber hinaus noch zugab und unter dem „Kennt eh keiner“-Label verstecken konnte, war mein Interesse für Rave.

Die meisten schauten mich dann erschrocken an und fragten: „Du hörst Techno???“ Nein, eben nicht. Techno ging gar nicht. Bäh.

Erstens hat Techno keine Songstruktur. Finde ich bis heute schwierig.
Zweitens fehlt es Techno an Intellektualität. Oder dem, was wir damals da drunter verstanden: Die Welt ist schlecht, die Welt versteht mich nicht. Techno hören war was für die blöden Kinder reicher Eltern, die den 3er BMW schon zur Konfirmation bekamen.
Drittens sahen die dreieinhalb Jungs auf unserer Schule, die Techno nicht nur hörten, sondern lebten (also keine Eros Ramazotti-CD für die Mädels im CD-Wechsler hatten) scheiße aus. Sie waren bleicher als die Computernerds, sie hatten ekelig splissige lange Haare (unsere Indiemähnen waren gepflegt und feminin zum Zopf zusammengebunden) und trugen komische viel zu große, viel zu bunte Pullover mit komischen Tribalmustern drauf. Wir hatten die hübscheren Freundinnen. Und sie schworen darauf, dass Gabber the thing to come sei. Da blutet mir bis heute das Ohr.

Dass ich bereits Ende 1996 auf meiner ersten Goa-Party war und danach ein oder zwei geheime Raves (also jetzt mit Techno) in verlassenen Fabrikgebäuden besuchte, dass ich Ambient und House ganz oft ganz doll entspannend finde, dass konnte ich manchen Indiekollegen erst sagen, als sich die Clique in die Welt zerstreute, neue Blickwinkel entdeckte und die Crossover-Berührungen zwischen den Szenen größer wurden.

Was allerdings am Mayday toll gewesen sein soll, verstehe ich bis heute nicht.
(Mein erstes Konzert war übrigens 1991 eins von den Prinzen. Aber verratet mich nicht.)

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Ich gehe

18. Juli 2007

… jetzt an den See. Aber ohne Mädels.
Sollte also ruhig bleiben. Trotzdem hab ich ja etwas Bammel (via)…

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Discoflashback

18. Juli 2007

Ende der 90er waren wir donnerstags immer im “Universum”, einer Diskothek auf dem Campus Vaihingen der Universität Stuttgart. Da spielte der DJ, der tagsüber Langzeitstudent fürs Lehramt (Englisch und Erdkunde, glaube ich) war, den verrücktesten Mix der Stadt. Alle Stilrichtungen, Hauptsache tanzbar.
Das hat meine Ohren geöffnet und meine Musikstalinismus-Phase beendet.
Ein paar Stücke gehörten zum Standardrepertoire. Das hier auch:

Direktstandard
(wieder daran gedacht, dank Andreas! Und wenn ich vor Freitag herausfinde, ob und wie ich als Gastautor Videos einbinden darf, reiche ich das auch noch hier eingebettet nach.)

Immergute Videos

Bauch frei?

16. Juli 2007

Gestern ganz intuitiv und herzlich naiv einer lieben Freundin über den schwangeren Bauch gestrichen. Erst im Moment der Tat ist mir aufgegangen, dass das ganz schön intim ist und dass ich besser vorher mal hätte fragen sollen…

Sie hat’s mir zum Glück nicht übel genommen.

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When will we see us

15. Juli 2007

Ich weiß nicht, wie der Hausherr von hier auf mein eigenes kleines Blog aufmerksam wurde, kann mich aber noch gut daran erinnern, wie ich Stammabnehmer der Kraftfuttermischung wurde.
Als Blogneuling benahm ich mich entsprechend jeglicher Erwartung und geriet zunächst einmal auf die Blogs, die alle kennen. Und bei Herrn Walters Blog gefiel es mir spontan. Unter anderem, weil der lauter gute Kumpels zu haben schien. Da kamen immer so freundschaftliche Kommentare zu den Beiträgen und ich war mir sicher, der Herr Walter ist ein ganz cooler Typ mit einer Riesenclique.
Am besten gefiel mir der Ton zwischen Herrn Walter und dem Hausherrn von hier. Dicke Freunde mussten das sein! Und Freunde von Herrn Walter wollte ich doch auch mal aufs Blog schauen.
So kam ich hier an. Und bin geblieben.

Mittlerweile habe ich einiges gelesen und gesehen und gehört, sodass mir der Hausherr von hier irgendwie recht vertraut ist. Doch das irgendwie ist entscheidend:
Trotz manch intimen Einblicks in die Gefühls- und Gedankenwelt des anderen, trotz der ein oder anderen ausführlichen Mail sind wir uns virtuell begegnet. Das läuft zwar wie im echten Leben: zwei quatschen sich an, einer macht nen Spruch, der andere reagiert witzig, die Neugier aufeinander wächst, es wird auch mal ernsthaft, etc. pp. Aber es ist nicht das echte Leben.
Ich habe Angst davor, den Hausherrn von hier kennenzulernen. Das ist wahrscheinlich kindisch, ich weiß. Nur, was würde aus dieser Blogfreundschaft, wenn wir uns in der direkten Kommunikation nicht verstehen würden?
Das ist wie mit Kontaktanzeigen. Da steht ein spannender Vierzeiler im Stadtmagazin, du antwortest kreativ, der Postaustausch funktioniert wunderbar und dann stehen sich zwei ziemlich inkompatible Menschen gegenüber. Dann ist wieder das erste Wort entscheidend. Ich bin groß darin, erste Worte zu versauen.
Vor 15 Jahren habe ich Michi Beck von den Fantastischen Vier ganz aufgeregt erzählt, dass ich Radio-DJ werden will. Keine Ahnung, warum. Den Jungrapper hat das auch keinen Deut interessiert und mein “Meet a Star” am Hinterausgang der Stadthalle war vorbei. Heute bin ich kein Radio-DJ, aber die Situation ist mir immer noch peinlich.

Neulich dachte ich, ich hätte den Hausherrn von hier live gesehen und gleich verärgert. Da lag ein Typ, der aussah, wie ich mir den Hausherrn von hier vorstelle, mit seiner dreadlockstragenden Partnerin auf der gleichen Liegewiese wie ich und ein paar Bekannte von mir.
Wir, also meine Bekannten und ich, waren etwas lauter als alle anderen. Ganz ehrlich, wir haben die Liegewiese beschallt mit unseren Gesprächen (die sich dank unserer Lektüre von Klatschblättern um die Cellulite von Promikörpern drehte). Und der Typ, der der Hausherr von hier gewesen sein könnte, und dessen Partnerin waren ordentlich angepisst von uns.
Wir waren anstregend und unverschämt. Die Reaktion von den anderen beiden war humorfrei und gleich beim ersten Versuch beleidigt. So kommt keine Kommunikation zustande.

Saint, solltest Du das gewesen sein, ich war der Schnösel mit den gackernden Mädels an der Seite. Sorry, wir waren zu laut. Wann sehen wir uns im echten Leben?

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