Benjamin Blümchen und Bibi Blocksberg versauen die Kinder

Bibi-BlocksbergMeint Professor Dr. Gerd (Andreas) Strohmeier in seiner Analyse in der Zeitschrift „Aus Politik und Zeitgeschichte” für die Bundeszentrale für politische Bildung.

Ich mag Bibi Blocksberg ja sehr, noch lieber aber ist mir Pipi Langstrumpf. Über die schreibt er nichts. Aber das hier reicht ja auch schon. Pädagogisch „wertvoll” sind die Hörspiele in seinen Augen nicht und schaden tendenziell sogar der politischen Sozialisation von Kindern. Ja nun.

So schreibt er:

„Die Hörspiele von Benjamin Blümchen und Bibi Blocksberg haben häufig explizite politische Inhalte zum Gegenstand. Da in den Geschichten sehr oft ein politischer Bezug hergestellt wird, auch wenn dieser nicht zwingend notwendig erscheint,[36] bestimmte politische Inhalte (Umweltprobleme) immer wieder thematisiert werden und die von den Hörspielheldinnen und Helden sowie deren Freunden vertretenen politischen Positionen relativ eindeutig einem politischen Spektrum zugeordnet werden können, ist anzunehmen, dass die von den Blümchen- bzw. Blocksberg-Hörspielen bewirkten politischen Sozialisationsprozesse zum Teil durchaus beabsichtigt sind. Somit ist davon auszugehen, dass sie – neben latenten politischen Sozialisationsprozessen – auch manifeste politische Sozialisationsprozesse bewirken. Im Folgenden wird der Frage nachgegangen, inwiefern die Hörspiele von Benjamin Blümchen und Bibi Blocksberg – im Rahmen ihrer (vermutlich beabsichtigten) Vermittlung expliziter politischer Inhalte – den kindlichen “Komplex von Einstellungen, Kognitionen, Wertvorstellungen und Gefühlen gegenüber dem politischen System, Politikern, politischen Institutionen”[37] beeinflussen und welchen Beitrag sie dabei zur Erreichung des normativen Ziels politischer Sozialisation in pluralistischen Demokratien leisten, d.h., inwiefern sie die Entwicklung des politisch mündigen Bürgers fördern. Dabei wird allerdings nicht die konkrete Wirkung dieser beiden Hörspiele auf Kinder analysiert, sondern nur das ihnen inhärente politische Sozialisationspotenzial illustriert.

[…]

Kurz: Die “richtigen” politischen Positionen bzw. Verhaltensweisen sind ökologisch, postmaterialistisch, basisdemokratisch, kritisch, zivilcouragiert, pazifistisch, sozial, antikapitalistisch, egalitär, tendenziell anarchisch bzw. antistaatlich, antihierarchisch, antiautoritär und antikonservativ; mit anderen Worten: “links” der politischen Mitte (linksliberal bis linksalternativ).

[…]

Äußerst bedenklich ist allerdings das überwiegend negative und militärische Image der Polizei bzw. die Darstellung, dass die Polizisten grundsätzlich lächerliche und inkompetente Handlanger der Politik sind, die unreflektiert eine unsinnige Pflicht tun.

[…]

Trotz des großen Erfolgs der Hörspiele von Benjamin Blümchen und Bibi Blocksberg ist insgesamt festzustellen, dass diese die Entwicklung politisch mündiger Bürgerinnen und Bürger kaum fördern, wenn nicht sogar behindern. Denkt man an die oben dargestellte Bedeutung von Kinderhörspielen für die politische Sozialisation, den langjährigen und großen Erfolg der beiden Hörspielhelden sowie auch an die Ausstrahlung ihrer Geschichten im öffentlich-rechtlichen Rundfunk (ZDF und KI.KA),[84] so ist diese Kritik keineswegs unbedeutend. Kinder hören bei den Blümchen- bzw. Blocksberg-Hörspielen keineswegs nur lustige Geschichten eines sprechenden Elefanten und einer kleinen Hexe, sie “hören mehr, und das, was sie hören, sollte mehr Aufmerksamkeit verdienen”[85].

Na gut, dann ab heute Abend für die Kinder wieder Pipi Langstrumpf.
(via Anne)

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Kommentare: 15

  1. Benny 31. März 2013 at 17:52  zitieren  antworten

    Hat dieser Politikwissenschaftsprof sonst keine Probleme?
    Ich meine: Hallo? Geht’s noch? Das sind verdammte Kindergeschichten,

    Die können doch noch garnichts mit Politik anfangen.
    Und wenn, dann sind die bestimmt auch dazu imstande,
    die Realität von der Fiktion (und damit auch dieser Hörspielgeschichten) zu unterscheiden. m(

  2. HellGreetings 31. März 2013 at 18:43  zitieren  antworten

    Verstehe nicht so ganz, was Herr Dr. Strohmeier an oben genannten Punkten zu kritisieren hat!?

  3. dex 31. März 2013 at 18:52  zitieren  antworten

    Also das heißt, dass man seine Kinder bis sie 18 sind und wählen dürfen in einem Raum der nur weiße Wände hat und sonst nix einsperren soll, damit man sie nicht aus Versehen mit der Realität beeinflusst oder was? m(

  4. q____q 31. März 2013 at 19:46  zitieren  antworten

    Vor allem sollen Kinder bitte nicht lernen das Umweltzerstörung schlecht ist! Da könnten sie ja, wenn sie erwachsen sind den Raubtierkapitalismus einschränken wollen! So geht das ja ‘nu nicht, wo bleibt die Schwarz-Geld-gerechte Kinderserie in der schon die Kleinsten (noch mehr?) an erzkonservative (christliche! *hust*) Werte und blinden Konsum herangebracht werden?!!

  5. Michael 31. März 2013 at 21:03  zitieren  antworten

    Zitat: “Äußerst bedenklich ist allerdings das überwiegend negative und militärische Image der Polizei bzw. die Darstellung, dass die Polizisten grundsätzlich lächerliche und inkompetente Handlanger der Politik sind, die unreflektiert eine unsinnige Pflicht tun.”

    Sind sie das nicht????

  6. Sebastian 31. März 2013 at 21:15  zitieren  antworten

    Alles in allem also noch mehr Argumente, den Kindern dieser Nation solche Hörspiele nicht vorzuenthalten.

  7. Tim Andrews 31. März 2013 at 21:18  zitieren  antworten

    Alter Schuh, aber immer wieder witzig zu lesen.
    Wovor Herr Strohmeier doch da Angst hat, sehe ich als ziemlich emanzipatorisch an und weiß nun, warum ich meine Benjamin- und Bibi-Kassetten alle an meine Cousins vererbt habe.

  8. Strugarkowski 31. März 2013 at 22:11  zitieren  antworten

    Ein deutsches Problem: Zu viele Soziologen, zu wenig Ingenieure, oder so… ;)

    P.S.: Ich sehe die Schlagzeile schon deutlich vor mir: Kompetenzzentrum ‘Biene Maja’ bemängelt Qualitätsmanagement bei ‘Bibi Blocksberg’…

  9. alan 1. April 2013 at 01:35  zitieren  antworten

    Was hat der Typ für ein Problem? Man muß Kindern ein Gut/Böse-Orientierung geben. Das gehört zur Erziehung. Was jeweils als Gut bzw. Böse empfunden wird hängt ab von eigenen Wertesystem. Herr Strohmeier hält es vlt. fur richtig, seine Kinder mit Werbefernsehen und Barbie im Plasticland zu BILDlesenden Konsumzombies zu erziehen.

  10. kukidenta 1. April 2013 at 11:45  zitieren  antworten

    diese studie wurde gesponsert von “Conny, Conny mit der Schleife im Haar, Conny, Conny, so unpolitisch, wie wunderbar:”

  11. glamorama 1. April 2013 at 11:56  zitieren  antworten

    Krass, krass, krass. Umweltbewusstsein, Basisdemokratie, Zivilcourage, Friedfertigkeit und Chancengleichheit sind also “linke” Werte, vor denen die Kinder geschützt werden müssen.

    Welche Alternativen es für Eltern gibt, schreibt die bpb leider nicht dazu. Ich vermute aber, dass die Hörbuchfassungen von “Deutschland schafft sich ab” oder dem Parteiprogramm der NPD unsere Kinder zu der Art von Staatsbürgern erziehen, die später bei der bpb arbeiten.

  12. Max 3. April 2013 at 22:48  zitieren  antworten

    Außerdem sind Elefanten gar keine deutschen Tiere…

  13. Milan 6. April 2013 at 19:51  zitieren  antworten

    Tim Andrews,

    Keine dichotomische Weltanschauung, die das eigene von jeder Kritik ausnimmt, und die Erfahrung der eigene Ohnmacht leugnet, in dem die Agenten der Unterdrückung als inkompetente Lachnummern dargestellt werden kann emanzipatorisch sein. Spätestens wenn solche Schemata das politische Geschehen erklären sollen wird es sehr problematisch.
    Und, nein, ich weiß auch nicht, wie man’s besser machen kann, es gibt in einigen Zeichentrickserien, besonders im anime — auch solchen die sich an Kinder werden, sehr viel differenzierte Antagonisten.

  14. […] auch weiter nicht schlimm, wenn eben ein gesundes Verhältnis zu anderen Aktivitäten besteht und die Kinder viel draußen spielen, um ein gutes Sozialverhalten zu […]

  15. […] verkleben. Wird das gelingen? Oder braucht Christian eine neurochirurgische Operation? Dann müssen die Kinder-Docs seinen Schädel öffnen. Lennhard ist noch kein Jahr alt. Und auch er muss schon operiert […]

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