Berliner Fotograf fährt nach Syrien und tickert seine Eindrücke über ein Blog nach Deutschland: The Asylum – Letters from Aleppo

Ich versuche das mal halbwegs angemessen zusammenzubekommen. Es ist spät, ich bin für heute voll im Eimer, und nur diese eine Sache hier hält mich im Moment noch davon ab, den Schlaf der Gerechten anzutreten.

Just, den ich eigentlich daher kenne, weil er ständig irgendwelche tollen Fotosachen über Streetart macht (Ja, der macht auch mehr, aber ich kenne seine Sachen eben eher aus dieser Richtung her.), ist am Wochenende mit einem weiteren Fotografen über die Türkei nach Syrien gefahren. Keine Ahnung, was genau ihn dazu bewegt hat – immerhin riskiert er da wahrscheinlich rund um die Uhr seinen Arsch um Dinge zu dokumentieren, die seine nicht sein müssten. Er tut es trotzdem, was mir alle Hüte abnötigt, die zu ziehen es gilt.

Weil Dokumentation nur dann Sinn macht, wenn es auch Leute gibt, die das Dokumentierte sehen können, schickt er massenweise Fotos aus Syrien und begleitende Texte an René, der die Fotos auf Flickr sammelt, und die Texte von Just auf seinem Blog veröffentlicht.

Man muss sich das mal vorstellen: da fährt einer raus, ohne im Auftrag von ARDZDFRTLFOCUSSPIEGELZEITWELTSTERNSPRINGER oder sonst wem zu sein, um diese Shice zu dokumentieren, von der bei uns zwei, vielleicht drei Texte mit ein paar Bildern am Tag ankommen und die einem deshalb schnell mal gedanklich über den Tag verloren geht. Als Möglichkeit zum Senden seiner Eindrücke wählt er sich ein großes deutsches Blog. Mich haut das gerade aus vielen Gründen um, aber es ist spät, ich bin im Eimer.

Es herrscht eine bedrückende Stimmung und jetzt wird rote schwere Erde von 3 Friedhofsangestellen in die beiden Löcher geschaufelt. In nur 2 Minuten sind die Löcher zu. Die Gesellschaft geht zu ihren Autos und verschindet. Keine 5 Minuten später kommen wieder ein paar Autos, die für mich (inklusive den aussteigenen Männern) total identisch aussehen. Die Friedhofsangestellten, die als einzige Gummistiefel tragen, schaufeln zwei neue Löcher. Am Tag werden hier 15 – 20 Leichen vergraben, dabei ist es egal, ob sie von der FSA sind oder vom Assad-Regime. Zumindest hier sind alle gleich. Peter hat seine Infos, die wohl nicht für eine Story reichen. Irgendein Detail hat nicht gestimmt. Ich habe nichts fotografiert.

Hier die bisher veröffentlichten Berichte samt jeder Menge Fotos:
Inside Syria: Letters from Aleppo (1)
„Say hello to Germany for me“: Letters from Aleppo (2)
The Asylum: Letters from Aleppo (3)

1 Kommentar

  1. *kate* 20. Dezember 2012 at 13:49  zitieren  antworten

    Respekt dem Berichterstatter! Dank dir, Ronny, dass du es an uns weitleitest!

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