Blog-Kommentare und die Meinungsfreiheit

Ich habe ja dazu einen ganz eigenen Standpunkt, den ich hier irgendwann im letzten Jahres schon mal näher ausführte. Nur weil ich hier bestimmte Kommentare nicht haben will, heißt das noch lange nicht, dass ich Fan von Zensur oder von der Einschränkung der Meinungsfreiheit wäre. Ich will nur hier bei mir nicht jeden Bullshit stehen haben. So wie jeder auch nicht jede Knetbirne bei sich zu Hause über alles und jeden so schwadronieren lassen möchte, wie es einem selber gegen den Strich geht. Klar.

Seitdem steht hier weit weniger Müll drin, auch weil ich eben nicht mehr alles freischalte. (Irgendwann werde ich eine extra Seite mit den Kommentaren machen, die es hier leider nicht geschafft haben. Dann, wenn meine Zeit es zulässt.)

Derweil hat Florian Freistetter hier einen sehr lesenswerten Artikel über Kommentare und die Meinungsfreiheit geschrieben, den ich so unterschreiben würde: Gelöschte Kommentare sind keine Zensur: Was ist “Meinungsfreiheit”?

Ich habe sehr viele Meinungen zu sehr vielen Themen – aber ich habe deswegen zum Beispiel nicht das Recht, meine Meinung auch in der “Tagesschau” verkünden zu dürfen oder meine Meinung in einem Leitartikel in der FAZ zu veröffentlichen. Ich kann zwar der Chefredaktion einen Brief schreiben und sie bitten, meine Meinung zu publizieren. Aber wenn sie das ablehnt, dann ist das keine Einschränkung meines Rechts auf freie Meinungsäußerung. Ich kann meine Meinung ja weiterhin äußern – aber niemand ist verpflichtet, sich meine Meinung auch anzuhören…

[…]

Wenn ich zum Beispiel hier jemanden – aus welchen Gründen auch immer – rauswerfe und Kommentare lösche, dann mag das höchstens unhöflich sein. Mit “Meinungsfreiheit” hat das aber nichts zu tun. Was diverse Leute natürlich nicht abhält, laut “Zensur!!” zu schreien, wenn sie hier in meinem Blog nicht das sagen dürfen, was sie sagen wollen (und ihnen dabei anscheinend nicht bewusst ist, dass niemand sie daran hindert, ganz einfach ihr eigenes Blog aufzumachen und darin all das zu schreiben, was sie schreiben wollen).

Kurz aber bündig erklärt das auch diese Grafik, die Randall Munroe für xkcd formuliert und die von Anatol Stefanowitsch ins Deutsche übertragen wurde. Passt.

xkcd_freespeech
(Grafik unter CC von xkcd, Text unter CC von Anatol Stefanowitsch)

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Kommentare: 16

  1. Marcel Schindler 21. April 2014 at 20:45  zitieren  antworten

    Ich könnte mich immer wieder totlachen, wenn Leute sich über gesperrte Facebook-Posts oder eben auch gelöschte/unsichtbare Kommentare mokieren. „Mein Blog“ ist mein Haus und dort nehme ich mein Hausrecht wahr. Ich muss nicht zulassen, dass jemand in mein Haus geht und mir an die Wand malt. Es gibt Leute, die dürften tatsächlich an meine Wand fiese Sachen malen aber auch nur, weil die es halt gut können. Und ja: Wenn man seine Meinung „frei“ rausbrüllen will, dann ist es ja nicht verboten die Quelle zu nennen und dazu im eigenen Blog rum zu pöbeln.

  2. Atilla 21. April 2014 at 21:26  zitieren  antworten

    Halte das Löschen von Kommentaren ehrlich gesagt für völlig legitim. Für mich stellt sich dabei nicht vornehmlich die Frage nach der Meinungsfreiheit, sondern vielmehr geht es für mich darum, dass es sich doch um MEINEN Blog handelt – da kann ich doch wohl selbst entscheiden, wer sich da äusserst (analog: zu Gast ist und nicht nur vorbei kommt).
    Warum bilden sich Leute ein, ein Recht darauf zu haben, MICH als Kanal der Meinungsäußerung zu nutzen? Das ist die Frage.

  3. piwwo 21. April 2014 at 21:53  zitieren  antworten

    Kommentare zu löschen ist trotzdem immer noch feige, natürlich nur, wenn sie keine Beleidigungen oder Drohungen enthalten.
    Klar hat jeder das Recht zu sagen „mit dir möchte ich nicht diskutieren“. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass es ein ziemlich schlechter Stil ist, Meinung zu äußern und nur liebsames Ja und Ahmen als Komentar zuzulassen. Wer zu seiner Meinung steht, kommt auch mit Widerrede jeder Art klar.

  4. Ronny 21. April 2014 at 22:11  zitieren  antworten

    piwwo,

    Das allerdings hat nichts mit eingeschränkter Meinungsfreiheit zu tun, die einige dann gerne beklagen. Dieser Umstand ist übrigens _das_ Thema dieses Artikels. Und jeder kann auf seinem Kanal gerne allem von hier widersprechen. Aber steht ja da alles auch schon.

  5. Poldi Poldo 21. April 2014 at 23:20  zitieren  antworten

    was ich in meinem „virtuellen Wohnzimmer“ an Kritik lese sollte zumindest meiner eigenen logischen wie emotionalen Ästhetik entsprechen. ist es nur dummprovozierendes Geschwafel: löschen, ignorieren, blocken! wer sich bei mir Zuhause nicht benimmt wird genau so seiner Grenzen verwiesen und die beginnt ab der Grundstücksgrenze: hier eben auf meiner Seite. Punkt

  6. Quacki 21. April 2014 at 23:32  zitieren  antworten

    Das Löschen von Kommentaren gibts ja in den unterschiedlichsten Varianten. Das eine Extrem ist sowas wie es auf Conservapedia stattfindet, wo alles, was nicht der Linie des durchgeknallten Seitenbetreibers entspricht gelöscht wird – außer, es bietet sich an ein Exempel zu statuieren und den Poster fertig zu machen. Das andere Extrem ist, einfach alles durchzulassen. Dann biste irgendwann bei Youtube, und Diskussionen kannste von vornherein vergessen. Wenn alles durchgelassen wird, dann sind die Kommentarspalten leicht nur noch eine einzige Trollerei.

    Ich persönlich glaube, dass Ronny wie auch Florian Freistetter im Weglöschen von Kommentaren sehr liberal sind (d.h. viel durchgehen lassen), und dass es beiden nicht darum geht, unliebige Meinungen zu unterdrücken, sondern den Kommentarbereich lesbar zu halten. Ich kann mich an eine Menge Blogposts bei Florian früher erinnern, wo ein einziger Troll die Kommentare an sich gerissen hat, dass da nix vernünftiges mehr durchkam. Wer so ein richtiger Troll ist, der schreibt nicht nur viel, der zieht auch alle Reaktionen auf sich. Die Kommentare sind dann aber für das Thema des Blogposts verloren. Das kann ganz lustig sein, sich in eine Trollschlacht zu werfen, aber auf die Dauer wirds langweilig und, wie gesagt, den Sinn und Zweck erfüllen die Kommentare dann auch nicht mehr. Ich bin daher auch für gelindes Filtern, um den gröbsten Quatsch auszusortieren.

  7. archang3l_media 22. April 2014 at 00:09  zitieren  antworten

    Dazu ist auch http://www.alternativlos.org Nummer 32 zu empfehlen, wo es um trolle usw. geht

  8. schländerman 22. April 2014 at 04:01  zitieren  antworten

    Die analogie mit dem wohnzimmer ist nicht ganz schlüssig. denn ich kann dein wohnzimmer nicht von meiner couch erreichen. Ein blog ist nichts privates, was du nur ausgewählten preis gibst.
    Auch der vergleich mit der Zeitung ist nicht richtig, denn die Zeitung hat einem noch nie die möglichkeit gegeben es so direkt zu kommentieren und ist auf grund der Tatsache dass sie eine Zeitung ist ja auch begrenzt an platz, was ein blog nicht ist.

    viel mehr ist doch ein blog wie ein stand auf dem markt, auf dem du täglich bist um deine meinung und deine entdeckungen preis zu geben. Somit solltest du auch damit rechnen dass der pöbel zurück brüllt.

    Was du mit leuten machst dessen meinung du nicht bist, nun das ist dein ding.

  9. jax 22. April 2014 at 08:55  zitieren  antworten

    Der Contentverantwortlich darf selbstverständlich auch über den kommentarcontent bestimmen, allerdings baut er natürlich somit eine Filterbubble – das ist nicht negativ sondern sogar wünschenswert – solange sich die leser dessen zumindest im Hinterstübchen bewußt sind.

  10. some lucid dream 22. April 2014 at 09:15  zitieren  antworten

    es ist schon traurig genug, dass man jedes mal Rechenschaft ablegen muss, für -in den meisten Fällen erwachsene Menschen, die es eben nicht begreifen, was seine Meinung äußern bedeutet.

    Wenn man die simpelsten Regeln ‚Wie es in den Wald hineinruft, schallt es wieder heraus‘ nicht begreift, unreflektiert etwas hinrotzt, braucht man nicht mit standing ovations rechnen.
    Mal halbwegs konstruktive Kritik oder eine gemäßigte Wortwahl, wäre ja schon mal ein Anfang.

    Als dieser Blog weniger als 12K likes hatte, gab es diese Problematik meines Wissens nicht. Das ist das Tragische daran. Mit einem authentischen, guten Konzept wird einem der Erfolg (=Reichweite) manchmal zum Verhängnis und man erreicht leider auch einen gewissen Bodensatz. Um es mal platt auszudrücken.

    just my two cents.

  11. […] Gelöscht Kommentare sind keine Zensur via Kraftfuttermischwerk […]

  12. snoop 22. April 2014 at 12:53  zitieren  antworten

    Löschen von Kommentaren ist erlaubt. Punkt. Es bestimmt Wesen und Qualität eines Blogs. Was dort an Beiträgen UND Kommentaren auftaucht, wird bestimmt vom Betreiber. Er ist der Kurator. Es ist seine Handschrift. Genau dafür liebt man oder hasst man ein Blog.

  13. Musenrössle 22. April 2014 at 19:05  zitieren  antworten

    Ich denke vielen Trollis ist es sehr wohl bewusst, daß sie auch ihren eigenen Blog aufmachen und da alles reinmüllen könnten, was sie wollen.

    Nur ist denen wohl auch bewusst, daß das dort kein Mensch lesen und sich, selbst wenn doch, kein Schwein dafür interessieren geschweige denn darauf was antworten würde ;-).

    Trollen macht offensichtlich wohl nur ‚Spaß‘, wenn man jemand damit ärgern kann und genug negative Aufmerksamkeit und Antworten bekommt… und das geht eben nur in anderer Leute guter Blogstube…

    Darum gibt’s ja auch keine bekannten Trollblogs… na ok, bei einigen Blogs könnte man über diesen Status diskutieren ;-)…

  14. icke 22. April 2014 at 19:24  zitieren  antworten

    Zensur!!!!!1111

  15. Sandro 23. April 2014 at 10:36  zitieren  antworten

    „leise Applaus klatsch“ ich mag ja diese knetbirnen :) und ein Blog nur mit Stumpfsinnigem polemikkram why not :) popcorn gibt es ja genug ^^

  16. Elektrosandy 23. April 2014 at 11:15  zitieren  antworten

    Word. Ich kann nur alles unterstreichen. Und ich finde, Ronny ist schon ziemlich sparsam, was löschen betrifft. Es gibt ja so ein paar Themen, wo dann hier auf einmal Leute auftauchen, und so eine Grütze schreiben und gleich mal richtig anfangen rumzumeckern. Ich habe da manchmal den Eindruck, die warten nur darauf, das sie wieder Streitgespräche führen können.

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