Blog Archives for category Die Wende

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Doku: Berlin – Prenzlauer Berg: Begegnungen zwischen dem 1. Mai und dem 1. Juli 1990

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Als Kind war ich selten bis nie im Prenzlauer Berg. Zu weit war der Weg aus der Brandenburger Provinz, zu uninteressant das, was sich dort hätte vorfinden lassen. Fanden zumindest die Eltern.

Nach dem Fall der Mauer und der Wiedervereinigung hingegen war ich sehr häufig in Prenzl Berg und habe dort die schönen aber damals ziemlich runtergekommenen Altbauten unter neue Farbe gebracht. Ich bedauere heute ein wenig, damals keine Fotoserie der Wohnungstüren gemacht zu haben. Diese nämlich waren, bevor sie von uns restauriert wurden, immer ein Aushängeschild der Individualität der jeweiligen Bewohner. Keine Tür wie die andere, übersät mit einem dutzend Spuckis. Mindestens.

Ich mochte diese Zeit im Prenzlauer Berg und habe mich häufig gefragt, wie dieser wohl zu diesem wurde, was er zu Beginn der 90er war. Hier ein Blick auf die Zeit zwischen dem 1. Mai und dem 1. Juli 1990. Ein Dokumentarfilm von Petra Tschörtner.

Berlin – Prenzlauer Berg: Begegnungen zwischen dem 1. Mai und dem 1. Juli 1990 ist ein Dokumentarfilm des DEFA-Studios für Dokumentarfilme GmbH aus dem Jahr 1991.

[…]

Der Piratensender Radio P sendet aus einer Wohnung im Prenzlauer Berg. Es gibt im Mai 1990 noch kein Gesetz, auf Grund dessen man solch einen Sender normal anmelden kann. Deshalb wird bis zur Klärung einfach weitergesendet. Der nächste Titel der gespielt wird, ist „We need revolution“ von der Gruppe „Herbst in Peking“, die man auf dem ehemaligen Mauerstreifen am Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark rocken sehen kann.

In der nächsten Einstellung geht die Kamera hinter drei lustigen, singenden Frauen auf dem Bürgersteig her, die auf dem Weg in die Eckkneipe „Hackepeter“ in der Dimitroffstraße sind. Frage aus dem Off an die Frauen „Was meint ihr denn wie es euch nach der Währungsunion gehen wird“? Eine Frau antwortet: „Och Gott, na ja, ich nehme alles so hin wie es kommt, wir können ja nichts ändern…die Dummen werden immer wieder wir sein…der Kleine ist immer der dumme“. Und dann wird wieder getanzt.
(Wikipedia)


(Direktlink)

DDRDJ

Als DJ in Ostberlin

DDRDJ

Die Berliner Zeitung hat mit Johannes Heretsch gesprochen, der in den 80er Jahren als DJ in Ostberlin unterwegs war. Diese hießen damals von Staatswegen aus Schallplattenunterhalter und brauchten eine staatliche Spielerlaubnis, um mit ihrer Musik durch die Klubs und Diskotheken ziehen zu dürfen. Wenn man Heretsch glaubt, war die Musik in den 80ern natürlich eine andere, aber gefeiert haben die Menschen auch damals ganz ordentlich.

Nachtleben – Wie zu DDR-Zeiten in Berliner Clubs gefeiert wurde.

Schallplatten spielte Heretsch allerdings nicht ab, sie ohne Auto durch die Stadt zu transportieren, wäre zu schwierig gewesen. Heretsch benutzte zwei tschechische Tonbandgeräte, Marke Tesla, vierspurig, Mono. Er fuhr mit seinem Fahrrad durch Berlin, die jeweils 18 Kilogramm schweren Geräte steckten in Radtaschen, im Anglerrucksack die Bänder. Darauf hatte er mehrere hundert Titel: Rock, Funk und Reggae aus den 70er- und 80er- Jahren. Heretsch mochte Genesis, Bob Marley, Peter Tosh, Police, Earth Wind & Fire.

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Doku über _das_ Plattenlabel der DDR: Die AMIGA Story

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Wir hatten ja nicht viel in der DDR, kamen aber immerhin auf sechs Plattenlabel, die sich in erster Linie stilistisch unterschieden. Das mit Abstand bekannteste dürfte Amiga sein, das wohl auch quantitativ für den höchsten Output sorgte.

Amiga (eigene Schreibweise auch: AMIGA) war ein Plattenlabel des von Ernst Busch gegründeten Musikverlags Lied der Zeit Schallplatten-Gesellschaft mbH, Berlin. 1954 ging es über auf den staatlichen DDR-Tonträgerproduzenten VEB Deutsche Schallplatten Berlin und war im VEB nun dem Ministerium für Kultur nachgeordnet. Amiga sollte die Bandbreite der populären Musik abdecken. Darunter fielen Beat-, Rock- und Popmusik ebenso wie Jazz, Schlager, volkstümliche Musik und populäre Instrumentalmusik. Amiga wurde am 3. Februar 1947 gegründet und bestand bis 1994. Seitdem wird das Repertoire von mehr als 30.000 Titeln (von 2200 Schallplattenproduktionen und 5000 Singles) von der BMG Berlin Musik GmbH, jetzt Sony Music Entertainment vermarktet. Als Markenname für Veröffentlichungen von Tonträgern aus der DDR-Zeit wird Amiga weiterhin verwendet.
(Wikipedia)

Dazu kamen die Labels Aurora, Eterna, Litera, Nova und Schola, die alle ganz unterschiedliche Musik unter die DDR-Bürger brachten. Hier eine Typisierung.

Ich kann mich an alle ein bisschen, am meisten aber an Amiga erinnern. Quasi jede Platte, die damals in meinem Elternhaus stand, kam von dort. Mit Ausnahme irgendwelcher Rock ’n‘ Roll Bootlegs, die mein Vater bei wem auch immer aus Russland oder Polen gekauft hatte.

Die meisten dieser Amiga-Platten waren aus einer Zeit, in der die DDR-Plattenbude schon Lizenzproduktionen für Musik aus dem Westen pressen ließ. Depeche Mode, Marianne Rosenberg, die Ärzte, Rio Reiser, Jennifer Rush fallen mir dazu ein. Diese kaufen zu können, war meistens nur möglich, wenn man sich stundenlang vorm Kaufhaus anstellte und mit etwas Glück eine der begehrten Pressungen bekam. Oder, was bei uns der Fall war, man kannte die Frau, die hinter dem Plattentresen stand. Sie war die Mutter des besten Freundes meines Bruders, wenn ich mich recht erinnere.

Ich wusste bis gestern nicht sonderlich viel über die Geschichte von Amiga und eigentlich war sie mir wohl auch immer egal. Zumal mich die Musik der frühen Jahre nicht sonderlich interessierte und später bei RIAS Berlin eh alles aufgenommen werden konnte, was wir geil fanden.

Dennoch habe ich mir letzte Nacht die Doku „Die Amiga Story“ angesehen, weil ich eben Dinge erfahren konnte, von denen ich bisher nichts wusste. Kann man ja mal machen.

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„Entschuldigen Sie bitte, wir interessieren uns für Tanz.“

„Natürlich entschuldige ich, mache die beiden aber gleich darauf aufmerksam, dass Rock ’n‘ Roll und überhaupt solche Geräuschplatten bei uns nicht geführt werden. Ich bin sowieso der Meinung, junge Mädchen von heute sollten ruhig noch andere Dinge im Kopf haben als nur Tanzen.“
(DDR-Fernsehen 1959)

(Direktlink, via Marc)

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Gibt es einen ostdeutschen Rassismus? – „Hitler war ein Westler“

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(Foto: Pixabay)

Sehr interessantes Feature von Deutschlandradio Kultur, das der Frage nachgeht, ob es im Osten Deutschlands einen spezifischen Rassismus gibt. Und was die DDR mit dem heutigen Umgang mit Flüchtlingen im Osten zu tun hat. Es werden mehrfach Dinge angesprochen, die für mich ich als Ostler gut nachvollziehbar sind.

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.


(Direktlink, via Swen)

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Was aus dem ehemaligen DDR-Regierungszug wurde

Der MDR hat sich mal auf die Suche begeben und rekonstruiert, was aus dem ehemaligen Staatszug der DDR-Oberen geworden ist.

Die Salonwagen wurden einzeln oder auch als Zugverband eingesetzt. Das hieß dann Staatszug oder auch Regierungszug. Letzterer verkehrte in der Regel mit einem der Zugnummer vorgestellten R. Für die Fahrten gab es eine spezielle Dienstanweisung, die als Vertrauliche Verschlusssache so geheim war, dass sie im Verzeichnis der Dienstvorschriften nicht geführt wurde. Wurde ein solcher Zug bereitgestellt, folgte seine Aufstellung zunächst auf zwei Gleisen des sogenannten „R-Zug-Geländes“ beim S-Bahnhof Nöldnerplatz. Von dort wurde der Zug dann auf Gleis 49 des Bahnhofs Berlin-Lichtenberg gefahren, wo er für die anstehende Fahrt vorbereitet wurde. Um die Sicht auf den Zug von den anderen Bahnsteigen zu verhindern, wurde als optische Sperre ein Zug mit Leerwagen auf das Parallelgleis gestellt. Die Staatsfahrten liefen unter der Aufsicht des Ministerium für Staatssicherheit, denen auch die Transportpolizei unterstand. Der Ablauf war höchst aufwendig organisiert.

Nach der Dienstanweisung gab es drei unterschiedliche Stufen des Aufwandes, wenn ein solcher Zug verkehrte. Bei Stufe I verkehrte zum eigentlichen Staatszug noch ein Vorzug und ein Nachzug. Der Vorzug (scherzhaft auch „Minenräumer“ genannt) bestand in der Regel aus einem Salonwagen und einem Gepäckwagen. Der Zug war mit Mitarbeitern von Transportpolizei und des MfS besetzt, die aus der offenen Übergangstür des letzten Wagens die Strecke beobachteten. Der Nachzug war meist nur ein Triebwagen oder eine einzeln fahrende Lokomotive. Alle Weichen, über die der Zug verkehrte, mussten verschlossen werden. Schranken waren spätestens 10 Minuten vor Durchfahrt des Zuges zu schließen und durften zwischen der Fahrt des Vorzuges und der des Hauptzuges nicht geöffnet werden – auch nicht für Feuerwehr- oder Notarzteinsätze. Sowohl Eisenbahn- als auch Straßenbrücken über die befahrene Bahnstrecke durften nicht genutzt werden. Für die Züge wurde eine Trasse von etwa einer Stunde freigehalten, in der keine anderen Züge die Strecke nutzen konnten. Die zuständigen Dispatcher erhielten keine Meldung über die Zugbewegungen – sie mussten nur für die vorbestimmte Zeit die Trasse absolut frei halten.
(Wikipedia)


(Direktlink)

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Flake, der „Tastenficker“ von Rammstein, im Interview: „Ich habe wochenlang geflennt“

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Ich mag die Musik von Rammstein nicht – so gar nicht. Aber ich mag das, was ich von und über Christian „Flake“ Lorenz in den letzten Jahren hören und lesen konnte. Sein Buch, „Der Tastenficker“, gibt es mittlerweile auch als Hörbuch und die ehemalige „Märkische Volksstimme“ hat ihn zum Interview geladen. Ich such mal eben das Hörbuch dazu. Denn das will ich hören.

MAZ: Sind Sie Punk geblieben?

Lorenz: Ich versuche, die Punk-Idee in manchen Bereichen zu leben, aber nicht in der Band. Das geht nicht mehr. Wenn wir auf Tour gehen, fahren 20 Trucks hinterher. Rammstein ist ein schwerfälliger Koloss verglichen mit Feeling B. Wenn vor uns eine Band mit drei Jungs auf die Bühne geht und das Stadion rockt, stünden wir genauso dumm da wie früher die Ostrockbands.

MAZ: Sie identifizieren sich also noch mit dem Punk von früher.

Lorenz: Ja, und deshalb verstehe ich auch die Punks von heute, die sagen – ach nee, diese ganze Inszenierung bei Rammstein, das will ich nicht.

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Doku-Reihe: Leben im geteilten Deutschland

Diese vierteilige Doku-Reihe lief im letzten Jahr bei ZDFinfo und taucht ein in die Lebenswelten von Ost- und Westdeutschen während sie durch die Mauer voneinander getrennt waren. Ich habe mir vorhin den hier 4. Teil „Schwarzer Kanal oder BILD“ angesehen, der sich auch mit der Jugendkultur Punk sowohl in Ost als auch in West auseinandersetzt. Sehenswert.

Irgendwer hat die Doku auf YouTube geladen, es gibt sie aber auch in der Mediathek.

In der Doku-Reihe werden Alltagserfahrungen und Alltagsprobleme gegenübergestellt und gezeigt, wie sich die Lebensentwürfe und -ziele im Osten und Westen unterschieden.

Im Blick aber auch, wie gewisse Vorstellungen und Eigenheiten sogar 40 Jahre deutsche Teilung mehr oder weniger schadlos überstanden.

Trabbi gegen Käfer, Grilletta gegen Hamburger: Wie lebte es sich wirklich – hüben und drüben im geteilten Deutschland? Wuchs 1989 zusammen, was zusammen gehört?
Oder passten die beiden deutschen Staaten längst nicht mehr zusammen?

Erziehung, Wirtschaft, Lebensstandard und sogar Promillegrenze: Nach Jahrzehnten der Entfremdung war bei den Nachbarn scheinbar alles anders. Der Blick auf das jeweils „andere“ Deutschland ist bis heute verstellt von Klischees
und Vorurteilen.

In der zweiten Folge der vierteiligen Doku-Reihe „Unser Leben im geteilten Deutschland“ macht sich ZDFinfo auf Spurensuche zwischen Ballermann und Balaton.

Ab Mitte der 50er Jahre zog es die Westdeutschen an die Nordsee und die Berge. Käfer und Isetta machten es möglich. Mit Einführung des gesetzlichen Mindesturlaubs ging die Reiselust dann richtig los, zumal die D-Mark überall willkommen war. Traumziel war Italien. Wer es sich leisten konnte, ließ das Auto stehen und düste mit dem Flieger auch mal nach Mallorca. Freie Wahl des Urlaubsziels – das gab es in der DDR nur innerhalb des Landes. Oft ging es auch in die „sozialistischen Bruderstaaten“. Der Westen war tabu – offiziell auch in Sachen Lebensstil und Mode. Wer im Osten cool sein wollte, musste sich mit Nähmaschine und Schnittmustern behelfen. Mit dem Verbot von „hektischen Modewechsel“ wollte der Staat Ruhe auf dem Modemarkt verordnen – doch die privaten Nähmaschinen ratterten weiter.

Teil 1: Trabbi oder Käfer (Mediatheklink)

(Direktlink)

Teil 2: Ballermann oder Balaton (Mediatheklink)

(Direktlink)

Teil 3: Plattenbau oder Reihenhaus (Mediatheklink)

(Direktlink)

Teil 4: Schwarzer Kanal oder BILD (Mediatheklink)

(Direktlink)

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Der Protokoll-Bus des ZK der SED

Dieser rot-gelbe Ikarus 250, Erstzulassung 1984, war bis zum Fall der Mauer der Protokollbus ZK der SED. Mit diesem reiste die DDR-Regierungsriege durch das kleine Land. Mit dem Fall der Mauer verlor das in Ungarn gebaute Gefährt seine Aufgabe. Luxus wurde ab nun anders formuliert. Ein Busunternehmen in Sachsen Anhalt kaufte dennoch die Karre und hat sie über Jahre offenbar bis heute erhalten.

Nach Angaben der neuen Besitzer wurde der Bus zwischen 1984 und 1989 vorwiegend bei Jagdausflügen von Mitgliedern des Zentralkomitees der SED und für “Fahrten ranghöchster Ehrengäste“ wie Fidel Castro oder Michail Gorbatschow eingesetzt. “Der Normalsterbliche kam da nicht rein“, sagt Vetter. Der Luxus-Ikarus mit Klimaanlage und Reichsbahn-Toilette an Bord konnte mehr als 100 Stundenkilometer fahren.

Die Leute von Genex haben dem Busunternehmen Vetter nun offenbar einen Besuch abgestattet und ein paar Fotos auf ihre FB-Seite geladen. Ostdeutscher Luxus von damals. Irgendwie niedlich.

Immer wieder sehenswert, Ikarus 250 des ZK der SED!󾌵

Posted by Genex on Mittwoch, 24. Februar 2016


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Mit Jan und Tini im Fahrzeugwerk

Da ich hier heute schon mal was über Ostautos hatte, passt dieser Flashback in die östliche Kindheit ganz gut dazu: Mit Jan und Tini auf Reisen – Im Fahrzeugwerk. Jan und Tini besuchen nach einer Panne ihrer „Silberhummel“ ihren Kumpel Eddie im Fahrzeugwerk. Ich wollte ja immer so einen Barkas haben damals.

Jan und Tini auf Reisen – Im Fahrzeugwerk

Mit Jan und Tini auf Reisen – Im Fahrzeugwerk (ca. 26 min)

Jan und Tini erfahren, wie ein Wartburg und andere Fahrzeuge gebaut werden.

Die beiden aus dem DDR-Kinderfernsehen bekannten Puppentrickfiguren Jan und Tini fahren mit ihrem lustigen Cabrio Silberhummel durchs Land und lernen verschiedene Berufe, Betriebe und Verkehrsmittel kennen. Sie schauen den Menschen bei ihrer Arbeit über die Schulter, um herauszufinden, wie die Dinge funktionieren.

Jan und Tini auf DVD bekommt ihr bei Amazon >>> http://amzn.to/1QtXUWe

Posted by DDR Fernsehen on Sonntag, 21. Februar 2016


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Wie 1989 der Trabant 1.1 im DDR-Fernsehen vorgestellt wurde

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(Foto: Asterion, CC BY 2.5)

Mein Vater kaufte im Frühjahr des Jahres 1989 einen Trabant de Luxe Kombi. In „gletscherblau“. Auf diesen hat er sieben Jahre lange gewartet, nachdem er einer Frau, die sich eigentlich schon ein paar Jahre davor auf diesen Kauf angemeldet hatte, eben jene Anmeldung abkaufte. So war das halt damals. Er bezahlte 14.000 Mark, die meine Mutter mit mir im Schlepptau in einer Sparkasse in Kleinmachnow abholte. Man legte ihr dort 140 Hundertmarkscheine auf den Tisch des Ausgabeschalters. Dafür hatten die beiden lange gespart – sechs Monate später war die Mauer gefallen und die Kiste keinen Pfifferling mehr wert. Jetzt wollten alle Autos aus dem Westen.

Etwa zur selben Zeit wurde der Trabant 1.1 vorgestellt. Er sollte 1990 auf den Markt kommen und 18.900,- Mark kosten. Der Wagen wurde allerdings nicht freudig angenommen. Nach 26 Jahren Entwicklung und bei einer Preissteigerung um 6.000,- Mark wollte man ein Auto, das Weststandards so sehr hinterherhing, nicht mehr akzeptieren. Nach nur zwölf Monaten verließ der letzte von 39.474 „1.1“ gebauten das Werk. Er wurde schnell so überflüssig wie der 601er den mein Vater damals kaufte. Keiner wollte mehr einen Trabbi, auch keinen 1.1er.

1989 wurde der 1.1 im Verkehrsmagazin vorgestellt, einer regelmäßig im DDR-Fernsehen laufenden Sendung. Damals für schon viele auch in bunt. Genutzt hat das am Ende alles wenig. Als der letzte 1.1er vom Band lief, fuhr mein Vater schon einen alten Benz, den er für 2000 DM einem Berliner Taxiunternehmer abgekauft hatte. Das war ne geile Karre!

Das Verkehrsmagazin wurde jeden 2. Donnerstag um 19:00 Uhr im 1. Programm des DDR-Fernsehens gesendet und Rolf-Dieter Saternus, Oberstleutnant der Volkspolizei der DDR, in Unifom moderiert. Er stellte neue Automobile vor und gab Tips für Instandhaltung und Wartung der Fahrzeuge. Ein wichtiger Bereich war das Verhalten und die Sicherheit im Strassenverkehr. Hier eine Sendung vom Herbst 1989, in der der Trabant 1.1 vorgestellt wurde.


(Direktlink)

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Kurzdoku über einen Tätowierer aus dem Osten: Ostblut

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Mein Vater hatte sich bei der Armee damals ein paar minikleine Tattoos stechen lassen. Ganz dezent, kaum zu sehen. Die meisten der anderen, die damals größer tätowiert waren, haben sich im Knast stechen lassen, so zumindest die damalig gesellschaftlich getragene Meinung.

Sammy Metwalli jedenfalls hat im letzten Jahr eine Doku über Kalle gedreht, der schon zu Ostzeiten im Knast Tattoos gestochen hat, um dann später, nach dem Fall der Mauer, das erste Tätowierstudio im Osten Berlins zu eröffnen. Das Old School Tattoo in Friedrichshain – den Laden gibt es immer noch.

Der Film ging dann über ein paar Festivals und hat ein paar Nominierungen eingesammelt. Das ist ja auch eine Geschichte von denen, die es so häufig nicht zu erzählen und deshalb auch nicht zu hören gibt.

(Direktlink, via Jens)

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48 Stunden unterwegs mit der Volkspolizei im Prenzlauer Berg der 80er

Zumindest tippe ich auf die ganz späten 80er Jahre. Genau weiß ich’s gerade nicht. Und werten will ich das auch nicht. Ein sehenswertes Zeitdokument. Nicht mehr – nicht weniger. Und „don’t read the comments“! Wie immer.


(Direktlink, via reddit)

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Die Preiliste aus einer „Goldbroiler“ Gaststätte in Ost-Berlin

Und saufen konnten nur jene, die sich vorher eine „Grundlage“ geschaffen haben. Hier in lesbarer Größe.

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Doku: Der wilde Osten – das letzte Jahr der DDR

Die Zeit vom Sommer 1989 bis circa 1993 zählen zu den verrücktesten und besten Jahre meines Lebens. Es waren Anfang Tage, Wochen, Monate und am Ende ein paar wenige Jahre der für mich gefühlt absoluten Freiheit und der Anarchie.

Nun jährt sich die deutsche Wiedervereinigung, von der ich als Kind nicht mal zu träumen wagte, zum 25. Mal. Heute denke ich, ich hätte manches, gerade in den ersten Jahren, lieber ganz anders gehabt – wir hätten einen ganz eigenen Weg gehen können, wenn die damals Wahlberechtigten nicht primär an das Geld gedacht hätten, mit dem gerade die Konservativen aus dem Westen kräftig gewunken hat.

Dennoch weiß ich, dass ich das Leben, das ich heute führe, zumindest ohne den Fall der Mauer niemals nicht hätte leben können. Und mir wären die verrücktesten und besten Jahre meines Leben vorenthalten geblieben. Ich schrieb in den letzten 10 Jahren hier des Öfteren darüber.

Das ZDF bringt am Abend des 3. Oktobers die Doku: Der wilde Osten – das letzte Jahr der DDR. Auf ZDFinfo lief diese heute schon in zwei Teilen und steht dort in der Mediathek zur Verfügung.

„Keine funktionierende Bürokratie, kein Ordnungsamt, dafür offene Grenzen: 16 Millionen DDR-Bürgern steht 1989 über Nacht die Welt offen, alles scheint möglich.

Mit dem Mauerfall am 9. November 1989 beginnt in der DDR ein Jahr zwischen Aufbruchsstimmung und Anarchie. Illegale Clubs, besetzte Wohnungen, eine überforderte Bürokratie und Medien, die erstmals offen berichten: Die Modrow-Regierung hat das Land nicht im Griff.

Bis in den Sommer 1990 hinein gibt es keine funktionierende Steuerverwaltung, kein Gewerbeamt. Die öffentliche Verwaltung liegt danieder. Betriebe werden ohne Genehmigung gegründet, so manches bestehende Kombinat besetzt. Die Kombinatsdirektoren werden kurzerhand vor die Tür gesetzt.

Doch die fröhliche Anarchie hat ihre Schattenseiten. Bald marodieren gewiefte Abzocker aus dem Westen durchs Land. Sie verkaufen den Ostdeutschen unnötige Versicherungen, überteuerten Ramsch oder fordern in erpresserischer Manier gleich ganze Häuser oder Grundstücke zurück. Dann machen die ersten Großbetriebe dicht. Zwischen 1989 und 1991 verlieren mehr als zweieinhalb Millionen Menschen ihre Arbeit.

Was euphorisch begann, schlägt in Frust um – und beglückt bis heute nicht jeden. Ein Rückblick auf das letzte Jahr der DDR: Was hätte anders laufen können?“

Teil 1: Aufbruch und Anarchie in der Wendezeit.


(Direktlink)

Teil 2: Konsumrausch und Abzocke in der Wendezeit.


(Direktlink)

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Atombunker am Stadtrand von Berlin zu vermieten

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In Gosen-Neu Zittau bei Berlin kann man sich jetzt einen alten Atombunker mieten. 40
Zimmer auf 1.000 m² zu 2000 EUR Miete. Gebaut wurde der 1988 als Ausweichführungsstelle des Ministers für Staatssicherheit. Ich weiß jetzt nicht genau, für wen genau das was sein könnte – räumlich taugt der als Club zum Beispiel so gar nicht. Vielleicht hat ja irgendwer eine passende Idee.

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OBJEKTBESCHREIBUNG
Länge: 35,90m ; Breite: 38,40m ; Höhe: 3,10m ; Erdüberdeckung 2,00m ;
Der Bunker ist komplett geplündert und in einem erbärmlichen Zustand. Alle Anlagen sind demoliert oder abmontiert. Es besteht ausschließlich die bauliche Hülle.

In der Anlage finden Sie einen Grundriss des Bunkers.

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(via Nina Hagen)