Fahrplan nach Plan

Und so sieht es halt da draußen aufm Dorf mitunter wirklich aus. Einer der Gründe, warum die Kids so schnell wie möglich dort weg wollen. Dieses Beispiel kommt vom Rhein Nahe Nahverkehrsverbund. Hier auf dem Brandenburger Land sieht es nur mitunter besser aus. Dann heißt das „Rufbus“, den man zeitlich angemessen erstmal bestellen muss, so dass der einen dann auch abholen kommt. Wenn da irgendwer gerade verfügbar ist.

Einer der vielen Gründe für einen fahrscheinlos, steuerfinanzierten ÖPNV, der immer nach Plan fährt. Auch wenn mal gerade gar keiner zusteigen will.

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(via Max)

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Kommentare: 15

  1. Ronny 3. März 2016 at 09:45  zitieren  antworten

    Ja, „großstadtkind„. Du hast recht. Alle in die Städte – die warten nur auf die Menschen vom Land und bieten Platz für jedermann.

    *tätschel*

  2. Blah Blahson 3. März 2016 at 11:01  zitieren  antworten

    großstadtkind,

    Ich glaub kaum, dass du dir aussuchst, wofür du Steuern zahlst…

  3. Ronny,

    Natürlich wartet keiner auf keinen. Aber warum jammern alle und fordern, fordern, fordern. Ich hätte auch gerne einen privaten, kostenlosen U-Hochgeschwindigkeitszug zur Arbeit anstatt mich 40 min jeden Morgen durch den Berufsverkehr zu quälen. Aber volle Straßen und volle U-Bahnen sind nunmal der Nachteil einer Stadt. Beschwere ich mich und forder kostenlose Hubschrauber für alle?
    Wie gesagt, ihr habt auf dem Land andere Vorteile: bessere Luft (Stichwort Feinstaub), engere Gemeinschaften, niedrigere Mieten, etc.
    Wenn Euch das nicht gefällt, geht in die Stadt. Ich sage auch nicht „alle“. Jedem das Seine. Es gibt bestimmt auch genug Menschen denen es auf dem Land gefällt. Und genug Städter ziehen mit ihren Familien raus aufs Land.
    Ich hasse bloß diese Jammer- und Forderkultur, die du in deinem Post in Reinkultur zelebrierst.
    Was hat die Gesellschaft und die Umwelt davon, wenn leere Busse mit schöner Regelmäßigkeit durch die Gegend fahren?

  4. großstadtkind 3. März 2016 at 14:27  zitieren  antworten

    Blah Blahson,
    Worte… Goldwaage… und so…
    Tu ich nicht. Aber ich suche mir aus, wen ich wähle und gegen was ich mich ausspreche.

  5. Ronny 3. März 2016 at 14:38  zitieren  antworten

    großstadtkind,
    Wer sagt, dass ich auf dem Land lebe – ich mag die Stadt. Ich kenne aber Kinder, die Aufgrund solcher Fahrangebote morgens um 05:30 das Haus verlassen und erst um 17:00 Uhr wieder zu Hause sind. Denen kannst Du aus Deiner offenbar privilegierten Position heraus gerne sagen, sie mögen doch bitte nicht „jammern“. Und Du kannst von mir aus fordern, was Du willst. Ich werde Dich dafür nicht kritisieren.

    Wenn Busse nichts kosten würden, wären sie vielleicht nicht mehr leer, sondern würden von viel Menschen genutzt werden. Diese würden dann vielleicht mal ihre Autos stehen lassen, mit denen sie täglich als einzelne Personen durch die Gegend fahren. Und: ich will das gar nicht aufs Land beschränkt wissen. In der Stadt könnte das sehr wohl die Staugefahr als auch die Feinstaubbelastung eindämmen. Ich wüsste nicht, was für Gesellschaft und Umwelt dagegen sprechen sollte.

    Ich finde gar, dass es kaum eine sinnvollere Forderung gibt, als die eines fahrscheinlosen, steuerfinanzierten ÖPNV.

  6. großstadtkind 3. März 2016 at 15:29  zitieren  antworten

    Ronny,

    ich hatte „hier auf dem Land…“ dahingegen interpretiert.

    Wieso habe ich eine privilegiertere Position? Bloß, weil ich in der Stadt wohne und Nahverkehr für den Arbeitsweg nutzen kann? Wie gesagt, alles hat seine Vor- und Nachteile und ich empfinde weder das eine noch das andere als privilegiert.

    Dein Beispiel mit den Kindern wirft jetzt etwas durcheinander. Wenn dort Bedarf besteht, bin ich absolut dafür, dass es bedient wird. Auch wenn es eine entsprechende Zahl an Rentnern etc gibt, die darauf angewiesen sind, muss es ein Nahverkehrsangebot geben. Ich kann dann eine Forderung nach Schulbussen absolut nachvollziehen.
    Aber es muss halt Bedarf geben. Warum die Nachfrage momentan nicht bedient wird, entzieht sich meiner Kenntnis.

    Du fordert allerdings einen steuerfinanzierten ÖPNV „auch wenn keiner zusteigt“. Und das ist es, was meinen dicken Hals verursacht. Warum sollten kostenlose Busse, von uns allen finanziert, in regelmäßiger Taktung durch Dörfer fahren, wenn dort offensichtlich keine Nachfrage herrscht bzw. dann ein, zwei Leute den Bus nutzen. Warum können dann genau diese zwei Personen nicht alternative Fortbewegungsmittel nutzen? Wenn ich in ein 20-Seelen-Dorf ziehe, darf ich mich nicht wundern und vor allem aufregen, wenn dort nicht die gleiche Infrastruktur wie in Hamburg besteht.
    Warum sollten die Busse weniger leer sein, bloß weil sie weniger kosten? Anscheinend ist die Finanzierung ja kein Problem, sondern, dass gar nicht erst Busse fahren.Und das kann ja nur damit zusammenhängen, dass es dort zu wenig Nachfrage (weil wenig Einwohner) gibt. Wenn es dort Busse gäbe, würden die Einwohner sicherlich auch ein paar Euro dafür in die Hand nehmen.
    Vielleicht fragt man mal nach, warum in deinem Bild genau um 20:10 immer ein Bus fährt? Warum genau diese eine Fahrt? Vielleicht weil genau dann Nachfrage herrscht.

    In der Stadt bringt die Steuerfinanzierung auch nichts. 1. sind die Busse und Bahnen schon voll und 2. wird der allgemeine Autofahrer deswegen nicht umsteigen.
    Wer heute Auto fährt, tut es doch nicht, weil es billiger ist. Ein Monatsticket in einer großen Stadt ist deutlich günstiger als der Unterhalt eines Autos. Es wird Auto gefahren, weil es bequemer, flexibler und angenehmer ist. Wenn der steuerfinanzierte ÖPNV kommt, werde ich weiter Auto fahren, wie viele andere auch. Nur, dass wir Autofahrer dann nochmal zusätzlich steuerlich belastet werden (neben Benzinsteuer, KFZ-Steuer, versteckte Steuern in der Autoversicherung, Mehrwertsteuer bei der Anschaffung).

    Also zusammenfassend bringt der steuerfinanzierte ÖPNV nichts, weil:
    – in der Stadt keine Verkehrsentlastung enstehen wird
    – auf dem Land deswegen dort nicht mehr Leute wohnen, die den Einsatz von Bussen ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll machen.

    Der einzige Effekt ist, dass Mobilitätskosten solidarisch auf alle umgelegt werden. Das kommt insbesondere der einkommensschwachen Bevölkerung zugute, weil „Reiche“ die Bustickets der „Armen“ indirekt mitbezahlen.
    Das kann man als Gesellschaft diskutieren. Ich bin allerdings dagegen und finde meine steuerliche Belastung hoch genug. Aus meiner Sicht bin ich dadurch schon solidarisch genug. Außerdem bekommen Arbeitslose eh schon ermäßigte Fahrkarten, wenn ich mich richtig erinnere.
    Also wenn, diskutieren wir dieses Thema auf der Ebene, aber bitte nicht mit Umweltargumenten oder armen Kindern, denen dann auf einmal ein Schulbus zur Verfügung steht.

  7. Ronny 3. März 2016 at 16:16  zitieren  antworten

    großstadtkind,
    „Wieso habe ich eine privilegiertere Position? Bloß, weil ich in der Stadt wohne und Nahverkehr für den Arbeitsweg nutzen kann?“ Ja, natürlich – egal, ob Du das so empfindest.

    „Ich kann dann eine Forderung nach Schulbussen absolut nachvollziehen.
    Aber es muss halt Bedarf geben. Warum die Nachfrage momentan nicht bedient wird, entzieht sich meiner Kenntnis.“

    Es geht nicht um Schulbusse. Diese fahren – dummerweise mitunter leider halt mit Wegzeiten von bis zu 1,5 Stunden für wenige Kilometer, weil man etliche Dörfer abklappert, wo ein Linienverkehr nicht stattfindet.

    „Du fordert allerdings einen steuerfinanzierten ÖPNV „auch wenn keiner zusteigt“. Und das ist es, was meinen dicken Hals verursacht. Warum sollten kostenlose Busse, von uns allen finanziert, in regelmäßiger Taktung durch Dörfer fahren, wenn dort offensichtlich keine Nachfrage herrscht bzw. dann ein, zwei Leute den Bus nutzen. “

    Es fahren sogar jetzt hin und wieder Busse, in denen nur ein bis zwei Personen sitzen. Stell Dir vor, die sind saufroh, dass sie nach Hause kommen. Ich wünsche mir das ja nicht, um Busse generell Leerfahrten machen zu lassen. Es kann aber sein, dass das dann trotzdem vorkommt. Kommt es so ohnehin ja auch.

    „Wenn ich in ein 20-Seelen-Dorf ziehe, darf ich mich nicht wundern und vor allem aufregen, wenn dort nicht die gleiche Infrastruktur wie in Hamburg besteht.“

    Es gibt Leute, die werden dort geboren und können sich das nicht aussuchen. Es gibt auch Menschen, die schon lange auf dem Land wohnen, wenn die Verbindungen wegestrichen werden. Sind die dann auch selber schuld? Kids machen dann mit 17 nen Führerschein oder verpissen sich in die Städte. Fehlende Mobilität ist dafür nicht der einzige Grund – für nicht wenige aber ein ausschlaggebender. Wenn es die Angebote eines Nahverkehrs hingegen erst gar nicht gibt, kann man den auch nicht nutzen – das liegt dann nicht am Preis.

    „In der Stadt bringt die Steuerfinanzierung auch nichts. 1. sind die Busse und Bahnen schon voll und 2. wird der allgemeine Autofahrer deswegen nicht umsteigen.“

    Es gibt da verschiedene Erfahrungswerte: 1. könnte die Taktfrequenz erhöht werden, 2. ist eine nicht wirklich nachweisbare These.

    Natürlich wird keiner umsteigen, wenn sich eine Umlagefinanzierung nicht wirklich bemerkbar macht und am Ende genau so teuer kommt, wie eine jetzige Monatskarte. Wenn dadurch aber erreicht werden kann, dass das Fahren deutlich billiger wird, als ein Auto, wäre es denkbar, dass gerade in Großstädten auf das eigene Auto verzichtet wird. Rein zeitlich ist dort meistens ohnehin eher unsinnig es zu nutzen.

    „Wenn der steuerfinanzierte ÖPNV kommt, werde ich weiter Auto fahren, wie viele andere auch.“
    Es läge natürlich bei Dir und den „vielen anderen auch“, diese Entscheidung zu treffen.

    „Nur, dass wir Autofahrer dann nochmal zusätzlich steuerlich belastet werden (neben Benzinsteuer, KFZ-Steuer, versteckte Steuern in der Autoversicherung, Mehrwertsteuer bei der Anschaffung).“

    Ja, ich hätte damit kein Problem.

    „Der einzige Effekt ist, dass Mobilitätskosten solidarisch auf alle umgelegt werden. Das kommt insbesondere der einkommensschwachen Bevölkerung zugute, weil „Reiche“ die Bustickets der „Armen“ indirekt mitbezahlen.
    Das kann man als Gesellschaft diskutieren. Ich bin allerdings dagegen und finde meine steuerliche Belastung hoch genug.“

    Das ist Dein gutes Recht. Ich würde dafür hingegen gerne zahlen, und das nicht nur weil es für mich am Ende günstiger sein könnte.

  8. großstadtkind 3. März 2016 at 16:48  zitieren  antworten

    Danke für die coole Diskussion. Wenn ich gewusst hätte, dass das mit Dir so einen Spaß macht, wäre meine erste Nachricht nicht so polemisch und primitiv ausgefallen (aber manchmal will ich auch primitiv sein :-) ).

    Aus Zeitgründe muss ich es jetzt abkürzen. Ich denke wir sind uns einig, dass wir uns uneinig sind. Wäre sicherlich spannend, dass weiter ausgiebig zu diskutieren. Manchmal bin ich aber auch froh, dass ich sowas nicht entscheide und kein Politiker bin. Sehr unterschiedliche Interesse. Ich hab auch etwas über das mit entfernte Landleben gelernt.

    Ich verstehe immernoch nicht, warum es ein intensives Infrastrukturangebot auf dem Land geben muss, aber vermutlich auch deswegen nicht, weil ich dort nicht wohne.
    Ich verstehe die Aufregung, wenn man dort nicht mobil ist und verstehe die Forderung nach einer Basisversorgung. Ich bin aber auch der Meinung, dass dort mehr Eigenverantwortung herrschen muss, weil es einfach nicht wirtschaftlich ist. Wenn dort die Kids mit 17 Jahren Führerschein machen und vorher Moped fahren, finde ich das nicht schlimm.
    Wenn ich auf dem Land wohne, muss ich eben auch mit dem Nachteil leben, dass ich meinen Kindern Mobilität ermöglichen muss. Dann muss ich als Elternteil eben die Kids zur Schule fahren, wenn es nur wenige KM sind und der Bus so lange fährt. Oder man bildet Fahrgemeinschaften etc (so wird es wahrscheinlich auch sein). Irgendwer muss sich ja mal fürs Land entschieden haben.
    Ich fände es nicht gut, wenn dort unwirtschaftliche Buslinien betrieben würden – und das müssen sie sein, sonst würden sie ja bestehen (Kapitalismus und so). Es sei denn es ist politisch gewollt, um z.B. die von dir beschriebene Landflucht einzudämmen. Ich kann das nicht beurteilen. Das müssen die Politiker dieser Bundesländer tun und entsprechend subventionieren. Eine allgemeine Umlage lehne ich weiterhin ab.

    Bezüglich der Städte kann ich deine Argumente nicht nachvollziehen. Aus meiner Sicht ist es schon heute günstiger und schneller mit dem ÖPNV statt mit dem Auto zu fahren. Die, die mit dem Auto fahren, machen es aus anderen Gründen. Eine Umlagefinanzierung wird nichts daran ändern.
    Mich würde eine Monatskarte weniger kosten als mein Auto und ich wäre 10 min schneller auf der Arbeit. Ich finde es trotzdem angenehmer mit dem Auto zu fahren und leiste mir den Luxus.

    Danke für die gute Diskussion. Und Kompliment für den Blog. Finde Euch ansonsten sehr gut ;-) Politisch muss man ja nicht immer einer Meinung sein.

  9. Ronny 3. März 2016 at 17:16  zitieren  antworten

    großstadtkind,
    Letztendlich kann ich halt auch nicht wissen, ob das irgendwas Grundsätzliches besser machen kann, ich bin aber der Meinung, dass es in diesem Fall durchaus durchaus versuchenswert wäre. Es gibt dazu gute, allerdings auch weniger gute Erfahrungswerte. Das durchzurechnen und in die Praxis umzusetzen, läge natürlich auch nicht bei mir. Aber wenigsten durchrechnen könnte das mal jemand.

    Ich finde auch gar nicht, dass man sich immer einig werden muss – aber man kann drüber reden. ;)

  10. StädteliebendesLandkind 3. März 2016 at 23:05  zitieren  antworten

    Vielen Dank Ihr beiden..Ihr habt mir den Abend gepflegt unterhalten =)

  11. Ronny 3. März 2016 at 23:40  zitieren  antworten

    StädteliebendesLandkind,

    Wir haben uns, so glaube ich, beide sehr bemüht. Und ja, ich mag diese Art der Diskussion wirklich gern. ;)

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