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Werbung für ein „Crossfahrrad“ aus der DDR und warum meins viel cooler war – eigentlich

Vor fast einem Jahrzehnt schrieb ich diesen Text über meine BMX-Erfahrungen ins Internet, den ich hier aufgrund obiger Anzeige für BMX-Räder in der DDR noch einmal recyclen möchte. Ich hatte so eins nicht.

Ich weiß noch genau, wie ich damals zum ersten Mal diesen Film sah. Ich war wie elektrisiert, ich musste um jeden Preis so ein Fahrrad haben. Nur: die gab es nicht mal annähernd so ähnlich im Handel, also musste man das tun, was man so oft im Osten tat, was dort zum Leben gehörte und heute DIY genannt wird: Man baute sich selber so einen „heißen Reifen“, wie wir es nannten, wir hatten ja nüscht.

Grundsätzlich war das auch nicht sonderlich kompliziert. Ich hatte so ein 20″ Klapprad, das ich nicht mehr mochte, auch weil es so total unkuhl aussah – jede Mutti fuhr damit morgens zur Arbeit, aber wenigstens die Größe von dem Teil sah den Rädern irgendwie ähnlich, wie diese Kids in diesem Ami-Film, der ein solcher gar nicht war, sie fuhren.

Man musste nur eine Querstange in den Lenker schweißen lassen, auch eine in den Rahmen, denn BMX ohne Stange ging ja wohl mal gar nicht. Außerdem musste man die Räder, die viel zu dünn waren, gegen jene der Fahrradanhänger tauschen, die um einiges massiver, allerdings auch um einiges schwerer waren. Außerdem brauchte man diese Puffer um die neu eingeschweißte Lenkerquer- und Rahmenstange. Dann noch anständig grelle Farbe rauf und fertig war mein Traum von einem BMX-Rad.

Ein Schweißgerät hatte damals irgendwie jeder in der Gartensiedlung. Jeder, außer der Vater – der war Soldat. Aber der Nachbar besorgte irgendwelche Heizröhren aus Stahl, was einem dynamischen Gesamtgewicht eher abträglich war, wie sich später raus stellen sollte. Diese brezelte eher dann in eher unfachlicher Manier in diesen Klapprahmen. Ohne das Klapp-Gelenk zu fixen. Das mal nur am Rande. Aber das war egal, das Rad, mein Rad sah ein Kracher aus und brauchte nur noch eine grelle Farbe, die Achtziger gab es schließlich auch bei uns. Ich entschied mich für „Zitronen-Gelb“. Schockerfarbe.

Weil wir allerdings noch einen ganzen Zacken schärfer sein wollten, als diese Kids im TV, versuchte ich noch einen draufzulegen. Irgendwie musste man den Umstand, dass man „nur“ ein DIY-Bike fuhr, auch kompensieren. Ich baute in diese Huddel eine 28″er Gabel ein. Das machte zwischen Rad und dem ordentlich gekürztem Schutzblech locker 15cm Spiel und sah verdammt nach Enduro aus. Das hatte keiner. Noch nicht. Irgendwann fuhren sie das dann allerdings alle so.

Die Mutter nähte dann aus feinstem roten Kunstleder diese Puffer um die Stangen, die eigens mit Schaumgummi aus Matrazen ausgestopft wurden, ich malte das Ding zitronen-gelb an und hatte das fetteste BMX-Rad der Stadt Siedlung.

Zumindest so lange bis ich über einen 3-Meter-Hügel zu springen versuchte, kein halbes Jahr später. Wir erinnern uns, dass der Tüp, das Klapp-Gelenk nicht verschweißt hatte? Klar was jetzt kommt; Als ich da irgendwo in der Luft hing, der Wind in meinen Haaren und so, löste sich dieses kleine, primitive, bekackte Gelenk und klappte auf. Ich konnte regelrecht dabei zusehen. Auch dabei, wie sich danach die vordere Schweißnaht vom Rahmen verabschiedete. Dumm nur, dass ich zu diesem Zeitpunkt den Boden noch nicht erreicht hatte. Krach, bumms, aus – Fresse kaputt. So war das. Ich verfluchte alle, die an diesem Rad rumgefuhrwerkt hatten incl. meiner selbst, da ich offenbar vergessen hatte, dieses Gelenk fest genug zu schließen.

6 Kommentare

  1. Wolle Wollekowski30. Dezember 2017 um 18:56

    Die Klappräder waren aber 20″ *Klugscheiß* ;)

    • Wolle Wollekowski30. Dezember 2017 um 19:01

      Achja, ich hatte meins damals in schwarz mit gelben Polstern (und selbstverständlich mit verschweißtem Klappdingens) aber meines hatte 2 Federstahlstreben oben am Rahmen. Damit war meins schon wieder ne Spur cooler :D Und ich fing damit sogar an Trial zu machen obwohl die Teile enorm unhandlich waren. Schöne Zeit gewesen.

  2. horst31. Dezember 2017 um 05:21

    eieiei da kommen Erinnerungenen auf. Hatte ein 24er vom Schrott gerettet. Dachte ich hätte kleiner Räder reingemacht. aber 20er wären zu klein und 22er gabs wohl garnicht. Naja mit Pinsel lakiert. Motoradlenker mit Querstange. Hochgezogenen Schutzbleche. Man man man geile Zeit. Vermutlich wird mein lütter das hier nicht so erleben.

    BTW gint mit Simson 51e weiter:
    Motor hochgesetzt mit Pug.
    Größeres Ritzel (hatte ich beim Kumpel abgeholt und hintern Scheinwerfer geklemmt. Damit war die Lenkung nach einer Seite blockiert was ich später während der Fahrt feststellen durfte.
    Blinker gekürzt . (Wieso die dann doppelt so schnell blinkten interessiert mich heute noch.)
    TS Stossdämpfer.
    Telegabel verlängert
    Enduro Krümer aber extra hochgezogen.
    Störschutz (?) vom Zündkerzenstecker entfernt.
    Seitenständer + Verlängerung
    Breiterer Lenker.
    Enduro Bemmen + Vorderer Endurokotflügfel. Hinterer Kotflügel hochgezogen und gekürzt.

    Zylinderdeckelabschleifen oder sogar einen 70er einbauen konnte ich leider nicht :-(

  3. Ragnar31. Dezember 2017 um 18:11

    Klapprad hat damals die ganzen 3-Gangräder im prestigeträchtigen Antrittsverhalten abgezogen. In der 11-jährigen, weiblichen Zielgruppe hat das aber nicht so eingeschlagen. Keine Ahnung wovon die so geträumt haben.

  4. Robert4. Januar 2018 um 09:54

    Die Zonen-BMX waren aber echt nur über ausgezeichnete Kontakte der Eltern zum örtlichen MIFA Händler oder gleich gegen Westgeld zu bekommen.

    Ein Bekannter (kleiner verwöhnter Rotzlöffel) hatte eines dieser Teile und dessen Eltern fuhren 1987 im tiefsten Bezirk Erfurt schon einen 5ér BMW. Die Teile waren absoluter Goldstaub.

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