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Ein koksender Koch im TV, ein Joke in einem Nebensatz, eine Abmahnung der Kanzlei Höcker – und warum ich vielleicht ein bisschen Unterstützung gebrauchen könnte

Im Januar des Jahres 2016 bloggte ich dieses Video, das einen Koch im slowakischen Frühstücksfernsehen vermeintlich dabei zeigt, wie er sich eine Line Kokain in die Nase haut. Keine Ahnung, ob dem wirklich so war, aber witzig genug, um das Video zu bringen. Ich schrieb, wie meistens ein paar Worte dazu und veröffentlichte den Bums. Dann passierte nichts, der Artikel versank im Archiv. Aus die Maus.

Im Juli des Jahres 2016 bekam ich dann diese Art von Post, die man als Blogger nicht so gerne bekommt, die aber trotzdem immer wieder mal ins Haus flattert: eine Abmahnung, „vorab per Mail“. Von der allseits beliebten Kanzlei Höcker.

Ich hätte in dem Beitrag den Namen, nennen wir ihn folgend punkt, punkt, punkt, eines immer noch zu den besten Köchen der Welt zählenden Kochs geschrieben, der in den 1990er Jahren wegen Kokainbesitzes zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt wurde. Ich schrieb also: „Könnte natürlich auch etwas anderes als Koks sein, aber in Deutschland weiß man seit punkt, punkt, punkt, dass Koks genau so in eine gute Küche gehört wie Salz und Pfeffer. Fand ich witzig. Die eher nicht so.

Sie gaben an, die Persönlichkeitsrechte ihres Mandanten punkt, punkt, punkt schützen wollen, verlangten, dass der Name umgehend gelöscht wird und wollten zudem nebenbei mal eben noch 1029,35 Euro für einen Joke im Nebensatz. Puh, dachte ich, ganz schön teuer. Aber sah eigentlich auch nicht ein, das für einen albernen Joke zu bezahlen. Ich dachte, „Alter, alle reden darüber, was Satire darf, und die machen sich jetzt wegen so einem Spruch nass?! Nee, dat zahlste erstmal nicht und lässt den Anwalt drüber gucken.“ Ein Problem war, hier war kurz vor Urlaub (und warum schicken eigentlich immer ihre Abmahnungen, wenn ich kurz vor Urlaub bin?!) und ich dachte, ich würde mich danach darum kümmern können. Ich erbat mir eine Fristverlängerung, informierte noch irgendwie den Anwalt und verpisste mich in den wohlverdienten Urlaub.

Als ich dann 14 Tage später wieder kam, hatte ich eine einstweilige Verfügung im Briefkasten. Die Idee der Fristverlängerung fanden die nicht witzig, man, und hatten diese an einem Berliner Gericht gegen mich erwirkt. Kostennote, die dabei natürlich an mir hängenblieb: irgendwas um die 500 Euro. Ich telefonierte mit meinem Anwalt und der riet mir, das erstmal zu zahlen. Ich fand das alles zwar nicht sonderlich fair, zahlte aber trotzdem, um diesbezüglich meine Ruhe zu haben. Dann kam nichts mehr und ich sah auch gar nicht ein, so ohne weiteres das durch eine schlichte Zahlung der Forderung aus der Welt zu schaffen. 1000 Tacken für einen Joke, nee. Dann lieber streiten, wenn es denn sein muss. Mal ’nen Spaß machen und so, siewissenschon. Ich fragte dann auch nicht mehr meinen Anwalt, wie wir da weiter vorgehen könnten und vergaß das dann auch irgendwie über die Zeit, das Leben und so. Ihr kennt das. Die meldeten sich auch nicht mehr und ich dachte irgendwann schon so, „Hey, das hätten wir alle auch einfacher haben können; hätte mir irgendwer aus dem Umfeld von punkt, punkt, punkt einfach nur eine Mail geschrieben und darum gebeten, den Joke in einem Nebensatz rauszunehmen, hätte ich das womöglich einfach getan“, ich bin da nicht so. Aber ne, die ballern mit ihren Kanonen auf vermeintliche Spatzen. Dann passierte wieder nichts. Und nichts. Und nichts. Bis letzten Donnerstag.

Ich bekam von der Kanzlei Höcker „vorab per Mail“ die Aufforderung, jetzt mal innerhalb von fünf Tagen eine zusätzliche Zahlung von 1250, irgendwas zu begleichen. Kurz vorm Wochenende, kurz vor Weihnachten, Fristverlängerung ausgeschlossen. Ooookay. Das finde ich dann nicht so witzig, man! Und bekomme ’n bisschen Bock darum zu streiten, ob ich für einen Joke im Nebensatz wirklich mal eben 1250 Tacken irgendwas bezahlen soll, nur weil eine Kanzlei und punkt, punkt, punkt sich deshalb nass machen und glauben, das so durchziehen zu können. Nö! Finde nicht.

Um das abzukürzen: Ich könnte jetzt die zusammen 2250, irgendwas bezahlen und die Nummer wäre vom Tisch. Für alle Beteiligten. Aber selbst wenn ich die Kohle gerade irgendwie rumliegen hätte, würde ich eher nicht einsehen, sie dafür zu zahlen. Für einen Joke im Nebensatz, über den nie wieder irgendwer geredet hätte, wenn die mir nicht ihre Kanonen in die Bude geschossen hätten. Also würde ich das Ganze, so denn es denn sein muss, von einem Gericht klären lassen wollen. Was bissl Quatsch ist, weil eigentlich wollen die das und ich da wenig Handhabung für eine Entscheidung habe. Zahle ich nicht, werden die wahrscheinlich klagen, sagen sie. Und ich finde, dann sollten die das tun.

Mein Problem: der Bums könnte mich am Ende um die 5000 Euro kosten, wenn ein Gericht dann halt für die Rechtsauffassung der Kanzlei Höcker entscheidet, was nicht sicher ist, denn mit dieser greifen auch die hin und wieder mal ins Klo. Auch mit anderen Dingen, aber um die soll es gerade nicht gehen.

Problem 2: ich habe keine 5000 Euro, die ich dafür so liegen hab. Streiten würde ich trotzdem, wenn es so sein soll. Wirklich. Weil: ich finde das so gar nicht witzig, man!

Und nun ist es so, wie es schon mal war: ich könnte ein bisschen Unterstützung gebrauchen. Auch finanzieller Natur. Keine/r muss, ich will nicht darum bitten, ich erwarte nichts und ich wisch mir den Haufen, in den ich da getreten bin, auch irgendwie alleine vom Schuh. Aber ich sehe nicht ein, für diesen harmlosen Joke in einem Nebensatz 2250 Euro zu zahlen, ohne darüber entscheiden zu lassen, ob man den so machen kann. Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!!11!!!

Wer also was geben mag, wenn die mit ihren Kanonen auf vermeintliche Spatzen schießen, könnte hier einen Spatzen unterstützen und wir gucken gemeinsam mal, was viele Spatzen gegen Kanonen tun können. Oder? ODER?!

Unterstützen per Paypal:





Unterstützen per Überweisung:
Konto: Ronny Kraak
IBAN: DE19120300001012851869

Und glaubt mal: ich hab‘ gerade alles andere als Zeit und Energie dafür, mich mit Kanzlei Höcker und punkt, punkt, punkt vor Gericht auseinanderzusetzen, aber irgendwer muss es ja mal machen. Man weiß ja nie, wieviele Leute wegen so einer Scheiße Geld bezahlen, weil sie Angst vor der Auseinandersetzung haben, wenn sie es nicht tun. Und das ist nicht witzig, man!

Tut mir und euch bitte den Gefallen und drückt mir den Namen von punkt, punkt, punkt nicht in die Kommentare, ich muss sonst moderieren. Um wen es geht ist ja eigentlich klar.

69 Kommentare

  1. Andi Leute17. Dezember 2019 at 13:45

    Ohje, das ist nicht witzig, man. Aber was witzig ist: Wenn Kokssünder ihre Facebook-Seite mit ’ner Schneekugel bebildern. Schnee, verstehste…

  2. Das Ja17. Dezember 2019 at 16:55

    Nein Ronny, wer sich als „lustiger“ Boulevardjournalist der Yellow Press einen „Scherz“ erlaubt, kriegt es mit höckrigen Schertzkeksen zu tun, das weiss man schon seit Gazpromis Klage wegen der gefärbten Haare in das sind ca. 25 Jahre!
    Dann gab es noch das Stolpe Urteil und seitdem gibts dieses Geschäftsmodell von dem vorher nur ein prinzlicher Schwarzkittel profitierte, bei dem systematisch die yellow press, blogs, youtube etc.. von Praktikanten der Armwaltskanzleien auf Klagemöglichkeiten gescannt wird. Manche Persönlichkeitsrechtsritter klagten dann schon mal bevor die Prinzessin das ehrverletzende photoshopping kannte..
    Das Dumme an Deiner Sache ist: das höckrige verdient AUF JEDEN FALL seine Anwaltskosten, egal ob Du gewinnst oder verlierst. Ich kann also leider nicht für Höcker spenden.

  3. […] 3. Ein koksender Koch im TV, ein Joke in einem Nebensatz, eine Abmahnung der Kanzlei Höcker – und…(kraftfuttermischwerk.de, Ronny Kraak)Blogger Ronny Kraak („Kraftfuttermischwerk“) hat unangenehme Anwaltspost bekommen: Die in vielerlei Hinsicht bekannte Anwaltskanzlei Höcker hat ihm eine Abmahnung zukommen lassen, die er nicht unwidersprochen lassen will. Wenn da nicht die Sache mit dem Geld wäre: „Mein Problem: der Bums könnte mich am Ende um die 5000 Euro kosten, wenn ein Gericht dann halt für die Rechtsauffassung der Kanzlei Höcker entscheidet, was nicht sicher ist, denn mit dieser greifen auch die hin und wieder mal ins Klo. Auch mit anderen Dingen, aber um die soll es gerade nicht gehen.“ […]

  4. Awe17. Dezember 2019 at 19:32

    Die Kanzlei (oder deren Mandant) scheinen es ja mächtig nötig zu haben, wenn sie das nach so langer Zeit noch herauskramen…
    Wenn du genug Geld zusammen bekommst, um dich sicher zu fühlen, würde ich es drauf ankommen lassen, ob sie dich verklagen. Kannst das gespendete Geld ja auf ein separates Sparkonto packen und wenn sie dich in weiteren vier Jahren nicht verklagt haben, könnte man ja mal nachfragen, ob sie das noch vorhaben. Falls nicht, würde ich das Geld dann für einen guten Zweck spenden.
    JM2C

  5. Koksender Koch aus München19. Dezember 2019 at 09:20

    der Fernsehkoch ist wegen koksen verurteilt worden. warum man das nicht erwähnen darf ist mir schleierhaft.

    Geld für die Verhandlung ist raus. Man muss ja nicht persönlich mit zum Gericht gehen, und traurigerweise hab ich das Gefühl das die CDU-Sumpf-Kumpels des Anwalts Höcker in den letzten Jahren Gesetze durchgewunken haben die diesem schäbigen Geschäftsmodell vorschub leisten.

    fight !!!!!

    • Claude31. Dezember 2019 at 14:54

      Puh, schlimmstenfalls zahlst du nicht, sollte der Richter danebenliegen. Stattdessen meldest du dich beim Justizsozialdienst und machst gemeinnützige Arbeit. Bin auch mal zu 1800 € verdonnert worden. Hatte weder Geld noch Einsicht zu Zahlen. Stattdessen 3 Monate Feierabendhausmeister in einer Jugendherberge. Glühbirnen wechseln und Däumchen drehen.
      Wer viel Zeit hat kann Geldstrafen auch absitzen. Also falls du mal vorhattest einen Roman zu schreiben….

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