{"id":1121,"date":"2007-07-19T20:27:41","date_gmt":"2007-07-19T18:27:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blogg\/?p=1121"},"modified":"2007-07-19T20:27:41","modified_gmt":"2007-07-19T18:27:41","slug":"techno-nein-danke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blogg\/techno-nein-danke\/","title":{"rendered":"Techno? Nein danke!"},"content":{"rendered":"<p>Meine musikalische Sozialisation begann mit Vaters Plattensammlung. Drei Alben hatten es mir besonders angetan. Eine von zwei kabarettistischen Liedermachen, deren Namen ich nicht mehr wei\u00df. Eine von Konstantin Wecker (die mit dem erschlagenen Willy drauf). Und das blaue Album der Beatles. Damit war der Rahmen erstmal gesteckt. Ich mochte Pathos, ich mochte Musik, die sich bei aller experimentellen Ausfl\u00fcgen auf Gitarre, Bass, Schlagzeug und eventuell Piano zur\u00fcckf\u00fchren l\u00e4sst. Ich war die einfache Einheit des Songs gewohnt.<br \/>\nSo vorgepr\u00e4gt, war es ein kurzer Schritt hin zu R.E.M. Ich hatte irgendwo schon kurz nach der Ver\u00f6ffentlichung im Sommer 1991 Shiny Happy People geh\u00f6rt und war angefixt. Der einzige, der damals au\u00dfer mir in der Klasse noch R.E.M. kannte, war ein komischer aber sympathischer Computernerd, der zwei wesentlich \u00e4ltere Br\u00fcder hatte und ihn mit dem versorgten, was in der schw\u00e4bischen Kleinstadt \u201eIndiemusik\u201c genannt wurde. Und R.E.M waren bis in den Sommer 1992 verdammt \u201eIndie\u201c bei uns in der Provinz. Und zum Indiemusikh\u00f6ren geh\u00f6rte auch die Arroganz, alles andere doof zu finden.<br \/>\nZum Gl\u00fcck waren Nirvana erlaubt. Denn dieser verzweifelte Zorn von \u201eTeen Spirit\u201c, der sprach mir als 14 j\u00e4hrigem B\u00fcrgerssohn in Schwaben voll aus der Seele. War ja klar, dass nur ein v\u00f6llig kaputter Junkie aus Seattle mein Lebensgef\u00fchl wiedergeben konnte. (Hatte ich erw\u00e4hnt, dass ich Karten hatte f\u00fcr das erste Konzert, das Nirvana nicht mehr gespielt haben, nach Kurties Zusammenbruch in Rom? Seht Ihr, ich war so was von Indie!)<br \/>\n1994 hatte ich dann zwar immer noch keine coolen \u00e4lteren Br\u00fcder, aber \u00e4ltere Freunde mit coolem Indiemusikgeschmack. So lernte ich den gr\u00f6\u00dften Egomanen der Indiemusikgeschichte kennen: Billy Corgan. Bis heute geh\u00f6ren die Pumpkins-Alben bis inklusive \u201eAdore\u201c zu dem ergreifendsten Zeug, das ich kenne. Obwohl das Corgansche Repertoire stilistisch nur sehr sehr bedingt Varianzen aufzeigt. Das Konzert am 19. April 1996 in Stuttgart geh\u00f6rt zu den besten Abenden meines Lebens. Ich war zwar nach der ersten Dreiviertelstunde schon so fertig, dass mich die Ordner aus dem Moshpit ziehen mussten, aber zu den Zugaben war ich dann wieder mittenmang dabei. Zwischendurch habe ich eben von der Vorhalle aus gl\u00fccklich gelauscht.<\/p>\n<p>Mit dem Quartett \u201eBeatles-R.E.M-Nirvana-Pumpkins\u201c war meine offizielle Musiklandkarte abgesteckt. Was da nicht reinpasste, wurde verdammt. Oder mehr so heimlich geh\u00f6rt, beziehungsweise nur mit den ironischen G\u00e4nsef\u00fc\u00dfchen versehen konsumiert. Weil ohne Nena, Depeche Mode und den bildungsb\u00fcrgerlichen Kommerz-HipHop der Fantas war es dann schon etwas langweilig auf Dauer. Letzterer hatte den Heimat-Bonus (Hatte ich erw\u00e4hnt, dass ich Michi Beck mal volllaberte?) und war irgendwie genehmigt. Und Punk geh\u00f6rte sowohl zur linken Attit\u00fcde und zu den Wurzeln von College-Rock und Grunge. Was ich dar\u00fcber hinaus noch zugab und unter dem \u201eKennt eh keiner\u201c-Label verstecken konnte, war mein Interesse f\u00fcr Rave.<\/p>\n<p>Die meisten schauten mich dann erschrocken an und fragten: \u201eDu h\u00f6rst Techno???\u201c Nein, eben <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Madchester\">nicht<\/a>. Techno ging gar nicht. B\u00e4h.<\/p>\n<p>Erstens hat Techno keine Songstruktur. Finde ich bis heute schwierig.<br \/>\nZweitens fehlt es Techno an Intellektualit\u00e4t. Oder dem, was wir damals da drunter verstanden: Die Welt ist schlecht, die Welt versteht mich nicht. Techno h\u00f6ren war was f\u00fcr die bl\u00f6den Kinder reicher Eltern, die den 3er BMW schon zur Konfirmation bekamen.<br \/>\nDrittens sahen die dreieinhalb Jungs auf unserer Schule, die Techno nicht nur h\u00f6rten, sondern lebten (also keine Eros Ramazotti-CD f\u00fcr die M\u00e4dels im CD-Wechsler hatten) schei\u00dfe aus. Sie waren bleicher als die Computernerds, sie hatten ekelig splissige lange Haare (unsere Indiem\u00e4hnen waren gepflegt und feminin zum Zopf zusammengebunden) und trugen komische viel zu gro\u00dfe, viel zu bunte Pullover mit komischen Tribalmustern drauf. Wir hatten die h\u00fcbscheren Freundinnen. Und sie schworen darauf, dass Gabber the thing to come sei. Da blutet mir bis heute das Ohr.<\/p>\n<p>Dass ich bereits Ende 1996 auf meiner ersten Goa-Party war und danach ein oder zwei geheime Raves (also jetzt mit Techno) in verlassenen Fabrikgeb\u00e4uden besuchte, dass ich Ambient und House ganz oft ganz doll entspannend finde, dass konnte ich manchen Indiekollegen erst sagen, als sich die Clique in die Welt zerstreute, neue Blickwinkel entdeckte und die Crossover-Ber\u00fchrungen zwischen den Szenen gr\u00f6\u00dfer wurden.<\/p>\n<p>Was allerdings am Mayday toll gewesen sein soll, verstehe ich bis heute nicht.<br \/>\n(Mein erstes Konzert war \u00fcbrigens 1991 eins von den Prinzen. Aber verratet mich nicht.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meine musikalische Sozialisation begann mit Vaters Plattensammlung. Drei Alben hatten es mir besonders angetan. Eine von zwei kabarettistischen Liedermachen, deren Namen ich nicht mehr wei\u00df.&#8230;<\/p>\n<div class=\"more-link-wrapper\"><a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blogg\/techno-nein-danke\/\">Mehr lesen -&gt;<span class=\"screen-reader-text\">Techno? 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