{"id":1126,"date":"2007-07-21T15:37:34","date_gmt":"2007-07-21T13:37:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blogg\/?p=1126"},"modified":"2007-07-22T21:06:09","modified_gmt":"2007-07-22T19:06:09","slug":"flossimo-extremo-tag-1-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blogg\/flossimo-extremo-tag-1-4\/","title":{"rendered":"Flossimo Extremo Tag 1-4"},"content":{"rendered":"<p><strong>Tag 1:<\/strong> Der Zug kommt p\u00fcnktlich, das Wetter zeigt sich von seiner besten Seite. Die Stimmung ist gut. Die Zehn Jungs wissen noch nicht, wo genau das Floss zusammengebaut werden soll, ebenso wenig. Ich auch nicht. Nach knapp zwei Stunden Fahrt verlassen wir in <a href=\"http:\/\/www.hangelsberg.de\/index_full.html\">Hangelsberg<\/a> den Zug. Im Umkreis von 50 Metern um den Bahnhof soll nun ein Hinweis versteckt sein, wie es zu der Stelle geht, die es nun zu ereichen gibt. Nach ca. 15 Minuten wird eine Karte gefunden, die uns den ca. 2 Kilometer langen Fussweg offenbart. Die Kids dachten, sie w\u00fcrden, wie im letzten Jahr, von Autos abgeholt und sind nicht wirklich am\u00fcsiert dar\u00fcber, Nach vier Stunden qu\u00e4lt uns Betreuer der Hunger und wir versuchen zu erfragen, ob es denn  angedacht sei, auch irgendwo einen Stop zu machen, um zu vespern. &#8222;Ja&#8220; es sei angedacht. Nur bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Ein sehr weiter Weg. Sobald Menschen am Ufer auftauchen, fragen die Kids wie weit es noch bis Neu Zittau sei. Da n\u00e4mlich planen sie den dass sie das nun laufen m\u00fcssen. Einige von ihnen haben viel zu viel Gep\u00e4ck in so Reisetaschen, wie sie in den 90gern mal aufkamen. Die Dinger sind nicht nur potth\u00e4sslich, sondern auch alles andere als praktisch. Sie q\u00e4ulen sich nun also 20 Minuten \u00fcber den neuen Berliner Umland Asphalt und bemerken rasch, dass man hier nur allzu wenig Menschen trifft.  Mittlerweile ballert die Sonne regelrecht. Die Stimmung ist dennoch gut. <\/p>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blog\/flossimo-1.jpg\" width=\"260\" height=\"195\" border=\"0\" style=\"border: 4px solid white; float: left;\"><\/a><p>Wir kommen an dem Platz an, an dem mein Kollege das Material zum Bau des Flosses abgelegt hat und an dem er uns erwartet. Kurze Vorstell-Begr\u00fc\u00dfungs-<br \/>\nGrunds\u00e4tzliches-Runde. Die Kids bekommen etwas Materiel, auf dem zu erkunden ist, wie man denn nun so ein Floss baut und vertiefen sich dann in die Planungsphase. Wir stehen f\u00fcr Fragen zur Verf\u00fcgung, bauen aber, dass m\u00fcssen sie selber. Nach circa 4 Stunden geht das bzw. die Fl\u00f6sse zu Wasser. Man entschied sich in der Gruppe f\u00fcr ein Floss was die Kids tr\u00e4gt und ein Beifloss, auf dem das Gep\u00e4ck schwimmen soll.<\/p>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blog\/flossimo-3.jpg\" width=\"260\" height=\"195\" border=\"0\" style=\"border: 4px solid white; float: left;\"><\/a><p>Es wird ziemlich schnell und f\u00fcr die Kids ziemlich intensiv klar, dass ein Floss seine Geschwindigkeit selber bestimmt oder sich diese eher an der Str\u00f6mung orientiert. Die zehn Paddel sehen zwar gut aus, helfen aber so gut wie nichts, um schneller zu fahren. Auf die Idee, anstatt der Paddel sich Staken zu nehmen kamen sie vorerst nicht. Wir werden erst sp\u00e4ter einen Hinweis diesbez\u00fcglich geben. Nach dem Wassern des Flosses sind die Kids in jedem Fall euphorisiert und bester Dinge. Das wird sich all zu bald \u00e4ndern. Wir Betreuer fahren in einem furchtbar wackeligen Kanadier hinterher. Ab hier ist das nun ihr Weg.<\/p>\n<p>Nach drei Stunden Fahrt wird den meisten klar, dass das hier kein Ich-leg-die-Beine-hoch-und-mache-mal-eben-einen-Erholungstrip wird, sondern mitunter richtig harte Arbeit. Die Bauherren verzichten im Vorfeld darauf, die Plastiktonnen dicht zu kleben. Fatal, wie sich nun rausstellt. Die Tonnen lecken und es l\u00e4uft in einige Wasser hinein. Viel Wasser. Das Floss bekommt eine unangenehme Seitenlage und steht fast komplett 10 Zentimeter unter Wasser. Das Gep\u00e4ckfloss droht g\u00e4nzlich abzusaufen und wird w\u00e4hrend der Fahrt it den H\u00e4nden und einer Sch\u00fcssel entwassert. Die Stimmung beginnt rapide zu sinken. Es kommt die Erkenntnis hoch, dass die Tour nicht umsonst &#8222;Flossimo Extremo&#8220; hei\u00dft. <\/p>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blog\/flossimo-2.jpg\" width=\"195\" height=\"260\" border=\"0\" style=\"border: 4px solid white; float: left;\"><\/a><p>Zugegebenerma\u00dfen haben auch wir uns ein wenig verkalkuliert was die Tragkraft der sechzehn 60-Liter Tonnen betrifft. Wir h\u00e4tten nicht gedacht, dass die zehn Fahrenden das Floss dermassen belasten k\u00f6nnte. Wir bestellen auf dem nicht offiziellen Wege zum n\u00e4chsten Nachmittag noch zwei F\u00e4sser a 200 Liter. Das sollte reichen.<br \/>\nDie Stimmung ist im Arsch. Die Kids wollen an Land und ein Lager bauen. Sie wollen essen, sie wollen schlafen. Nur kann man eben nicht wahllos \u00fcberall anlanden. Schon gar nicht mit einem Floss dieser Gr\u00f6\u00dfenordnung.<br \/>Ein erster Versuch wird schnell wieder verworfen. Nicht nur, weil das Anlandeman\u00f6ver in einem Busch landet, sondern auch, weil der eigentlich ganz nette Lagerplatz, voller Schwanexkrementen ist. Wir Betreuer wissen um eine nette Stelle in <a href=\"http:\/\/www.gemeinde-gruenheide-mark.de\/contin\/cms\/front_content.php?idart=41\">M\u00f6nchwinkel<\/a>. Bis zu dieser wollen sie noch fahren, obwohl die Motivation in diesem Moment alles andere als hoch ist. Das haben sie sich doch ein wenig einfacher vorgestellt. Auf dem Floss kommt es zu ersten Konflikten, die es auszutragen gibt. Meinem Kollegen und mir kommt der Gedanke, dass wenn es bei diesem Tempo bleibt, es schwierig wird, noch im Hellen die angedachte Lagerstelle zu erreichen. Wir entscheiden uns daf\u00fcr, meinen Kollegen an Land gehen zu lassen, so das er per Fuss vorgeht um schonmal Feuerholz zu sammeln und ein feuer zu machen. Als wir den Lagerplatz erreichen ist die Stimmung ziemlich weit unten. Alle haben Hunger und sind m\u00fcde. Nachdem Essen steigt die Stimmung wieder. Als allesamt am Fuer sitzen, machen wir einen Befindlichkeitscheck. Auf einer Skala von 10 &#8211;  f\u00fcr: &#8222;Mir geht es prima.&#8220; bis 1 &#8211; f\u00fcr: &#8222;Ich will nach Hause. Und zwar sofort!&#8220; gibt es einen Schnitt von  7. Nach Aussagen der Kids war dieser Wert beim Ende der heutigen Flossfahrt bei 1-3. Ulala. Das \u00fcberrascht auch uns ein wenig. Der Himmel ist sternenklar und wir verzichten darauf ein Biwak zu bauen, legen uns ums Feuer und schlafen ein.<\/p>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blog\/flossimo-5.jpg\" width=\"260\" height=\"195\" border=\"0\" style=\"border: 4px solid white; float: left;\"><\/a><p><strong>Tag 2:<\/strong> Die Kids haben sich dazu entschieden, heute nicht weiter zu fahren. Sie wollen auf die 400 Liter Tragkraft warten, die in Form von zwei 200 Liter-F\u00e4ssern heute geliefert werden sollen. Au\u00dferdem wolle sie s\u00e4mtliche F\u00e4sser verkleben und den Rest des Tages &#8222;chillen&#8220;, wie sie es nennen. Da jedem von uns nur einen Euro pro Tag an Verpflegungsgeld zu Verf\u00fcgung steht,m\u00fcssen sie sich Gedanken darum machen, wie wir alle  satt werden k\u00f6nnen \u00fcber den Tag lang. Das hei\u00dft: Fr\u00fchst\u00fcck, Mittag, Vesper und Abendbrot. Da das nicht mit 12 Euro zu bewerkst\u00e4lligen ist, werden sie ihre Arbeit im Tausch gegen etwas zu Essen anbieten. Trinkwasser wird auch \u00fcber diesen Weg besorgt. Davon brauchen wir bei 36\u00b0C jede Menge. Eine Grundlage an Essen haben wir zwar eintstecken, aber reichen tut das nicht. Ein Teil der Gruppe macht sich also auf den Weg durch das anliegende Dorf. Der Rest geht baden und liegt in der Sonne. Ich auch.<\/p>\n<p>   Wir bekommen einen Anruf, dass es hier keinen Laden und somit keine Einkaufsm\u00f6glichkeit g\u00e4be, sie aber die M\u00f6glichkeit h\u00e4tten, ein lebendes Huhn zu bekommen. Das solle 15 Euro kosten. Es g\u00e4be aber auch noch jede Menge Gem\u00fcse dazu. Okay. Wir sagen ihnen, dass sie das Huhn dann selber schlachten, rupfen, und ausnehmen m\u00fcssten. Beim kochen w\u00e4ren wir behilflich. Eine andere Gruppe kommt mit zwanzig Litern Trinkwasser und vier Konserven aus dem Dorf zur\u00fcck. Schlechte Ausbeute. Wir warten auf das Huhn.<\/p>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blog\/flossimo-6.jpg\" width=\"260\" height=\"195\" border=\"0\" style=\"border: 4px solid white; float: left;\"><\/a><p>Die ziehen das jetzt echt durch. Sie kommen mit einem lebendigem Huhn in einem Pappkarton und kiloweise Gem\u00fcse. In der Gruppe wird aufgeteilt, wem nun welche T\u00e4tigkeit zukommen wird. Schlachten, ausnehmen und so weiter. Ich bin raus ab hier und gehe baden. Nicht das mir die Sache unangenehm w\u00e4re. Im Gegenteil: wer Fleisch essen will, sollte auch wissen, dass dieses nicht in den Kunststoffpackungen w\u00e4chst, in denen es im Supermarkt in der K\u00fchltruhe pfeilgeboten wird. Dennoch, der Tag ist zu sch\u00f6n, um ihn mit Blut zu beflecken. Ich fahre mit dem Kanadier ein St\u00fcck die Spree runter, suche mir eine Badestelle und &#8222;chille&#8220;, so wie sie es nennen. Das Wasser ist angenehm k\u00fchlend und ich genie\u00dfe den urw\u00fcchsigen Flair der M\u00fcggelspree.Nach einer halben Stunde kehre ich zur\u00fcck und das Schlimmste ist offenbar schon geschehen. Das Huhn sieht aus, als w\u00e4re es frisch aus der real-K\u00fchltheke entflogen. Die Stimmung ist bestens. Es tut der Gruppe gut, solche Dinge in Kooperation zu t\u00e4tigen. Wir machen eine deftige H\u00fchnersuppe. W\u00e4hrenddessen kommen die zwei F\u00e4sser und werden gleich mit den \u00fcbrigen bearbeitet. Die Deckel werden verklebt, so das kein Wasser mehr hineinlaufen kann. Ob das wirklich daf\u00fcr sorgt, dass das Floss 20-30 Zentimeter mehr an H\u00f6he gewinnt und vor allem, dass in die Tonnen kein Wasser mehr l\u00e4uft wird sich erst Morgen zeigen wenn der Kleber getrocknet ist und das Floss erneut zu Wasser geht.<\/p>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blog\/flossimo-8.jpg\" width=\"260\" height=\"195\" border=\"0\" style=\"border: 4px solid white; float: left;\"><\/a><p>Wir essen ein \u00e4usserst wohlschmeckende H\u00fchnersuppe. Auch die, die erst nicht bereit waren diese zu essen, ergeben sich der Gruppendynamik und kosten wenigstens. Wir brauchen nochmal Wasser und es gehen wieder welche los und holen welches. Abends gibt es Tee und Espresso, der ohnehin die ganze Woche f\u00fcr Energie gesorgt hat. Rund um die Uhr. Die Stimmung in der Gruppe ist gro\u00dfartig. Kein Wunder, heute wurde auch nicht mit dem Floss gefangen. Der Tag neigt sich dem Ende. Die Kids erfreuen sich an einer Affenschaukel, die f\u00fcnfzig Meter flussabw\u00e4rts einsam vor sich hinh\u00e4ngt. Ich gehe mit meinem tensidefreiem Duschbad in der Spree baden und es wird dunkel. Der Himmel ist ganz nach Vorhersagen wieder sternenklar und wir sparen uns erneut das Biwak. Uns kommt der Gedanke mit dem ganzen Ged\u00f6ns, was im Camp so rumliegt eine Percussion-Session zu machen. Die gro\u00dfen Stahlf\u00e4sser eignen sich bestens zu sowas. Die kleinen Plastiktonnen auch. Es dauert eine halbe Stunde, bis zwei Polizeibeamte auftauchen und uns sagen, dass es Beschwerden aus dem Dorf gab. Wir sagen, &#8222;wir h\u00e4tten nur gesungen&#8220; und versprechen, dass das nicht mehr vorkommen w\u00fcrde. Sie fahren wieder. Das Feuer w\u00e4rmt und wir legen uns schlafen.<\/p>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blog\/flossimo-7.jpg\" width=\"260\" height=\"195\" border=\"0\" style=\"border: 4px solid white; float: left;\"><\/a><p>Die M\u00fccken sind eine Qual, der Schlafsack f\u00fcr das Klima viel zu dick und irgendwo da hinten jagt ein Gewitter durch den Himmel. Wir \u00fcberlegen kurz eine Plane zu ziehen, aber ergeben uns der eigenen Tr\u00e4gheit, legen uns eine Plane unter, um diese im Falle eines Regens einfach \u00fcberzuziehen. Sp\u00e4ter dann hat uns das Gewitter eingekreist. Es m\u00fcssen mehrere sein, denn es blitzt und donnert \u00fcberall um uns herrum. Ich schlafe ein und wir bleiben auch in dieser Nacht trocken.<\/p>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blog\/flossimo-9.jpg\" width=\"260\" height=\"195\" border=\"0\" style=\"border: 4px solid white; float: left;\"><\/a><p><strong>Tag 3:<\/strong> Aufgrund der Tatsache, dass gestern nicht geflosst wurde ist die Stimmung gut. Das gro\u00dfe Floss muss nach dem Trocknen des Klebers nun wieder zusammengebaut werden und das Gep\u00e4ckfloss komplett neu aufgebaut werden. Dann wird sich zeigen, ob wir die erhofften 20-30 Zentimeter an H\u00f6he gewinnen k\u00f6nnen, so das das Floss auch als ein solches zu erkennen ist und vor allem das man auf dem Floss auch sitzen kann, ohne im Wasser sitzen zu m\u00fcssen. Es klappt.Das Floss ist nun baulich bestens pr\u00e4pariert um den Rest der Woche auf diesem verbringen zu k\u00f6nnen. Die Kids haben unseren Hinweis, dass man mit Staken vielleicht besser vorankommen w\u00fcrde angenommen und zur Umsetzung zwei vier Meter lange Kn\u00fcppel besorgt, die ab jetzt zum staken dienen. Das es aber auch dann nicht mit der Geschwindkeit eines Kanus vorangehen wird ist ihnen noch nicht ganz klar. Kommt aber bald schon. Da das Dorf zwecks der Essensbeschaffung gestern schon erfolgreich abgegrast wurde, belassen wir es bei dem Versuch der Trinkwassergewinnung, was nach dieser Nacht schon unangenehm genug sein d\u00fcrfte. Aber es funktioniert ohne weiteres und wir machen uns wieder auf den Weg um in Hartmannsdorf Essen zu besorgen. Die mitgebrachten Grundnahrungsmittel gehen langsam der Neige zu und wir brauchen unbedingt Neue. Auch unabh\u00e4ngig davon, was man f\u00fcr die t\u00e4glichen 12 Euro kaufen kann. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blog\/flossimo-10.jpg\" width=\"260\" height=\"195\" border=\"0\" style=\"border: 4px solid white; float: left;\"><\/a>Es sind wieder um die 35\u00b0C und die Sonne knallt erbarmungslos auf uns hernieder. Wir Betreuer im Kanadier \u00fcberlegen, ob das so gut sein kann, stellen aber ganz pragmatisch fest, dass wenn wir stoppen, wir zu wenig zum Essen haben und die 20 Liter Trinkwasser gerade bei der Hitze nicht lange reichen werden. Wir entscheiden, weiter zu fahren und instruieren die Kids: Kopfbedeckung. Sonnenschutzcreme. Trinken, trinken, trinken! Die Stimmung auf dem Floss sagt wieder ab. Kein Wunder. Das Floss hat circa 8 m\u00b2 auf denen zehn Leute zwangsl\u00e4ufig ihren Tag verbringen m\u00fcssen. Die Vorstellungen von Geschwindigkeit, Arbeitsteilung und den zu erreichenden Zielen varieren stark. Es gibt jene, die sich auch aus wohlmeinenden Gr\u00fcnden in eine F\u00fchrungsrolle dr\u00e4ngen und es gibt jene, die froh dar\u00fcber sind, dass genau dieses von ihnen nicht erwartet wird. Der Rest h\u00e4ngt irgendwo dazwischen und ist ziemlich frustriert, dass ihm niemand zuh\u00f6ren will oder kann. es brodelt ganz sch\u00f6n und zwischenmenschlich Diskrepanzen werden auch f\u00fcr uns, die wir immer um die 10 Meter Abstand zum Floss haben, nur all zu deutlich. P\u00e4dagogisch betrachtet eine traumhafte Situation, denn die Dinge auf dem Floss m\u00fcssen in Eigenregie organisiert werden. Wir greifen nur ein, wenn wir das Gef\u00fchl haben, dass irgend etwas zu sehr aus dem Ruder zu laufen droht.<\/p>\n<p>Nach vier Stunden erreichen wir Hartmannsdorf. Wir haben vor, nur etwas zum Essen zu besorgen, Trinkwasser auch und dann weiter zu fahren, auch wenn die Kids hier bleiben wollen. Es wurde Gewitter angesagt und wenn wir hier bleiben gibt es vor uns nur Wasser und hiter uns nur hohe B\u00e4ume. Denkbar schlechte Vorraussetzungen also um sich bei Gewitter sch\u00fctzen zu k\u00f6nnen. Es kann nicht mehr lange dauern und wir erreichen eine der Wohl sch\u00f6nsten Lagerpl\u00e4tze an der gesamten M\u00fcggelspree. &#8222;Die vier alten Eichen&#8220; n\u00e4mlich. Die Stelle hat eine ganz spezielle, ja fast mystische Aura. Da wollen wir n\u00e4chtigen. Daran kann man nicht einfach so vorbei fahren und es gibt auch bei Gewitter die M\u00f6glichkeit, den Eichen zu entlfiehen. <\/p>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blog\/flossimo-11.jpg\" width=\"260\" height=\"195\" border=\"0\" style=\"border: 4px solid white; float: left;\"><\/a><p>Die Kids schaffen es in zwei Stunden massenhaft Essen zusammen zu bekommen und wir k\u00f6nnen ausgelassen vespern. Sie sind selber \u00fcberrascht, wie viele Menschen zu geben bereit sind und nat\u00fcrlich auch ein wenig stolz auf das von ihnen Geschaffte. Sobald alle das Floss verlassen k\u00f6nnen, steigt die Stimmung unter ihnen immer akut an, wenn es was zu essen gibt sowieso noch mehr. Die Stunden auf dem Floss m\u00fcssen f\u00fcr einige ziemlich anstrengend sein, was uns Sorgen macht aber eben auch ein Teil der Tour ist. Nach dem Essen machen wir uns auf den Weg zu den Eichen. Die Sonne k\u00fcndigt an, als bald hinter dem Horizont verschwinden zu wollen und wir m\u00fcssen uns ein wenig beeilen. Es gibt nichts unangenehmeres als ein lager in dieser Gr\u00f6\u00dfenordnung zu bauen, wenn es schon dunkel ist. Nach knapp einer Stunde m\u00fcssen wir feststellen, das die angedachte Stelle f\u00fcr diese Nacht schon besetzt ist. Verdammt! Wir fahren 300 Meter zur\u00fcck und finden etwas nettes zum n\u00e4chtigen. Die Gruppe hat sich gespalten, was sich auch darin \u00e4ussert, dass sie sich im Lager nicht mehr zusammenlegen. Wir, als die Betreuer, liegen in der Mitte am Feuer und je links und rechts von uns zwei Gruppen. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blog\/flossimo-12.jpg\" width=\"195\" height=\"260\" border=\"0\" style=\"border: 4px solid white; float: left;\"><\/a>Das ganze macht uns Sorgen und wir versuchen zu vermitteln, was sich als schwierig herrausstellt. Aufgrund der Stimmung beschlie\u00dfen wir heute mal f\u00fcr die Gruppe zu kochen, was dankbar angenommen wird. Es gibt Nudeln mit Tomatensosse, wie man sie aus der DDR-Schulspeisung kennt. Die zieht immer. Nachdem Essen enspannt sich die Gruppe zusehendst, was uns freut. Es beginnt ganz leicht zu nieseln, was ich nicht wahr haben will. Ich m\u00f6chte einfach nicht unter einer Plane schlaffen. ich will die Sterne sehen, wenn mich der Schlaf holen kommt. Es bleibt bei den paar Tropfen und wir bauen wieder kein Biwak. Nur drei der Kids ziehen es vor sich eine Plane zu spannen, um darunter zu schlafen. Der Platz ist auch ohne Regen ekelhaft nass und schon am Abend wird alles mit einer Reifschicht \u00fcberzogen sein, so dass \u00fcber den Schlafsack nach schon zwei Stunden die Wassertropfen laufen. Es wird furchtbar feucht in dieser Nacht und am n\u00e4chsten Morgen ist mein Schlafsack schon von innen feucht sein, worauf ich gar nicht kann. Aber was soll es. Das ist nun mal so. Dazu kommen die tausenden von M\u00fccken, die die wahren Terrornetzwerke sein d\u00fcrften. Sobald auch nur ein St\u00fcck Haut rausguckt lassen sie sich darauf nieder und stechen erbarmungslos zu. Immer wieder. Einigen macht das sehr zu schaffen. Die Anti-M\u00fccken-Creme h\u00e4lt genau sechs Stunden und man wei\u00df vor dem Einschlafen schon, dass man am n\u00e4chsten Morgen mindestens wieder zwanzig Stiche kassiert hat. Wir legen uns ans Feuer und w\u00e4hrend wir \u00fcber Sternbilder reden schlafe ich ein. Eine unruhige, nasse und allgemein unangenehme Nacht. Unter den Eichen w\u00e4re das nicht passiert.<\/p>\n<p>Noch vor dem Essen, was allen bestens geschmeckt und ihre Laune befl\u00fcgelt hat, beschliessen wir Betreuer, aufgrund der nicht ausgewogenen Gruppensituation, den Kids am n\u00e4chsten Tag komplett die Regie zu \u00fcbertragen. Wir hoffen, dass sich daraus ein Bindungsprozess entwickelt, der allen auf dem Floss Fahrenden zu Gute k\u00e4me.<\/p>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blog\/flossimo-14.jpg\" width=\"260\" height=\"195\" border=\"0\" style=\"border: 4px solid white; float: left;\"><\/a><p><strong>Tag 4:<\/strong>Wie erw\u00e4hnt haben wir in der Hoffnung darauf, dass sie die Gruppensituation bessern w\u00fcrde, haben wir die komplette Regie an die Gruppe \u00fcbergeben.Sie sollen ihre Ziele, ihre Pausen, ihren Weg, das Essen und alles weitere in Kommunikation mit sich selber organisieren. Wir stehen f\u00fcr Fragen, die sie sich nicht selber erschlie\u00dfen k\u00f6nnen zur Verf\u00fcgung. Das ist alles. Es wird wieder abartig warm und wir m\u00fcssen sie immer wieder darauf hinweisen, dass sie sich den Kopf bedecken, sich eincremen und trinken. Viel trinken. Wir erwarten, dass sie bei dem Wetter nicht l\u00e4nger als 3-4 Stunden fahren werden. Aber wir t\u00e4uschen uns. Wir werden an diesem Tag fast acht Stunden im Kanu sitzen und die Kids auf dem Floss. Sie haben sich ein Ziel gesetzt, dass wir f\u00fcr unrealistisch halten. Sie wissen weder, wie weit das ist, noch wissen sie, wo man dort zwischendurch anlanden k\u00f6nnen, um einkaufen zu k\u00f6nnen und  Essen und Trinkwasser holen zu k\u00f6nnen. Sie wollen dieses Ziel erreichen um dort den Rest der Woche verbringen zu k\u00f6nnen. Die Lust darauf, weiter mit dem Floss zu fahren ist gering. Dennoch ist es notwendig wenigstens in die N\u00e4he eines Bahnhofs zu kommen um mit dem Gep\u00e4ck nicht all zu weit laufen zu m\u00fcssen, wenn am Freitag die Tour enden wird. Sie haben sich in den Kopf gesetzt noch heute da anzukommen, um die letzten zwei Tage &#8222;chillen&#8220; zu k\u00f6nnen, wie sie es nennen.<\/p>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blog\/flossimo-16.jpg\" width=\"260\" height=\"195\" border=\"0\" style=\"border: 4px solid white; float: left;\"><\/a><p>Sie hoffen auf einen n\u00e4chsten Stop um einzukaufen und zu essen. Danach wollen sie dann weiter, um das von ihnen gesteckte endg\u00fcltige Ziel zu erreichen. Ein Wahnsinn, wie wir finden. Aber wir lassen sie gew\u00e4hren, vorerst, denn es ist ein Entscheidung, die die ganze Gruppe getroffen hat. Das war uns wichtig und es ist ligitim, sie das dann auch versuchen zu lassen, auch wenn wir dermassen Hunger haben, das auch unsere Laune zu sinken beginnt. Die Sonne will sich heute Feinde machen und knallt ohne Gnade. Der wohl relativste Satz der Woche, den die Kids geh\u00f6rt haben ist: &#8222;Ist nicht mehr weit. Ihr seid gleich da.&#8220; Das n\u00e4mlich sagt ihnen ein jeder, den sie nach dem Weg fragen.<\/p>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blog\/flossimo-13.jpg\" width=\"260\" height=\"195\" border=\"0\" style=\"border: 4px solid white; float: left;\"><\/a><p>Noch bevor wir in die N\u00e4he Neu Zittaus kommen, f\u00e4llt uns auf, dass sich einer der Kids nicht an die Vorgabe gehalten hat, dass sie nur mit Kopfbedeckung zu fahren haben. Er sieht blass aus und es scheint als ginge es ihm nicht gut. Auf die Nachfrage, ob alles okay sei, meinte er: &#8222;alles okay. Kein Grund zur Sorge.&#8220; Nach nunmehr fast acht Stunden ohne Essen und auf dem Wasser, wobei wir wunderbare Lagerstellen hinter uns lassen, da die Kids eben ein anderes Ziel haben, erreichen wir Neu Zittau. Wir beschliessen, das Ganze hier abzubrechen und im Namen der Gesundheit die Regie zu \u00fcbernehmen. Es ist 20:00 Uhr und es wird schwer sein \u00fcberhaupt noch etwas einkaufen zu k\u00f6nnen. Es k\u00f6nnte nochmal zwei Stunden dauern, um ihr Ziel zu erreichen. Das ist f\u00fcr uns nicht tragbar und wir nehmen uns vor hier in der N\u00e4he einen Lagerplatz zu suchen, nur um dort zu n\u00e4chtigen.<\/p>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blog\/flossimo-15.jpg\" width=\"260\" height=\"195\" border=\"0\" style=\"border: 4px solid white; float: left;\"><\/a><p>Der Zustand des Jungen ist alles andere als &#8222;okay&#8220;. Ihm ist schwindelig, er hat Kopfschmerzen und f\u00fchlt sich allgemein unwohl. Also genau das Gegentei von dem, was er noch vor einer Stunde sagte. Wir vermuten, dass er einen Sonnenstich hat und hoffen, dass der Ausl\u00f6ser seiner \u00dcbelkeit nicht der heute Morgen gemachte Kaiserschmarn ist. Dann w\u00e4re es eine Sache von Minuten und es k\u00f6nnte den N\u00e4chsten umhauen. Wir rufen den Notarzt, der ihn mit Verdacht auf einen Sonnenstich mit ins Krankenhaus nimmt. Ein sp\u00e4teres Telefonat mit diesem ergibt, dass es erst am n\u00e4chsten Morgen eine endg\u00fcltige Diagnose und eine Empfehlung auf eine weitere Teilnahme geben wird. Wir m\u00fcssen also genau hier die Nacht verbringen. An einer Br\u00fccke, \u00fcber die eine Landstrasse f\u00fchrt. Mit elf Leuten m\u00fcssen wir ein lagen in einer kleinen Gemeinde bauen. Na hoffentlich geht das gut. Einen uncharmanteren Lagerplatz h\u00e4tte man auf der gesamten Strecke nicht finden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Kids besorgen wieder Essen und Trinkwasser und wir legen uns irgendwie nieder, ohne Feuer, was alle ein wenig runterzieht. Mich auch. Die Stimmung ist trotz des Vorfalls gut, was uns in der Annahme best\u00e4rkt, den richtigen Weg gew\u00e4hlt zu haben. Wir reden noch lange mit den Kids in dieser Nacht und schlafen in der Hoffnung ein, dass uns die Polizei hier nicht wecken w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Fortsetzung folgt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tag 1: Der Zug kommt p\u00fcnktlich, das Wetter zeigt sich von seiner besten Seite. Die Stimmung ist gut. Die Zehn Jungs wissen noch nicht, wo&#8230;<\/p>\n<div class=\"more-link-wrapper\"><a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blogg\/flossimo-extremo-tag-1-4\/\">Mehr lesen -&gt;<span class=\"screen-reader-text\">Flossimo Extremo Tag 1-4<\/span><\/a><\/div>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[],"tags":[163],"class_list":["post-1126","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","tag-forrest","entry"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/pXEnA-ia","jetpack-related-posts":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blogg\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1126","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blogg\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blogg\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blogg\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blogg\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1126"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blogg\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1126\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blogg\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1126"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blogg\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1126"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blogg\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1126"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}