{"id":117026,"date":"2017-02-16T23:54:50","date_gmt":"2017-02-16T22:54:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blogg\/?p=117026"},"modified":"2017-02-17T00:52:11","modified_gmt":"2017-02-16T23:52:11","slug":"trainspotting-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blogg\/trainspotting-2\/","title":{"rendered":"Trainspotting 2"},"content":{"rendered":"<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blogg\/wp-content\/uploads2\/2017\/02\/Ohne-Titel-2-1.jpg\" alt=\"\" width=\"1080\" height=\"822\" class=\"alignnone size-full wp-image-117027\" srcset=\"https:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blogg\/wp-content\/uploads2\/2017\/02\/Ohne-Titel-2-1.jpg 1080w, https:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blogg\/wp-content\/uploads2\/2017\/02\/Ohne-Titel-2-1-300x228.jpg 300w, https:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blogg\/wp-content\/uploads2\/2017\/02\/Ohne-Titel-2-1-768x585.jpg 768w, https:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blogg\/wp-content\/uploads2\/2017\/02\/Ohne-Titel-2-1-600x457.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1080px) 100vw, 1080px\" \/>\n<p>Vor zwanzig Jahren gingen wir beide in Trainspotting. Wir hatten gerade eine kleine und sch\u00f6ne Zwei-Zimmerbude in Sch\u00f6neberg f\u00fcr uns wohnlich gemacht, um die Ecke gab es ein Kino.  Eines Abends gingen wir so p\u00e4rchenm\u00e4\u00dfig in den Film. Wir hatten mal keinen Besuch &#8211; und wir hatten eigentlich immer Besuch. Wir wohnten in Berlin, alle unsere Freunde immer noch im Umland. In Brandenburg. Also kamen sie uns besuchen. Eigentlich fast immer. <\/p>\n<p>Wir sa\u00dfen mitunter tagelang mit 10-20 Leuten in der Bude. Zogen die Jalousien runter, machten die Lava- und UV-Lampen an, die unsere fluoreszierende T\u00fccher ausleuchten sollten und h\u00f6rten Musik. Manchmal sahen wir Filme auf Premiere, aber eigentlich h\u00f6rten wir immer nur Musik. Manche nahmen dazu dies und das. Rauchten, zogen. Nur gesoffen hat damals keiner von uns. Nicht mal Bier. Drau\u00dfen gab es die, die kifften oder die, die soffen &#8211; und die, die soffen, waren uncool. Wir holten f\u00fcr uns das Hippie-Ding in die 90er. So ganz individualisiert, so ganz f\u00fcr uns. Dann kam Trainspotting. <\/p>\n<p>W\u00e4hrend wir uns jedes Wochenende in irgendwelchen Clubs der Hauptstadt oder auf irgendwelchen Raves in der Republik um die Ohren schlugen, zeigte der Film, wo f\u00fcr uns alle im besten Fall eine Grenze liegen sollte: &#8222;Kein Heroin und nicht schwanger werden!&#8220; wurde f\u00fcr ein paar Jahre zur Pr\u00e4misse unseres sprunghaft verballerten Lebens. Auch wenn wir beide auch von so manchen Rauschmitteln stets die Finger lie\u00dfen. Trotzdem liebten wir den Film. F\u00fcr mich damals der wichtigste Anti-Drogenfilm, den ich je gesehen hatte. Dass ihm mitunter vorgeworfen wurde, H und das Junkietum zu glorifizieren, konnte ich nie nachvollziehen. <\/p>\n<p>Der Film war auf komische Weise der Soundtrack zu unserem damaligen Leben, was ja eigentlich Bl\u00f6dsinn war, denn der Film an sich war schon Film und hatte seinen ganz eigenen Soundtrack. Born slippy. Au\u00dferdem war unser Leben lange nicht so kaputt, wie das der gezeigten Protagonisten. Wir sagten alle irgendwie schon &#8222;Ja zum Leben&#8220;. Zumindest vorerst. Wir wussten, dass das nicht ganz richtig war, aber irgendwie musste diese ganze Feierei ja auch bezahlt werden und &#8222;krumme Dinger&#8220; drehen war nicht so das Unsere. Wir arbeiten so wenig wie das eben m\u00f6glich war und feierten so oft es nur ging. Mitunter Tage am St\u00fcck. <\/p>\n<p>Sp\u00e4ter sahen wir Trainspotting immer und immer wieder mal. Quasi so als Erinnerung an unsere extra derben Jahre, aus denen wir am Ende doch ziemlich glimpflich rausgekommen waren. Also die meisten von uns. Und &#8211; und vor allem &#8211; wir beide. Manche hatten weniger Gl\u00fcck, erfuhren wir erst sp\u00e4ter, aber das ist eine andere Geschichte.<\/p>\n<p>Heute waren wir beide in Trainspotting 2. So wie damals. Nicht mehr in Berlin und mit zwei Kindern, die sich zu Hause selber organisieren, wobei die Gro\u00dfe die Kleine ins Bett bringt. 20 Jahre sp\u00e4ter. &#8222;Kein Heroin&#8220; blieb immer Pr\u00e4misse, &#8222;nicht schwanger werden&#8220; f\u00fchlte sich irgendwann \u00fcberholt und &#8222;schwanger werden&#8220; hingegen auch ganz okay an. <\/p>\n<p>Trainspotting 2 ist ein verdammt guter Film, weil er einen so wunderbar ehrlich die letzten 20 Jahre Revue passieren l\u00e4sst. Die passieren im Film ja nicht im Zeitraffer oder so. Es ist 20 Jahre her, als wir den ersten Teil sahen. 20 Jahre! <\/p>\n<p>Ich bin kein Filmkritiker und habe auch gar nicht vor, zu spoilern. Nur: wem Trainspotting was gegeben hat, muss sich nicht dagegen wehren, Trainspotting 2 zu sehen. Das passt. Alles. Vor allem, wenn ihr selber schon so alte S\u00e4cke seid, dass ihr den ersten Teil im Kino sehen konntet. <\/p>\n<p>Dass heute kaum einer der jungen Menschen  Trainspotting gesehen hat: schade, aber geschenkt. Der Zeitgeist war damals eben einer, der uns sehr viel n\u00e4her war, als das er ihnen heute kommen k\u00f6nnte. Dass ich Trainspotting dennoch f\u00fcr einen dieser Filme halte, den jeder mal gesehen haben muss, scheint da eher nostalgischer Natur. Muss ich vielleicht wohl auch mal neu sortieren, diese Liste der Filme, die in diese Schublade geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Der Saal heute war f\u00fcr einen Kinostart ziemlich leer. Also sehr leer, um genau zu sein. Das Publikum, was sich an zwei H\u00e4nden abz\u00e4hlen lies, war durchweg 40+. Na klar! Zeitgeist und so. <\/p>\n<p>Und dennoch war es gut, dass T2 gemacht wurde und wir ihn sehen konnten. Finden wir beide &#8211; und sprechen intensiv dr\u00fcber, wenn wir das Kino verlassen haben. So wie damals. Vor 20 Jahren. Das ist geblieben. <\/p>\n<p>Ein paar Pl\u00e4tze neben uns sa\u00dfen zwei T\u00fcpen (40+), die vor dem Film ganz offensichtlich eine ordentliche Line Speed geballert haben und verdammt viel Spa\u00df hatten. Sie redeten viel zu viel und viel zu laut. So, wie sie das noch von damals zu kennen scheinen. Vor 20 Jahren.<\/p>\n<p>Der &#8222;Sag ja zum Leben!&#8220;-Monolog in T2 d\u00fcrfte die st\u00e4rkste Szene des Films sein. Weil wir alle 20 Jahre lang Zeit hatten, den Bausparvertrag schei\u00dfe zu finden und heute noch ganz andere Probleme haben, an die vor 20 Jahren kaum einer zu glauben gedachte. <\/p>\n<p>Vielleicht k\u00f6nnen wir beide ja auch noch in 20 Jahren zu T3 gehen und s\u00e4\u00dfen dann dabei ganz alleine im Kinosaal. Die Kinder d\u00fcrften dann ausgezogen sein. Das w\u00e4re sch\u00f6n. Sag ja zum Leben, aber ironisch &#8211; und so. <\/p>\n<p>Es ist gleichsam gut und konsequent, &#8222;Born slippy&#8220; von damals nicht zum Teil des heutigen Soundtracks gemacht zu haben. Manchmal reichen halt auch zwei <strike>veralterte<\/strike> verhallte Akkorde aus, um G\u00e4nsehaut zu erzeugen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor zwanzig Jahren gingen wir beide in Trainspotting. 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