{"id":1294,"date":"2007-09-17T10:42:17","date_gmt":"2007-09-17T08:42:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blogg\/?p=1294"},"modified":"2007-09-17T10:42:17","modified_gmt":"2007-09-17T08:42:17","slug":"1294","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blogg\/1294\/","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"<p>Die DDR war ein kleines Land. Von Berlin aus gestartet konnte man in jede beliebige Ecke des Landes gelangen, ohne auch nur 500 Kilometer fahren zu m\u00fcssen. Da endete dann f\u00fcr einige die Republik, f\u00fcr viele andere allerdings endete dort die Welt. Es war nicht ganz unproblematisch Visa f\u00fcr die damalige \u010cSSR, Polen, Ungarn oder gar Bulgarien zu bekommen. \u00dcber die westlichen L\u00e4nder brauchte man schon gar nicht nachdenken. Gut, wenn man bereits das Rentenalter erreicht hatte, war es wohl etwas einfacher, nur der b\u00fcrokratische Weg, den man gehen musste um an ein solches Visum zu kommen, war nicht wenigen so l\u00e4stig, dass sie diesen nicht gehen wollten.<\/p>\n<p>So versuchte man, es sich im eigenen und kleinen Lande auch zur Urlaubszeit gem\u00fctlich zu machen und machte aus jedem Weg, sei er auch noch so kurz gewesen, eine richtige Reise. Wenn die Eltern zu ihren Eltern fahren wollten, was recht h\u00e4ufig vorkam, um dort eine Woche &#8222;Urlaub&#8220; zu machen, (wie sie es immer nannten) dann wurde schon aus der Hinfahrt ein Elebniss. Da wurden Thermoskannen, mit Kaffee gef\u00fcllt, Br\u00f6tchen belegt und eingepackt und Schnitzel gebraten. Man sollte nicht Hungern m\u00fcssen, auf dieser Fahrt. Eben so, wie es sich f\u00fcr eine richige Reise geziemt. Gefahren wurde mit dem Trabant Kombi und es wurden mindestens drei Pausen eingeplant. Das Ziel lag 230 Kilometer entfernt und man brauchte locker vier Stunden. Wenn es schnell ging. Es sollte eben eine richtige Reise werden, was auch immer gelang. Wir als Kinder, dachten immer, dass das schon unheimlich weit sein musste. Es dauerte ja auch so lange. Die damals gefahrenen Durchschnittsgeschwindigkeiten sind mit den heutigen nicht zu vergleichen. 80 km\/h waren viel. <\/p>\n<p>Das was man heute mal an einem Sonntagnachmittag im Vorbeifahren in nicht mal zwei Stunden abrei\u00dft, waren damals ganze Anreisen. Ganz gro\u00df wurde es dann, wenn man wirklich mal ins Erzgebirge fuhr, oder gar in den Harz. Da machte man dann halbe Tagesreisen. Aber man hatte immer das Gef\u00fchl, gaaaaaaanz weit weg zu kommen. Vielleicht machten die Eltern deshalb auch ganz bewusst ein derartiges Brimboruim um die verh\u00e4ltnissm\u00e4\u00dfig wenigen Kilometer. Vielleicht wollten auch sie das Gef\u00fchl haben, eine gro\u00dfe Reise zu bestreiten. <\/p>\n<p>Mit dem Fall der Mauer konnten sich einige dann an andere Wege gew\u00f6hnen. Man konnte in vierzehn Stunden nach London fahren oder auch nach Paris, wenn man denn wollte. Zeit wurde wertvoller. Pausen gab es nur in ernstzunehmenden Notsituationen wie dem auftretenden Harndrang, oder dem Bed\u00fcrfniss nach Kaffee, den man nicht mehr in die Thermoskanne zw\u00e4ngen wollte. Den holte man sich den frisch, an den zu Hyperm\u00e4rkten mutierten Rastpl\u00e4tzen. Sechs stunden bis in den Harz? Nein, da k\u00f6nnte man schon glatt in K\u00f6ln sein, wenn man denn wollte. Viele wollten. Viele wollten sogar noch viel weiter. Die Autos, die nun in den seltensten F\u00e4llen noch Trabbis waren fuhren um einiges schneller und man rechnete so pi mal Daumen f\u00fcr 100 Kilometer eine Stunde. das klappte meistens auch ganz gut. <\/p>\n<p>Heute k\u00f6nnen, die damals als so weit empfundenen, 230 Kilometer im \u00fcbelsten Fall dein Arbeitsweg sein, oder eben die Anfahrt f\u00fcr einen Tagesausflug. In keinem Fall aber sind die eine Reise. Zumindestens f\u00fcr die Wenigsten. Wenn man heute eine Reise machen will, f\u00e4hrt man auch mal 4000 Kilometer. Das lohnt sich dann auch, die Welt ist ja gr\u00f6\u00dfer geworden. Alles kein Problem&#8230;<\/p>\n<p>Aber es gibt auch noch jene, f\u00fcr die eben genau diese kurzen Wege zu einer Reise werden. Sie braten sich Bulletten, f\u00fcllen genau wie damals die Thermoskannen und haben immer noch das Gef\u00fchl der Harz sei mindestens soweit weg, wie die spanische Mittelmeerk\u00fcste. Nur an die will man gar nicht. &#8222;Der Harz ist doch auch sch\u00f6n&#8220;. Komisch sind die Menschen, die sich immer noch an dem Zaun als Ma\u00dfstab ihrer r\u00e4umlichen Entfaltungsm\u00f6glichkeiten orientieren. Und irgendwie sind sie auch ein wenig zu bedauern. Nur: Sie bedauern sich nicht selbst. Sie wollen nicht mehr, weil sie &#8222;nicht mehr brauchen&#8220;, wie sie sagen. Viele von denen kommen aus l\u00e4ndlichen Gegenden und sind sozial nicht unbedingt gut gestellt. Vielleicht w\u00e4re es anders, wenn es ihnen finanziell besser ginge, vielleicht ensteht der Drang danach weit zu kommen, mit den daf\u00fcr n\u00f6tigen Euros auf dem Konto, vielleicht aber, sind sie auch einfach noch das, was sie immer waren: DDR-B\u00fcrger. Ich wei\u00df, dass es im Westen \u00e4hnliche Pers\u00f6nlichkeiten und Reisegewohnheiten gibt, aber die treffen sich eher selten mit den meinigen, um sich mal auszutauschen. Und ganz so klein ist die Welt f\u00fcr die meisten derer dann auch im Osten nicht mehr. Viele von denen wollen mal nach Bayern, &#8222;weil es da so sch\u00f6n sei&#8220;, wie sie sagen. Sie packen daf\u00fcr ihre Stullen und Thermoskannen ein und machen so eine richtige Reise daraus. 700 Kilometer in zw\u00f6lf Stunden. Fast so wie fr\u00fcher, nur nicht mehr mit dem Trabbi. Ich freue mich f\u00fcr sie, wenn ich nach der selben Zeit im Auto in Paris oder London an sie denken muss. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die DDR war ein kleines Land. 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