{"id":1405,"date":"2007-10-23T09:32:33","date_gmt":"2007-10-23T07:32:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blogg\/?p=1405"},"modified":"2007-10-23T09:51:13","modified_gmt":"2007-10-23T07:51:13","slug":"1405","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blogg\/1405\/","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"<p>Auf den Ziegeln lag der Frost der Nacht. Wenn es nicht windig war, lagen alle noch auf den D\u00e4chern und machten aus dem dunklen Rot, was doch immer grau schimmerte, wei\u00dfe Zelte, die m\u00e4chtig in den Himmel ragten und schon vom Winter erz\u00e4hlten. Wenn es doch mal windig war, fielen sie zu Hauf von den D\u00e4chern und lagen dann gebarsten auf dem Gehweg, den es zu gehen galt. Auch hier waren sie noch wei\u00df bedeckt und man wusste, die warmen Zeiten sind vorbei. Man lief um sie herum, kickte sie hin und her und holte sich Anranzer, von allen Hausmeistern, an denen man, bis man den Weg zur Schule geschafft hatte, vorbei musste. Die Ziegel sollten ganz bleiben und irgendwie den Weg zur\u00fcck auf die D\u00e4cher finden, um die n\u00e4chtlich enstandenen L\u00f6cher auf den D\u00e4chern zu schlie\u00dfen. Ziegel gab es wohl nicht so viele und die, die den Weg nach unten noch halbwegs unbeschadet \u00fcberstanden hatten, sollten wieder rauf. Rauf zu den wei\u00dfen Zelten, um sie wieder dicht zu machen. Im Regelfall blieben sie dort dann bis zum n\u00e4chsten gro\u00dfen Wind und fielen wieder auf die Gehwege. Von Gl\u00fcck konnte man sprechen, wenn sie dabei nicht die S\u00e4ufer erschlugen, die nachts aus der Treffpunkt-Gastst\u00e4tte ihren Weg nach Hause wankten. T\u00fcpen wie <a href=\"http:\/\/www.julieparadise.de\/2007\/10\/22\/auf-zur-seefahrt\/\">Kutte<\/a> vielleicht, die es auch damals zu Hauf schon gab.<\/p>\n<p>Auf dem Schulhof ergab sich einem ein \u00e4hnliches Bild. Ziegel soweit man sehen konnte. Man musste dann immer schnell ins Geb\u00e4ude, damit nichts passieren k\u00f6nnte mit den noch kleinen K\u00f6pfen. Da h\u00e4tte auch das Pionierk\u00e4ppi nichts ausrichten k\u00f6nnen. Soviel wussten sie. Man schlurfte dann durch das alte Schulhaus, was vor 1945 eine Kommandozentrale f\u00fcr den sich im Bau befindlichen Flughafen war, schaute bei den Hausmeistern vorbei, die unten im Keller die riesigen \u00d6ffen heizten, damit es wenigstens halbwegs warm wurde. Sie taten das schwitzend, mit freiem Oberk\u00f6rper und gro\u00dfen Schippen. Schnell waren sie und gechickt. Sie lie\u00dfen sich gerne dabei zusehen, es machte sie ein wenig stolz, so eine wichtige Aufgabe erledigen zu d\u00fcrfen. Wenn mal einer der beiden nicht da war, merkte man das umgehend. Es war k\u00e4lter in den R\u00e4umen. Wenn man genug davon hatte, ihnen beim Schuften zuzusehen, schlurfte man weiter. Zum Werklehrer vielleicht, der in seinem Raum eine gro\u00dfe Karte an der Wand h\u00e4ngen hatte. Eine Karte, auf der Flugplatz komplett dargestellt  war, so wie Adolf in bauen lassen wollte. Der Werklehrer war ein netter Mann und der einzige, der politisch nicht so verbr\u00e4hmt war, wie fast alle anderen Lehrer. Er erkl\u00e4rte einem all diese Sachen vom Flugplatz und von dem, wie weit die damals kamen und warum sie nicht noch weiter bauen konnten. Er sammelte alles dar\u00fcber und bewahrte es in seinem kleinem Raum auf. Nicht um es den Sch\u00fclern zu zeigen, sondern um es bei sich zu haben. Manchmal lief er am Wochenende mit dem Spaten in der Gegend rum und buddelte irgendwelches Zeug aus der Erde. Man fand sowas spannend damals, man war klein. <\/p>\n<p>Die Klassenr\u00e4ume waren gro\u00df, mitunter ziemlich kalt und rochen nach einer Mischung aus nassen Klamotten, Schulstullen, die noch irgendwo in den B\u00e4nken lagen, Qualm aus den riesigen \u00d6ffen im Keller und manchmal auch ein wenig nach Pisse. Der Gestank von den Toiletten kroch durchs ganze Schulhaus. Auch wenn die T\u00fcren alle zu waren. Die Fenster waren undicht und zog es einem immer kalt um den Nacken, wenn man da so sa\u00df. Die Jacken mussten auf dem Flur h\u00e4ngen bleiben, so das man sie nicht \u00fcberziehen konnte. Das ergab ein lustiges Bild, wenn man mal wieder dem Unterricht vor der T\u00fcr beiwohnen musste, was ja hin und wieder mal vorkam. Da hingen dann auf einhundert Meter Flur massig viele Jacken zwischen den T\u00fcren und sahen so aus, als w\u00fcrden ihre Tr\u00e4ger noch in ihnen stecken und alle brav an der Wand stehen. An guten Tagen, wenn man bis zum n\u00e4chsten Klingeln noch Zeit hatte, verstauschte man einige von denen. Auch \u00fcber die Etagen. So kam es vor, dass die T\u00fcpen aus der Zehnten, die ganz oben im Haus untergebracht waren, ihre Jacken im Keller wieder fanden, wo die Ersten lernten. Wenn sie rausbekamen, wer daf\u00fcr verantwortlich war, fanden sie das nicht zum Lachen. Wohl dem, der einen gro\u00dfen Bruder hatte.<\/p>\n<p>Wenn es mal all zu kalt war, beide Hausmeister krank waren, so dass keiner heizen konnte, oder es eben sehr stark st\u00fcrmte, wurde die Schule ganz geschlossen und man konnte den Weg, wieder mit den Ziegeln kickend, umgehend zur\u00fcck gehen. Zu Hause wartete der Ofen darauf, dass man ihn f\u00fctterte. Asche raus, runter in den Keller, um die Kohlen zu holen anheizen und erstmal f\u00fcr eine halbe Stunde wieder ins Bett kriechen, damit es auszuhalten war. An guten Tagen hatten die Eltern das morgens noch gemacht. An schlechten, wenn auch sie schon weg mussten, war man daf\u00fcr selbst verantwortlich. F\u00fcr alle Zimmer wohlgemerkt. Asche raus &#8211; Kohle rein. Jeden Tag. Man hat es gehasst. Jeden Tag die Kohlen aus dem Keller schleppen &#8211; immer Abends vor dem Essen. Nach nach der halben Stunde unter der w\u00e4rmenden Decke und dann, wenn die dick zugefrorenen Fenster endlich den Blick nach drau\u00dfen zuliessen, verlie\u00df man das Bett und geno\u00df die wohlige W\u00e4rme, die aus dem Ofen bullerte. Solange bis es wieder Nacht wurde und mit ihr die K\u00e4lte kam.<\/p>\n<p>Wenn man morgens mal nicht soviel Geduld hatte und auf die W\u00e4rme warten wollte, setzte man sich in die K\u00fcche und machte alle Flammen das Gasherdes an, schlo\u00df die T\u00fcr und w\u00e4rmte sich dort. Genau so, wie ich es heute tue.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf den Ziegeln lag der Frost der Nacht. 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