{"id":160,"date":"2006-12-13T17:57:24","date_gmt":"2006-12-13T16:57:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blogg\/?p=160"},"modified":"2006-12-13T21:07:54","modified_gmt":"2006-12-13T20:07:54","slug":"herrlich-kitschig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blogg\/herrlich-kitschig\/","title":{"rendered":"Herrlich kitschig"},"content":{"rendered":"<p>und klischeedurchtr\u00e4nkt ist der immer noch <a href=\"http:\/\/archiv.tagesspiegel.de\/archiv\/07.01.2004\/920529.pnn\">lustige Artikel<\/a>, den die Potsdamer Tageszeitung <a href=\"http:\/\/www.pnn.de\">PNN<\/a> mal \u00fcber uns geschrieben hatte.<\/p>\n<blockquote><p><strong>Das Kraftfuttermischwerk<br \/>\nEine Geschichte \u00fcber elektronische Musik aus dem Untergrund \/ Party am Sonnabend im Potsdamer Kesselhaus<br \/>\n<\/strong><br \/>\nvon Patrick Steller<\/p>\n<p>Ein kaltes Winterwochenende, das \u201esonnige Gem\u00fcter\u201c in den w\u00e4rmenden Mantel einer alten, verlassenen Zigarettenfabrik in Pankow treibt. Dort, im Nordwesten Berlins, zelebrierten die Musiker des Kraftfuttermischwerks aus Potsdam ihren letzten Auftritt vor dem neuen Jahr. Eine GOA-Party mit dem Namen \u201eNataraya\u201c, von Freitag Abend bis Montag Fr\u00fch, das ein Sammelsurium skurriler Gestalten abseits des Massengeschmacks mit nur einem Ziel vereint: Die Nacht zum Tage machen. Sie alle geben sich der psychedelischen Elektronik-Musik hin, die ihren Namen von einem kleinen indischen Fischerdorf herleitet. Dort fanden sich im Jahre 1966 erstmals Hippies zusammen, um friedliche Partys mit einer Prise freier Liebe und einem Schuss \u201eGoa-Trance\u201c fernab der westlichen Zivilisation zu feiern.\n<\/p><\/blockquote>\n<p><!--more--><\/p>\n<blockquote><p>Der von Rauchschwaden geschw\u00e4ngerte Keller in Pankow wirkt wie ein Magnet f\u00fcr Unterschlupf Suchende, die bereit sind ihr ganzes Wochenende in den Dienst der Musik zu stellen. Frauen im Bikini f\u00fchlen sich hier, in der subtropischen Hitze, sichtlich wohl, denn im fernen Drau\u00dfen w\u00fcten die ersten Vorboten des Winters. Da sitzen sie, unscheinbar zwischen den Menschenmassen: die Mitglieder des Kraftfuttermischwerks, ein DJ- Kollektiv das einst aus vier kreativen Soundbastlern bestand. Inzwischen wird es live nur noch von \u201eZottel\u201c (alias Nico Wawersig, 26 Jahre) und \u201eMealici\u00f6\u00fcs\u201c (alias Ronny Kraak, 26 Jahre) vertreten. Beide l\u00fcmmeln sich nerv\u00f6s an Zigaretten ziehend, auf ein paar mit Brandl\u00f6chern verzierten Ledersofas und blicken angespannt auf ihre Uhren. Es ist kurz nach Mitternacht, also schon Sonntag. \u201eNoch knapp zwei Stunden, dann spielen wir\u201c, sagt Mealici\u00f6\u00fcs und zaubert eine Flasche Rotwein hervor, an der er zur Beruhigung nippt. Zottel, der auf einem anderen Sofa gegen\u00fcber sitzt, grinst in sich hinein und beobachtet aufmerksam die Menschen, die das ausladende Kellergew\u00f6lbe stetig f\u00fcllen. \u201eIch wundere mich, dass das Publikum so bunt gemischt ist\u201c, sagt er. Fr\u00fcher, als er vor acht Jahren in die Szene eintauchte, seien viel mehr Freaks und Hippies auf Goa-Parties gewesen. Man habe damals eine intolerante Einstellung gegen \u201edie Anderen\u201c, die diese Musik augenscheinlich nicht h\u00f6ren sollten, entwickelt. \u201eDoch heute ist alles viel liberaler. Ich auch\u201c, grinst er.<\/p>\n<p>Es gibt Probleme, sich gegenseitig in der Ger\u00e4uschkulisse der \u00fcberm\u00e4chtigen, allgegenw\u00e4rtigen Wellen des wummernden Basses zu verstehen. Aber das ist die Musik, die heute den ganzen Abend gespielt wird: laut, hart, aggressiv und gleichm\u00e4\u00dfig zwischen 135 und 143 Beats in der Minute peitschend. Das entspricht etwa einer Herzschlagfrequenz bei gesteigerter Anstrengung. Diese wuchtigen Klangcollagen werden immer wieder von entspannenden, sph\u00e4rischen Kl\u00e4ngen unterbrochen, die vollkommen taktfrei durch die Lautsprecher schleichen.<\/p>\n<p>Auf die Frage, wie sie ihre Musik beschreiben w\u00fcrden, erkl\u00e4ren beide, dass sie so ziemlich alle Spielarten der elektronischen Musik von aggressiven, schnellen Stilen wie \u201eHouse\u201c oder Goa-Trance, bis langsameren und relaxten Stilen wie \u201eLounge\u201c oder \u201eChillout\u201c beherrschen. Man habe sich nie hingesetzt und bewusst versucht, einer bestimmten Richtung treu zu bleiben. Vielmehr lie\u00df man sich von allen m\u00f6glichen musikalischen Eindr\u00fccken im t\u00e4glichen Umfeld, zu denen auch Rockmusik, Reggae oder Jazz geh\u00f6ren, inspirieren. \u201eMan klaut, was einem gef\u00e4llt\u201c, erkl\u00e4rt Zottel augenzwinkernd.<\/p>\n<p>\u201eAngefangen hat es eigentlich mit zwei Plattenspielern\u201c, plaudert Zottel aus dem N\u00e4hk\u00e4stchen, als er und Mealici\u00f6\u00fcs zwei Wochen nach dem Berliner Auftritt im Kraftfutter-Homestudio an neuen Liedern herumfeilen. Diese Plattenspieler geh\u00f6rten Mealici\u00f6\u00fcs, der 1993 das erste Mal auf einer Privatparty auflegte. Zwei Jahre sp\u00e4ter lernte er Zottel kennen und beide fingen an, zusammen Platten zu mixen. \u201eDaraus ist Das Kraftfuttermischwerk dann entstanden. Denn in der Techno-Szene ist es nahe liegend, dass du als DJ, also Plattenaufleger, anf\u00e4ngst, auch dein eigenes Zeug zu produzieren\u201c, so Mealici\u00f6\u00fcs. \u201eAls wir dann \u201998 von Berlin aus nach Teltow gezogen sind, haben wir uns in meiner Wohnung eine kleine Ecke f\u00fcr unser Musikequipment eingerichtet und auf primitive Art und Weise angefangen zu komponieren\u201c, res\u00fcmmiert Mealici\u00f6\u00fcs. Der Rest des Kraftfuttermischwerks setzte sich aus dem Teltower Freundeskreis zusammen, deshalb war es nahe liegend, sich bei Mealici\u00f6\u00fcs zu treffen. Man hatte viel Geld in Musiktechnik investiert und war hochmotiviert, eigene Musik zu erschaffen. Zeitgleich wuchs der Kreis der \u201eMischwerker\u201c auf einer anderen Ebene: ein Dekorations-Team mit dem Namen \u201ePsiloheads\u201c kam dazu. Der Kopf auch hier ein Teltower: Sven Kramer. Fortan wurden alle Open-Airs und Parties gemeinsam veranstaltet. So ist es bis heute geblieben.<\/p>\n<p>Auf den Abend in Pankow zur\u00fcckblickend, gibt Mealici\u00f6\u00fcs zu: \u201eMan hat gemerkt, dass die Arbeit mit dem Atari, einem Computersystem aus den 80ern, nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df ist.\u201c Man musste w\u00e4hrend des Auftritts auch St\u00fccke von CD laufen lassen, da nur die H\u00e4lfte der Lieder in dem Speicher des Atari Platz fanden. Beide haben ihre Technik inzwischen komplett ans \u201edigitale Zeitalter angepasst\u201c und nutzen alle komfortablen Vorteile eines PC. \u201eDiesen Schritt h\u00e4tten wir eigentlich schon vor zwei Jahren wagen sollen\u201c, meint Mealici\u00f6\u00fcs. \u201eJa, wir sind halt immer skeptisch gegen\u00fcber den neuen technischen Entwicklungen gewesen\u201c, pflichtet ihm Zottel bei. \u201eWei\u00dft du, heutzutage gibt es ganz viele Menschen, die elektronische Musik am PC komponieren und es auch ganz geil machen\u201c, erz\u00e4hlt Mealici\u00f6\u00fcs. Aber man habe sich vor allem daf\u00fcr interessiert, wie die Ersten mit dem alten, analogen Kram Musik produzierten. \u201eWir haben uns einen Atari gekauft, als alle anderen mit PC aufgenommen haben\u201c, sagt er. Im Grunde genommen habe man die Techno-Geschichte neu aufgerollt.<\/p>\n<p>\u201eIm Januar wird es wieder eine eigene Party geben\u201c, erz\u00e4hlt Mealici\u00f6\u00fcs, \u201edenn wir haben festgestellt, dass in Potsdam Bedarf an solchen Parties besteht. Obwohl es keine richtige Szene wie in Berlin gibt.\u201c Wieder soll ein altes, verlassenes Geb\u00e4ude f\u00fcr ein stimmungsvolles Ambiente sorgen: das Potsdamer Kesselhaus in der Schiffbauergasse.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Aber nein, es war alles ganz anders damals in der <em>&#8222;Raver-H\u00f6hle&#8220;<\/em>. *hehe<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>und klischeedurchtr\u00e4nkt ist der immer noch lustige Artikel, den die Potsdamer Tageszeitung PNN mal \u00fcber uns geschrieben hatte. 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