{"id":161810,"date":"2020-07-31T23:29:46","date_gmt":"2020-07-31T21:29:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blogg\/?p=161810"},"modified":"2020-07-31T23:42:48","modified_gmt":"2020-07-31T21:42:48","slug":"erste-richtige-arbeitswoche-nach-dem-lockdown-und-wie-das-alles-so-war","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blogg\/erste-richtige-arbeitswoche-nach-dem-lockdown-und-wie-das-alles-so-war\/","title":{"rendered":"Erste richtige Arbeitswoche nach dem Lockdown &#8211; und wie das alles so war"},"content":{"rendered":"<p>Ich pack dazu mal ganz oben den Mix rein, der hier gerade l\u00e4uft und meine aktuelle Stimmung ganz gut umrandet. <a href=\"https:\/\/soundcloud.com\/Mattmosphere\">Mattmosphere<\/a> hat den aktuellen <a href=\"https:\/\/soundcloud.com\/love-foundation\/sets\/lovecasts\">Lovecast<\/a> gemixt und der passt mir hier gerade ganz wunderbar in den letzten Abend der ersten richtigen Arbeitswoche seit dem 15. M\u00e4rz. Beste Hippiemusik, von der ich bisher gar nicht nicht alles kannte. Einfach  dazu passend, einfach sch\u00f6n. <\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"100%\" height=\"166\" scrolling=\"no\" frameborder=\"no\" allow=\"autoplay\" src=\"https:\/\/w.soundcloud.com\/player\/?url=https%3A\/\/api.soundcloud.com\/tracks\/865268671&#038;color=%23ff5500&#038;auto_play=false&#038;hide_related=false&#038;show_comments=true&#038;show_user=true&#038;show_reposts=false&#038;show_teaser=true\"><\/iframe><\/p>\n<div style=\"font-size: 10px; color: #cccccc;line-break: anywhere;word-break: normal;overflow: hidden;white-space: nowrap;text-overflow: ellipsis; font-family: Interstate,Lucida Grande,Lucida Sans Unicode,Lucida Sans,Garuda,Verdana,Tahoma,sans-serif;font-weight: 100;\"><a href=\"https:\/\/soundcloud.com\/love-foundation\" title=\"Love Foundation\" target=\"_blank\" style=\"color: #cccccc; text-decoration: none;\" rel=\"noopener noreferrer\">Love Foundation<\/a> \u00b7 <a href=\"https:\/\/soundcloud.com\/love-foundation\/lovecast-84-mattmosphere\" title=\"Lovecast 84 - Mattmosphere\" target=\"_blank\" style=\"color: #cccccc; text-decoration: none;\" rel=\"noopener noreferrer\">Lovecast 84 &#8211; Mattmosphere<\/a><\/div>\n<p>F\u00fcr mich endet hier gerade die erste echte Arbeitswoche seit dem Lockdown. Am 12. M\u00e4rz lie\u00df ich mich in R\u00fccksprache meines Tr\u00e4gers krankschreiben. In Italien brannte gerade alles, die Zahlen und Nachrichten \u00fcberschlugen sich, auch in Deutschland stiegen die Zahlen der Infizierten stetig. Ich hatte keine wirkliche Angst. Auch keine echte Sorge, es f\u00fchlte sich in der Situation allerdings nicht ganz richtig an, t\u00e4glich ziemlich enge Kontakte zu Menschen zu pflegen, von denen ich viele zwar kannte, aber nie wusste, was die tats\u00e4chlich tagt\u00e4glich so treiben. Echte Einschr\u00e4nkungen standen bis zu diesem Donnerstag noch nicht im \u00f6ffentlichen Raum, aber es war absehbar, dass diese kommen w\u00fcrden. Ich ging zu Arzt und lie\u00df mich, eigentlich pr\u00e4ventiv, krankschreiben. Ich wollte zu diesem Zeitpunkt die \u00d6ffentlichen nicht nutzen, was ich manchmal halt h\u00e4tte hin und wieder m\u00fcssen, und ich wollte gerne g\u00e4nzlich aufs Einkaufen und so verzichten. Ich wollte ganz auf Nummer sicher gehen. Konnte zu dem Zeitpunkt ja keiner genau ahnen, in welche Richtung sich das alles entwickeln w\u00fcrde. Ich f\u00fcr meinen Teil habe mich in meinem ganzen Leben noch nie so oft sagen h\u00f6ren, <em>&#8222;Naja, es fehlen halt die Erfahrungswerte. Und bis dahin machen wir das hier jetzt halt mal. Was w\u00e4re die Alternative? Italien? Spanien&#8220; Nee, lass mal. Dann fahre ich mich einfach mal ganz gerne mit runter. Wird schon wieder besser werden.&#8220;<\/em> Ich blieb konsequent zu Hause. Und war cool damit. <\/p>\n<p>Dann ging alles ziemlich schnell. Auch in Deutschland explodierten die Neuinfektionen soweit ich das medial mitbekam. Brandenburg als Bundesland erlie\u00df ein paar Tage sp\u00e4ter Kontaktbeschr\u00e4nkungen, die Maskenpflicht wurde be- und alle \u00f6ffentlichen Einrichtungen weitestgehend geschlossen. Offiziell hie\u00df das Homeoffice. Offene Jugendarbeit war ab dem Moment nicht machbar. Was ja auch richtig war. Nachdem meine pr\u00e4ventive Krankschreibung durch und es klar war, dass es auf l\u00e4ngere Zeit keinen Face-to-Face-Kontakt zum Klientel geben w\u00fcrde, fuhr ich wieder auf Arbeit. Meistens mit dem Rad, selten mit dem da immer leeren Regio. Maske auf und ab. Die Z\u00fcgen waren immer p\u00fcnktlich und dazu leer wie nie. Es gab keinerlei Kontrollen und ich zahlte gut f\u00fcnf Wochen lang f\u00fcr keine einzige Fahrt, woran ich mich sehr gerne gew\u00f6hnen wollte. Nicht unbedingt an das Nichtzahlen, aber gerne an den Komfort, nicht immer ein Ticket dabei haben zu m\u00fcssen und trotzdem einfach ein- und wieder aussteigen zu k\u00f6nnen. W\u00e4re nach dem mehr als je davor daf\u00fcr, dass einfach  alle von uns 30 Euro im Monat an Steuern abdr\u00fccken und daf\u00fcr immer einfach den regionalen \u00d6PNV nutzen k\u00f6nnten, ohne daf\u00fcr gesondert zahlen zu m\u00fcssen. Eigentlich w\u00e4re ich daf\u00fcr sogar \u00fcberregional, was ich jetzt nicht durchgerechnet habe. Aber wie geil bitte w\u00e4re das denn?! Ich habe es sehr genossen. Eine der wenigen Dinge, die ich w\u00e4hrend dieser Umst\u00e4nde genossen habe. <\/p>\n<p>Ich siebdruckte 100 T-Shirts dreifarbig f\u00fcr eine einw\u00f6chige Veranstaltung, die im Juni stattfinden und sich zum 20. Mal j\u00e4hren sollte. Ob wohl schon fast klar war, dass diese nicht wie geplant stattfinden w\u00fcrde. Ich hatte zu tun, konnte arbeiten. Weniger als normal, aber ich hatte was zu tun, was es rechtfertigte, dass ich mein Gehalt bekam. Es f\u00fchlte okay, es f\u00fchlte sich fair an. Meine eigentliche Arbeit minimierte sich auf Online-Kontakte zum Klientel, zu den Kollegen, zum Team. Das \u00e4nderte ein wenig was, b\u00fcndelte Ressourcen, Zeit und sparte am Ende auf diese Weise sogar wohl auch Geld. Aber: offene Jugendarbeit ist halt nach wie vor mehr als WhatsApp und Instagramm. Offene Jugendarbeit ist auch &#8222;bl\u00f6d quatschen&#8220;, ist Billard, ist Kickern, ist Kochen, ist FIFA zocken. Kids die M\u00f6glichkeit zu geben, rumzuh\u00e4ngen und dabei eine irgendwie gut Zeit und ein offenes Ohr f\u00fcr sie zu haben. Daf\u00fcr liebe ich meinen Job &#8211; und das fehlte mir. Ich hatte keine Ahnung, wann und wie es wieder dazu kommen w\u00fcrde, kommen k\u00f6nnte. Ich puzzelte irgendwie vor mich hin. Fuhr nachdem die Shirts fertig waren drei Tage die Tage auf Arbeit, aufr\u00e4umen, putzen, Blumen gie\u00dfen, diesdas. Nie waren Kids da. Der Jugendclub ein v\u00f6llig toter Raum. Ein Umstand, den ich per se schon immer kacke fand. Ein solcher Raum sollte immer mit Leben gef\u00fcllt sein. Im besten Fall mit dem Leben der Jungen. Lockdown. Nichts, was sich f\u00fcr mich bis dahin immer als Teil meiner beruflichen Normalit\u00e4t anf\u00fchlte, war noch da. <\/p>\n<p>Ich hatte keine Ahnung, wie lange das h\u00e4tte so gehen sollen, versuchte Kontakte online zu pflegen, aber das war nicht das selbe. Funktionierte zwar irgendwie okay, aber mir fehlte die eigentliche Arbeit. Ich zog mir einen Kapselriss im rechten Handgelenk zu. Krankschreibung.  Zu Hause. Kein schlechtes Gewissen ob der Arbeit haben m\u00fcssen, die ja eh nicht wirklich stattfinden konnte und in meinen Augen trotzdem irgendwie stattfinden sollte. Ich koordinierte laufende Projekte, so gut es ging von zu Hause aus, was einfach nicht das selbe ist, als w\u00fcrde man sie vor Ort begleiten. Termine brachen weg. Termine, die wichtig waren, die Sachberichte nach sich ziehen, weil es Gelder daf\u00fcr gab, die irgendwann akkurat abzurechnen sein werden. Diese Termine wurden verschoben. Der Flow aus den dazugeh\u00f6rigen Projekten fuhr komplett gegen alle m\u00f6glichen W\u00e4nde. Ein ganz sch\u00f6n beschissenes Gef\u00fchl, dem ich in diesen Tagen  einfach nichts entgegenzusetzen wusste. Meh. <\/p>\n<p>Also wenigstens daran versucht, weiter zu machen. Foto-, Video-, Interviewtermine organisiert und durchgezogen. Abstand gehalten. Irgendwie arbeiten k\u00f6nnen. Und trotzdem: gef\u00fchlt zerfaserte Vieles. Gewohnte Kommunikations- und Arbeitsstrukturen schienen wegzubrechen. <\/p>\n<p>Mitte Juni: der Landkreis lie\u00df verlauten, dass unter ganz konkreten Umst\u00e4nden die offene Jugendarbeit wieder ihre Arbeit aufnehmen k\u00f6nne. Im Grunde genommen waren das Anforderungen die all das untersagten, was Kids wollen, wenn sie offene Jugendr\u00e4ume besuchen wollen. Meh. Aber in meinen Augen nach wie vor richtig. Maske auf, H\u00e4nde desinfizieren, in Listen eintragen, kein Kochen, kein Kickern, kein Billard, kein FIFA. Wir verlagerten die Arbeit in den Garten, strichen die Fassade des Clubs, hoben Erde aus und ersetzten diese durch Kiesel rund ums Haus. Irgendwie halbwegs normal arbeiten und \u00fcber die Tage, die Wochen kommen k\u00f6nnen, ohne seine Arbeit dabei komplett in der gesellschaftlichen Bedeutungslosigkeit zu versenken. Das funktionierte recht gut, war aber immer noch ganz weit weg von der bis vor den Lockdown gewohnten Normalit\u00e4t. <\/p>\n<p>Das Klientel war froh, dass der Laden endlich wieder f\u00fcr sie die T\u00fcren \u00f6ffnete. Sie kamen, entwickelten Corona-konforme Begr\u00fc\u00dfungen (Faust auf Abstand, Ellenbogen, Fu\u00df zu Fu\u00df) und war endlich mal wieder mit uns zusammen, um Bl\u00f6dsinn zu quatschen, sich gegenseitig zu dissen und endlich mal wieder eine sch\u00f6n bescheuerte Zeit zu haben, wobei der Fokus hier eher auf sch\u00f6n als auf bescheuert liegen soll. Liegen muss. Drau\u00dfen Tischtennis ging auch. <\/p>\n<p>Wir sprachen in diesen Tagen nat\u00fcrlich viel \u00fcber die jeweils aktuelle Situation, die sich ja stetig ver\u00e4nderte. Dabei waren sie immer sehr realistisch, reflektieren und sich dieser durchaus bewusst. Keiner trug da irgendwelche Aluh\u00fcte oder warb f\u00fcr Knetbirnen wie Hildmann. Ich m\u00f6chte meinen &#8211; Okay Boomer &#8211; sie waren sich dem Risiko der Lage durchaus bewusst und dabei gewollt doch &#8222;vern\u00fcnftig&#8220;. Und teilten dann ihren Energydrink aus einer Dose oder dr\u00fcckten sich, weil sie sich so lange nicht gesehen haben. Nicht weil sie ignorant gewesen w\u00e4ren. Sondern weil sie sich einfach sehr lange gefehlt zu haben schienen. Dann auch unvern\u00fcnftig, ja, aber dabei selbst f\u00fcr mich verst\u00e4ndlich. <\/p>\n<p>Am Sonntag vorm Urlaub: rechte Rippe angebrochen, was bedeutete, vorerst nicht mit dem Rad fahren zu k\u00f6nnen, was bis dahin eigentlich zentraler Plan der Urlaubsplanung war. Richtig abgefuckt an diesem Abend.<\/p>\n<figure id=\"attachment_161811\" aria-describedby=\"caption-attachment-161811\" style=\"width: 1500px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blogg\/wp-content\/uploads2\/2020\/07\/IMG_0639.jpg\" alt=\"\" width=\"1500\" height=\"1228\" class=\"size-full wp-image-161811\" srcset=\"https:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blogg\/wp-content\/uploads2\/2020\/07\/IMG_0639.jpg 1500w, https:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blogg\/wp-content\/uploads2\/2020\/07\/IMG_0639-300x246.jpg 300w, https:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blogg\/wp-content\/uploads2\/2020\/07\/IMG_0639-600x491.jpg 600w, https:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blogg\/wp-content\/uploads2\/2020\/07\/IMG_0639-768x629.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1500px) 100vw, 1500px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-161811\" class=\"wp-caption-text\"><small>(Amsterdam, Sommerurlaub 2020)<\/small><\/figcaption><\/figure>\n<p>Dann f\u00fcr mich endlich Sommerurlaub. Klingt nach den letzten Monaten ein wenig \u00fcberinanspruchnehmend, aber ich konnte nach all dem endlich mal zu Hause sein, ohne mir Gedanken dar\u00fcber machen zu m\u00fcssen, wie meine Arbeit in der aktuellen Ausnahmesituation aussehen kann, aussehen soll. Ein paar Tage im Bulli unterwegs sein. Ich hatte einfach nur Urlaub und das zog dieses Gef\u00fchl der letzten Monate einfach nur ganz weit nach oben. Unbeschwert sein. Hatte mir l\u00e4nger gefehlt.  <\/p>\n<p>Jetzt war ich heute nach dem Urlaub endlich mal wieder eine ganze Woche arbeiten. Unter fast &#8222;normalen Umst\u00e4nden&#8220;. Sich da wieder reinzugew\u00f6hnen ist gar nicht mal so einfach, musste ich feststellen. Die ehemaligen Stammbesucher scheinen sich an eine neue Alltagsroutine gew\u00f6hnt zu haben, in denen der t\u00e4gliche Clubbesuch in den letzten Monaten nat\u00fcrlich kaum eine zentrale Rolle gespielt haben konnte. Es wirkte alles etwas z\u00e4h. Aber okay, ich wei\u00df nach jetzt 17 Jahren, dass sich das auch wieder ganz schnell \u00e4ndern wird. Wired ist es f\u00fcr mich aktuell trotzdem. <\/p>\n<p>Ich habe nach dem Fall der Mauer, der mein damaliges Dasein komplett auf den Kopf gestellt hatte, und von dem ich bis M\u00e4rz dachte, dass dieser vom F\u00fchl her nicht zu toppen sei, keine so krasse gesellschaftliche Erfahrung wie in den letzten f\u00fcnf Monaten gemacht. Und ich w\u00fcrde l\u00fcgen, wenn ich diese Erfahrung nicht nur erfahrungswert sondern auch ein bisschen geil fand. Ich habe das Privileg  eines Gartens, der hier einfach mal unser sommerliches Wohnzimmer sein kann, das eines Pools, das, keine kleinen Kinder in einer kleinen Wohnung zu haben, die in die KiTa oder endlich mal wieder auf einen Spielplatz wollen, die ja alle geschlossen waren.  Und ich h\u00e4tte nicht tauschen wollen. <\/p>\n<p>Heute endet meine erste, richtige Arbeitswoche nach dem Lockdown. Die war eher z\u00e4h. Heute aber passenderweise im Freibad. Wir haben Romm\u00e9 gespielt, gebadet, klassische Freibadpommes genossen und Bl\u00f6dsinn erz\u00e4hlt. Fast normal. <\/p>\n<p>Ich fand und finde alle der uns gegebenen Ma\u00dfnahmen richtig und nach wie vor angemessen. Ich habe keine Idee, wie genau es weiter gehen, ob es besser oder schlechter werden wird. Ich wollte das nur mal eben hier reintippeln. Und w\u00fcnsche mir, weiterhin gesund zu bleiben. Euch auch.<\/p>\n<p>Fehler k\u00f6nnt ihr hierbei behalten. War eher so ein impulsives Getippel. Musste mal raus. Ja. Ab Morgen wieder Quatsch. Versprochen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich pack dazu mal ganz oben den Mix rein, der hier gerade l\u00e4uft und meine aktuelle Stimmung ganz gut umrandet. 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