{"id":3474,"date":"2009-01-20T14:09:52","date_gmt":"2009-01-20T13:09:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blogg\/?p=3474"},"modified":"2009-01-20T14:11:08","modified_gmt":"2009-01-20T13:11:08","slug":"mp3-und-die-haptik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blogg\/mp3-und-die-haptik\/","title":{"rendered":"mp3\u00b4s und die &#8222;Haptik&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Der Begriff Haptik im Kontext zum  H\u00f6ren bzw. Aneignen von Musik kommt mir in letzter Zeit immer \u00f6fter vor die Linse und ich kann die meisten Argumentationen dazu nicht immer  ganz nachvollziehen. Mir sind Cover und das Auspacken einer Platte\/CD nicht wirklich wichtig. Mir reicht das Entpacken eines Archives um ein \u00c4hnliches in mir auszul\u00f6sen.<\/p>\n<p>Ich will mal etwas zur\u00fcckblicken. Ich war gerade zehn oder elf, als das Geschacher von Musik auf dem Schulhof der POS mich zu interessieren begann. Ich meine, Musik der Musik wegen, nicht der Verpackung wegen. Im Osten war das Vorkommen von originalen Platten bzw. Kassetten mehr als gering. Mag sein, dass es mehr Freaks gab, die tats\u00e4chlich Vinyl aus dem Westen gesammelt haben, als das ich das mitbekommen habe, dann aber nicht in meiner N\u00e4he. Dort drehte sich alles um Kassetten gef\u00fcllt mit der begehrten Musik aus dem Westen: Die \u00c4rzte, Hosen, NDW, Rio, die Scherben, Udo Linderberg, Anne Clark, The Cure, Prince und ja, auch Michael Jackson waren die musikalischen Heilsbringer dieser Zeit. Nicht alle davon bei mir: um NDW, Anne Clark und Michael Jackson habe ich auch damals schon einen gro\u00dfen Bogen gemacht. Von Deep Purple und so will ich gar nicht erst anfangen, das war eher was f\u00fcr die \u00c4lteren. Die wenigen 7\u201c Inches, die, wenn \u00fcberhaupt, mit so was in den planwirtschaftlich organisierten Handel kamen, waren innerhalb weniger Stunden vergriffen. Daf\u00fcr hat man dann aber bei uns am Kaufhaus auch mal locker mal 3-4 Stunden anstehen m\u00fcssen. Wenn man zu sp\u00e4t kam, weil wieder mal keiner Bescheid gegeben hatte, war das eben so. Shice auf die Auspackerei, ich wollte die Musik.<\/p>\n<p>Also hat man sich auf die Suche nach irgendwem gemacht, der irgendetwas von dem, was man unbedingt haben musste,  sein Eigen nannte. Im Regelfall hatten die Leute das auf irgendwelchen ORWO-Tapes, manchmal auch BASF, TDK und wie die Gegenst\u00fccke dazu im Westen eben hie\u00dfen. Wenn man jemanden ausmachen konnte, biss man sich fest, bis man endlich an eine \u201e\u00dcberspielung\u201c dieser Kassette kam. Das Wort \u201eKopie\u201c gab es damals noch nicht. <\/p>\n<p>Da sa\u00df man dann da mit einer Kassette, die schon \u00fcber 50 Mal \u00fcberspielt, wurde, bespielt mit Musik von einer Kassette, die schon \u00fcber 50 Mal \u00fcberspielt wurde. Mindestens. Das klang dann in etwa so, als w\u00fcrde man eine Teewurst ins Tapedeck stecken und auf Play dr\u00fccken. <em>Man hatte ja n\u00fcscht.<\/em> Aber: man hatte endlich die Musik, die man so lange gesucht hatte um sie auf dem SKR 701 seines Bruders zu h\u00f6ren. Sp\u00e4ter dann auf dem Walkman, den die Eltern \u00fcber mindestens 378 Ecken aus dem Westen besorgt hatten. Immer und immer wieder. Von einer  Verpackung, einem Booklet oder einem Textbook hatte ich dato noch nie etwas geh\u00f6rt \u2013 was also sollte ich damit?  Mir war nicht mal wichtig, dass ich eine Aufnahme von Platte bekam oder von einer Radioaufnahme. Geschenkt. Ich wollte Musik h\u00f6ren, nicht anfassen.<\/p>\n<p>Daran hat sich bis heute nicht viel ge\u00e4ndert. Klar, habe ich dann irgendwann angefangen Musik auch als Komplettausgaben zu kaufen. Also Vinyl in der H\u00fclle und CD\u00b4s mit Cover, Booklet und Textbook. Grandiose Cover waren dabei. Fand ich super. Nur n\u00fctzt auch das sch\u00f6nste Cover nichts, wenn der Sound nicht kickt. Vinyl hat man Mitte der 90ger am einfachsten Mixen k\u00f6nnen. Pitchbare CD-Player waren da noch nicht wirklich brauchbar und die meisten Techno-V\u00d6\u00b4s kamen eh auf Vinyl. Also kaufte ich das eben. Die CD-Alben die ich haben wollte, hatten immer nur wenige und Tapes waren da schon nicht mehr der Knaller. MD\u00b4s waren zwar eine nette Alternative, aber nicht sehr verbreitet. Also kaufte ich CD\u00b4s. Und zwar mehr als ich es heute noch f\u00fcr sinnvoll halte.  Ich habe die auch alle noch, viele davon h\u00f6re ich noch. Auf dem Rechner. Einen CD-Player habe ich schon lange nicht mehr. Um sie zu h\u00f6ren,  importiere ich sie nicht einmal. Internet habe ich immer dabei. Mein CD-Regal nicht, wenn Ihr versteht?  Ebenso habe ich immer und \u00fcberall meinen mp3-Player am Start, meine Kopfh\u00f6rer und einen Mini-Klinke\/Cinch-Kabel.  \u00dcberall, wo mein Laptop steht, liegt ein Audiokabel in der N\u00e4he um das Dingen mit einer Anlage zu verdrahten. Was soll ich da zus\u00e4tzlich noch einen Plattenspieler anschmei\u00dfen oder einen CD-Player? Mir bringt das gar nix. Wenn ich irgendwo eine CD bekomme, tue ich die, klar, importieren bevor ich sie h\u00f6re. Anstatt der wenigen Promo-Vinyl nehme ich, bis auf wenige Ausnahmen, lieber digitale Promopacks Ich habe das am liebsten alles auf meiner Festplatte, da kommt nichts weg. Keine CD die irgendwo ohne Cover rumliegt, keine Platte, die mal wieder im falschen Cover gelandet ist.  Das Kaufen von CD\u00b4s und Platten war f\u00fcr mich so etwas wie ein n\u00f6tiges \u00dcbel und ich bin froh, dass es heute nicht mehr notwendig ist. <\/p>\n<p>Ich freue mich immer wie Bolle, wenn ich neue Musik bekomme. Nicht wegen dem Anfassen, der Verpackung, dem Auspacken. Nein, wegen dem H\u00f6ren. Und eigentlich nur deshalb. Musik hat f\u00fcr mich deshalb nicht an \u201eWert verloren\u201c, wie einige es nennen. Musik hat f\u00fcr mich eben nie einen anderen Wert gehabt: Musik geh\u00f6rt in den Kopf, nicht in die Regale, denn da finde ich sie viel wertvoller.  Und worin unterscheiden sich eine gute sortierte mp3-Sammlung und ein CD-Regal, mal abgesehen davon, dass das Regal eher zum angucken taugt? Aber das ist auch nur Meinung. Meine Meinung.<\/p>\n<p>Einzig beim Auflegen. Da mag ich dieses Haptische, da bevorzuge nach wie vor CD\u00b4s,  die ich vorab brenne. Das hat auch praktische Gr\u00fcnde. Zudem bin ich in die vielen Mix-Softwareangebote bisher nicht so richtig eingestiegen.<\/p>\n<p>Es geht auch gar nicht um legal oder illegal, denn das \u00e4ndert ja am mp3 als solches rein gar nichts. Ob ich es nun irgendwo im Netz kaufe, oder eben lade sollte, nein, kann dabei gar keine Rolle spielen.<\/p>\n<p>Vinyl als Kult finde ich auch ganz nett, will ich nichst anderes sagen. Auf zwei \u2013 drei Platten im Jahr komme ich vielleicht noch. Aber erst wenn ich sie als mp3 schon auf dem Rechner habe. Und h\u00f6ren? H\u00f6ren tue ich sie dann auch von dort. Klar.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Begriff Haptik im Kontext zum H\u00f6ren bzw. 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