{"id":522,"date":"2007-03-21T13:38:04","date_gmt":"2007-03-21T12:38:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blogg\/?p=522"},"modified":"2007-03-21T14:39:21","modified_gmt":"2007-03-21T13:39:21","slug":"lebensabschnittsfreundschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blogg\/lebensabschnittsfreundschaft\/","title":{"rendered":"Lebensabschnittsfreundschaft"},"content":{"rendered":"<p>Als ich vor nun mehr fast 28 Jahren das erste Mal in die Kita kam, die damals \u201eKindergarten\u201c hie\u00df,  gab es da einen Jungen mit dem ich mich auf Anhieb gut verstand. Er war gr\u00f6\u00dfer, etwas schlanker und \u00fcberhaupt auch etwas niedlicher als ich. Daf\u00fcr war ich schlauer und das passte ganz gut zusammen. Wir waren dann nicht nur in der Kita unzertrennbar sondern auch Nachmittags. Spielten Tom Sawyer  und auch immer wieder Winnetou. Er verbrachte mehr Zeit bei seiner Oma als bei seinen Eltern, die ich genau so wenig mochte, wie diese mich. Sie waren sehr darauf bedacht, ein gutes Bild abzugeben in ihrer Umwelt, waren immer tadellos gekleidet und hatten \u00e4u\u00dferst gute Manieren. Ich schon damals nicht, was ein Grund daf\u00fcr seine k\u00f6nnte, warum sie mich nicht mochten. Eigentlich war das egal, denn die Oma mochte mich um so mehr und das eigentliche zu Hause des Jungens war eben bei seiner Oma. Wir verbrachten eigentlich jeden Nachmittag miteinander, wenn nicht irgendetwas anderes anlag. Wir spielten damals beide lieber mit den M\u00e4dchen, als mit den anderen Jungs. Nicht etwa weil wir Puppen mochten, sondern weil wir die M\u00e4dchen einfach interessanter fanden als die Jungen.<br \/>\n<!--more--><br \/>\n   Sp\u00e4ter dann kamen wir auf die selbe Schule, wohlgemerkt mit den selben M\u00e4dchen. Er ging  in meine Parallelklasse und wir klebten immer noch zusammen wie Pech und Schwefel. Auch Nachmittags. Wir waren Freunde. So richtige Freunde. Wir wurden zu Blutsbr\u00fcdern, weil wir das im Fernseher gesehen hatten und hatten immer noch ein gemeinsames Interesse das h\u00f6chste Priorit\u00e4t hatte; Die M\u00e4dchen mit denen wir uns nun auch Nachmittags verabredeten um so Dinge zu machen. Seine Oma brachte uns Romm\u00e9 und Kanaster bei, bekochte uns (auch Schokopudding) und hatte au\u00dferdem irgendeinen Kontakt in den Westen, denn es gab bei ihr immer Duplo und Hanuta. Als wir dann 11 oder 12 Jahre waren, bauten wir uns bei meinen Oldies im Garten eine kleine H\u00fctte in der wir fortan im Sommer immer wohnten. Wir luden uns M\u00e4dchen ein und machten so Dinge. Mit der Wende und der Umstrukturierung des Schulsystems von POS auf das dreigliedrige Schulsystem verloren sich unsere gemeinsamen Wege. Er ging auf die Realschule, auf der eigentlich nur die hingingen, die generell unkuhl waren, ich ging auf die Gesamtschule, denn da waren alle die, mit denen ich mir das entdecken, der damals neuen Freiheit spannender vorstellte. Auf das noch m\u00f6glich gewesene Gymnasium gingen eh nur die M\u00e4dchen, oder die Jungen, die von weitem auch als M\u00e4dchen durchgingen.  Der letzte gemeinsam verbrachte Sommer war daf\u00fcr um so intensiver. Wir wollten beide das selbe M\u00e4dchen, obwohl wir nicht ein mal bisschen verliebt in sie waren, sondern aus rein hormonell bedingten Gr\u00fcnden. Er bekam sie. In diesem Sommer 1990 dann fuhren wir das erste Mal ohne Eltern in den Urlaub zu Verwandten von ihm, irgendwo bei Dresden. Wir soffen, quatschten sch\u00f6ne Studentinnen voll und ich entdeckte meine Faszination f\u00fcr Vinyl. W\u00e4hrend ich die Vormittage da in einem kleinem Plattenladen verbrachte, machte er so Dinge mit irgendwelchen M\u00e4dchen, die er da kennen gelernt hatte. Ich kaufte mir &#8222;My Adidas&#8220; von Run-DMC und &#8222;Fear Of A Black Planet&#8220; von Public Enemy. Da es dort aber keinen Plattenspieler gab um die Dinger gleich zu tapen, sa\u00dfen wir abends im G\u00e4stezimmer und h\u00f6rten Sinead O\u00b4Connor, was den M\u00e4dchen immer imponierte. Zu Hause wartete das schon erw\u00e4hnte M\u00e4dchen auf ihn, auf die wir beide scharf waren&#8230;<br \/>\n   Als wir wieder zur\u00fcckkamen, servierte er sie ab. Ich durfte sie dann tr\u00f6sten. Das traf sich ganz gut und hielt nicht lange an.<br \/>\n   Sp\u00e4ter dann haben wir uns dann mal sporadisch getroffen und uns hin und wieder eingeladen, um dann doch abzusagen. Ich war verliebt in ein M\u00e4dchen, dass er nicht wirklich kannte. Nachdem er sie dann sah, wollte er sie auch, hatte aber keine Chance. Die Blutsbr\u00fcderschaft war vergessen und die als Tom Sawyer auf ewig geschworene Freundschaft ebenso. Es tat nicht mal weh, es war so. Wir hatten uns nichts mehr zu sagen. Er dachte an seine berufliche Karriere die nun bald beginnen sollte und ich dachte an mein M\u00e4dchen und an Musik. Aber einmal wollten wir nochmal zusammen auf Piste gehen. Ich war verstritten mit meinem M\u00e4dchen und er wollte mit mir gemeinsam ins Kino gehen, um mich abzulenken. Nat\u00fcrlich hatte er auch M\u00e4dchen eingeladen. Ich ging an diesem Abend zu dem M\u00e4dchen, die ehrlicherweise zu dem Zeitpunkt gar nicht mehr mein M\u00e4dchen war. Sie hatte Geburtstag und ich wollte ihr zur Erinnerung an mich ein Pr\u00e4sent da lassen. Wir machten es kurz. Ich ging nicht rein, sondern bat sie raus, um ihr das Geschenk \u00fcberreichen zu k\u00f6nnen. Dann kam mein Freund. Ich verabschiedete mich von ihr und wusste in dem Moment ganz genau, dass es das gewesen ist. Dieses M\u00e4dchen w\u00fcrde ich nicht mehr zur\u00fcckbekommen. Es tat weh. Aber gut, im Kino warteten ja schon andere auf uns. Ich stieg auf den Sozius seines Mopeds und wir fuhren los. Nach ca. 200 Metern riss die Kette und wir konnten nicht weiter. Kino war also gegessen, sein Moped im Arsch und der Abend auch nur angerissen. Ich entschloss mich dazu dann doch nochmal bei dem M\u00e4dchen vorbeizugehen. Sie lud ihre kompletten Geburtstagsg\u00e4ste aus und fuhr mit mir auf den Ku&#8217;damm. Sie ist bis heute mein M\u00e4dchen und ohne diesen merkw\u00fcrdigen Abend damals w\u00e4re sie es sicher nicht.<br \/>\n   Das war es. Diese Freundschaft war ab diesem Abend Geschichte. Wir unternahmen nie wieder was zusammen. Was bleibt sind die kindlichen Erinnerungen, tiefgreifende Erfahrungen \u00fcber Freundschaft und Liebe und ein unausgesprochenes Danke Sch\u00f6n an die Kette, die an dem Abend gerissen ist. das verbindet uns irgendwie auf ewig, obwohl er da nix zu beigetragen hatte.<br \/>\n   Irgendwann im neuen Jahrtausend traf ich ihn zuf\u00e4llig nochmal. Er war zu einem \u00f6ligem Typen geworden, der sein Geld damit verdiente, anderen Versicherungen zu verkaufen. Ich war auf der Suche nach dem Sinn in meinem Leben und verschwendete keinerlei Gedanken an so einen Quatsch wie Versicherungen.  Ich mochte ihn nicht mehr, so wie er vor mir stand. Gel in den Haaren, in einem billigem Anzug wollte er mir die Welt erkl\u00e4ren und ich wollte nichts davon h\u00f6ren. Er ging und ich sah ihm nicht mal hinterher.<br \/>\nDennoch hatte ich in meinem Leben keine Freundschaft mehr, die derma\u00dfen intensiv und offen war, &#8211; Partnerschaften mal ausgenommen. Er war der beste Lebensabschnittsfreund, den ich je hatte.    <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als ich vor nun mehr fast 28 Jahren das erste Mal in die Kita kam, die damals \u201eKindergarten\u201c hie\u00df, gab es da einen Jungen mit<\/p>\n<div class=\"more-link-wrapper\"><a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blogg\/lebensabschnittsfreundschaft\/\">Mehr lesen -&gt;<span class=\"screen-reader-text\">Lebensabschnittsfreundschaft<\/span><\/a><\/div>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[],"tags":[163],"class_list":["post-522","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","tag-forrest","entry"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/pXEnA-8q","jetpack-related-posts":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blogg\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/522","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blogg\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blogg\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blogg\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blogg\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=522"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blogg\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/522\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blogg\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=522"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blogg\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=522"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blogg\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=522"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}