{"id":95492,"date":"2015-10-09T22:49:00","date_gmt":"2015-10-09T20:49:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blogg\/?p=95492"},"modified":"2015-10-09T22:49:00","modified_gmt":"2015-10-09T20:49:00","slug":"es-war-sommer-in-berlin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blogg\/es-war-sommer-in-berlin\/","title":{"rendered":"Es war Sommer in Berlin,"},"content":{"rendered":"<p>es war hei\u00df. Wir hatten keine Arbeit, keine Angst vor nichts, gutes Geld vom Amt, mindestens immer eine Eisbong unterm Kiel, eine exzellente Anlage, die ich schon kaufte, bevor ich gutes Geld vom Amt bekam und wir hingen einfach nur so rum. Tagelang, wochenlang, monatelang. Nichts zu tun, laute Musik und immer den Rauch vom Dope in der Nase. <\/p>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blogg\/wp-content\/uploads2\/2015\/10\/21446622765_73be87c4a1_o.jpg\" alt=\"21446622765_73be87c4a1_o\" width=\"600\" height=\"400\" class=\"alignnone size-full wp-image-95497\" srcset=\"https:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blogg\/wp-content\/uploads2\/2015\/10\/21446622765_73be87c4a1_o.jpg 600w, https:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blogg\/wp-content\/uploads2\/2015\/10\/21446622765_73be87c4a1_o-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><p><br \/>\n<small>(Foto: <a href=\"https:\/\/flic.kr\/p\/yFaxL2\">Christian Schirrmacher<\/a>, CC BY 2.0 )<\/small><\/p>\n<p>Zum Hinterhof raus:  unser  &#8222;Schlafzimmer&#8220; mit dem Hochbett, unter dem die Plattenspieler nebst den Platten standen &#8211; und die Boxen, die bei ge\u00f6ffneten Fenstern die gesamte Nachbarschaft unterhielten, was die meist so geil gar nicht fand. Hintenraus gab es immer Techno. Oder Drum &#8217;n&#8216; Bass. Laut. Bei offenen Fenstern. <\/p>\n<p>Sch\u00f6neberg, irgendwann in den 90ern. Heute nicht wissen, was morgen gehen w\u00fcrde &#8211; und es war egal. So wie damals alles irgendwie egal war &#8211; au\u00dfer die Musik. Immer. Manchmal trommelten wir auf unseren, f\u00fcr die Bude viel zu gro\u00dfen, Djemb\u00e9s und irgendwer spielte dazu sein Didgeridoo. Gerne den ganzen Tag lang. Wir hatten ja eh nichts zu tun.<\/p>\n<p>Samstags fuhren wir manchmal ins <a href=\"http:\/\/spacehall.de\/\">Spacehall<\/a> und tauschten unser Geld in Platten, von denen dann die n\u00e4chsten Tage wieder die ganze Nachbarschaft etwas haben sollte. Manchmal klingelten sie, aber sie riefen nie die Bullen. Meistens kochten wir dann abends in der K\u00fcche, die ich von meinem Bausparvertrag gekauft hatte, den meine Eltern f\u00fcr mich kurz nach der Wende abgeschlossen hatten. Ich k\u00fcndigte den, als ich ausziehen wollte. Zum Gl\u00fcck. Ein paar Monate sp\u00e4ter machte sich der Vertreter daf\u00fcr, der bis zur Wende bei der NVA gearbeitet hatte, mit all den Pr\u00e4mien und wohl auch mit den an ihn direkt gezahlten Einlagen, vom ostdeutschen Acker und verpisste sich auf irgendeine Insel im Meer. Dorthin, wo es warm war. Dorthin, wohin eigentlich alle damals wollten und viele wussten, dass sie da mit ehrlicher Arbeit niemals hinkommen w\u00fcrden. Er zog einfach los. Mit ihrem Geld. Kurz nach dem ich das meine hatte.<\/p>\n<p>Wir mieteten eine wirklich runtergekommene Bude am Walter Schreiber Platz in Sch\u00f6neberg, direkt an der Stadtgrenze zu Steglitz. Eine Bude, die vor uns ein H-Junkie bewohnte. Zwei Zimmer und erstmal soviel Arbeit, dass die Hausverwaltung drei Monate lang auf Mietzahlung verzichtete und sogar das Bad noch auf benutzbar sanierte. Der Rest lag an uns.<\/p>\n<p>Wir kloppten alles raus, sortierten die gebrauchten Spritzen samt der alten K\u00fcche auf den M\u00fcll und freuten uns \u00fcber unsere erste Bude in Berlin. In Westberlin. Junge Ostler in Westberlin &#8211; das war schon gro\u00df, damals. F\u00fcr uns. Sie gerade 18, ich noch nicht mal das. <\/p>\n<p>Die Kohle von meinem Bausparvertrag investierten wir in eine weinrote K\u00fcche von M\u00f6bel H\u00f6ffner f\u00fcr 3700 DM und in eine gebrauchte Ledercouch-Garnitur in Pink, die wir irgendwo in Rudow gegen 1500 DM eintauschten. Wir lie\u00dfen die ollen, vergammelten Dielen abschleifen und hatten unsere erste eigene Bude. In Westberlin. Wir hatten uns, Freunde aus dem Osten und immer Musik. Es musste immer Musik da sein.<\/p>\n<p>Ich machte meine Ausbildung fertig und am ersten Tag nach dem Abschluss der selbigen k\u00fcndigte ich. Ich wollte das nicht mein Leben lang weiter machen. Eigentlich wollte ich das nicht einen Tag l\u00e4nger weiter machen wollen. Sie arbeitete weiter Vollzeit.<\/p>\n<p>Mit dem Amt lief das damals noch ein bisschen anders und ich kam mit dem von dem gezahlten Geld auf mehr, als sie f\u00fcr ihre 40 Stunden-Woche bekam. Nebenbei klebte ich bei irgendwelchen Leuten Tapeten an die Wand und strich ihre K\u00fcchen. F\u00fcr gutes Geld. Wenn das mal nicht der Fall war, waren Freunde da und wir h\u00f6rten Musik. Immer. Immer laut.<\/p>\n<p>Es war dieser eine Sommer, es war hei\u00df. Hintenraus das verrauchte Schlafzimmer in dem unterm Hochbett unsere Plattenspieler standen. Vorne raus der Eingang zum U-Bahnhof Walter Schreiber Platz der sich genau vor den Fenstern unserer Hochparterre-Bude befand. Die Fenster immer offen, die Musik mehr als laut. <\/p>\n<p>Wenn sie damals arbeiten war, sa\u00df ich mit Freunden auf den \u00e4u\u00dferen Fensterbrettern Hochparterre genau am  U-Bahn Ein- und Ausgang Walter Schreiber Platz. Die F\u00fc\u00dfe nach drau\u00dfen baumelnd. L\u00e4chelnd. Wir h\u00f6rten st\u00e4ndig diesen einen Song in Repeat, gespielt auf der exzellenten Denon-Anlage. Laut. Hundert Mal. Und alle die aus der U-Bahn kamen oder in diese gingen, nahmen ein paar Takte von genau diesem Song mit in ihren Tag. Dar\u00fcber muss ich auch heute manchmal noch l\u00e4cheln. Viele von ihnen l\u00e4chelten damals auch. Sie waren auf dem Weg zur Arbeit oder kamen gerade von dieser. Wir sa\u00dfen einfach nur so auf den Fensterbrettern, hatten nichts zu tun, h\u00f6rten Musik und machten, dass die Luft nach Dope roch. Zu diesem Song. Es war ein gro\u00dfartiger Sommer. Ich glaube, unser vorletzter in Berlin. Killing me softly. <\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" frameborder=\"0\" width=\"600\" height=\"338\" src=\"\/\/www.dailymotion.com\/embed\/video\/x1ey83\" allowfullscreen><\/iframe><br \/>\n<small>(<a href=\"http:\/\/www.dailymotion.com\/video\/x1ey83_fugees-killing-me-softly_music\">Direktlink<\/a>)<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>es war hei\u00df. 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