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Doku: Als Rostock-Lichtenhagen brannte

Ich sah gestern diese Doku über das, was vor 20 Jahren in Rostock-Lichtenhagen geschah. Ein Paradebeispiel politischer Ignoranz und politischen Vollversagens. Über eine Gesellschaft, die sich gerade in die wärmenden und zahlenden Hände der BRD gelegt hatte und nichts davon an jene abzugeben bereit war, denen es noch viel dreckiger ging. Und darüber, dass letztendlich der pöbelnde und tobende Mob gewonnen hat. Gewonnen gegen die Demokratie, die mit beidem Augen wegsah und irgendwie im Urlaub war.

Es waren ganz normale Bürger aus Rostock-Lichtenhagen, die im Sommer 1992 ihrem aufgestauten Hass und Frust Luft machten. Hass auf die ZASt, die Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber, die mitten in ihrem Wohnviertel lag, und Frust über die Untätigkeit der Politiker in Stadt und Land, die die Anwohner seit Monaten mit Floskeln abspeisten.

Tagelang rannte eine entfesselte Menge gegen die Aufnahmestelle für Asylbewerber und ein Ausländerwohnheim an. Ein beispielloses Fiasko für Politik und Polizei. „Das ist ein Bürgerkrieg hier! Das Gefühl hatten wir damals.“ Guido Nowak war Streifenpolizist in Rostock. Er hatte die Eingliederung der Volkspolizei in die Bundespolizei mitgemacht. Als die Krawalle am 21. August 1992 losbrachen, stand Nowak in leichter Sommeruniform und mit veralteter DDR-Ausrüstung in der vordersten Reihe: entsetzt, überfordert, hilflos.


(Direktlink, via Netzpolitik)

11 Kommentare

  1. Mimimimöschen14. August 2012 um 22:40

    Fremdschämen. Aber richtig!

  2. Mimimimöschen14. August 2012 um 23:11

    Eine Doku zu dem Thema gabs mal auf N24 oder SpiegelTV o.ä.
    Mit nicht mal einem Zehntel der in diesem Video gebotenen
    Hintergrundinformationen.

  3. Mobi15. August 2012 um 01:00

    Naja, fand die Doku nicht schlecht, aber es fehlte doch so manches (die Reaktionen der Poltik bsp., die dem rassistischen Mob durch die Abschaffung des Asylgesetzes quasi Erfolg verschafften etc.)

    Nächste Woche jähren sich die Progrome von Rostock-Lichtenhagen zum 20. Mal.
    Aus diesem Anlass wird eine bundesweite Demonstration in Lichtenhagen stattfinden.
    Kein Frieden den herrschenden Verhältnissen, die tagtäglich Rassismus produzieren und eine Kulmination, wie sie Anfang der 1990er Jahre so oft stattfand (nicht nur in Lichtenhagen, nicht nur in Ostdeutschland) ermöglichen.

    http://rassismus-toetet.de/termine/25-26-aug-2012-demo-in-rostock/

  4. […] Als vor 20 Jahren Rostock-Lichtenhagen brannte war ich noch zu klein um zu verstehen, was da passierte. Umso erschreckender zu sehen, wie dünn die Kruste der Zivilisation ist und wie leicht sie aufbrechen kann und Menschen zu einem wütenden Mob werden. Direkt – via […]

  5. Anonymous15. August 2012 um 13:56

    „die wärmenden und zahlenden Hände der BRD“ Ronny, stammt der Text etwa von Dir? So wärmend und zahlend waren die ersten zwei Jahre nach Nov 1989 für die Rostocker gar nicht! Genauso wie für die Menschen in Hoyerswerda und anderswo…

  6. Anonymous15. August 2012 um 13:59

    Ups: Namen vergessen: Ralf nicht „Anonymous“

  7. Ronny15. August 2012 um 14:04

    @Anonymous
    Gemessen daran, dass die fast wertlose Ost-Knete im Juli 1990 fast 1zu1 in DMark umgetauscht wurde und andere Staaten wir Polen, Ungarn und die CSSR es um Meilen schwerer hatten, wirtschaftlich auf die neu wachsenden Beine zu kommen, halte ich diese Formulierung für durchaus angemessen .

  8. maybeadayoff15. August 2012 um 14:38

    @mimimimöschen, Fremdschämen ist für mich persönlich eher reserviert für nuttymadam3575’s Twilight-reaction videos wenn überhaupt – aber nicht für einen Ausbruch von potentiell tödlichem Fremdenhass genau aus der Mitte der politischen Gesellschaft, genau aus der Mitte der SPD,CDU,FDP,ja sogar ein par LINKE-Parteibuchträger_innen. Die sind es auch, die in der Zukunft den etwaigen Volksmob bilden werden, was sich bereits diesen Sommer wieder in Leipzig angedeutet hat, wo „Asylbewerberheime“ denzentralisiert werden sollten und sich dagegen heftiger Widerstand begleitet von den üblichen Ressentiments gegenüber Flüchtligen gebildet hat. Soziologen reden sich seit Jahren den Mund fusselig über dieses Phänomen (http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Zust%C3%A4nde), aber dieses Land kapiert es nicht

  9. Mimimimöschen15. August 2012 um 18:39

    @maybeadayoff
    Stimmt schon. Fremdschämen ist eher understatement.
    Ich habe kein anderes Wort gefunden, welches meine Haltung hierzu beschreibt, und welches das Wort „Fremd“ beinhaltet.
    Das war mir wichtig. Zur Distanzierung.
    Fremdschämen tu ich mich für die Kurzsichtigkeit und Willkür in den Amtsstuben. Für alles andere such ich noch passende Worte…

  10. knusp3rkopp15. August 2012 um 20:21

    also ich schäm mich nur für die politiklouis die in der doku zu wort kommen. so traurig und unfassbar die tage damals in HRO gewesen sein mussten, dass der schäuble 1992 meinte er müsse den ostdeutschen integration mit der brechstange beibringen und das 20 jahre verdeidigt is ein witz.

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