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Kategorie: Die Wende

DEFA-Doku von 1990: Berlin – Prenzlauer Berg

Als ich Mitte der 1990er Jahre gerade meine erste Ausbildung machte, arbeitete ich ziemlich häufig im Prenzlauer Berg. Als in Brandenburg lebendes Ostkind war ich zu DDR-Zeiten tatsächlich nie in Prenzlauer Berg, zum Einkaufen fuhren wir damals regelmäßig nach Mitte. Darüber hinaus mal in SEZ und in den Pionierpark. Der Prenzlauer Berg war da irgendwie nie Ziel unserer Ausflüge.

Um so beeindruckter war ich später, als ich regelmäßig dort war, um die alten, mitunter vergammelten Häuser unter neue, frische Farben zu bringen. Der Stadtteil hatte zu der Zeit einen nicht erklärbaren Spirit. Alles war im Umbruch, überall wurde Alt zu Neu und ich war Teil dieses Prozesses. Ich lernte dort, was „Kiez“ bedeutet und liebte diese Zeit. Noch heute erinnere ich mich gerne an diese Zeit. Fiel mir gerade ein, als ich diese DEFA-Doku aus dem Jahr 1990 sah. Die so ziemlich das zeigt, was ich damals vorfand.

Bilder aus dem Berliner Stadtbezirk Prenzlauer Berg in der Wendezeit vor der Währungsunion. „We need revolution“ singt „Herbst in Peking“ aus dem Prenzlauer Berg in den Trümmern der Mauer am Rande ihres Stadtbezirks. Dabei ist im Mai ’90 schon fast alles gelaufen. Im „Prater“ schwooft Knatter-Karl mit seiner Freundin. Frieda und Gerda im „Hackepeter“ sind erschüttert; denn gleich nach dem Fall der Mauer wurde im Tierpark ein Papagei gestohlen. Die Polizei jagt bewaffnete Männer, während Näherinnen erklären, warum die Vietnamesen zuerst entlassen werden. Ein einsamer Gast aus dem „Wiener Cafe“ singt zum Abschied das Lied von der Heimat, während die rumänische Combo zum Balkan-Express zurückeilt. Die Hausbesetzer träumen von Anarchie und Frau Ziervogel, Inhaberin von Berlins berühmtester Würstchenbude „Konnopke“, segnet das erste Westgeld. Der Tag der Währungsunion ist da. Filipp Moritz besetzt den Prenzlauer Berg.

Der Staatsvertrag zwischen den beiden deutschen Staaten und der Beginn der Währungsunion am 1.7.1990 durchzieht den Dokumentarfilm und zeigt die hohen Erwartungen, die mancher Bürger daran hegt, aber auch die befürchteten negativen Auswirkungen auf die Menschen und die Gesellschaft.


(Direktlink, via Mathias)

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Doku: Lugau City Lights – Ein DDR-Dorf schreibt Popgeschichte

Eine sehr schöne Doku über jugendkulturelle Begehrlichkeiten in der DDR und über junge Leute, die es trotz aller staatlichen Widerstände einfach mal gemacht haben, was nicht ganz ungefährlich war.

In Lugau, einem kleinen Dorf im Spreewald, ist es still. Zu still. Der einzige Ort, der etwas Leben verspricht, ist die Kneipe. Kein Wunder also, dass der Ostfrust insbesondere bei der Dorfjugend allgegenwärtig ist. Das Leben von Alexander Kühne und seinen Freunden dümpelt geradezu dahin: Kohlebau, Weißkohlernte. Kurzum: viel Langeweile, wenig Coolness. Bei Bier und Zigaretten beginnen sie herumzuspinnen, malen sich aus, wie es wäre, ein Stück der pulsierenden Metropole nach Hause zu holen. Sie wollen etwas noch nie Dagewesenes schaffen, dem Mikrokosmus der DDR etwas ganz Großes entgegensetzen. Sie träumen groß – Spielen mit dem Gedanken, einen Musikclub zu gründen, in dem sich auch David Bowie wohlgefühlt hätte. Die Volkspolizei wittert eine Revolution, die Nachbarn Ruhestörung. Die Hürden scheinen unüberwindbar – und doch gelingt es. Aus der ehemaligen Dorfgaststätte wird der Jugendclub „Extrem“. Die größte Party ihres Lebens beginnt – mitten im Nirgendwo der DDR. Bis in die 90er zieht der Musikclub in der Provinz rockwütige Partygänger aus Berlin, Cottbus, Dresden und Leipzig an. Bands wie Rammstein, Fettes Brot oder Sandow bringen die Bühne zum Beben. Heute ist die Bühne verwaist, die Punkkonzerte von einst sind nichts weiter als bloße Erinnerung. 2017 reist Kühne zurück an den Ort, an dem er und seine Freunde einst das Unmögliche möglich machten. „Lugau City Lights“ zeigt überschäumende Popkultur, wo sie keiner vermutet – in einem Dorf zwischen Dresden und Berlin – und erzählt die Geschichte von jungen Menschen, die weder aus der DDR flohen noch sie bekämpften, sondern sie einfach ignorierten: mit einer musikalischen Revolution im einem Dorfsaal.

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Preisverzeichnis über Wurstwaren in der DDR

Es gab die Tage diese unsäglich bescheuerte Debatte über Schweinefleisch oder eben nicht Schweinefleisch an zwei KiTas in Leipzig. Ihr habt das sicher mitbekommen. Ich fand die so unsäglich bescheuert, dass ich da auch gar nicht weiter drauf eingehen will. Niemand _muss_ Schweinefleisch essen, nicht mal als jemand, der nicht Muslim ist. Strohpuppenargumentenaktion, die unsägliche BILD wieder ganz vorne mit dabei. Geschenkt.

Das DDR Museum hat vielleicht auch in diesem Zuge gestern eine Preisliste für Fleisch- und Wurstwaren in der DDR geteilt, die, wie ich vermute, aus den späten 1970ern bis frühen 1980ern stammen müsste. Und dabei fällt mir auf, wie verhältnismäßig billig Fleisch auch und gerade zu DDR-Zeiten war. Im Jahr 1989 verdiente ein Arbeitnehmer in der DDR im Durchschnitt 1.300 Mark (Ostmark) im Monat. Daran gemessen war das Fleisch tatsächlich relativ preiswert. Im Gegensatz zu Technik und/oder irgendwelchen „Lifestyle“-Artikeln. Und: wir hatten ja nicht viel, aber wir hatten „Schweineschnauze in Aspik“, die schon damals niemand essen _musste_. Hihi. Kreis closed.

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19. Juli 1988, Ostberlin: Bruce Springsteen – Dancing in the dark (live)

Ich bin noch im Urlaub, weshalb der Laden hier etwas zu veröden scheint. Das ändert sich nächste Woche wieder, aber Internet ist mir gerade ein bisschen egal. Aber es gibt Ausnahmen. Ich lese viel darüber, wo ich gerade bin und guck nebenbei immer so, was mich interessiert, und wofür mir sonst so die Zeit fehlt.

Heute vor 31 Jahren spielte Bruce Springsteen in Ostberlin vor (vermutlich) 160.000 Menschen sein erstes und einziges Konzert in der damaligen DDR. Es dauerte gut vier Stunden. Historiker geben diesem Abend eine Teilverantwortung für den Fall der Mauer, der im Herbst des folgenden Jahres stattfinden sollte.

Hier sein „Dancing in dark“, für das irgendwann eine junge Frau auf die Bühne kam, um mit ihm dazu zu tanzen.


(Direktlink)

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Wie war das im Osten? – Verkäuferin in der DDR: „Wir waren der Buhmann der Nation“

Hörenswerter, sehr interessanter Podcast von Michael Schlieben und Valerie Schönian für die Zeit, die dafür mit der ehemaligen Konsum-Chefin Sigrid Hebestreit über Bückware und Wartegemeinschaften gesprochen haben.

In der DDR war Mangel eine zentrale Erfahrung. Hungern musste niemand, aber Südfrüchte gab es nur selten. Auf ein neues Auto musste man jahrelang warten. Für andere Produkte, etwa flauschige Handtücher, Baumaterialien oder Backzutaten, musste man lange anstehen. Für manche Produkte stellten sich DDR-Bürger schon mitten in der Nacht an – ohne Garantie, die Waren am Ende wirklich zu bekommen. „Sozialistische Wartegemeinschaft“ nannten sich die Schlangensteher selbstironisch.


(Direkt-MP3)

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Kraftklub-Sänger macht Song über Nazis – und was das mit mir macht: KUMMER – 9010


(Direktlink)

Brandenburg zu Beginn der 90er Jahre: Sich für eine Seite entscheiden müssen. Entweder bei den Nazis sein oder eben zu den anderen gehören und Stress mit den Nazis riskieren. Wenn es sein musste, drei mal die Woche. Vor ihnen wegrennen, sich einen Club über dem Kopf anzünden lassen. Manchmal es drauf ankommen lassen. Austeilen oder kassieren. Die Entscheidung vorher kaum einschätzen könnend. Mal ausgeteilt, mal kassiert. Austeilen fühlte sich immer geiler an. Trotzdem kassiert. Das nicht bereut. Es wieder drauf ankommen lassend. Reden wollten die nie.

Vor ein paar Wochen Reha in dem Nest in Brandenburg gehabt, in der ich genau das alles 1990 – 1993 erlebt habe. Weil ich dort heranwuchs und nach all dem ganz schnell das Weite Richtung Berlin suchte und auch fand. In der Zeit viele der alten, bekannten Gesichter gesehen. Kaputt mitunter. Mein Mitleid hielt sich in Grenzen. Sie waren einer der Gründe, warum ich von dort abgehauen, wo ich meine Kindheit verbrachte. Eben auch dieser Wichser wegen, die immer dachten, dass für sie andere Regeln gelten würden. Und der Staatsapparat gab ihnen damals nicht das Gefühl, dass sie mit diesem Bewusstsein falsch liegen würden.

Handys, an denen man Licht anmachen konnte, um seine Zähne auf dem Asphalt suchen zu können, gab es damals noch nicht. Ansonsten passt dieser Text von Felix Brummer alias KUMMER, seines Zeichens Sänger von Kraftklub, sehr krass auf die Erinnerung an meine Jugend. Und auf die Leute, die mich damals „klatschen“ wollten, und heute komplett im Arsch wie Zombies durch unser damaligen gemeinsames „Ghetto“ wanken. Zu den Opfern geworden, zu denen sie uns damals machen wollten. Fickt euch. Immer noch.

Kummer hat mit dem Spiegel über diesen Song gesprochen, über Nazis und über sein Leben in Chemnitz. Ein wirklich lesenswertes Interview. Und: ein Mega-Video auch.

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Podcast: Kirchen und der musikalische Widerstand in der DDR – Und Gott bekam den Blues

(Foto: The Observer, Punkfoto.de)

Mal wieder über Punks in der DDR und die Erinnerung daran, was damals geschah, wenn du im Osten nicht auf „Linie warst“. Gerade für jene, die das hier aktuell auf Facebook oder so gerne als „Meinungsdiktatur“ bezeichnen. Alleine das hätte neben ein paar den Staat kritisierenden Lieder zu singen in der DDR reichen können, um eben mal für ein paar Jahre in den Bau zu gehen.

Hörenswertes Feature von Henryk Gericke und Robert Mießner für den Deutschlandfunk.

Dass Gotteshäuser in der DDR Orte der Opposition waren, ist durch deren Friedens- und Umweltschutzarbeit bekannt. Dass sie aber auch dem Blues und später Punkrock eine Heimat gaben, weniger. Am 1. Juni 1979 fand in der Ost-Berliner Samariterkirche die erste Blues-Messe statt – und setzte so in dem stillen Land DDR ein lautes Signal.

Orte der Andacht wurden zu Räumen der musikalischen Renitenz und des Widerstands. Eine unkonventionelle Mischung von Gottesdienst und Konzert, die Hunderte Jugendliche anlockte. Die Deutschlandrundfahrt nimmt das 40-jährige Jubiläum zum Anlass einer Reise nach Berlin, Halle, Jena und Leipzig und besucht damalige Aktivisten.


(Direkt-MP3)

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Podcast: Wie war das im Osten? / Punk in der DDR

Hörenswerte und kurzweilige zwei Stunden mit und über Jana Schlosser, die über ihre Zeit in der DDR spricht, in der sie Punk war: Wie war das im Osten? / Punk in der DDR. Mal wieder ein schönes Beispiel dafür, dass Punk in der DDR immer mehr war als nur eine Mode. Und es war dort wirklich nicht ganz ungefährlich Punk zu sein. Sie ging dafür in den Knast.

Jana Schlosser war eine der wenigen Frauen in dieser Szene. In unserem Podcast „Wie war das im Osten?“ erzählt sie, wie sie als Teenager in Halle zum Punk kam – und welchen Widerständen sie sich damit aussetzte. Fremde Leute beschimpften sie, ihre Eltern warfen sie raus. Außerdem rückte sie schnell ins Visier der Staatsmacht.


(Direkt-MP)

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„Modernste Rundfunktechnik“ aus der DDR (1971)

Aus der DDR-Zeitschrift „Jugend und Technik“ im Jahr 1971. Den Begleittext verstehen womöglich nur die wenigsten. Auch ich nicht so ganz, aber damals war der Heimrundfunkempfänger TR 200 „Adrett“, der von einem Jugendkollektiv des VEB-Kombinat Stern-Radio Berlin, Betrieb Stern-Radio Sonneberg, entwickelt wurde, wohl der heiße Scheiß. Ich mag’s fast glauben.


(via Steffen Krause)

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