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20 Jahre Goa-Trance, ein Gespräch – im Radio

(Foto: Udo Herzog)


Ich war 1995 das erste Mal auf einem Goa-Festival, es war die Voov-Expirience auf einem Flughafen in Meck-Pomm, von der ich von einem Freund erfahren hatte. Ich saß die ganze Nacht und auch den Vormittag des Sonntags neben dem Floor und fragte mich, was „das hier eigentlich ist“. Ab da war es um mich geschehen – über Jahre bestimmte dieser Sound nicht nur meinen Sommer. Wir zogen von Jahr zu Jahr über alle möglichen Partys und Festivals, die durch diesen Sound und ja, auch durch diesen Lifestyle bestimmt wurden. Wir richteten unsere Arbeit nach den Partyterminen aus.

In den letzten Jahren haben wir uns auseinandergelebt, heute sind wir fertig miteinander. Was einige Protagonisten als Entwicklung bezeichnen, ist für mich pure Stagnation. Es gibt mir nicht mehr sonderlich viel. Es passiert einfach nichts Neues, nichts Unvorhersehbares. Außerdem haben sie die Drogen verändert. Alles was wirklich tief in mir übrig blieb, ist der Umstand, dass der Chill-Out eine wirkliche Wertschätzung erlebt, Teil einer Kultur ist. Teil meiner Kultur ist. Das gibt es bis heute nirgendwo anders. Leider.

Ich glaube, ich habe nirgendwo so viel Zeit auf Dancefloors verbracht wie auf denen, auf denen Psy-Trance lief. Der Sound hat bis zum Beginn des neuen Jahrtausends mein musikalisch-feierndes Leben bestimmt. Das ist rückblickend gut, denn es hat meinen Anspruch auf eine „gute Party“ bis heute geprägt.

Wie auch immer. Auf dem Hamburger Lokalsender FSK haben sich eben echte Urgesteine der deutschen Goa-Scene zusammengesetzt und entspannt über 20 Jahre Goa-Trance gesprochen. Diese Sendung ist in mehrfacher Hinsicht ein echter Kracher, nicht nur, weil sie stark an die legendären Evosonic-Sendungen von damals erinnert. Auch, weil sie Einblicke in die Denke der mittlerweile „alten Männer“ erinnert. Weil auch sie offenbar nicht ganz Freund mit der neuen Technologie sind, auch wenn sie es Entwicklung nennen. Sehnsucht nach den alten, den besseren Zeiten klingen durch. Aber auch die tollen Jahre, dessen Teil zu sein ich irgendwie dankbar bin, werden besprochen. Vieles ist widersprüchlich, kritiklos gesagt, ohne das da jemand noch mal nachgefragt hätte. Schade, denn ist genau das ein Punkt, an dem diese Szene vor Jahren schon zu kranken begann.

Und dennoch: wer irgendwas über die Geschichte des Goa-Trance mit Fokus auf Deutschland wissen möchte, sollte sich diese Stunde unbedingt anhören. Ich habe das mal aufgenommen und hochgeladen. Teilnehmer der Gesprächsrunde sind Scotty (VuuV), Sam (Chaishop.com) und Liese (psytraveller.net), moderiert wird die Sendung namens „Hirntod“ von Achim Zubke. Und ihr habt keine Ahnung, wie geil die sonntäglichen Evosonic Sendungen tatsächlich waren. Danke für diese Zeitreise, danke für die tollen Jahre! „Tanzen, Arme hoch, frei sein.“

[audio:https://www.kraftfuttermischwerk.de/stuff/20_jahre_goatrance_hirntod_13042011.mp3]
(Direktdownload)

(Die nebenbei entstandenen Klickgeräusche meinerseits bitte ich zu entschuldigen.)

21 Kommentare

  1. Martin14. April 2011 at 09:31

    Thx. Ja, die Parties. Ich stimme ich Dir zu, wenn Du sagst: „man hat sich auseinandergelebt“. Skeptisch sehe ich die ganze Sache seit 98 oder 99, ist weiß jetzt ehrlich nicht mehr genau, bei einer fetten Partie dort in den unrenovierten Werkhallen am TreptowerPark. Und die haben inzwischen die Drogen verändert. Es passiert nichts neues -> der sound ist so eng begrenzt, das innerhalb dieses Schema alle Möglichkeiten ausgelotet wurden.

    Trotz allem habe ich immer wieder, merkwürdigerweise zum Frühling, das Bedürfniss die alten Platten, oder inzwischen mp3’s herauszukramen und in der Musik zu schwelgen. Das ganze geht dann solange gut, bis ich mir den FullOn, bis auf auf einige wenige Sachen zum 17. Mal überhört habe.
    Mich hat der Sound, und auch die Parties so dermassen geprägt…

    Die Ambient/Chillou-Kultur war mir schon vor dem Goa-Parties bekannt und ist auch meine Kultur, und wird wohl auch bleiben.

    Ich wunderte mich einen kurzen Moment, ich hatte doch den Systemsounds vom Macbook ausgeschaltet…
    Danke!

  2. gregoa14. April 2011 at 09:54

    Nice. Das erinnert mich an meine Anfänge elektronischer Musik, das war Feb. 95 mit Laser Boris, als wir in der Hirschbar aufschlugen um seinen roten Laser einzurichten. Natascha, die Szene, alle, waren einfach nur bezaubernd, grad auch ein Interview mit ihr gefunden, http://www.robtailor.de/artikel_hirschbar.html. Habe das ein paar Jahre dokumentiert und nun verstaubt das alles in meinen Archiven, Fotos, Flyer und T-Shirts. Und die paar Goa Platten bis anno 2001.

  3. muck14. April 2011 at 13:47

    Klasse Sendung.
    Macht richtig Laune, den alten Jungs beim Schwelgen zuzuhören…
    Hmmm, wäre schon nicht schlecht, wenn man die Musik selbst wieder mehr zur Droge machen könnte, statt sich durch das Event zum Drogenkonsum animieren zu lassen…
    Dass in dieser Richtung neuentstehende Musik immer mehr in vorgefertigten Mustern verfasst wird, is´ symptomatisch für jede Trendentwicklung, denk´ ich ´mal.

    & i-wie bekomm ich das Gefühl nicht los, dass der ganze Socialmedia-Rummel, den wir heute erleben, eine konsequente Weiterentwicklung der Parties von gestern sind.
    Der Likebutton ersetzt halt einfach die chemischen Drogen & das Gefühl, mit offenen Sinnen in der Masse unterzugehen, ist ziemlich gut auf Twitter abgebildet…
    Nennt mich Vollnerd, aber ich find´: weiter geht´s. ^^

  4. Lowci14. April 2011 at 16:08

    Hallo zusammen, ich habe gerade die Info zum Artikel bekommen und denke ähnlich. Wir hatten eine ganz tolle Zeit auf den Dancefloors, bei Wind und Wetter. Ich habe viele Leute kennengelernt, viele davon sind auch heute noch im engeren Bekanntenkreis. Aber wie Ihr bemerkt habt hat auch die Entwicklung nicht vor den GOA Parties halt gemacht. Mein Hobby habe ich fast an den Nagel gehängt, tausende Fotos von den Parties fristen im Internet oder auf CDs ihr Dasein. Ich selbst habe keinen Antrieb mehr und habe selbst die Fusion abgeschrieben. Es ist mir alles zu schnelllebig geworden, einst war die Fusion immer der Ort, an dem man sich völlig entspannen und Ideen für die nächsten 12 Monate sammeln konnte. Da mir die ganze Registrierungsmaschinerie mächtig auf den Sa.. geht und ich nicht mehr 12 Monate im Vorfeld planen kann, hat sich das Thema entspannen auf der „Wiese“ endgültig erledigt. Eine Bitte hätte ich dann doch noch, bitte bietet Eure Medien auch flashlos an.

    Gruß Andre B. aka Lowci – ProgressiveWelt.de

  5. kkanzler14. April 2011 at 18:59

    Mal wieder 1000 Dank an dich Ronny, fürs aufnehmen, habs natürlich gestern verzockt…
    Als jemand der noch nich wirklich lange am Goa hängt und eher selten auf großen Parties abhängt, kann ich euch nur sagen, dass es dieses Gefühl auch heute noch gibt. Findet man natürlich nicht auf den krass kommerziell ausgerichteten Parties, aber es soll ja auch noch Leute geben, die um der Musik und des Zusammengehörens Parties organisieren.
    Falls euch alte Säcke sowas noch juckt, dann müsst ihr halt mal in den Süden kommen, hier gibts des öfteren noch gemütliche und familiäre Parties, öfters auch mal tagsüber ;)

  6. Ronny14. April 2011 at 20:01

    Mhmm. Bei mir ist der da. Auf iOS.

  7. Lowci14. April 2011 at 21:05

    Leider ist der auf meinem iPad2 verschwunden.

  8. Ronny14. April 2011 at 21:08

    Bei mir auf dem Phone gehts. Ich guck mal. Danke für den Hinweis.

  9. Lowci14. April 2011 at 21:28

    Ich habe mich da wohl vom Warnhinweis ablenken lassen. Ich bin gerade noch einmal mit dem EiPad auf Deiner Seite und siehe da, es geht. Der Link funktioniert.

  10. peter14. April 2011 at 21:55

    „Außerdem haben sie die Drogen verändert“

    Als spätgeborener würde ich gerne mehr darüber erfahren.. Was meinst du damit konkret?

  11. Liese14. April 2011 at 22:51

    Hey Ronny,

    danke für Deinen Viralismus. Übrigens 1994 war die VooV in Soltau ;)

    Und natürlich kann ich mich noch an Evosonic erinnern, witzig, wir hatten gestern sogar Thorstens „Volldampf“ Album dabei.

    Klar ist die Sehnsucht nach der heilen Welt von damals groß, aber die Sehnsucht gibt auch die Kraft zu versuchen Dinge zu ändern.

    Ich gehe nur noch auf wenige und gut ausgewählte Partys, es ist ein wenig wie früher. Nicht jedes Wochenende, sondern vereinzelte Highlights. MIr ist auch immer noch nicht wichtig wer Musik macht, sonder wer von meinen Freunden da ist.

    Und auch ich habe viel Kritik an der „guten alten Zeit“, aber eine Stunde ist verdammt wenig um über 20 Jahre zu sprechen.

    Anyway, was auch kommen mag, ich freu mich auf die nächsten 20 Jahre

    Liebe Grüße
    Liese

  12. Ronny14. April 2011 at 22:57

    @Liese
    Dann war es 95. Auf diesem Flughafen, wo immer wieder mal was war. Irgendwo in Meck-Pomm. Ich komm gerade nicht drauf. Mate Galic war da und fand mein mit Gold bedrucktes, Unity Record Shirt total schön. Das war alles so surreal. So groß. So neu und weltverändert! Eine tolle Zeit. ;)

  13. liese15. April 2011 at 09:40

    95 war neustadt-gleve, damals war alles noch ein wenig kleiner, obwohl kleiner als heute?

  14. euchrid eucrow15. April 2011 at 14:44

    goas waren nie gut für die gesundheit wegen der weiter oben erwähnten zuknallerei und meinem damaligen hang zum mischkonsum. ende der 90er gabs etliche spontane und sehr kleine feste in thüringen. hach, war das schön!
    und heute? doom, stonerrock, sludge, death, u.s.w. und mischkonsum. hach, ist das schön! =)

  15. flowzirkus15. April 2011 at 18:37

    sehr schöne sendung, danke! ich vermisse evo… ne TRACKLIST von den tracks wäre super cool, dann kann ich mir die gleich nochmal bei youtube anhören… ;)

  16. alek17. April 2011 at 23:55

    Zu Evosonic gibt es hier ja schon einen Eintrag.
    Inzwischen ist das Archiv auf MU. Also jede Menge Paradise FM, Mind Trip, Fluffy Ambient Garden …

  17. […] In dieser Hirntod Sendung des Hamburger Radio FSK senieren 4 alte Hasen über 20 Jahre Goa Trance: Scotty (VooV Experience / VuuV), Liese (Psytraveller.net), Sam (Chaishop.com) und Andreas Roll (Gaia Tonträger) erzählen von den ersten Tagen der Szene und wie sich die floureszierend-bunte Geschichte dann entwickelt hat. Dabei fallen interessante Kommentare zu Stichworten wie “Unvorhersehbarkeit”, “Digitalkamera” oder “Bademeister”. Obwohl vermutlich viele von uns die angesprochenen Themen schon das eine oder andere Mal diskutiert haben, kommen in dieser Sendung einige sehr spannende szenesoziologische Aspekte zur Sprache. Via Kraftfuttermischwerk. […]

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