Blog Archives for category Die Wende

Berlin Mitte im Winter 1988

Filmaufnahmen aus einer anderen Zeit, aus einem anderen Land. Ost-Berlin im Winter 1988. Aufgenommen von Thomas Gade und Thomas Schelper am Alexanderplatz, im Scheunenviertel und Unter den Linden. Schönes Zeitdokument. Außerdem hat Gade hier noch dutzende Fotografien aus der selben Zeit. Alle in Schwarz-Weiß, alles so grau.

(Direktlink, via Interfilm Berlin)

Gastbeitrag von Ursula Demitter: Ein Leben in der DDR – Kindheit

Ursula Demitter aus Potsdam ist 67 Jahre alt, lebte und arbeitete in der DDR. Unter anderem bei der DEFA. Heute gibt sie Nachhilfeunterricht und schreibt hin und wieder ihre Erinnerungen von damals in Textdokumente. Da ich ohnehin ein großes Interesse an DDR-Biografien des Alltags habe und möchte, dass derartige Erinnerungen nicht auf irgendwelchen Festplatten verschimmeln und irgendwann einfach den Tod einer Festplatte sterben, packe ich die Texte von Ursula ab jetzt hier in unregelmäßigen Abständen rein. Ihr erster Text sammelt Erinnerungen aus ihrer Kindheit.

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(Foto: Richard Peter, unter CC von Deutsche Fotothek‎)

Meine früheste Erinnerung liegt kurz bevor ich drei wurde. Unsere Oma gratulierte meiner Kusine zum achten Geburtstag.
Wir waren immer zu viert: Meine vier Jahre ältere Schwester Helga, mein drei Jahre älterer Bruder Jörg, die Kusine Edeltraut und ich, das Urselchen.

In meiner Erinnerung lungerten wir an diesem Tag im Treppenhaus herum und wussten nichts rechtes mit uns anzufangen. Es muss ein Sonntag gewesen sein, sonst hätten die größeren Kinder in die Schule gehen müssen. Unsere Familie wohnte in der Mittelstraße im Potsdamer Holländerviertel.

In der kleineren Wohnung links des Flures wohnte Oma Anna mit Opa Eduard. Wir hatten in der Mitte eine lange schmale Küche, deren Fenster zur Straße lag. Daneben gab es eine großes Wohnzimmer in dem auch meine Eltern auf je einer Couch schliefen. Im Zimmer dahinter befand sich unser Schlafzimmer. Meine Geschwister schliefen im Ehebett der Eltern. Ich schlief die ersten Jahre in einem Gitterbett, später zog ich ins Ehebett um und mein Bruder bekam eine Couch die quer zu unseren Füßen stand. Diese Liegestatt war so stramm gepolstert, dass sie sich nach oben wölbte, wenn keiner darauf lag. Wir nannten sie deshalb „den Walfisch“.

Während die Leute in den anderen Häusern der Straße noch Plumsklosetts hatten, besaßen wir eine richtige Toilette mit Wasserspülung. Mein Vater der Klempnermeister war, hatte für seine Familie diese Annehmlichkeit gebaut. Es war einfach ein Bretterverschlag vom Treppenhaus abgeteilt worden. Da ich noch ziemlich klein war und auf dem Weg zum Klo oft den Lichtschalter nicht fand, kam es vor, dass ich im Dunkeln hin und wieder die Treppe heruntergefallen bin. Das gab natürlich ein Heidengebrüll.

Überhaupt hatte ich ziemlich früh herausgefunden, was man mit Brüllen alles bewirken konnte. Wenn es Streit gab oder ich fand, dass die Älteren mich schlecht behandelten schrie ich aus Leibeskräften. Kam dann ein Erwachsener und fragte nach dem Grund, sagte ich scheinheilig:“ Ich bin nur hingefallen.“ Zum Dank dafür, dass ich nicht gepetzt hatte, mussten die Großen mich nun mitspielen lassen oder mich auf ihre Abenteuer rund um die Häuserblock mitnehmen, was sie auch taten.
In unsere Küche gab es einen Gasdurchlauferhitzer, so dass wir immer warmes Wasser hatten. Kam ich abends vom Spielen nach Hause, musste ich zum Waschen auf einen Hocker steigen, nacheinander einen Fuß ins Waschbecken setzen und dann schrubbte meine Mutter meine Knie mit einer Bürste, manchmal sogar mit Bimsstein.

In unserer Küche gab es eine Gaslampe. Mein Vater hatte diese zusätzliche Lichtquelle eingebaut, weil es zu dieser Zeit sehr oft Stromsperre gab. Dann war die ganze Straße dunkel, nur in unserer Küche brannte munter ein helles sehr weißes Licht. Die Gaslampe durften nur Erwachsene anzünden. Der Mechanismus funktionierte mit einem sogenannten „Strumpf“. Das war eine Art längliches Säckchen aus nichtbrennbarem Material. Daran hielt man ein Streichholz, drehte den Hahn auf und – flup gab es Licht. Den Gasstrumpf durfte man nicht berühren, dann fiel er in sich zusammen. Das war dann eine große Untat, denn der Gasstrumpf musste für viel Geld aus Westberlin geholt werden.

Oft saßen wir bei Stromsperre in der Küche, hatten Kerzen angezündet und meine Eltern sangen mit uns Volkslieder, damit wir am Tisch sitzen bleiben sollten und in der dunklen Wohnung nichts kaputt machen konnten. Man wusste nie, wie lange die Stromsperre dauern würde. Mal war es eine halbe Stunde, mal waren es zwei. Wenn dann plötzlich das Deckenlicht wieder anging und uns in seiner ungewohnten Helligkeit fast blendete, jubelten alle laut .

In Potsdam war eine große Zahl der sowjetischen Streitkräfte stationiert. Man sollte sich als Kind vor ihnen in acht nehmen und sich möglichst von ihnen fern halten. Auch sollte man von niemandem etwas annnehmen. Es wurde behauptet, manche wollen die Kinder vergiften. Die Nachbarsfrau, die Straßenbahnschaffnerin im Schichtdienst war, musste immer über den Bassinplatz rennen, damit sie keiner wegfangen konnte – oder so ähnlich. Mir wurden diese Geschichten nicht wirklich erzählt, aber mitbekommen habe ich sie schon.

Einmal führ ich mit meiner Schwester in der Straßenbahn. Es waren uralte klapprige Wagen mit einem hinteren offenen Perron. Ein großer dicker russischer Offizier wurde auf mich aufmerksam. Er griff in die Tasche, holte ein großes Stück Zucker heraus, das in ein Banderole eingewickelt war und hielt es mir hin. Ich machte mein finsterstes Gesicht, schüttelte heftig den Kopf und verschränkte meine Arme auf dem Rücken. Der Russe lachte, drückte meiner Schwester den Zucker in die Hand und sagte: “Gieb.“ Zu Hause wurde der Vorfall heftig diskutiert und ich hatte natürlich alles falsch gemacht.

Als die DDR gegründet war, wurde es politisch lebendig in unserer Straße. Während wir beim Abendessen saßen, kamen schon mal zwei „Aufklärer“ in unsere Küche und erklärten uns die neue Zeit. Niemand sollte nach West-Berlin fahren und dort sein Geld in Westgeld umtauschen. Nur weil es dort „Wuggi-Wuggi- Schuhe mit dicken Kreppsohlen gab. Darauf sollten wir verzichten, denn das schädigt unseren jungen Staat. Meine Mutter sagte nichts, aber in solchen Momenten sah sie immer aus, als hätte sie Zahnschmerzen.

Noch schlimmer fand sie den Stadtfunk. Noch immer hatte nicht jeder Haushalt ein Radio. Die hatte man beim Einmarsch der Russen unter Androhung schlimmster Strafen , alle abgeben müssen. Also bekamen wir nach russischer Sitte einen Stadtfunk.

Schräg gegenüber von unserem Haus befand sich an der Ecke Mittelstraße/Benkertstraße die Gasstätte „Zum Fliegenden Holländer.“ Die gibt es dort heute noch.

Jeden Sonntag früh um sieben plärrten aus dem Lautsprecher in übelster Tonqualität alle möglichen Kampflieder. Am häufigsten wurde gespielt: „Spaniens Himmel breitet seine Sterne..“ Auf diese Art habe ich das Lied sehr schnell gelernt. Aber meine Mutter knurrte irgendwas von „unmöglichem Lärm..“ und schloss wütend die Fenster.

Mein Vater hatte ein Auto. Das war was ganz besonderes. Alle privaten Autos hatte man entweder in den letzten Kriegstagen an Hitler – oder nach dem achten Mai an die Russen übergeben müssen. Dennoch: Mein findiger Vater hatte schon kurz nach dem Krieg, es mag 46 oder 47 gewesen sein, wieder ein Auto. Das ist eine spezielle Geschichte, ein Abenteuer und reichlich kriminell.

Es war die Zeit der allgemeinen Hamsterei. Alle aus der Stadt fuhren aufs Dorf und verhökerten was irgend einen Wert hatte an die Bauern : Für Essbares. Mein Vater hat solche Fahrten für Bekannte und Freunde erledigt. Es war gefährlich, weil verboten. Aber es fiel immer was ab.

Wir hatten als Familie das Glück, dass wir bäuerliche Verwandte in den havelländischen Dörfern hatten. Von dort bekamen wir zu Essen. Es war nicht viel, aber schon ein Sack Kartoffeln war damals ein unschätzbarer Wert. Die neue Administration stellte überall kurz geschulte Hilfspolizisten ein. Zwischen den Landkreisen waren Kontrollen eingerichtet. Man wollte die Bauern zwingen, alles abzuliefern und durch die Verwaltung gelenkt, der hungernden Bevölkerung gerecht zukommen zu lassen. Das funktionierte natürlich nicht, denn wo ein Mangel ist, da ist kriminelle Energie. Ich erinnere mich, wie wir an einem Sonntagabend von den Verwandten im Dorf Roskow, 12 km von Brandenburg entfernt, nach Hause, nach Potsdam, aufbrachen. Mein Vater besaß einen alten Aero, eine Automarke, die es heute nicht mehr gibt. Es war ein Lieferwagen mit langem Heck. Vor der Abfahrt wurde ein Sack Kartoffeln auf die Ladefläche geschüttet. Darauf wurden Decken gelegt. Dann mussten wir drei Kinder uns darauf legen. Es wurde uns eingeschärft: „Wenn ein Kontrolle kommt, müsst ihr fest schlafen, ihr dürft die Augen nicht öffnen. Und genau das passierte. Die Hilfspolizisten leuchteten mit Taschenlampen in das Auto. Da lagen drei Kinder und schliefen tief und fest. Man verzichtete darauf, das Auto weiter zu untersuchen und so brachten meine Eltern ihre Konterbande sicher nach Hause.

Das Kassettentonbandgerät “KT 100″ – Für Party und Diktat

Zu Beginn der 70er kamen Kassetten dann auch endlich in den Haushalten der DDR an. Die Zeitschrift “Jugend und Technik” erklärte den Lesern im Jahr 1971 die Vorteile von Kassetten im allgemeinen und die des Kassettentonbandgeräts “KT 100″ im besonderen. Es war das erste tragbare Kassettengerät der DDR und kostete 635,00 Mark.


(klick für in groß, via Ostprodukt)

Doku: Rostock von ganz unten (1993)

Die Qualität ist unterirdisch, die Doku dennoch sehr sehenswert. Sie zeigt jene, die damals wohl nicht ganz zu Unrecht das Prädikat “Wenderverlierer” bekamen.

Ganz unten in Rostock hält die Kamera auf die nackte Realität in den noch nicht sanierten Straßenzügen rund um Budapester, Waldemarstraße und Ulmenmarkt. Nicht lange nach der Wende, noch mit reichlich DDR in der Substanz. Einschließlich der Protagonisten. Als alter KTV-Bewohner kennt man einige ‘Stadtgestalten’ noch aus dem Straßenbild der 80er und 90er (inzwischen hab ich seit Jahren keinen von ihnen mehr gesehen). 17 Jahre später muten die Aufnahmen absolut bizarr, bisweilen grotesk an. Doch es war der simple Alltag – “jaja so sieht dat aus un nich’n bisschen anners”…

(Stadtgestalten)

Der Fernsehjournalist Peter Gatter nahm u.a. Anfang der 80er Jahre an der Besetzung der Danziger Werft durch die Solidarnosc teil und konnte die ersten Fernsehbilder davon in den Westen schmuggeln. … Ab dem 1. August 1992 war er Fernsehchef und stellvertretender Direktor des NDR-Landesfunkhauses Mecklenburg-Vorpommern in Rostock. Die Reportage “Rostock ganz unten” muss damit zu seinen ersten Projekten in dieser Funktion gehört haben. Peter Gatter starb 1997 im Alter von nur 54 Jahren.


(Direktlink, via Marten)

“Grade, klare Menschen wären ein schönes Ziel, Leute ohne Rückrat ham wir schon zuviel”

Und weil ich eben ja auch Pädagoge bin und weil ich Kinder habe, die ich liebe und weil ich dieses Lied liebe. Bettina WegnerKinder (Sind so kleine Hände).

(Direktlink)

Doku: Szenen Aus Einer Hauptstadt – Ost-Berlin 1978

Schöne und auch aufschlussreiche Einsichten ins Ost-Berlin der späten 70er Jahre. Lief irgendwann mal für die ZDF-Serie 30 Jahre später. Wahrscheinlich also irgendwann im Jahre 2008. “Dirk Sager mit einem wunderbaren Panorama des Lebens im Ost-Berlin des Jahres 1978. Schrebergärtner, Militärparaden, Centrum-Warenhaus, Bauarbeiter, Gemüsemarkt Pankow, Interviews mit einer werdenden Mutter, den Schriftstellern Klaus Schlesinger und Dieter Schubert, der Liedermacherin Bettina Wegner.” Toll².

(Direktlink)

Ost-Berlin, 1969

Schöne Footage von William Noack, der 1969 mit seinem Vater nach Ost-Berlin fuhr, wo sie mit zwei Super-8 Kameras diese Aufnahmen machten. Leider sind diese 10 Minuten gänzlich frei von Sound. Ich habe hier aber gerade sowieso meinen “Liegestühlchen“-Mix laufen und der passt dazu ganz wunderbar. Schönes Zeitdokument.

July 28, 1969 – After stopping at Checkpoint Charlie for a couple of hours, entered East Berlin, Hauptstadt der D.D.R., where we took tour. Saw Hitler’s Bunker Mound, the Berlin Church bombed out by the Americans, Unter den Linden, Humboldt Universität.

(Direktlink)

Doku: Die Trabant-Story

Ich weiß noch, wie froh mein Vater damals war, als er irgendjemandem seine Abmeldung für einen neuen Trabant abkaufen konnte. Es war nunmal nicht so, dass man, wie man das heute ja tut, in irgendein Autohaus gehen und die Kiste kaufen konnte. So lief das nicht. Entweder man kaufte irgendwo einen Gebrauchtwagen, eine Kiste mit Devisen über den Genex-Katalog oder auf irgendwelchen ominösen Umwegen einen Mazda oder einen Golf. Fahrer dieses Modelle allerdings waren einem immer etwas suspekt, sie waren diese Leute, mit denen man nicht sonderlich lange reden wollte, sie fragten immer sehr viel, wenn ihr versteht.

Einen neuen Trabant kaufen hieß also: sich anmelden und dann 10 Jahre warten. Mindestens. Mein Vater hatte also das unsagbare Glück, einem diese Anmeldung abkaufen zu können, die schon über zehn Jahre alt war. Er freute sich wie Bolle und wartete nun quasi täglich auf die Meldung, dass Dingen auch kaufen und abholen zu können. Im Mai 1989(sic!) kam diese tatsächlich und meine Mutter ging mit mir zu Sparkasse, lies sich dort 100 100-Mark scheine auszahlen und die beiden kauften diese Kiste für knapp 10.000 Mark. Es war ein Trabant 601 Universal S de Luxe und er war “Gletscher-Blau”. Eine große Freude für alle.

Kein Jahr später – die Mauer war gefallen – schob er die Kiste ab, auf die er so lange gewartet hatte und tauschte sie gegen einen 200er Benz der W123er Baureihe, diesen Hier, ein altes Taxi. Mit Kunstlederausstattung. Sehr geile Karre. Finde ich auch heute noch. Die “Pappe”, die ja genau genommen gar keine war, ging an den älteren Bruder, der sie etwas später erst auf’s Dach und dann in die Presse legte.

Alt ist er nicht geworden, der Familientrabbi, ein bisschen geliebt haben ihn trotzdem alle. Und die Sache mit dem Kotflügel, der mal getauscht werden musste und uns zu einer halben Weltreise zwang, ist eine ganz andere Geschichte.

Das hier ist die Story des Autos der DDR. Ich fand die gut. So war das nämlich.

Der Trabant prägte den Alltag des DDR-Lebens und wurde zum Synonym für den Mangel. Niemand ahnte, dass der “Trabi” genau das wurde, was ein gewiefter Werbetexter formuliert hatte: Trabant – dein treuer Begleiter. Gehasst und geliebt im Alltag der DDR, hält er bis heute eine große Fan-Gemeinde in Trab. Der Film erzählt unterhaltsame lebensnahe Geschichten rund um den fahrbaren Untersatz aus dem Osten.

[...]
Interessiert und mit riesiger Erwartung wurde der Kleinwagen, die ostdeutsche Antwort auf Goggomobil, Lloyd und Isetta, von den Bürgern aufgenommen. Die Besitzer der Nullserienfahrzeuge, die plötzlich auf den Straßen erschienen, wurden umringt und ausgefragt. Als preiswert, robust und leistungsstark feierte ihn die Werbung. Und dabei blieb es über viele Jahre: Der Trabant war es, der die Menschen trocken zur Arbeit brachte, der als Arbeitspferd und Transporter diente und die ganze Familie in den Urlaub kutschierte.

Der Film erzählt Geschichten von gescheiterten Versuchen, dem Trabant ein zeitgemäßes Design und eine moderne Ausstattung zu geben. Geschichten von kleinen Veränderungen, die in der Regel zu Aufpreisen führten, und Geschichten von fantastischen Produktionssteigerungen. Langjährige Trabi-Besitzer, aber auch Menschen, die nie einen haben wollten, erzählen, wie der Trabant den Alltag des DDR-Lebens prägte und zum Synonym für den Mangel wurde.

(Direktlink)

Geräte für sie Speisenvorbereitung und -zubereitung in der DDR

Wer wie ich vor einem Umzug steht, muss sich ja auch mal über die grundlegenden Dinge so eines Haushalts Gedanken machen. Ich gucke dann mal in die DDR-Zeitschrift Magazin – so viel kann sich da ja seit 1982 nicht getan haben.


(klick für in groß, via Ostprdukt)

Computer in der DDR

Ich könnte hier jetzt irgendwas Erklärendes, Aufklärendes schreiben. Aber eigentlich will ich das nicht. Weil ich weiß, dass der KC-87 bei meinem Vater im Büro auf seinem Schreibtisch stand und er den niemals auf so einer dämlichen Parade an die Leine genommen hätte. Er mochte Computer nicht und gab sich lieber dem “Zwei-Finger-Such-System” auf seiner ollen Schreibmaschine hin. Aber seine wehrpflichtigen, jungen Soldaten mochten diese Kisten sehr und spielten, im Schatten des imperialistischen Schutzwalls, gerne Hitler-verherrlichende Spiele auf den Dingern. Im Text-Modus damals noch. Immer dann, wenn er schlief. Im Winter 1988.

Trotzdem toll, dass das gerade über reddit läuft.


(Foto unter CC von Das Bundesarchiv, via einfach mal was Neues machen)

Doku: Kinder des Ostens

Mit drei Teilen eine ziemlich umfangreiche Doku von Jan Peter, der ein Blick auf jene wirft, die ihre Kindheit im Osten verbrachten. Jeder der Teile widmet sich einem Kernthema. Teil 1: Meine Eltern, Teil 2: Meine Schule, Teil 3: Meine Freiheit.

In drei Teilen berichten heute Erwachsene, die im Osten geboren wurden über ihre Geschichte und schildern Erlebnisse, die sie bis heute geprägt haben.“Und obwohl das Land schon lange nicht mehr existiert, prägt es die Kinder des Ostens bis heute.”

Was heißt es, ein “Kind des Ostens” zu sein? Die Dokumentationsreihe erzählt 15 Kindheitsgeschichten aus dem Osten, die sich zwischen 1945 und dem Jahrtausendwechsel zugetragen haben. Als Erwachsene berichten sie von Erlebnissen in Familie, Schule oder Freizeit, die sie bis heute geprägt haben. Der erste Teil blickt auf die Beziehung von Kindern zu ihren Eltern. Parallel dazu kommen Zeitzeugen zu Wort, die die pädagogischen Absichten der DDR-Erziehung skizzieren und einordnen in den gesellschaftlichen Alltag vor und nach 1989.

[...]

Anders als im Westen Deutschlands war die Berufstätigkeit beider Elternteile in der DDR die Regel. Früh wurden die “Kinder des Ostens” deshalb selbstständig, doch der Preis war oft die fehlende Zeit füreinander. Alleinerziehende Mütter, die morgens um sechs ihre Kinder in Betreuungseinrichtungen und Schulen brachten, dann am Nachmittag Besorgungen erledigten, um am Abend erschöpft die Schularbeiten zu kontrollieren – Alltag für viele. Doch der Blick von Menschen auf ihre Kindheit offenbart auch die Erinnerung an Nestwärme, an energisches Engagement der Eltern für ihren Nachwuchs in Zeiten, die nicht immer einfach waren. Einfacher wurde es auch nach der Wende nicht, als die meisten Gewissheiten an einer ungewissen Zukunft zerbrachen, als der Platz von Eltern und Kindern in der neu gewonnenen – und zunächst grenzenlos erscheinenden – Freiheit erst noch gefunden werden musste.

Hier alle Infos auf MDR, hier die DVD mit allen drei Teilen.

Teil 1: Meine Eltern

(Direktlink)

Teil 2: Meine Schule

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Teil 3: Meine Freiheit

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Das Leben in der DDR während der späten 70er und frühen 80er Jahre

Kleine Zeitreise in ein Land, das nicht mehr existiert. Noch dazu ein ganz wunderbares Zeitdokument. Ernst Schneller, der von sich selber sagt, ein “überzeugter Kommunist” zu sein, hat sich durch die Archive der Armeefilmstudios der NVA gewühlt und daraus diese 15 Minuten zusammengeschnitten. Es werden jeweils kurz einige Städte wie Rostock, Cottbus, Neubrandenburg oder Suhl portraitiert und Situationen aus dem Alltag gezeigt. Die Moderation ist natürlich arg von Propaganda geprägt, was mit Hinblick auf die spätere Geschichte der DDR aber auch durchaus lustige Momente bringt.

(Direktlink)

Als die BRD Nazis aus der DDR freikaufte

Kurze Reportage vom Mainz Report, die sich dafür mit auch heute noch aktuellen Köpfen der deutschen Neonazi-Szene getroffen haben. Was die alten Herren verbindet, ist die Tatsache, dass sie damals, als Deutschland noch geteilt war, alle von der BRD aus der DDR freigekauft wurden.

Faschisten wie Arnulf Priem oder der NPD-Bürgermeister-Kandidat Axel Heinzmann wurden vor 1989 von der Bundesregierung aus DDR-Gefängnissen geholt. Manche saßen schon in der DDR wegen „neofaschistischer Umtriebe” in Haft und wurden gemeinsam mit Oppositionellen freigekauft oder gegen Agenten ausgetauscht.

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Punk sein in Ost-Berlin – “Schräge Zeit”, eine Doku von Ólafur Sveinsson

Superinteressante, mir bisher unbekannte Dokumentation über Punks in Ost-Berlin zu Beginn der 80er Jahre. Ich habe jetzt etwa die Hälfte gesehen und staune wieder einmal mehr, wie weit manche Jugendliche im Hinblick auf die garantiert zu erwartenden Repressionen tatsächlich gingen. Und das wobei sie wussten, was auf sie zukommen könnte und auch würde. Punk, der woanders echter wohl kaum hätte sein können.

Ost-Berlin, Anfang der 80er Jahre: Eine Gruppe junger Leute, die den Glauben an den “real existierenden Sozialismus” verloren hat, lehnt sich gegen die Unzulänglichkeiten des DDR-Systems auf.

Einer von ihnen, der 1963 in Güstrow geborene und in Ost-Berlin aufgewachsene Jan, opponiert als Punk in der berüchtigten Band “Der demokratische Konsum”. In dieser Zeit gerät er ins Blickfeld der Stasi. Ein wildes Leben beginnt. Er und seine Freunde leben, als wäre jeder Tag der letzte, und es gelingt ihnen, sich Freiräume zu schaffen, die man im Alltag der Deutschen Demokratischen Republik nicht für möglich gehalten hätte.

Dennoch ist allen bald klar, dass sie diese Republik verlassen müssen. Um der DDR zu entfliehen, heiratet Jan 1987 eine Isländerin. Im Westen angekommen, ändert er sein Leben radikal. Der Fall der Mauer versetzt ihn in Euphorie. Er kauft Häuser im Osten, eröffnet einen Mini-Supermarkt und macht Geschäfte mit russischen Soldaten. Plötzlich hat er alles, was er sich gewünscht hat: viel Geld und eine Familie. 1991 wird Jan die Diagnose “manisch-depressiv” gestellt, und er verbringt einige Monate in der geschlossenen Psychiatrie. Zehn Jahre später hat er ein kleines Schiff gekauft, auf dem er als Selbsttherapie die Sommer auf den Gewässern von Berlin verbringt.

Im Mittelpunkt des Dokumentarfilms “Schräge Zeit” steht eine außergewöhnliche deutsch-deutsche Biografie, die eng mit der turbulenten Geschichte Berlins der letzten 20 Jahre verbunden ist . Anhand von Interviews, Fotos und Archivmaterial erzählt der isländische Autor Ólafur Sveinsson, der seit vielen Jahren in Berlin lebt und arbeitet, Jans packende Lebensgeschichte, außerdem von zahlreichen lustigen, absurden, tragischen und gefährlichen Momenten der Wendezeit.

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DEFA-Doku über Berlin Mitte aus dem Jahr 1987: Feuerland

Feuerland, eine wirklich ganz wundervolle Doku von Volker Koepp, die den Alltag am Ende der 80er Jahre rund um die Dorotheenstadt in Berlin-Mitte zeigt. Vieles passierte da natürlich in den Gaststätten, die eher Trinkerstuben waren, worauf Koepp ein ganz besonderen Augenmerk hatte.

Ein richtiges Kommunikationszentrum ist die Gaststätte Borsig-Eck, dort trifft sich ein bunter Querschnitt der Bevölkerung, jung und alt. Ein 75jähriger Schachmeister, der in frühen Jahren mit seinem Spiel begann, Bauarbeiter aus Neubrandenburg, die zu Hause keine Arbeit finden, Fußballfans und ein junges Hochzeitspaar, das zu Udo Lindenbergs “Unterm Horizont geht’s weiter“ tanzt.

Zu sehen sind auch die Rekonstruktionsarbeiten des Stadtbad Mitte, eine der ältesten Berliner Schwimmhallen. Im “Stadion der Weltjugend” findet ein Fußballspiel statt, die Fans laufen lärmend die Chausseestraße entlang. Vom Charité-Hochhaus hat man alles im Blick: Die Ackerhalle (1888 erbaut) und das Altdeutsche Ballhaus.

Der Film zeigt ein Stück Alltags- und Straßenleben auf sehr unmittelbare, authentische Weise.

Das Video tauchte gestern auf Vimeo auf, keine Ahnung wie lange es da bleiben wird, aber man sollte diese tolle Dokumentation unbedingt gesehen haben.

(Direktlink | Danke, Daniel!)

Leipzig privat im Februar 1990

Schönes Zeitdokument von LZFilm, das Leipzig zeigt nachdem die Mauer gerade gefallen und die DDR schon ein Auslaufmodell war. Der Anfang zieht sich ein wenig, aber dann wird es recht interessant.

Man sollte sowieso einfach mal viel öfter mit der Kamera durch die Stadt laufen. Irgendwann werden die Aufnahmen unbezahlbare, festgehaltene Erinnerungen sein.

Wie war das damals, als in der Leipziger Innenstadt noch vor allem Trabis und Wartburgs und IFA-LKWs verkehrten? Als die Stadt noch als “Heldenstadt der DDR” wegen der Montagsdemos galt? Als die Universität Leipzig noch KMU (Karl-Marx-Universität) hieß und der City-Tower am Augustus-Platz noch Uni-Riese oder auch Steiler Zahn genannt wurde? Betrachtet man alte Aufnahmen, ist es fast wie eine Zeitreise, Stadtentwicklungen werden sichtbar, vor allem, wenn man die Ort auf Google StreetView vergleicht. Aufgenommen wurde dieses Zeitdokument im Februar 1990, neun Monate vor der Vereinigung der beiden deutschen Staaten.

(Direktlink)

Im Gespräch mit Fotograf und Türsteher Sven Marquardt

Sehr angenehm gelassenen und zurückgelehntes Gespräch, das Hajo Schumacher hier schon immer Sommer auf DW TV für die Sendung “Typisch deutsch” führte. Die beiden sprachen über die Jugend Marquardts in der DDR (der für mich interessanteste Teil), über seine Arbeit als Fotograf und seine Leidenschaft dafür und natürlich auch über die Tür des Berghains. Außerdem über Tattoos, was ja auch naheliegend ist. Schön auch, wie locker er mit eigentlich ziemlich blöden Fragen umgeht.

Der 1962 in Berlin Geborene arbeitete nach seiner Ausbildung in der DDR als Fotograf, unter anderem für die bekannte Modezeitschrift „Sibylle”. Seine Fotografien aus jener Zeit gelten heute als Dokumente der Subkultur in der DDR. Nach der Wende fand Sven Marquardt im Westen zunächst wenig Interessenten für seine fotografischen Arbeiten. Der zu DDR-Zeiten als großes fotografisches Talent Gelobte, jobbte stattdessen als Türsteher, zunächst im „Ostgut” und nach dessen Schließung im „Berghain”, einem weltweit bekannten Club in Berlin-Friedrichshain.

(Direktlink, via Irgendwo auf FB)

Auf 8 mm-Farbfilm: Das war Karl-Marx-Stadt

Ein schönes filmisches Zeitdokument, dass Karl Marx Stadt in den Jahren 1974/75 zeigt. Gedreht hatten es damals drei Studenten der Technischen Hochschule, ausgegraben und dankbarerweise ins Netz gestellt hat es nun Sandro Schmalfuß. Superschöne 8mm-Aufnahmen.

Das Bild von einem grauen Karl-Marx-Stadt erscheint generationenübergreifend bindend und prägt die Wahrnehmung der Stadt Chemnitz bis heute. Ein einmaliger Filmfund überrascht nun mit ganz anderen Ansichten.

Drei Studenten der Technischen Hochschule haben 1974 und 1975 Karl-Marx-Stadt filmisch in einer Art dokumentiert, wie sie ohne Vergleich ist und unserer Stadt damit eine Dokumentation ihrer jüngeren Vergangenheit hinterlassen, deren Existenz und Wiederentdeckung ein Glücksfall für Chemnitz ist.

Auf 8 mm-Farbfilm sind 25 Minuten lang Szenen aus Karl-Marx-Stadt, mit genialem Blick gedreht und gekonnt geschnitten, zu sehen. Karl-Marx-Stadt erscheint bunt und lebendig und man möchte glauben, zumindest in diesen Jahren ging die Idee von der sozialistischen Großstadt, im Besten Sinne ihres Anspruchs, auf. Die Szenen zeigen bekannte Orte in Karl-Marx-Stadt, immer im Zusammenhang mit Aktivität; Menschen, Verkehr. Zentralhaltestelle, Centrum-Warenhaus, Fritz-Heckert-Platz, die neue Bahnhofshalle im Bau. Besonders Wertvoll sind 5 Minuten Nachtaufnahmen aus der Innenstadt. Alles mit einem künstlerischen Anspruch umgesetzt und in der unvollkommenen und gealterten Qualität, des 8 mm Filmmaterials, faszinierend entrückt wirkend.

Die Macher des Films heißen Peter Diekert, Christian Schmidt und Lothar Förster. Damals Studenten der Physik an der Technischen Hochschule Karl-Marx-Stadt. Der Film wurde mit einer PENTAKA 8 – Kamera auf ORWO-COLOR mit 16 Bildern in der Sekunde gedreht. Technisch nicht vergleichbar mit der heutigen digitalen Videotechnik. Die Filme hatten eine Spieldauer von 5 Minuten. Die Kamera wurde mit einem Uhrwerk angetrieben, das vor jeder Szene aufgezogen werden musste. Da der Film 16 mm breit war, lief er doppelt so lange, musste aber in der Kamera gedreht werden was unterwegs schwer umsetzbar war, denn dies musste im Dunkeln geschehen. Nach dem Entwickeln des Films im DEFA-Kopierwerk, Berlin-Johannisthal, was 3 Wochen dauerte, wurde der Film mit einer Klebepresse geschnitten. Vor einigen Jahren wurde der Film dann digitalisiert. Der Originalfilm ist erhalten.

Herr Diekert stellt den Film nun zur Veröffentlichung zur Verfügung. Dafür wurde der Film von Sandro Schmalfuß digital aufgearbeitet und mit Untertiteln versehen, welche die Drehorte mit ihrer damaligen Bezeichnung benennen. Am Ende des Filmes sind die drei damaligen Studenten und die Kamera mit welcher der Film gedreht wurde, zu sehen.
Das historische Filmdokument ist kein ostalgischer Beitrag sondern soll den wichtigen Teil der Chemnitzer Stadtgeschichte zeigen, der Erinnerung dienen und informieren.

(Direktlink)

Heute fällt noch mal die Mauer – auf Twitter

Schöne Idee vom MDR Sachsen, der mit dem Twitter-Account @9Nov89live heute noch mal in Echtzeit die Mauer fallen lässt. Dafür bedient man sich verschiedner Charaktere, die in allen möglichen Positionen und aus allen Teilen der damals getrennten Republik ihre Eindrücke des Tages twittern.

“Am 9. November 2012 fällt noch einmal die Berliner Mauer – im Kurznachrichtendienst Twitter. Dort schlüpfen MDR-Reporter in die Rolle fiktiver und realer Personen und twittern in Echtzeit deren subjektive Sicht auf die historischen Ereignisse.”

Doku: Geschichte des DDR-Fernsehens

Mir glaubt ja heute kein junger Mensch mehr, dass ich mit nur zwei TV-Sendern aufgewachsen bin, ist aber tatsächlich wahr. Natürlich guckten wir in der Nähe Berlins auch West-Fernsehen und hörten Rias Berlin, zumindest so lange, bis es an der Tür klingelte und wir schnell umschalten mussten, weil das natürlich Staatsdienenden, wie mein Vater als Soldat nunmal einer war, strengstens verboten war.

Diese Doku aus dem Jahr 1991 zeigt die Geschichte des DDR-Fernsehens in den Jahren 1953-1989 und kommt natürlich mit etlichen Kindheitserinnerungen, von denen ich die meisten noch ausschließlich in Schwarz-Weiß habe. Farbfernseher gab es bei uns im Haus erst kurz vor dem Fall der Mauer und der kostete knappe 5000.00 Mark.

(Direktlink)