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Doku: DDR 1990 – Reise durch ein verschwindendes Land

Reinhard Kungel, ein damals noch ein recht junger Journalist aus dem Westen im Jahre 1990 im Osten. Interessiert offenbar und auch aufgeschlossen. Fast drei Jahrzehnte später kommentiert er die damals in Auftrag gegebenen und gemachten Aufnahmen ohne Arroganz und dennoch nicht fernab von feiner Ironie. Ein großartiges Zeitdokument, das so viele Erinnerungen in mir weckt und gerade in der mdr-Mediathek zum Stream geparkt wurde. Ich habe das als Kind fast alles sehen können, mein Alter legte Wert darauf, die ganze DDR zu bereisen – weiter kamen wir ja nicht.

Thüringen, MV, Sachsen, Potsdam, Berlin, alles gesehen damals. Alles aus anderem Blickwinkel erlebt, natürlich. Gut, zu erfahren, wie man darauf damals von draußen drauf gesehen hat. Nur die „fliegenden Händler“ waren für mich damals kein Ding.

Im Mai 1990 war die Maueröffnung erst ein paar Monate her und die Wiedervereinigung noch nicht vollzogen. Dokumentarfilmer Reinhard Kungel fuhr genau in dieser Zeit mit seinem Team in die (Noch-) DDR.

Der letzte Sommer der DDR.

10 Kommentare

  1. Jürgen Siegert21. Dezember 2017 um 15:23

    Ich bin seit diesem Jahr in Rente. Habe die DDR mit Westverwandtschaft bewusst erlebt.
    Es wurden wieder einmal nur die herunter gekommenen Ecken von Leipzig, Schwerin gezeigt.
    Das West Wagen keinen DDR Sprit tanken können, weil sie dann nicht mehr richtig fahren ist ein Witz.
    Meine Verwandten führen größere Mercedes und haben hier getankt und sind gut gefahren damit.
    Das alle Regale in der Kaufhalle leer waren, habe ich bei uns in Wolfen ebenfalls nicht zu sehen bekommen. Heute DDR Sortiment. Am nächsten Tag volles West Waren Programm.
    So habe ich es erlebt und kann es unter Eid bestätigen. Uns wollte man nach der Wende auch einreden, wenn wir in Polen den billigen Sprit tanken, gehen unsere West Autos kaputt!!!
    Ein Schelm der hier Arges denkt.

    • Jürgen Siegert21. Dezember 2017 um 15:26

      Ergänzend von mir
      Ich war in keiner Partei.

    • Ronny21. Dezember 2017 um 22:52

      Das stimmt so nicht. Es wurden, wie beauftragt, eben doch Idyllen gezeigt. Der Schmott war real in der DDR und es währe falsch, so zu tun, als hätte es diesen nicht gegeben. Weil die damalige Wirklichkeit verzerrt. Ein gerne gegangener Weg von uns Ostlern. Richtig aber ist der nicht. Der Prenzlauer Berg war zu jener Zeit, genau so im Arsch, wie hier von Altbauten in Leipzig gezeigt. Das muss man sich rückblickend nicht schön reden. Und das sind nicht mal Aufnahmen bei, die Leuna, Schkopau, Buna oder Bitterfeld zu dieser Zeit zeigen. Dort war es noch übler.

      Was da mit dem Sprit passiert ist? Kein Ahnung – geschenkt und in dem Kontext so wichtig auch gar nicht. Kann ja sein, dass die Jungs das damals so empfunden haben.

      Und wenn die Regale in Wolfen nicht leer waren, habt ihr es wohl gut gehabt und alles hat gepasst. Bei mir in Teltow waren die Regale schon vor 1990 nicht mehr voll. Und irgendwo müssen die Bilder uns Meinungen der Leute von damals ja schließlich auch herkommen…

      • Jürgen Siegert22. Dezember 2017 um 19:15

        Ich wollte nicht die Schmuddel Orte weg reden und den Schmutz, aber es wäre ausgewogener gewesen auch einige schöne Orte mit zu zeigen.
        Und ich möchte diese Zeit auch nicht zurück haben.

    • sld22. Dezember 2017 um 11:07

      Die Wahrheit liegt wie sooft, irgendwo dazwischen. Die heruntergekommenen Ecken gab es aber zu Hauf. Vor allem, wenn man sich die Innenstadt von Potsdam und Dresden ansieht (1990 – 2000). Was allein da passiert ist.

      Dass übermäßig schlecht und einseitig über das DDR-Leben berichtet wird, sehe ich ebenso. Das hat ideologische Gründe.

  2. Markus Dinkler22. Dezember 2017 um 00:37

    In der damaligen DDR konntest du auch an ausgewählten Tankstellen ganz normal mit dem WESTAUTO tanken. Es gab am Land vereinzelt Tankstellen mit Westniveau. Wo es immer Westsprit gab war an den Tankstellen am Hermsdorfer Kreuz wo ich und mein Vater regelmäßig tankten. Mein Vater fuhr damals einen Audi 200 Avant quattro der natürlich wegen der niedrigen Oktanzahl des DDR Sprit diesen nicht tanken konnte.
    Irgendwie war die DDR auch schön ist doch das Vergangene nicht mehr greifbar.

    • Ronny23. Dezember 2017 um 01:48

      Danke für den Link. Das ist toll! Gucke ich gerade.

  3. Carsten18. Januar 2018 um 01:44

    Hallo zusammen,

    diese Doku ist ja mal wirklich nur erstklassig gefilmt und erzählt!
    Sehr sachlich gemacht. – Klasse!
    Ich habe als Westgeborener Anfang – Mitte 1990 mit 19 Jahren auch so meine Erfahrungen bei meinen ersten DDR Exkursionen gemacht, die sich in großen Teilen decken.
    Wenn ich eine Videokamera gehabt hätte (und eine Ausnildung zum Film dazu) wäre ähnliches dabei herausgekommen.
    Zu der Bonzenschleuder und dem DDR Benzin möchte ich eines allerdings anmerken:
    Ich bin 1990 mit meinem damals schon steinalten BMW 2002 durch die DDR gefahren. Der hatte auch so sein Problem mit dem VK Extra von der Minol.
    Der fuhr damit problemlos aber er klingelte erbärmlich beim Beschleunigen!
    Der brauchte halt 98 Oktanigen Sprit und den gab es nicht gegen gut getauschte Alumark!
    Die Lösung hatte mein Opa (gelernter Flumotorenmechaniker im WK2), nachdem er das Glockenspiel des Motors gehört hatte: Zündung auf früh stellen!
    2 Edding Striche auf den Verteiler und je nachdem was man getankt hatte lief der mit etwas mehr oder weniger Leistung. :-)
    Die „Bonzenschleuder“, ein BMW E32 730i/735i aus 86-88, hatte damals schon eine digitale Motorelektronik, allerdings noch einen mechanischen Zündverteiler der die Zündung noch nicht elektronisch verstellen kann. Die Elektronik sagte Error und ist ins Notprogramm gegangen. Auto fuhr nur noch 60!
    Das hat nicht nur einer so erlebt, der in die sterbende DDR mit einem damals hochmodernen Auto gefahren ist!

    Viele Grüße
    Carsten

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