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Schlagwort: GDR

Doku über Heavy Metal in der DDR

Ich habe mit Metal genau gar nichts am Hut, musikalisch ist der mir so fremd wie Schlager. Ohne Scheiss, ich kam da nie ran, habe es mehrfach versucht und es wollte einfach nichts werden. Das ist bis heute so geblieben. Wenn ich es hart haben wollte, hörte ich RATM. Ohne Haarspray, ohne Show, ganz roh.

Aber: ich habe neulich im östlichsten Brandenburg auf einer Gartenparty über Umwege alte Männer kennengelernt, die schon seit DDR-Zeiten in einer Band spielen, die Hardrock auf die Bühnen bringen, auf denen sie heute noch stehen. Inklusive diverser Metal-Tunes. Das hat mir irgendwie imponiert, zu mal ich spätestens nach „Bye bye, Lübben City“ weiß, dass Subkultur im Osten nicht nur subversiv sondern für die diese nach draußen Tragenden auch immer sehr riskant war. Die haben das durchgezogen und sind heute eher so die gemütlichen Tüpen, die immer noch ihre Instrumente spielen. Subkultur war da halt immer mehr als ein Lifestyle, Subkultur war da eben auch immer im Fokus der StaSi und somit im Zweifelsfall die persönliche Perspektive komplett gefährdend. Das nahm man hundertfach in Kauf. Für die Musik, die man liebte und leben wollte. Heavy Metal war als Subkultur in der DDR größer als Punk, wie diese wahrlich sehenswerte Doku zeigt. Ich komme trotzdem nicht an den Sound ran, finde seine Liebhaber hiernach mit Blick auf damals aber dennoch äußerst stabil.

Sie alle gehörten in den 80er-Jahren zu einer großen Subkultur in der DDR. Im Gegensatz zur Punkszene wurde sie aber nach der Wende wenig beachtet. Dabei gab es in der DDR viel mehr Heavy-Metal-Fans als Punks – vor allem auf dem Land. Bei uns im östlichen Brandenburg war es die größte jugendliche Subkultur. Wie auch in vielen Gegenden der BRD wurden die Heavy-Metal-Fans skeptisch beäugt: zu unangepasst, zu laut, ständig betrunken und gewaltbereit, argwöhnten die Erwachsenen.
Im grauen, eintönigen sozialistischen Straßenbild fielen sie ganz besonders auf: lange Haare, Jacken und Hosen aus Leder, Nietengürtel, ärmellose Jeansjacken voller Buttons und Aufnäher und natürlich die Bandshirts mit Monstern oder Skeletten darauf.
„Witzigerweise, das ist jetzt so mein Eindruck, haben die Heavy-Metal-Fans in der DDR auf dieses Äußere sogar noch mehr Wert gelegt als im Westen“, erklärt der Historiker Nikolai Okunew. „Und dann noch diese Anzahl an Ketten, an Spikes, an Nieten und so weiter höher gefahren, als es im Westen üblich gewesen wäre.“
Okunew hat sich ausgiebig mit der Metal-Szene in der DDR beschäftigt. Er ist Historiker am Leibnitz-Zentrum und hat mit „Red Metal“ eine Doktorarbeit über die Heavy-Metal-Subkultur in der DDR veröffentlicht.


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Straßenverkehr in DDR 1989 kurz vor der Wende

Kurzer Flashback für jene, die im Osten der Republik aufgewachsen sind. Und ich kann dieses Video riechen.

Ein gewöhnlicher Sommertag im kommunistischen Ost-Berlin, Ostdeutschland, im Juni 1989, nur wenige Wochen bevor der Eiserne Vorhang des Kommunismus quer durch Ost einstürzte in Europa. Gefilmt am Rosa-Luxemburg-Platz mit einem aus dem Westen eingeschmuggelten Camcorder.


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Max Herre und Dexter kompilieren Sampler mit DDR-Musik aus den 1970er Jahren

Max Herre und Dexter haben mit „Hallo 22“ einen Sampler zusammengestellt, der allerhand Musik der DDR aus den 1970er Jahren mit sich bringen wird. Finde ich ganz spannend. VÖ-Date ist der 30.09.2022.

Amiga ist 75 Jahre alt. Doch der Katalog des einflussreichen Ost-Labels ist so relevant wie nie zuvor. Mit Max Herre und Dexter haben sich zwei wichtige Protagonisten der deutschen Hip-Hop-Szene daran gemacht, einen ganz besonderen Abschnitt der Label-Historie zu beleuchten: Die 1970er-Jahre. Eine Zeit, in der akademisch ausgebildete Musiker*innen in hochwertigen Studios progressive, mutige Platten aufnahmen – mit emotionalen, lyrischen Texten und mit deutlichen Einflüssen aus der reichen Funk-, Soul-, Rock- und Blues-Tradition des Schwarzen Amerikas.

Außergewöhnliche Songwriter wie Holger Biege, Hansi Biebl oder Uve Schikora trafen auf großartige Sängerinnen wie Veronika Fischer, Uschi Brüning oder Regine Dobberschütz; mittendrin der charismatische Manfred Krug und an seiner Seite der Ausnahmekomponist und -arrangeur Günther Fischer. Sein Repertoire verdient eine eigene Werkschau, so vielseitig und reich waren seine Kompositionen nicht nur für Krug, sondern auch für die eigenen Bandprojekte sowie für Film und Fernsehen.

»Hallo 22« setzt eine legendäre Reihe von Kompilationen auf Amiga fort. »Hallo Nr. 1« erschien 1972, und so schließt sich ein Kreis über 50 Jahre. Doch Amiga wurde schon 25 Jahre früher gegründet, nämlich 1947 als »Lied der Zeit«. Die Ost-Berliner Plattenfirma veröffentlichte ursprünglich vor allem Aufnahmen des Schauspielers Ernst Busch. 1953 wurde sie in Volkseigentum überführt, 1955 in »VEB Deutsche Schallplatten« umbenannt und dem Kulturministerium der DDR unterstellt. Fortan war sie das einzige Unternehmen mit einer Herstellungs- und Vertriebslizenz für Tonträger und einer zusätzlichen Monopolstellung beim Import und der Lizenzierung von ausländischen Tonträgern.

Zusätzlich haben Dexter und Herre zwei alte Songs ins Jetzt geholt. Einen gibt es mit Manfred Krug – und der kommt mit diesem Video.


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Doku: Aufgewachsen unter Glatzen

Ich war 13 als die Mauer fiel und wuchs in einem Kaff in Brandenburg auf. Um mich herum mutierten sehr, sehr viel Menschen innerhalb von ein paar Jahren zu strammen Faschos. Rechtsradikalismus war _die_ Jugendkultur im Osten. Jene, die nicht daran teilnehmen wollen, lebten in Angst, kassierten Schläge und mussten im besten Fall schneller rennen können, als die Gangs in Bomberjacken und Martens. Mir gelang das meistens. Die Tage, Wochen, Monate, Jahre waren geprägt von Angst. Mit 17 hatte ich die Fresse voll und zog nach Berlin Schöneberg. Ab dort fühlte sich das alles deutlich besser an. Es sei denn ich musste mit meinen bunten Haaren mal nach Marzahn, Hellersdorf oder wieder in irgendein Kaff im Osten. Da blieb die Angst. Und ich kann sie auch heute hin und wieder nochmal fühlen, wenn ich im Antifa-Shirt in Sachsen unterwegs bin. So richtig wird das wohl nie ganz weggehen.

Die Doku „Aufgewachsen unter Glatzen“ zeigt, dass es mir nicht allein so ging. Es war im Osten schlicht Normalität. Und irgendwie guckten alle weg. Die Nachbarn, die Cops, die Politik.

3sat hat die zweitteilige Doku im Stream und ich finde die verdammt sehenswert.

Aufgewachsen unter Glatzen (1/2) – Landschaften der Angst

30 Jahre nach dem Pogrom von Rostock-Lichtenhagen im August 1992 widmet sich eine zweiteilige TV-Dokumentation der Nachwendegewalt und dem eklatanten Staatsversagen, das die „Baseballschlägerjahre“ möglich gemacht hat.

Aufgewachsen unter Glatzen (2/2) – Das Erbe der Baseballschlägerjahre

Ob Opfer, Täter oder Mitläufer damals – die Protagonisten dieser Doku wollen alle das Gleiche: Sie alle wollen, dass endlich Klartext darüber geredet wird, was in den sogenannten Baseballschlägerjahren wirklich passierte. Damals als sie groß wurden.

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Radio-Feature über „Too Much Future – Punkrock GDR 1980-1989“

2020 erschien mit „Too Much Future – Punkrock GDR 1980-1989“ ein Sampler, der Punksongs aus jener Zeit zusammenbrachte, die bis dahin mitunter noch nie veröffentlicht wurden. Henryk Gericke, einst selber Punk in Ostberlin und Kenner der Szene in der DDR, hat zu der 3xLP ein 80-seitiges Booklet gemacht und war zur Veröffentlichung des Samplers beim Deutschlandfunk Kultur zu Gast, hat über seine persönlichen Erinnerungen und die Musik gesprochen. Ein wirklich spannendes Gespräch, wie ich finde. Und allerhand Punksongs aus der DDR der 1980er Jahre gibt es auch.

Wie groß war die Szene? Wie lebten Punks in der DDR? Wo und wie gaben sie Konzerte? Wie klang ihre Musik? Welchen Schikanen durch die Staatssicherheit waren sie ausgesetzt? Eine Compilation aus drei Vinyl-Schallplatten und ein 80-seitiges Booklet, erschienen in diesem Herbst und geben Auskunft. Henryk Gericke gehörte damals dazu, zu den Punks in der DDR, und er ist Autor des Booklets.

Gericke sprach mit dem Musikjournalisten und DJ Thomas Thyssen, der zur jüngeren Generation gehört und aus Westdeutschland stammt:
Der Tumult, den die Punks in der DDR provozierten, forderte einen Disziplinarstaat heraus, der seine Jugend steuern wollte, von dem sich aber die Punkrocker nicht lenken ließen. Das aufgeladene Verhältnis zwischen dne Punks und der Partei beruhte auf der Spannung zwischen Subkultur und Diktatur.


(via Direkt-MP3, via Swen)

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In Berlin sucht man einen verlorenen Koffer mit Kassetten der DDR-Punkband die Firma

Schon im Juli ergab sich in Berlin diese kuriose und gleichsam traurige Situation, in der ein Mann einen Alukoffer in einer Tram stehen ließ. Der Inhalt: nicht wenige Audiokassetten mit Aufnahmen der DDR-Punkband die Firma, die eigentlich allesamt digitalisiert werden sollten, was ohne die Kassetten nun natürlich unmöglich ist. Jetzt sucht man in Berlin nach diesem Koffer und vielleicht kennt jemand von euch irgendwen, der jemanden kennt und was gehört haben könnte. Wäre schon schön, wenn die Dinger wieder auftauchen würden.

Berlin sucht einen Koffer mit Tonbandkassetten. Über Facebook hat die Modedesignerin und Journalistin Jane Garber am Dienstag einen Aufruf gestartet. Sie war einst mit dem 2015 gestorbenen Frank Tröger, genannt Trötsch, dem Sänger der Punkband Die Firma, zusammen. Offenbar hat sie auch einen Koffer mit Kassetten geerbt und wollte sich in diesem Sommer um die Hinterlassenschaften ihres Ex kümmern und die Tonträger digitalisieren lassen.

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Schöne Namen von kleinen Fußballclubs der DDR

Ich spielte einst ziemlich lange und leistungsorientiert Handball beim der BSG Elektronic Teltow (geiles Logo), die mittlerweile zum RSV Eintracht Stahnsdorf wurde. Der damalige Träger war das VEB Werk für Bauelemente der Nachrichtentechnik Teltow, das ich nur als CvO kannte. War eine gute Zeit und ich erinnere mich rückblickend etwas amüsiert über die doch sprachlich kreativen Namen, die sich kleine Sportvereine in der DDR so gaben. Ich glaube gar, dass die wenigsten darin irgendeine Ironie sahen. Hier ein kleine Zusammenstellung von German at Portsmouth.

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Ein westdeutscher Blick auf die Jugenderziehung in der DDR aus dem Jahr 1967: Kinder, Kader, Kombinate

Um das erlebt zu haben bin ich deutlich zu jung, aber ich sehe durchaus Dinge, die ich als Jungpionier auch in den 1980ern noch erlebt habe. In besonders schöner Erinnerung habe ich die vielen Wochen der sommerlichen Pionierlager, die ich trotz anfänglichen Heimwehs und durchaus militärischem Umgangs lieben lernte.

Die Dokumentation vergleicht die unterschiedlichen Erziehungskonzepte in der frühkindlichen Erziehung in Kindergärten der DDR und China zu denen in der Bundesrepublik oder den USA.

0:39 Kosmonautenzentrum Juri Gagarin, Karl-Marx-Stadt (Chemnitz)
4:10 Pionierpark in Karl-Marx-Stadt (Chemnitz)
4:55 Internationales Pionierlager Kalinin an der Ostsee
8:10 Ein Pionierleiter spricht über seine Arbeit als Leiter der Pionierfreundschaft
14:06 Stadtrundgang durch Karl-Marx-Stadt zu Ehren von Fritz Heckert
20:28 Mathematik-Olympiade zum Abschluss des Lagers
21:00 Schulunterricht in der DDR
31:00 Kinder- und Jugendspartakiade in Ost-Berlin

Originaltitel: Erziehung im anderen Teil Deutschlands – Kinder Kader Kombinate

Ein Film von Jost von Morr


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Ein britischer Reiseführer aus den 1980ern für Erstreisende, die durch die DDR nach West-Berlin reisen wollten

[Update] aus den Kommentaren: „Das Video wurde für britische Truppen produziert, nicht für deren Bürger, wie von dir vermutet.“

So haben die Briten offenbar in den 1980ern ihren Staatsangehörigen Empfehlungen gegeben, wie sie am ehesten per Transitstrecke durch die DDR nach West-Berlin reisen konnten. Wäre interessant zu wissen, wieviele sich das angesehen und die Empfehlungen angenommen haben.


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