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Ein Holocaust-Mahnmal bei Bernd Höcke vor der Haustür

(Foto: Patryk Witt/ Zentrum für Politische Schönheit)

Ich halte manche Aktionen des Politischen Zentrums für Schönheit durchaus für streitbar. So auch jetzt. Die haben Bernd Höcke nämlich ein eigenes Holocaust-Mahnmal vor die Nase gestellt. So, dass er täglich daran erinnert wird.

Mittwoch früh, 6 Uhr, Bornhagen (Thüringen): Der Lärm von Betonpumpen reißt die AfD-Fraktionsvorsitzenden Björn Höcke aus dem Schlaf. Sein 500 Jahre altes Pfarrhaus bebt. Als er zum Fenster kommt, zieht er seinen Augen nicht: Direkt vor seinem Haus entsteht ein Ableger des Denkmals für die ermordeten Juden Europas, das im Januar als „Denkmal der Schande“ bezeichnet wurde. Der ehemalige Geschichtslehrer zittert. Seit heute früh um 6 Uhr wird zurückgedacht .

In Höckes „Refugium“ – dem braunen Haus von Bornhagen. Das ZPS jetzt 24 Betonstelen vor dem Haus von Deutschlands größtem Hetzer.

(Direktlink)

Die Replik des Berliner Mahnmals wurde auf dem Nachbargrundstück Höckes in Thüringen gestellt und über Crowdfunding finanziert. Nun geht es bei Deine Stele weiterhin darum, den Unterhalt für die nächsten zwei Jahre zusammenzubekommen.

Die Aktion in Thüringen geht auf das Konto der Künstlergruppe „Zentrum für Politische Schönheit“ (ZPS). Seit fast einem Jahr wohnen Künstler des ZPS nach eigenen Angaben Zaun an Zaun neben dem AfD-Politiker und beobachten ihn – die Aktionisten hatten sich verdeckt eingemietet. Laut ZPS handelt es sich um „die aufwendigste Langzeitbeobachtung des Rechtsradikalismus in Deutschland“.

„Jetzt grasen Höckes Schafe zwischen monumentalen Scheingräbern“ heißt es in einer Mitteilung der Aktionsgruppe. Und: Das Mahnmal soll wachsen. Für die nächsten zwei Jahre sind für Bau und Betriebskosten 28.800 Euro veranschlagt. Um die Finanzierung des Denkmals zu sichern, hat das ZPS zu Spenden aufgerufen.
(mdr)

„Streibar“ deshalb, weil gefragt werden muss, ob man das Holocaust-Mahnmal für so eine Aktion benutzen sollte/darf und ob die im Vorfeld wohl getätigten Spähmaßnahmen des Zentrums Höcke gegenüber verhältnismäßig sind. Dazu habe ich noch keine abschließende Meinung. Vielleicht kommt die noch.

13 Kommentare

  1. Christophee22. November 2017 um 20:39

    schwachsinn, 30000 fuer einen Streich. Find ich laecherlich. Was wollen die damit erreichen ausser den Typ zu aergern? Das ist doch nie im Leben das Geld wert.

    • Ronny22. November 2017 um 21:08

      Mittlerweile sind sie bei über 70k.

    • Ronny22. November 2017 um 23:42

      „Absolute Scheiße“ ist mir zu absolut. Dass die Aktion durchaus streitbar ist steht hier. Auch im gegebenen Kontext. Weil ich das in Gänze tatsächlich für streitbar halte. Aber allein, dass meine ganze Filterblase darüber durchaus konstruktiv diskutiert…

      Mehr kann „Kunst“ nicht wollen.

      • da]v[ax24. November 2017 um 08:04

        …Mehr kann „Kunst“ nicht wollen…

        Aber das muss doch auch ohne Drohgebärden und Nötigung gehen ey. Es bringt doch nichts, sich auf das Niveau von denen(TM) zu begeben, um denen(TM) eins auszuwischen. Das ist einfach nur dämlich.

        • Harry26. November 2017 um 18:12

          finde die „das Niveau von denen “ Argumente ja eigentlich jedes einzelne mal schwachsinnig.
          Demokratischer Staaten Morden, Nötigen und schüchtern genau so ein. Bloß halt rechtlich gedeckt. Was anderes als „wenn es die guten machen ist es ok“ ist die Argumentation mit dem Recht halt aber auch nicht.
          Der Unterschied scheint doch eher zu sein, dass Gewalt zentrales Element faschistischer ideologie und dort Selbstzweck ist, während andere sie lediglich strategisch einsetzen und sie mehr oder weniger strengen Regeln unterwerfen.
          Kritikwürdig an der Nötigung und den Drohgebärden in dem Fall ist, dass sie strategisch falsch sind und aus den falschen Gründen angewandt werden.

  2. Olaf23. November 2017 um 11:27

    Problem ist auch, dass es dem Bernd und der AfD mal wieder Futter gibt, sich als Opfer von „linksextremisten“ darzustellen, was ja durchaus zur Programmatik der AfD zählt. Natürlich kann und muss man darüber diskutieren, in wie weit man deshalb solche Aktionen einschränken oder aufgeben sollte. Dies völlig zu tun, wäre auch falsch. Aber man muss es mitdenken, effektiver wäre es sie irgendwie zu zwingen, sich selbt bloß zu stellen und ihre eigene Unfähigkeit unter Beweis zu stellen.
    Ich bin bei dieser Aktion auf jeden Fall auch hin und hergerissen.
    Obwohl allein der Umstand, dass ich hin und her gerissen bin eigentlich dafür spricht, dass ich sie eher ablehene, da mich solche Aktionen eigentlich begeistern müssen…

    • Olaf23. November 2017 um 11:52

      wobei du (Ronny) natürlich recht hast, Mensch diskutiert darüber und damit ist ein Ziel erreicht

    • Harry26. November 2017 um 18:33

      Natürlich werden die sich wieder in ihrer Opferrolle suhlen. Es gibt keine Art von Umgang mit denen, die von denen nicht so umgedeutet wird, dass sie ja recht haben. Zur Not wird die Realität einfach geleugnet. Von daher denke ich sollte man nicht zu viel darauf geben, dass die sich jetzt wieder als Opfer inszenieren können. Ich denke sogar, dass die Opfer-Inszenierung ihnen langfristig eher schadet. Wenn die Situationen in denen sie sich als armes armes Opfer das ganz ungerecht behandelt wird inszenieren immer häufiger werden, stehen sie am ende als die armen würstchen dar die sie sind. Man sollte sich da nicht beirren lassen.

  3. Alreech23. November 2017 um 17:57

    Diese Aktion bringt das Zentrum für Politische Schönheit wieder ins Gespräch !
    Warum soll man dafür nicht das Holocaustmahnmal verwenden ?

    • da]v[ax24. November 2017 um 08:06

      Gegen das Mahnmal an sich sagt ja niemand was. Dass das aber mit einer Drohung und Nötigung verbunden ist, stößt zumindest mir sauer auf.

  4. Harry26. November 2017 um 18:27

    Ich halte es für durchaus berechtigt ein Mahnmal für die Opfer des Holocaust und auch das Gedenken an sie dazu zu „benutzen“ modernen Faschisten und Antisemiten was entgegen zu halten.

    Im Sinne der Nachbarschafts- und Denkmalpflege könnte dann Höckes Kumpel Thorsten Heise aus dem 10 minuten entfernten Fretterode mal vorbei kommen, wenn er damit fertig ist sein SS-Denkmal zu pfelgen.

    Problematisch an der Aktion ist tatsächlich alles andere, was außer dem Denkmal da noch passiert. Mal davon abgesehen, dass das ZfPS ohnehin auf einem rückwärtsgewandtem Weltbild fußt, ist der Impetus „die aufwendigste Langzeitbeobachtung des Rechtsradikalismus in Deutschland“ ein Schlag ins Gesicht für alle, die sich seit Jahrzenhten den Arsch dafür aufreißen, die rechte Szene zu beobachten, dabei regelmäßig mit der Gewalt ebendieser Szene konfrontiert sind und das ganze meist auch noch in ihrer Freizeit, unentgeldlich und meist aus der Anonymität heraus tun. Damit die spektakuläre Aktion von einigen bezahlten Berufs-Aktivisten besser aussieht wird deren Arbeit einfach mal symbolisch für irrelevant erklärt. Und die Leute die jetzt zehntausende Euros an das ZfPS gespendet haben werden natürlich ihren Arsch nicht hochbekommen auch nur eine müde Mark in ein Abo der Lotta, des AIB oder des rechten Rands zu stecken oder das APABIZ, das a.i.d.a. Archiv oder NSU Watch zu unterstützen.

    Um dem ganzen dann noch die Krone aufzusetzen erblödet das ZfPS sich dann auch noch das ganze damit zu begründen, dass in Thüringen das V-Leute System abgeschafft wurde und verbreiten die Mär, dass Nazis deshalb jetzt „unbeobachtet“ wären. Wo doch die Abschaffung des V-Leute Systems gerade eine Folge aus der Einsicht war, dass es die Naziszene schützt, finanziert und die strafrechtliche Verfolgung von Straftaten erschwert oder sogar unmöglich macht.

    Bei oberflächlicher Betrachtung eine nette Aktion (das mit dem Mahnmal), wenn man aber auch nur einen millimeter tiefer schaut entpuppt es sich als großer Haufen scheiße. Wie leider so oft beim ZfPS.

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