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Schwarzfahrer-Versicherung

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(Foto unter CC von Matthew Black)

Das nenne ich mal innovativ. Im schwedischen Stockholm haben sich einige Leute zu einer Art Versicherung für Schwarzfahrer zusammengeschlossen. Jeder zahlt eine überschaubare Summe in einen gemeinschaftlichen Topf ein, aus dem dann die Strafen jener bezahlt werden, die beim Schwarzfahren erwischt werden.

Meine Monatsmarke kostet über 80 Tacken. Kann das mal jemand für hier initiieren? Ich wäre dabei.

Die schwedische Organisation Planka.nu hat demnach im vergangenen Jahr doppelt so viel eingenommen wie für die Bezahlung der Bußgelder ausgegeben: Knapp 5500 Euro hätte die Schwarzfahrerversicherung pro Monat von ihren Mitgliedern bekommen – knapp elf Euro pro Person. Vor zehn Jahren habe die Gruppe laut dem Zeitungsbericht noch ungefähr 80 Prozent ihrer Mitgliederbeiträge für die Strafen abdrücken müssen.

Auch sonst habe Planka.nu seit der Gründung vor 13 Jahren extrem an Einfluss gewonnen. Außer den ungefähr 500 Mitgliedern habe die Organisation mehrere Tausend andere Nutzer dazu angeregt, im öffentlichen Nahverkehr schwarzzufahren, teilt ein Sprecher der Stockholmer Verkehrsbetriebe laut „NYT“ mit. Ungefähr 15 Millionen Schwarzfahrten habe die schwedische Hauptstadt im vergangenen Jahr verzeichnet, das seien drei Prozent aller Fahrten. Ähnliche Gruppen hätten sich zudem in Göteborg und Oslo gegründet.

26 Kommentare

  1. glamorama19. Mai 2014 at 09:53

    Hmmm, bei der Deutschen Bahn, die im Profitwahn ihre Technik kaputtspart und ihre Kunden vernachlässigt, sähe ich das noch ein.

    Aber bei der BVG? Hunderttausende Berliner kommen dank BVG ohne Auto aus, der Straßenverkehr und die Luft profitieren dementsprechend. Wenn ich noch bedenke, wie oft mich U-Bahn und Nachtbus bei miesem Wetter oder zu mitternächtlicher Stunde für schlappe 2,60 bis (fast) vor die Haustür gebracht haben, kommt mir die Idee, denen absichtlich das Fahrgeld zu verweigern, reichlich schäbig vor.

  2. Jan19. Mai 2014 at 11:18

    Mal ganz abgesehen von der Asozialität der Idee — was hat sowas denn zur Folge? Insbesondere im täglichen Alltags-, Berufs- und Kurzstreckenverkehr heißt das dann mehr Kontrolleure und mehr Kontrollen und damit ganz allgemein mehr Agressionen im Nahverkehr. Mittelfristig vermutlich höhere Bußgelder und höhere Strafen. Wollen wir das? Ich denke nicht.

  3. Kay19. Mai 2014 at 12:01

    Das ganze hat einen Politischen Hintergrund, diese Bewegung tritt für einen kostenlosen Öffentlichen Verkehrsmittel ein welche wiederum über höhere Steuern finanziert werden soll. Somit soll auch der ständigen Privatisierung entgegengewirkt werden… Also kein bloßer unfug, was die von planka.nu da machen ;)
    Das ganze kann man jetzt gut oder schlecht finden… :) Aber meine Vorposter hätten sich auch ruhig mal auf planka.nu umschauen können :)

  4. StingrayMM2019. Mai 2014 at 12:04

    Ich bin nun wahrlich kein Freund hoher Ticketpreise, nein nicht einmal gemäßigter Ticketpreise. Ich finde vielmehr, dass der ÖPNV für jeden so erschwinglich sein sollte, dass man überhaupt nicht in die Verlegenheit kommt, darüber nachdenken zu müssen, ob man schwarz fährt oder nicht.
    Was aber gerne auch außer Acht gelassen wird, ist die Tatsache, dass man sich ja kein Ticket kauft, um kontrolliert zu werden (wer hat den Auspruch „Jetzt habe ich mir eine Fahrkarte gekauft und wurde nicht einmal kontrolliert!“ noch nicht gehört?) sondern um befördert zu werden. Insofern sehe in in der im Artikel beschriebenen Initiative ein sehr zweischneidiges Schwert. Ich fahre äußerst ungerne schwarz (aus oben genanntem Grund), aber ich kann es hier in Köln auf jeden Fall überaus nachvollziehen, dass viele Leute einfach nicht die Kohle haben, um sich regelmäßig Fahrscheine zu kaufen. Ein Monatsticket kostet knapp 80 Euro, und damit kommt man nicht einmal über die Stadtgrenzen hinaus. Mag nicht nach sonderlich viel klingen, sprengt aber für viele schon den Rahmen. Und von Einzelfahrten will ich gar nicht erst anfangen. Für viele, die jedoch nicht in den „Genuss“ von Vergünstigungen wie KölnPass oder sonstwas kommen, ist aber die Nutzung des ÖPNV ebenso unumgänglich. Und gerade als praktische, oftmals nötige und relativ umweltschonende Transportmöglichkeit sollte der ganze Kram einfach wesentlich günstiger sein. Natürlich muss das Ding als Betrieb auch Profit abwerfen und Personal-, Anschaffungs- und Instandhaltungskosten decken. Aber wenn Leute hier ihre Arbeitsstellen schon danach aussuchen, ob sie sie auch ohne ÖPNV erreichen können, ist mir da ’ne Grenze zuviel überschritten. Ich habe beim besten Willen keine Ahnung, wie man die Kuh da vom Eis kriegen soll, aber irgendwie hab‘ ich das Gefühl, dass da einiges unrund läuft.
    Unter’m Strich: Ich kann solche Bewegungen bestens nachvollziehen, jedoch liegt die Wurzel des Übels leider ganz woanders.

  5. harro19. Mai 2014 at 13:52

    Mal abgesehen von Moral und Anstand…

    na das Riskio erwischt zu werden ist doch seitens der BVG einstellbar, eine Versicherung die ein Risiko nicht errechnen kann ist doch nicht tragbar oder teurer als das Ticket.

    nice Try

  6. Wolfgang19. Mai 2014 at 14:29

    Was für ein Schwachsinn. Wenn es Leute gibt, die sich einen Fahrschein für ein paar Euro nicht leisten können, dann sammelt dafür, dass sie sich einen kaufen können und nicht für die Geldbuße. Millionen Schwarzfahrer sorgen doch erst dafür, dass der Fahrschein nicht 80cent sondern 3 Euro kostet.

  7. Frank19. Mai 2014 at 14:51

    Ich denke mittelfristig führen solche Initiativen eher zu höheren Ticketpreisen für die die zahlen als das das ganze über Steuern finanziert wird. Des Weiteren ist hier in NRW eine Vorzeigepflicht beim Einstieg in den Bus gegeben.

  8. Ronny19. Mai 2014 at 14:58

    Wolfgang,
    Genau. Weil ohne Schwarzfahrer ein Ticket auch 80 Cent kosten würde. -.-

  9. Florian19. Mai 2014 at 15:21

    Wenn ich mich nicht irre, droht hierzulande allerdings Einknastung, wenn mensch zu häufig bei der „Beförderungserschleichung“ ertappt wird – da hilft dann auch kein Bußgeldpool mehr.

  10. T3o19. Mai 2014 at 16:21

    @Ronny

    Ist nix neues, gibts immer mal wieder, siehe Internet. Schwarzfahrerclubs, -pools, -versicherungen schützen aber nicht vor den (absurderweise) tatsächlich strafrechtlichen Konsequenzen des Erwischtwerdens (vor allem im Wiederholungsfall).

    Um dem ganzen noch etwas Spin zu geben, der korrekte Terminus heißt, dabei „Erschleichung von Leistungen“ (§265a StGB) und geht 1935 auf Bestrebungen der Reichsregierung zurück. :P

    Gruß

  11. DerEine19. Mai 2014 at 16:27

    Wenn alle brav ihr Ticket kaufen würden, wären die Ticketpreise niedriger (vielleicht nicht 80 Cent, aber dennoch). Somit wäre es gerade für die von Vorteil, die sich die Tickets nicht / kaum leisten können, wenn ALLE Tickets kaufen würden. So eine „Initiative“ umgemünzt auf bspw. Berlin erachte ich im höchsten Maße asozial. Aber klar, es spiegelt natürlich einen Zeitgeist wieder, indem Menschen auf andere Menschen oder die Allgemeinheit scheißen, wenn sie dadurch einen finanziellen Vorteile haben. Also, wo ist innovativ? Es externalisiert einfach Schäden bzw. Kosten. Genau der gleiche Scheiß (in groß) wird gerade versucht bei den AKWs durchzuprügeln (schön Gewinne – im Fall der Tickets gespartes Geld – selber abschöpfen und Kosten der Allgemeinheit aufbürgen). Jo, aber ist klar, „die da oben“ oder „die Industrie“ sind die pösen, pösen und das kann’s ja alles nicht geben und das müsste man ja alles viel gerechter machen. Aber wenn’s eigene Portmonee geht, da sieht die Welt auf ein Mal ganz anders aus.

    Rethink your position, Ronny. It takes guts to do that.

  12. Ronny19. Mai 2014 at 16:37

    DerEine,
    Du stellst hier eine These auf, die sich in keiner Weise belegen lässt und an die mir der Glaube fehlt. Die Tickets würde nichts weniger kosten, wenn alle „immer brav“ zahlen würden. Zumal keiner weiß, wie viele das tatsächlich nicht tun. Man kann das in gewissem Maße sicher an erwischten „Schwarzfahrern“ erheben, die allerdings dürften eine Minderheit sein, weshalb Rechenbeispiele hierfür nicht mehr als Schall und Rauch sind.

    Auch geht es am Ende nicht darum, dass alle immer „schwarzfahren“ sondern eher, dass perspektivisch ein auf Steuern basierender fahrscheinloser ÖPNV für alle möglich sein sollte. Da nämlich sparen dann tatsächlich alle. Ist auch die eigentlich Triebkraft für diese Idee hier, auch wenn das im Beitrag nicht explizit raus kommt.

  13. DerEine19. Mai 2014 at 16:48

    Lies mal zB „Soziale Gerechtigkeit in einer Gesellschaft rationaler Egoisten?!“ von Andrea Clausen. Und das ist keine These, denn wenn ALLE IMMER Tickets kaufen, braucht man folglich keine Kontrolleure, die von der BVG bezahlt werden müssen. Außerdem bekommt die BVG insgesamt mehr Geld, muss also nicht so viel durch höhere Preise erwirtschaften.

  14. DerEine19. Mai 2014 at 16:56

    P.S.: Außerdem, bei der Idee der Steuer geht es ja auch im Kern um eine gerechtere Verteilung der Lasten. Frage: Was soll daran gerecht sein, dass jemand der zB NIE die BVG benutzt, da er seinen Arbeitsplatz zB bewusst in der Nähe seiner Wohnung gewählt hat und ansonsten mit Fahrrad unterwegs ist oder läuft, für die restlichen Teile der Gesellschaft, die zB dafür zu bequem sind oder andere Gründe haben, die Tickets mitfinanziert?!

  15. Ronny19. Mai 2014 at 16:56

    DerEine,

    Klingt total dufte, daran zu glauben allerdings halte ich mindestens für blauäugig.

  16. Kay19. Mai 2014 at 16:56

    So langsam entgleist die Diskussion, bei der Bahn zum Bleistift in einem ICE da haben alle IMMER ein ticket. Und obwohl im ICE alle ein TICKET haben wird es jedes Jahr teurer.
    Und in einem ICE da wird man, tatsächlich immer Kontrolliert, durch den Reisebegleiter :) Und obwohl alle im ICE ein Ticket haben werden die Preise jedes Jahr teurer, ich fahre gerne mit dem Zug, und bezahle halt jedes Jahr mehr Geld. Aus dieser Erfahrung glaube ich nicht das eine provitgesteuerte BGV zum Beispiel die Preise senken würde. Denn je höher der Preis desto mehr Geld hat man am ende vom Jahr über, auch wenn alle bezahlen. Ich hätte nichts dagegen wenn aus diesen Verkehrsbetrieben ein „Amt“ wird, und diese nur noch ihre Kosten decken und das ganze über eine Steuer. Ich hätte da nichts dagegen wenn von meinen Steuern auch Menschen ohne Geld die Bahn und Busse in der Stadt nutzen können. Somit würde jeder Arbeitnehmer prozentual über eine Steuer die Öffentlichen mitfananzieren und es ist dann auch Sozial fair, da wenn man mehr verdient gibt man auch mehr ab.
    Eine tolle sache würde ich sagen. Aber solange die Öffentlichen Verkehrsbetriebe in Firmen Organisiert sind welche dann teilweise privatisiert werden. Dann kommen jedes Jahr höhere Ticketpreise egal mit welcher Argumentation ;) Frei nach dem Motto, fahren müssen die Leute ja mmer ;)

  17. DerEine19. Mai 2014 at 16:57

    Es ist ein gedankliches Experiment. Da die Realität natürlich nicht so schwarz/weiß ist, kommt es natürlich zu Mischformen (natürlich werden nie ALLE Leute Tickets kaufen…).

  18. DerEine19. Mai 2014 at 16:59

    Kay,

    Naja, ganz so kann man es mMn nicht sagen, denn, auch andere Faktoren werden ja teurer (zB Strom, den die Bahn braucht, neue Strecken müssen / sollen gebaut werden etc pp). Wenn man das Bsp. von BVG auf Bahn übertragen würde, und da mehr Leute schwarzfahren würden (was ja auch teilweise, wenn auch minimal passiert), dann würden die Preise der Argumentation folgend stärker / schneller steigen.

  19. Ronny19. Mai 2014 at 17:09

    DerEine,
    Die Frage stellt sich ebenso bei der GEZ. Auch bei anderen Steuern müsste diese dann gestellt werden. Es ist hypothetisch nicht minder riskant davon auszugehen, dass dann tatsächlich viel mehr Menschen die ÖPNV nutzen würden, als davon, dass die Tickets billiger wären, wenn sie alles zahlen würden. Wobei man ja nicht mal weiß, wie viele tatsächlich nicht zahlen. Den Rest Deiner versuchten Rechnungen halte ich für hanebüchen. Es werden immer Gründe dafür gefunden, die Preise des ÖPNV regelmäßig zu erhöhen. Die Energiepreise, der Vandalismus, die Sicherheit, die strahlende Sonne und das blaue Meer und alles andere auch noch, wenn eines von dem mal nicht in Frage käme.

  20. Kaddus19. Mai 2014 at 20:41

    Mal ganz ehrlich, wenn das Fahren mit den öffis billiger wird, oder nixx kostet, schafft dann die S-Bahn alle zu befördern? Bei BVG kann kann es dann auch eng werden. Und die 10min taktung is dann mal für den Arsch.
    Wenn kein Auto in die City fährt gibts keine Pargebühren, weniger tanken weniger Einnahmen durch blitzer.
    Ich denke, das es nicht im wirklichem Interesse der Berliner Politik sein kann, kostenlos mit dem Nahverkehr zu fahren.
    Auch wenn es eine gute Idee währe…

  21. sesese19. Mai 2014 at 23:36

    Ich glaube, wir sind auch alle ein bisschen verwöhnt. Irgendwo ist es ja auch Luxus, dass man immer und überall die öffentlichen Verkehrsmittel benutzt. Wer zur Arbeit fährt, braucht sie natürlich, aber der hat eben auch eine Monatskarte. Und ansonsten muss man sich überlegen, ob man sich eine Fahrt leisten kann oder nicht. Andere Fortbewegungsmittel kann sich ja auch nicht jeder leisten. Wenn das Geld nicht reicht, dann muss man eben laufen oder mal seine Freizeitgestaltung überdenken. Laufen ist ja schließlich gesund.

  22. alex19. Mai 2014 at 23:48

    Zuallererst: Fahrscheinloser und kostenloser Nahverkehr für alle. Das wäre sozial, ökologisch und vernüfntig. Plus ein massiver Imagegewinn für die jeweilige Stadt, in diesem Fall Berlin. Schaut dafür mal nach Tallinn oder Hasselt. Wenn das Grundrecht auf Mobilität (<– gibt es) zu einer privat und profitabel zu erwirtschafteten "Leistung" verkommt ist es doch nur logisch und konsequent, dass es Menschen gibt, die sich diese "Leistung" "erschleichen", um letztlich nur von ihrem Grundrecht Gebraucht zu machen. Sollte das wirklich unter Strafe stehen? Und dieses Scheinargument mit den ach so armen Leuten, die so reich sind, dass sie sich aussuchen können wo sie wohnen und wie sie zu ihrem nahegelegenen Arbeitsplatz kommen. Wenn diese mal ihre Scheißprivilegien reflektieren würden kämen sie vielleicht auch zu dem Ergebnis, dass es nicht wehtut, 1% mehr Steuern dafür zu bezahlen, dass _alle_ mit den Öffis fahren können. Das täte keinem weh. Was hier noch gar nicht thematisiert wurde: es ist im Falle kostenlosen ÖPNVs ein massiver Ausbau zu erwarten, aufgrund der massiv gestiegenen Nutzung. Und letztlich müsste die BVG kein Geld mehr für Werbung ausgeben (huch, der jetzige Werbeetat entspricht etwa den jetzigen Ticketeinnahmen, der Rest ist eh subventioniert… ganz toll!). Der Ehrlichkeit halber gibt es aber noch diverse andere Methoden, um den Verkehr mehr zu den Öffis hinzulenken. Mir würde da eine Citymaut (Einnahmen zweckgebunden in ÖPNV- und Radverkehrsausbau), berlinweite 30er-Zone oder Abschaffung kostenlosen Parkraums für Nicht-Carsharing-PKWs einfallen, zum Anfang, ach die kreativen Möglichkeiten das Autofahren unattraktiv zu machen sind beinahe unbegrenzt, schade dass das noch nicht bei den Regierenden angekommen ist, aber sonst würden sie sich ja unbeliebt machen und womöglich sogar Stimmen verlieren… Und neben dem Schwarzfahren als legitimes Mittel zivilen Protests, denen sich hoffentlich noch mehr Menschen anschließen gibt es auch noch das Pinkfahren: "oh, wo hab ich denn nur meinen Fahrschein? *such* – du weißt nie wem du damit womöglich den Arsch rettest…

  23. Jonathan K.21. Mai 2014 at 15:45

    Die Idee eines „kostenlosen“ öffentlichen Nahverkehrs finde ich gut, aber die Vorgehensweise einer Schwarzfahrer-Versicherung halte ich, abgesehen von Publicity-Gründen, für unverantwortlich. Aus moralischer Sicht ist es den brav zahlenden Fahrgästen gegenüber unfair, da diese die Schwarzfahrer mitfinanzieren müssen. Die Privatisierung ist eine politische Diskussion, die nicht auf Kosten der Unternehmen ausgefochten werden sollte. Für viele sind die Verkehrsbetriebe vielleicht die bösen, geldgierigen Idioten – aber würdet ihr auch noch so denken, wenn es um den Handwerker von nebenan geht? Hinter den Unternehmen stehen auch nur Menschen…
    Ein weiteres Problem sehe ich in Bezug auf die „Kunden“. Die Kalkulation einer Versicherung baut auf Statistiken auf – insbesondere auf den erwarteten Leistungen – nach denen die Prämie berechnet wird. Dazu ist es wichtig, dass diese Werte relativ stabil bleiben, was man bei einem steuerbaren Einfluss durch die Verkehrsbetriebe nicht gerade behaupten kann. Insofern wird den „Versicherten“ eine Sicherheit vorgespielt, die so nicht existiert. Ich gebe zu, ich kenne die Versicherungsbedingungen nicht, aber ich vermute, dass mindestens einer der folgenden Punkte zutrifft:
    – sehr kurze Kündigungsfristen, so dass Planka kurz vor einer Pleite aussteigen kann
    – Ausschlussklauseln, die bei zu hohen Leistungen diese kürzen oder streichen kann
    – Nachschusspflicht der „Kunden“, falls die Prämien nicht ausreichen
    – Planka kennt sich mit dem Umgang von Risiken nicht aus
    Jedenfalls kann es sich nicht um eine Versicherung im herkömmlichen Sinn handeln, die tatsächlich Schutz bietet.
    Planka hat eine Diskussion zu dem Thema „Mobilität für alle“ angeregt und bekannt gemacht. In diesem Sinn sollte nun das Ziel erreicht sein und die Aktion eingestellt werden. Eine Fortführung wäre meiner Meinung nach wegen oben genannten Gründen sowohl gegenüber den Unternehmen als auch gegenüber den „Versicherungsnehmern“ völlig ignorant. Oder sind sie inzwischen selbst die geldgierigen Idioten, die ihre neue Einnahmequelle trotz Nachteilen für die restliche Gesellschaft nicht aufgeben wollen?

    Gruß
    Jonathan

  24. Anwalt22. Mai 2014 at 10:31

    Das ist doch uralt. In Deutschland gabs das vor Jahrzehnten schon mal. Allerdings nicht besonders lange, auch weil es als „Gründung einer kriminellen Vereinigung“ gilt…

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