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Ein Maurer bei der Arbeit

Ich persönlich finde ja, dass Handwerk an sich eine sehr, sehr ehrenwerte Sache ist. Manche sehen das anders, denken immer nur an ständig unpünktliche Bauarbeiter, der lärmen, besserwisserisch auftreten und für die es einfach zu „mehr nicht gereicht hat“. Das ist natürlich ausgemachter Unsinn. Viele Handwerker lieben ihren Beruf und wissen, dass sie genauso einer Profession folgen, wie Menschen aus Berufen, die aufgrund dieser schonmal dazu neigen, sich selber zu überhöhen. Hornbach und Co. suggerieren gerne, dass man für die meisten handwerklichen Fähigkeiten auch nicht sonderlich viel mitbringen muss, wenn man sich vorher ihr Erklärbär-Video zu einem bestimmten Thema angesehen hat. „Das kann jeder“ ist die vermittelte Message. Das mag sogar stimmen, aber fast keiner kann es so gut wie ein Profi, der früher noch „Facharbeiter“ genannt wurde. Nicht umsonst bedarf es für einen Großteil der Handwerksberufe eine dreijährige Ausbildung. Hat ja seinen Grund.

Und dann stehen die, die gerne auch abschätzig über Handwerker denken und reden im Altbau und wollen sich die Tapete an die 3,50 m hohe Decke kleben. Auf Stoß. Klappt so gut wie nie, einige scheitern schon daran, eine Decke zu streichen ohne dabei mehr Farbe auf sich als auf der Decke zu bekommen. Am Ende deckt das dann auch alles nicht mal. Und das sind noch die kleinen Dinge. Dachstuhl bauen, das Dach dann decken, Heizung, Türen, Fenster einbauen. All das. Alles Gewerke, in denen sich Profis wiederfinden.

Oder aber Maurer. So wie er hier, der sehr gewissenhaft und mit gelernter Hand Steine aufeinanderklebt. Das entwickelt beim Zusehen durchaus meditative Züge. Wirklich. Und wohl kaum einer derer, die so gerne über Handwerker nölen, könnte das so in vergleichbarer Quanti- und Qualität.


(Direktlink, via reddit)

13 Kommentare

  1. Malcolm4. April 2014 at 11:34

    Ich habe mit 16 das vorletzte Mal auf dem Bau gearbeitet. Der Mann meiner Cousine ist Maurer und ein Arbeitstier, wie aus dem Buche. Unter 12 Stunden auf dem Bau ist der Mann nicht einmal aufgestanden und das hat er auch von mir verlangt.

    Jede Stunde habe ich damit eingeläutet mich 10 Minuten auf dem Klo zu verkriechen, um mich auszuruhen. Am letzten Tag habe ich im Dixieklo geweint und ich schäme mich nicht für meine Tränen. Seitdem habe ich höchsten Respekt vor Handwerkern.

    Das letzte Mal, als ich auf dem Bau arbeitete, ist übrigens knapp 10 Jahre her. Da wurde ich von meinem alten Arbeitgeber gezwungen beim Umzug in das neue Büro beim Handwerkern mitzuhelfen. So mit Kabel verlegen und der ganze Spaß. Ich bin Halbmarathons gelaufen, die weniger anstrengend waren..

  2. habb4. April 2014 at 11:44

    Was isn daran so besonders? Noch nie gesehen wie eine Mauer hochgezogen wird?
    Gerade diese Arbeit mit den Hohlblocksteinen ist doch schon relativ banal.
    Glaube auch nicht dass das Handwerk schlechter ist als sein Ruf…

  3. Ronny4. April 2014 at 11:57

    Malcolm,
    Ich hab vor 20 Jahren meine erste Ausbildung auf dem Bau gemacht und dort tatsächlich die mitunter wichtigsten Erfahrungen meines Lebens sammeln können. Machen würde ich das heute nicht mehr wollen, aber ich weiß jene zu schätzen, die das tun.

  4. JUB4. April 2014 at 12:32

    … das scheint ein Maurer aus dem englisch-sprachigen Raum zu sein, dafür spricht die Kelle und die Lagereung des Speis … und es geht nichts über >> gute << Handwerksarbeit. Leider haben das aber einige der Betriebe vergessen und schädigen so den Ruf der ganzen Branche …

  5. Andreas4. April 2014 at 14:12

    Da is ja der Bus Stop Meister besser dran

  6. Sascha Bürk4. April 2014 at 15:26

    Geiles Video, aber hattest du das nicht schonmal gepostet? Irgendwas mit Baustellenporn?

  7. Björn4. April 2014 at 22:47

    ich bin auch ein Handwerker und muss gestehen das ich etwas geschmeichelt war als ich diesen Blogartikel gelesen habe… Als Fleischer habe ich die Dinge noch im Privaten Handwerksbetrieb gelernt so wie ne Art Familie halt… die Arbeit hat solange gedauert bis wir fertig waren (im Dunkeln anfangen und im Dunkeln nach Hause gegangen)
    Ich sehe immer auch mit einem tränenden Auge wie unser Beruf zerstört wird, durch Große Konzere wie LIDL, REWE, ALDI & Co… Weil selbst Feinkost heute kein Problem darstellt im großen Stil anschaulich und geschmacklich „Hochwertig“ zu produzieren… Hackfleisch war zu meiner Zeit nur in Gegenwart eines Meisters zulässig herzustellen.. Heute darf jeder der ein Gesundheitszeugnis hat Hackfleisch herstellen… Davon könnte ich stundenlang philosophieren – was nichts bringt (auch keinen interessiert) – außer zu veranschaulichen wie ein Handwerk ausstirbt. Selbst mit einem Meisterbrief (19jahre im Beruf) im Handwerk erntet man nicht selten Verachtung.
    Traurig aber wahr. :-)

  8. Ricc5. April 2014 at 01:38

    Ich bin überzeugter Heimwerker, habe mein Haus zu 95% in Eigenleistung gebaut… kurz, ich mache alles selbst und glaube auch von guter Qualität.

    Nein, ich möchte jetzt keinen Handwerker oder das Handwerk madig machen. Das Video zeigt doch einen deutlichen Unterschied zu meiner Arbeit. Meine Wände stehen und sind auch gerade, aber garantiert arbeite ich nicht mit solcher Eleganz und Gleichmäßigkeit. Dazu gehören absolut geübte Hände.

    5 Minuten zeigt das Video ein und das selbe, trotzdem habe ich es mir komplett angesehen. Absolut saubere Arbeit. Gelernt ist gelernt.

  9. Lucius145. April 2014 at 09:45

    Was viele vergessen, die Handwerker von oben herab betrachten ist ,das viele sich für diese Berufe entscheiden ,nicht weil Sie für anderes zu doof sind ( da soll mal einer ,der sowas behauptet selbst etwas Millimetergenau bauen und das dann nochmal behaupten)-a. auch viel auf Bausetellen gearbeitet und das trotz Abitur – ebenso war Ich 10 Jahre GF einer Multimedia-Full Service Agentur und verdiene heute mein Geld ( und da mehr in der Stunde9 als Sound Designer/Musiker…
    Ich kenne also best of both World und wie oft habe Ich mir im Umgang mit Agenturen die Zeit auf dem Bau zurück gewünscht und wenn es nur der etwas „ander“ Umgangston, den so manch verschissener „Medienzuhälter“ in den Agenturen ruhig mal zu hören hätte bekommen sollen… ;-)

  10. Lucius145. April 2014 at 09:48

    Upps,da fehlt ja die hälfte bei mir im Text!?
    Ich wollte schreiben das viele sich für ein Handwerk entscheiden weil es sehr befriedigend ist seiner Hände Arbeit am Ende zu sehen, und diese ist dann nciht wie in anderen Berufen einer geschmcklichen Einschätzung unterworfen oder ist in ihrer Beurteilung Tagesformabhängig wie z.B. in meinem Beruf als Sound Designer/Musiker – wenn warmes Wasser da rauskommt wo es rauskommen soll, diskutiert mit dir kein Kunde über die Farbe der Rohre…..

  11. Serge Danilow5. April 2014 at 13:05

    Ich habe 10 Jahre professionell als Handweker (Tischler) gearbeitet obwohl ich diesen Beruf nicht „erlernt“ habe, d.h. keine entsprechende offizielle Berufsausbildung habe. Mein Studium habe ich komplett mit Handwerksarbeiten finanziert. Alle privat anfallenden Handwerksarbeiten mache ich grundsätzlich selbst (ausser Gasinstallation). Während ich in Sachen Tischlerei den Vergleich mit „professionellen“ Tischlern nicht zu scheuen brauche, steht aber eines fest. ob Elektriker, Maurer, Fliesenleger oder sonstwer, im Ergebnis bin ich zwar nicht schlechter aber Fachleute, die ihren Beruf täglich und seit Jahren ausben sind erheblich schneller… Nur so rechnet sich Handwerk.
    Was die Hobby-Handwerker angeht kann man manche mit guten Hobbyköchen vergleichen.
    Das Ergebnis mag auf Sterne-Niveau liegen, doch brauchen sie für ein 5 Gänge Menue für 10 Personen den ganzen Tag während Profiköche täglich hunderte Speisen in Spitzenqualität raushauen.

  12. Kempke7. April 2014 at 15:56

    Immer ein großer Genuss, Könnern bei ihrer Tätigkeit zuzuschauen. Das „cappucciono cam“ Video war genauso. Danke für sowas!

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