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Oli in China #7: Tribute und Jiaozuo

Gastbeitrag.
Oli ist ein guter Kumpel, Feiergeselle und immer Quell der Freude, wenn wir uns mal sehen. Jetzt ist er für ein Jahr in einer chinesischen Schule und macht dort was mit Kung Fu, Meditation und lernt Chinesisch. Ich habe keine Ahnung, was genau da passiert und bat ihn auch deshalb bei mir im Blog über seine dort gemachten Erfahrungen zu Schreiben. Hier finden sich alle seiner Texte.

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Meine ersten paar Wochen hier sind rum und haben sich sowohl bezahlt gemacht, als auch ihre Tribute gefordert. Das Training ist von Montag bis Samstag. Jeden Morgen um sechs starten wir mit laufen zum aufwärmen. Danach steht oft Krafttraining an. Dabei konzentrieren wir uns jeden Tag auf eine andere Körperregion. An sich hat das Training am Morgen viel mit Fitnesstraining in der Heimat gemeinsam. Nur wird immer mit dem eigenem Körpergewicht gearbeitet und wir bewegen uns viel koordinativ.

Nach dem Frühstück, um acht Uhr geht’s weiter. Bis auf Mittwoch und Samstag. Am Mittwoch haben wir hier die Möglichkeit ein paar Dinge in der nächstgelegenen Stadt einzukaufen. Am Samstag ist bis um 9:40 Uhr free-training. Ab 10:10 Uhr ist buddha-class. Die ganze Bedeutung des Rituals in der Buddha-Class ist mir noch nicht geläufig, aber ich schreibe noch mehr darüber sobald ich besser Bescheid weiß.

An den regulären Tagen trainieren wir von 8 Uhr bis ca. 9:45 Uhr. Dabei machen wir manchmal sehr akrobatische Übungen wie Jump-Kicks oder Brücken etc. . Ungefähr einmal die Woche nutzen wir knapp eine Stunde von dieser Zeit um uns ausführlich zu Dehnen. Das ist immer mit vielen Schmerzen verbunden, lohnt sich aber.

Um ca. 10:15-11:25 Uhr üben wir oft Faust- bzw. Waffenformen. Als Einsteiger lernt man zuerst zwei Faustformen und danach mit dem Stock umzugehen. Ab einem gewissen Punkt kommt dann der Säbel und wenn man das nötige Talent mitbringt, kann man sich auch eine Waffe aussuchen. Das alles benötigt aber schon ein paar Monate Training.

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Mittagsruhe ist von 12-15 Uhr. Danach ist dann bis 18 Uhr Training bzw. chinese-class. Im Moment gehe ich noch zum Chinesischunterricht. Ich will aber bald zum Full-Day-Training wechseln. Wenn dann genug Leute nachmittags Thai Chi machen, würde ich das dem anstrengendem Kung Fu Training vorziehen. Thai Chi ist auch anstrengend aber treibt den Puls nicht so sehr in die Höhe.

Am Freitag oder Samstag, je nach dem, nutzen wir morgens die Zeit um eine Thai Chi oder eine Chi Gong Form zu lernen. Das hängt vom Shifu ab. Beides sind eher langsamere Bewegungen, wobei Chi Gong sehr kraftvoll ist und Thai Chi eher fließend. Nachmittags machen wir an einem der beiden Tage auch einen „Langlauf“. Das sind knapp 8-10 Kilometer die wir durch die Dörfer hier in der Gegend joggen. Immer an den Bergen entlang ist es sehr schön. Nur sind hier im Moment um die 36 Grad. Da macht das nicht ganz so viel Spaß.

Auch Verletzungen bleiben nicht aus. Es kommt häufig vor, dass man sich einen Muskel zerrt oder einklemmt. Zumindest bei mir. Allerdings bleiben die Schmerzen nur ein, bis maximal zwei Tage und sind danach verschwunden. Schmerzen in den Gelenken bleiben gerne etwas länger und brauchen mehr ruhe. Der Muskelkater ist in den ersten zwei Wochen am schlimmsten. Danach hat man noch immer welchen aber man merkt´s nicht mehr so doll. Generell regeneriert man sich hier etwas schneller als in der Heimat, würde ich sagen. Das liegt vielleicht an der vielen Bewegung und dem täglichen dehnen.

Aber wenn man nach einem Sprungkick umknickt und sich den Knöchel verstaucht, so wie ich vor ein paar Wochen, ist das schon shice. Da hatte ich neun Tage Zwangspause. Ich konnte noch immer Sit-Ups und Liegestütze machen, aber viel mehr eben nicht. Der Shifu hat sich jedoch sehr gut um mich gekümmert. Er hat mir gesagt was ich zu tun habe, damit sich der Knöchel schnell wieder regeneriert. Nach ein-zwei Tagen hat er eine Creme besorgt, mit der er mein Bein vom Knie bis zum Fuß „massiert“ hat.

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Die Creme hat ja schon gebrannt, aber bei der Massage habe ich mich vor Schmerzen nassgeschwitzt. Nach den 20-30 Minuten war ich total durch. Ich weiß nicht wann ich das letzte mal so gejammert habe, aber den Knöchel verstauche ich mir so schnell nicht nochmal. Da schneide ich mir eher den Fuß ab, als mich nochmal vom Shifu „massieren“ zu lassen. Noch am Abend sind die beanspruchten Beinpartien blau geworden. Hat aber geholfen.

Er hat mich angewiesen mit dem Fuß nicht aufzutreten, darum habe ich mich in der Zeit auf einem Bein springend fortbewegt. Nach neun Tagen konnte ich wieder mitmachen. Mit dem Laufen gehen habe ich noch eine Woche länger gewartet. Alles in allem hat mir der Shifu schon sehr gut geholfen. So wirklich blöd war nur, dass ich einen Sonntag nicht mit in die Stadt gehen konnte.

Sonntags ist frei. Da dürfen wir eine Stunde länger schlafen, und nach dem Frühstück die Schule verlassen um in die Großstadt zu gehen.Jiaozuo

Letzte Woche war es sehr schön dort. Wir haben uns morgens in ein Coffeeshop gesetzt der ein wunderschönes, fast schon westliches Ambiente hat. Und einen Affen. Der Affe war recht schüchtern aber scheint dort zu leben. Der Shop erstreckt sich über drei Etagen und wir waren fast die einzigen Gäste aber sowas sieht man schon nicht alle Tage. Leider war es recht dunkel, sodass ich von dem Affen kein Bild machen konnte. Kommt aber sicher noch.

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Darüber hinaus nutzen wir die Zeit in der großen Stadt um ein bisschen einzukaufen. In der Kleinstadt bei unserer Schule gibt es nicht immer alles zu holen, hier allerdings schon. Der große Supermarkt in Jiaozuo ist zu vergleichen mit Real und was es in Deutschland nicht sonst noch alles gibt. Die Produkte sind natürlich Chinesisch. Käse habe ich keinen gesehen, aber Milch gibt es immerhin. Was fehlt, ist richtige Schokolade. Also die Schokolade hier ist sicher auch richtige Schokolade, aber sie schmeckt halt anders. Irgendwie nicht richtig. Ein paar Sachen aus dem Westen gibt es auch, aber da sie importiert sind, sind sie auch sehr teuer. Dafür sind die Früchte wunderbar groß und saftig. Solche Äpfel und Mangos wie hier habe ich in der Heimat noch nicht gesehen. Ach, und die Gurken sind hier krumm. Nurmalso.

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Die anderen Ausländer holen sich aus der Stadt gerne auch Souvenirs für ihre Liebsten und kaufen sich Schwerter und andere Waffen (allesamt nicht scharf) für´s Training und als Andenken. Ich steh nicht so auf Waffen und werde mir im Schulshop etwas günstiges holen, sobald ich das brauche. Aber mein persönliches Highlight ist, dass wir zum Mittag zusammen im Restaurant klassisch chinesisch essen gehen. Man kennt uns bereits und wir saßen bisher immer an einem großen, runden Tisch mit Drehscheibe in der Mitte. So ist das hier üblich. Der von uns, welcher am besten Chinesisch sprechen kann, bestellt für alle etwas zu Essen. Das wird dann auf Platten gereicht und auf der Drehscheibe platziert, sodass sich jeder davon etwas nehmen kann. Das ist fantastisch. Die Gerichte schwimmen überwiegend im Öl, sind aber sehr lecker. Und Hühnchen, also Proteine, bekommen wir hier auch.

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Man kann so ziemlich alles in der Stadt kaufen. Es gibt auch einen großen Markt und die Geschäfte haben sieben Tage die Woche geöffnet. Darüber hinaus ist es sehr laut. Die Mitarbeiter der Geschäfte stehen mit Mikrofon und Anlage vor ihren Shops und versuchen lauter zu sein als ihre Nachbarn. Dieses Geschrei ist manchmal mit poppiger Musik unterlegt und die Boxen sind zu 90% übersteuert oder kaputt, sodass eine sehr abstoßende Geräuschkulisse entsteht.

Was man als Ausländer auf gar keinen Fall in der Stadt machen darf, ist sich von den Einheimischen anhalten zu lassen um ein Foto mit ihnen zu machen. Ich habe die Erfahrung bereits machen müssen. Einmal „ja“ gesagt, ein Selfie mit der jungen Familie gemacht und es gesellen sich noch mehr Passanten hinzu. Immerhin bilden sie eine Schlange, aber man kommt halt so schnell nicht wieder weg. Es ist schwer bei dem nächsten „nein“ zu sagen, wenn vorher zig Leute ein Foto mit dir haben machen dürfen. Aber das lernt man. Man muss es lernen.

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Um den Bogen zu Ende zu spannen, besagten Sonntag saß ich in der Schule, da ich mit dem Knöchel noch nicht weit laufen konnte. Aber so allein in meinem Zimmer zu sitzen und vom Essen zu schreiben ist nicht unbedingt das aufmunterndste. Was würd‘ ich nicht alles für’n Schnitzel geben. Oder für ein paar leckere Kartoffeln, Pizza, Döner. Ich darf gar nicht darüber nachdenken. Nutella..

Das Essen an der Schule ist so ziemlich jede Woche das selbe. Dienstag gibt es zur Abwechslung Nudeln. Donnerstag Bauzi (gebackene Brötchen, gefüllt mit Fleisch oder Gemüse). Aber das war es dann auch schon. Sonst immer Reis mit gedünstetem Gemüse. Abends die Reste vom Mittag. Es ist nicht so dass mir das Essen zu den Ohren heraus kommt, aber etwas Abwechslung wär schon super. Nach dem Training bin ich immer sehr hungrig, da freue ich mich auf das Essen. Schmeckt ja auch okay. Hält allerdings nur ein paar Stunden vor, da Kohlenhydrate fehlen. Danach bekommt man schnell wieder der Hunger.

Und so sitzt man dann allein am Sonntag in seinem Zimmer und macht sich Gedanken über das Essen.

2 Kommentare

  1. Andre3. Juli 2016 at 22:23

    Bao Zi – Gedämpfte Hefebrötchen (in etwa wie die deutschen Hefeklöße) mit verschieden Füllungen
    Kann ich alles ziemlich nachvollziehen, dass man das Essen vermisst. Aber das gibt sich mit der Zeit. Habe selber 2 Jahre in Guangdong und Suzhou gelebt.
    @Oli: Versuch, Xiao Long Bao zu bekommen. Im Norden sind die verdammt lecker.

  2. Olly4. Juli 2016 at 01:48

    danke für den tipp, werde ich mal ausprobieren.

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