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Und dann ist die GEMA auch noch total fassunglos

Der Stern hatte im Zuge der Klage, die die GEMA gegen Youtube einreichte, eine kleine und nicht mal gute Bilderstrecke, für die vorstellbare Sperrtafeln zusammenmontiert wurden. Um ehrlich zu sein, ist das nicht mal annähernd lustig und wahrscheinlich hätten nicht mal halb so viele Menschen darauf geklickt, wenn die GEMA nicht jetzt ihre dem geschuldeten Tränen in einen offenen Brief gegossen und diesen in Schriftform auf Facebook veröffentlicht hätten. Das blanke Entsetzen! Die GEMA fühlt sich sowas von verhohnepiepelt! „Wie kann sich nur ein Medium wie der Stern so etwas erlauben? Das geht ja mal gar nicht!“

Wir sind fassungslos, dass Sie als renommiertes Medium derart ehrverletzend und einseitig parteiisch gegen uns berichten. Wir Musikurheber sind es leid, dass wir durch derartige Meinungsmache als Feindbild aufgebaut werden. Die Tätigkeit als Urheber, die Musik doch erst ermöglicht, bildet unsere materielle Lebensgrundlage. Wir wollen keinen Rolls-Royce in unserer Garage, sondern eine erfolgsabhängige Vergütung für die Nutzung unserer Musikwerke. Dies gilt im Besonderen, wenn wir mit unserer Kreativleistung zum wirtschaftlichen Erfolg eines Konzerns beitragen, der im letzten Jahr 50 Mrd. USD Umsatz erzielt hat und die Zahl der verkauften Videoanzeigen seiner Tochter YouTube abermals erhöhen konnte. Zu diesem Erfolg haben auch wir Urheber beigetragen. An dem Umsatz werden wir jedoch nicht beteiligt.

Statt den Kern des Problems zwischen GEMA und Youtube – und sei es satirisch – dazustellen, nehmen Sie eine hämische Verkürzung vor und machen sich damit zum Instrument einer internationalen Kampagne. Wollen Sie sich als Journalisten wirklich auf die Seite eines internationalen Suchmaschinenbetreibers schlagen, der nicht für sein hohes Verständnis für geistiges Eigentum und die daraus folgende Vergütung der Schöpfer bekannt ist?

Durch Ihre angeblich mit einem „Augenzwinkern“ erstellten Sperrtafeln unterstützen Sie die Google-Tochter YouTube in ihrer Kampagne gegen die GEMA. Als Redaktion beeinflussen Sie damit die Öffentlichkeit und Meinungsbildung in für uns nicht nachvollziehbarer Weise, denn für die Sperrungen von Videos können wir nicht verantwortlich gemacht werden. Dass über die Angemessenheit der Vergütung mit Youtube verhandelt werden muss, ist selbstverständlich. Eine außergerichtliche Einigung hierüber strebt die GEMA bis heute an – unabhängig von einer Unterlassungsklage.

Ich finde es ja mittlerweile fast ein bisschen tragisch, dass die GEMA offenbar nach und nach feststellen muss, dass ihr etwaig und wie auch immer ausgerichtetes Koalitionspotenzial viel kleiner ist, als die sich denken mag.

(via Rene)

21 Kommentare

  1. Steff31. Januar 2013 at 18:11

    Hast Du mal dort in die Kommentare geschaut? Das Team hat dort noch mal ordentlich mit einem zusätzlichen leserbriefartigem Kommentar nachgelegt. Richtig schön Öl ins Feuer.

  2. Marc31. Januar 2013 at 18:13

    Jaja „wir die Urheber“ riefen die oberen 3400 und wunderten sich, dass der Rest nicht mit einstimmte.

  3. bemme5131. Januar 2013 at 18:17

    orrrrrrr, eine dose mitleid für die gema….^^

  4. Ronny31. Januar 2013 at 18:20

    @Steff
    Hast du mal einen Link dahin. Ich mag das nicht alles lesen.

  5. fALk31. Januar 2013 at 18:24

    ich finde es ja sehr sehr konsequent und gut was youtube macht – würde mir ja ähnliche Konsequenz ja auch von ähmm warte – Blogs Z.B. *husthust* wünschen. „hier könnte jetzt ein bild von einer Schlangentorte sein – leider gibt uns das deutsche Urheberrecht nicht die Möglichkeit euch das zu zeigen“ und der Rest dann nur noch CC – das wäre effektiv – aber ich weiss da sind wir nicht einer Meinung ;)

  6. daMax31. Januar 2013 at 18:50

    Pass bloß auf dass du für dieses flächendeckende Zitat nicht auch noch Leistungsschutzgeld zahlen musst.

  7. Steff31. Januar 2013 at 18:53

    @Ronny: Sorry, war doch nur ein Brief von einem Mitglied, welchen der GEMAdialog in seine Kommentare kopiert hat. Ich hatte das nur abends schnell überflogen und hatte die Grußformel am Ende nicht mitbekommen. Ist aber trotzdem lustig – daher mach ich das mal genauso :-):

    Offener und Leserbrief

    Liebe Journalisten des Stern und Urheber der „nicht ernst gemeinten“ alternativen YouTube Sperrtafeln,

    wie könnt Ihr Euer journalistisches Talent so würdelos und feige mit dieser Aktion verschwenden! Seid Ihr durch den drohenden Untergang der Euch bislang ernährenden Printmedien so zynisch geworden, dass Ihr denjenigen applaudiert und den Weg weiter ebnet, die diesen Untergang mit verursachen? Das Schiff sinkt, und Ihr kämpft Euren letzten Kampf nicht gegen den Rammbock, der Euch den Kiel aufschlitzt, sondern gegen Eure Urheber-Kollegen im gleichen Boot.

    Ist es die unwürdige Hoffnung, noch ein bisschen an der Wasseroberfläche zu bleiben, wenn Ihr die anderen nach unten tretet? Was sind die Deals, woher kommt
    die Werbung, was versprecht Ihr Euch von – und man Euch für – diese populistische Aktion?

    So werden ALLE untergehen, wie traurig für Talent und Kreativität …

    Bekümmerte kollegiale Grüsse,

    Ralf Weigand

    Komponist und Musikproduzent, München

  8. Fuck you, GEMA | kopfueber31. Januar 2013 at 19:03

    […] denkst du eigentlich, wer du bist? Du schubst hier die armen, armen Urheber vor dir her – aber wer hat dir eigentlich erlaubt für diese zu sprechen? Nur weil diese Mitglied werden […]

  9. Jens31. Januar 2013 at 19:39

    Sauber, ich sehe gerade die GEMA den Spiegel wegen Verleumdung und übler Nachrede verklagen – Satire, dafür ist bei Lobby*uren doch kein Platz (upps, *) – sollte man althergebrachtes Übel ändern? Nein, blind weitermachen und sich wundern warum alle Welt über einen lacht.
    Chapeau!

  10. elektrobanause31. Januar 2013 at 19:51

    wie sie sich empört winden, wenn ihr bedingungsloses zusatzeinkommen in frage gestellt wird.

  11. Paula Sonne31. Januar 2013 at 21:43

    Ach ja, die Gema, unser aller Freund. ♥

    Ich frag mich echt, wie man so scheiße sein kann und sich dabei immer noch so richtig geil finden kann.

  12. monsterkind1. Februar 2013 at 08:30

    Kann die GEMA eigentlich nur jammern, wie schlecht sie behandelt wird?

    Die Satire zielte nicht auf den Konflikt zwischen Google und GEMA bzgl. der Click-Vergütung, sondern auf die Klage der GEMA wegen der Sperrtafeln.
    Diese Klage IST lächerlich und dann im Kommentar vom „Kern des Problems“ zu schreiben…

    Wenn ich in meinem Beruf immer nur jammern würde und anderen die Schuld geben würde, würden wir keine Projekte wuppen können und wahrscheinlich wäre ich schon entlassen.
    Ein bisschen Professionalität, GEMA, nur ein bisschen. Bitte.

  13. Pascal1. Februar 2013 at 09:53

    Mal eine andere Sache, was ist an dem drann: Angeblich hat die Gema doch nur 12 Videos gesperrt… Der Rest wird ja angeblich von YouTube wirrkürlich gesperrt… Sollte man dieses Problem nicht mal aufgreifen, anstelle über Sperrtafeln zu klagen o.O ?

  14. först1. Februar 2013 at 12:35

    first world problems.

  15. polyaural1. Februar 2013 at 16:39

    Ich sammle jetzt mal ein paar (möglicherweise unbequeme) Gedanken

    • Die GEMA hat 12 Titel gesperrt, nicht 615 der 1.000 gefragtesten Videos auf Youtube (wie auf stern.de geschrieben).

    • Youtube hat darauf hin substantielle Mengen von Musikvideos gesperrt, mit dem Hinweis, das möglicherweise! Rechte verletzt werden. Dabei geht es tatsächlich nur um 12 Werke. Die Gesamzzahl der durch YouTube (nicht durch die GEMA) gesperrten Videos geht vermutlich in die 10tausende.

    • Die GEMA vertritt die Rechteinhaber an der Musik. Es ist für sich genommen erst mal gut, das die Rechte von Urhebern eine professionelle Lobby haben. Diese Urheber, vertreten durch die GEMA, will das Google/Youtube für jeden Musikvideo-Aufruf eines seiner Mitglieder 12 Cent an den Urheber zahlt. Bisher waren 1 Cent vereinbart. Diese Forderung ist möglicherweise zu gering oder zu hoch, aber sie ist nicht unredlich oder Gesetzeswidrig. Jeder kann das Werk seiner Hände (bzw. seines Intellekts) zu dem Preis verkaufen, der ihm vorschwebt. Es gibt billige Handwerker und teurer. Keiner ist gezwungen beim teuren Handwerker zu kaufen.

    • Die GEMA vertritt die Interessen der Urheber. Sie handelt also immer im Auftrag seiner Mitglieder, die laut Satzung mit unterschiedlichen Stimmanteilen an dem Handlungsauftrag beteiligt sind. Kritik an der GEMA ist also zu 100% Kritik an den Mitgliedern der GEMA, den Urhebern.

    • Ob die GEMA die Rechte der Urheber angemessen vertritt oder nicht ist nicht Teil dieses Rechtstreites, wird aber von vielen Aussenstehenden miteinander vermengt. Das bedaure ich am meisten, denn es schadet der parallel verlaufenden Debate um die Reformation der GEMA.

    • Google hat mit Youtube einen gigantischen Honeypot für nahezu alle Internet-User angelegt, und verdient an der Werbung in Filmen, die sie nicht gemacht haben, und deren Urheber sie nicht sind. Sie nutzen also die Anziehungskraft der Werke anderer um ihre Werbung zu platzieren.

    • Google behauptet, das Youtube kein „Content Provider“ sondern ein „Hoster“ ist, und in so fern gar nichts zahlen muss.. Dagegen spricht IMHO die Tatsache, das sie an dem Content anderer mitverdienen, ohne dafür (nach Meinung der GEMA) angemessen zu zahlen.

    • Die Diskussion über diesen Streit, der seit 2009 anhält, geht aber irrigerweise darum, das die GEMA (!) dem Verbraucher die Filme vorenthält. Die Stimmung beim Verbraucher ist, das die GEMA der Täter, und Google/Youtube das Opfer ist. Geschickt, aber unwahr.

    • Der STERN will seine Leser nicht unterhalten, sondern Klickzahlen generieren. Ansonsten hätten Sie die Bilder auf eine Seite platziert. Die Sprüche sind übrigens aussergewöhnlich lausig. Aber da die GEMA im Moment „der Feind“ ist, lassen sich trotzdem reichlich Klicks mit dem Mist generieren (was einiges über die klickenden Internet-User sagt)

    Ich bin absolut der Meinung, das die GEMA dringend reformiert werden muss. Es ist ebenso nötig, das sie endlich einen Mitbewerber bekommt, wie es sich im Moment hier entwickelt: http://c-3-s.eu/

    Ich bin zusätzlich der Meinung, das ohne ein funktionierendes Urheberrecht die Musikindustrie nur noch Klone von Justin Biber & Co produziert. Eine Entwicklung, die sich ja heute schon deutlich abzeichnet, aber noch nicht unumkehrbar ist.

    Ein letzter Gedanke:

    • Die Lockerung/Aufhebung des Urheberrechts wird immer nur von den Content-Konsumenten, nie aber von den Content-Urhebern gefordert.

    ————

    PS: ich bin kein Vertreter der GEMA oder ein Mitglied der GEMA. Ich warte darauf, das die C3S startet.

    PPS: Fakten (und keine Meinungen) über den Streit der GEMA mit Google/Youtube können z. B. hier gefunden werden.
    http://irights.info/?q=content/wor%C3%BCber-gema-und-youtube-streiten

  16. polyaural1. Februar 2013 at 17:14

    Übrigens, man hätte das hier auch deutlich krasser, mit mehr Beispielen ausdrücken können (und nicht so verkopft wie bei mir). Ich zitiere:

    „Fickt euch, ihr verfickten Ficker vom sogenannten Qualitätsjournalismus! Hat irgendjemand von euch den Arsch gehabt, mal einen amtlichen Longread zum epischen Battle zwischen Youtube und GEMA rauszuhauen, ohne zum Erbrechen auf dem Wikidiotentum der GEMA-Besserwisser herumzureiten? “

    Zitat Ende.

    Und das ist erst das Warmlaufen am Spielfeldrand. Direkt danach geht’s wirklich ab. Und nicht, wie die vielen F-Wörter vermuten lassen, mit rein substanzlosem Unflat, sondern mit erschreckend fundierten Aussagen.

    Bitte hier entlang: http://dermusikpartisane.wordpress.com/2013/02/01/fickt-euch-ihr-verfickten-ficker/

  17. […] habe ich beim Kraftfuttermischwerk einen neuen Blogbeitrag zum Thema GEMA verklagt YouTube gefunden. Hintergrund: Die Verwertungsgesellschaft will, dass das Videoportal diese […]

  18. Michael2. Februar 2013 at 20:21

    Ich finde es ja immer schwierig von dem großen Unternehmen mit 50mio Dollar Umsatz zu sprechen. Der Ronny hatte hier mal ne tolle Infografik wo drinstand das alle 60sekunden, 72Stunden neues Videomaterial hochgeladen werden (Wahrscheinlich nicht alles auf Youtube). Sei es drum. Bevor man sich über ein Unternehmen als die Große allmacht unterhält, sollte man vielleicht die Grundsätze zwischen Umsatz und Gewinn erklärt bekommen.
    Ich glaube wenn man mal erzählt bekommen würde wieviele neue Server da im Jahr gekauft und Zentren dafür gebaut werden (weil mit mal eben ne neue Festplatte innen Rechner einbauen is halt nicht mehr), dann würde einem schlichtweg schlecht.

    Youtube, bzw. Google wie auch immer hatte ja eine erfolgsbasierte Vergütung Vorgeschlagen (Wenn Werbung geschaltet ist bekommt die GEMA x% von dem was die Werbung abwirft) finde ich persönlich fair, jeder Künstler der Geld haben will klatscht Werbung in sein Video und gut is (verdient dadurch sogar mehr, merkt ihrs Werbung schalten und das was Youtube bekommt nochmal prozentual abkassieren).

    Nun hab ich mich wieder aufgeregt und der Text is viel zu lang, entschuldigt bitte, das sollte eigentlich nicht so werden.

    Persönliche Meinung: erfolgsbasiert klingt doch gut, warum nicht einfach machen.

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