Platten des Jahres 2008
Klar, heute ist Mittwoch und wären eigentlich die Platten der Woche dran, aber weil heute der letzte Tag des Jahres ist, mache ich mal die des Jahres drauß. Anders als woanders trenne ich bewusst nicht zwischen physischen und digitalen Releases, auch mache ich keinerlei Unterschiede zwischen Netaudio und klassischen Vertriebswegen, denn gerade dieses Jahr hat bewiesen, dass eben auch die beste Musik aus dem Netz kommen kann und man sie für Geld nicht kaufen kann. Trotz Thinner.
Ich fange hinten an und unten gibt es dann die, meiner Meinung nach, beste VÖ des Jahres.
Bonaparte – Too Much | Staatsakt
Ich glaube, so dermaßen durchgedrehter Sound kann in Deutschland eigentlich nur aus Berlin kommen. Zugegeben: Bonaparte entwickeln mitunter recht fix Nervpotential, bis dahin aber sind sie grandios bescheuert. Nicht zu unterschätzen für den Erfolg dieser Bekloppten dürfte Radio Fritz sein, aber das nur am Rande.
Carl Craig & Moritz von Oswald – Recomposed | Deutsche Grammophon
Sicher eine streitbare Platte, keine Frage. Da ich aber diese besondere, die innige Beziehung zu Ravels Bolero pflege, eine Platte wie für mich gemacht. Mein eigentlicher Ambient-Liebling diesen Jahres.
Lagos Shake – A Tony Allen Chop Up | Honest Jon’s
Wunderbares Remix-Album der Afrobeat-Legende. Unter anderem mit Mixen von Carl Craig, Terrence Parker, Mark Ernestus und einem geniestreichartigen Moritz von Oswald-Remix von Ole. Ich finde, dass die Platte ungerechtfertigterweise ziemlich wenig Beachtung fand, was sie aber nicht schlechter macht.
Gate Zero – Green Planet | Stadtgruen
Ich habe im Jahr 2008 vergleichsweise wenig Ambient gehört, keine Ahnung warum, vielleicht weil ich soviel gar nicht wahrgenommen habe. Hier aber aber wäre es wirklich schade, wenn diese Platte an mir vorbeigegangen wäre. Tolles Ambient-Release und das beste auf Stadtgruen überhaupt in diesem Jahr, von denen ich mir zukünftig gerne wieder mehr Output wünschen würde, weil geil.
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kettcar – Sylt | Grand Hotel van Cleef
Ich weiß ja auch nicht genau warum, aber ich mochte diese Platte vom ersten Mal an des Hörens. Hätte ich vorher auch nicht glauben wollen. Ich meine: kettcar!
The Notwist – The Devil, You + Me | City Slang
Auch aus Nostalgiegründen, primär aber deshalb weil das einfach ein ganz tolles Album in Notwistmanier ist. Nicht mehr, nicht weniger.
Havantepe – remains of someone especial | aeronautique
Die Netlabeldubtechnokonstante im Jahre 2008 kann wohl gerne als Erbe von Marko Fürstenberg durchgehen, wenn auch immer etwas gesetzter, smoother und noch deeper. Hammer, der Tüp, der dem Netaudiozirkus hoffentlich noch lange erhalten bleiben wird.
Leider ohne Lizenzangaben dafür aber ganz legal zum Download.
bvdub – Return to Tonglu | Quietus Recordings
“Wundervolles Ambientrelease, dass so minimal daherkommt, wie ich es in letzter Zeit selten zu hören bekam. Befreit von jeglichem Kitsch, unnötigen Ethno-Percussions oder dem Versuch sich mit irgendwelchen missglückten, instrumentalen Experimenten einer Hörerschaften anzubiedern, der das als Essenz nicht reicht. Sanfte, unkomplizierte harmonisch nicht ausufernde Flächen, sehr sparsam gesetzte Effekte und endlich mal wieder lange Tracks: unter 10 Minuten geht da gar nichts. Dazu knallt er dann aufgeregte Kickdrums, die immer hart klingen, aber nicht als Rhythmus, sondern als Instrument verstanden werden dürfen. Auch die restlichen Beatmittel, die immer sehr beschränkt eingesetzt werden, sind nicht Teil eines Beats, sondern stehen immer als eigenständige Instrumente im Raum – wenige Instrumente, wohlgemerkt. Hi-Hat, eine Snare, ein wenig Glitch und das war es dann auch. Der musikalische Focus liegt hier ganz klar in der Summe der wenigen Teile und ich liebe es.”, schrieb ich darüber und daran hat sich bisher nichts geändert. Gehört eigentlich noch weiter nach vorne, aber da ist es naturgemäß immer etwas enger.
Mikael Fyrek – Directors Cut | Soft Phase
Mit dem zweiten Release auf dem neuen Finnischen Netlabel Soft Phase wird ganz deutlich, dass die Straße “Netlabel” alles andere als eine Einbahnstraße ist und das diese nach hinten, nach oben durchaus noch ausbaufähig ist. Das Ding Netlabel nämlich ist noch lange nicht durch, auch wenn andere nach diesem Jahr gerne etwas anderes behaupten.
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Portishead – Third | Island
Ein ein “gelungenes Comeback” zu nennen, wäre nicht ganz treffend, denn eigentlich waren Portishead ja nie wirklich weg. Das das vielleicht etwas anderes ist, als die ein oder anderen erwartet hatten, ist durchaus nachvollziehbar, klingt ja auch etwas ungewohnt. Dennoch aber ein fantastisches Album.
Deadbeat – Roots and Wire | Wagon Repair
Zumindest für meine Wenigkeit eine echte Überraschung. Ich meine, ich kenne Deadbeat schon wirklich länger und um mich herum waren schon immer alle sowas von begeistert, dass sich das nicht in Worte fassen lässt. Mir fehlte immer was bei Deadbeat, ich war da nie wirklich gut mit bedient – bis zu diesem Album. Ein unglaublich rundes in sich geschlossenes Album, nicht nur wegen Tikiman oder der Mundharmonika in Roots and Wire, die sehr an Augustus Pablo erinnert, aber auch deshalb. Die Übergange von Dub, Techno und House könnten fliesender nicht sein als auf diesem Album. Als wir vor kurzem geladen waren um ein Dubtechno-Set zum Besten zu geben, habe ich Grounation (Berghain Drum Jack) dazwischen gemogelt, was die Leute erst verstörte, sie dann aber völlig ausflippen ließ. Von so einem Album wünsche ich mir mehrere für die Zukunft.
Entertainment for the braindead – hydrophobia | aaahh records and aerotone
Ein Release auf zwei Netlabel gleichzeitig? Warum eigentlich nicht? Wenn es mehr von dieser Güte geben würde, bitte, von mir aus auch öfter. Ein schlicht unglaubliches Album, was es so auf einem Netlabel noch nicht gegeben haben dürfte! Was so LoFi klingt wie vorher nur Stina Nordenstamm und was Musik mitbringt, die so eigen und einzigartig ist, dass es einem Traum gleicht, sie hören zu können. Wenn es im Jahr 2008 sowas wie einen Hype um Netaudio in der Öffentlichkeit und vor allen in die Medien gegeben haben sollte, dann wegen dieser Platte. Ich bin gespannt, wie es weitergeht mit ETB und würde mich sehr freuen, wenn die dem CC-Gedanken treu bleiben würden. Eben auch um klarzumachen, dass Netaudio mehr sein kann, als minimales Technogeklöppel aus irgendeinem Hinterzimmer. Schlichtweg grandios!
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2562 – Ariel | Tectonic
Killerplatte, die m.E. Dubstep neu definiert. Frisch, fett und von nahezu unglaublicher Transparenz in der Produktion, die ich so vorher nicht kannte. Das ist kein Gramm Fett zuviel, genau auf den Punkt gebraten und immer sowas von glasklar. Und das alles dann auch noch verdammt tanzbar. Sowas kann aus den Niederlanden kommen. Wer hätte das gedacht? Ich nicht.
Völlig überraschende Liebe auf den ersten Ton, wenn man so will.
Planet Boelex & Lisa´s Antenna – Little world | Soft Phase
Meine Platte des Jahres! Das zu bestimmen fiel mir nicht mal schwer. Ich liebe den Sound von Planet Boelex ohnehin, als ich dann aber die Stimme von Lisa´s Antenna dazu hörte, war ich sowas von platt. Die Mixtur aus dem geglitschten Downbeats mit jeder Menge Synthie-Chords, wundervollen Pianomelodien und den vor sich hin träumenden Flächen hat sich in meinen Gehörgang gefressen. Ich meinte im Juli dazu: “Wie bereits angekündigt, geht mit Soft Phase ein neues Netlabel an den Start, ein “nordic netlabel”, um mal die Macher zu zitieren. Elektronisch betrachtet, verbinde ich damit ein ganz bestimmten Sound. Weich, warm, herzerfüllend. Mit dem ersten Release wird genau diese Schiene erfüllt und ein, für Netlabels, völlig untypisches, ein anderes, ein bisher so nicht gehörtes Goldstück ins Netz gestellt, das jegliche meiner Erwartungen maßlos übertroffen hat. Ehrlich. Ich mag den Sound von Planet Beolex seit langem sehr gerne, weil er immer einen ganz eigenen Sound fährt, diese Perle hier allerdings liebe ich, denn zu seinem nordischen Sound, paart sich die unfassbar schöne Stimme von Lisa´s Antenna, und schickt den Hörer von Anfang bis zum Ende konsequent nach Norden. An ihrer Stimme kann man das wirklich Neue auch festmachen. Alle Sounds stehen nicht, wie so oft üblich, für sich selbst, sondern sind nur dazu da um diese Stimme zu begleiten, sie zu tragen, sie in den Vordergrund zu stellen. Es ist fast unfassbar, das so ein Release zum freien Download ins Netz kommt. Ich meine das deshalb, weil wirklich alle Songs eine neue, bisher nicht dagewesene Qualität im Netaudio-Bereich mitbringen. Zumindest habe ich sowas vergleichbares noch nicht laden können. Kaufen allerdings auch nicht, mir fällt nicht mal was Vergleichbares ein, was auch nur so ähnlich klingt.
Little world setzt völlig neue Maßstäbe. Sich daran zu messen, dürfte für viele verdammt schwer werden. Wenn sich aber andere Netaudiokünstler daran orientieren, könnte es die Chance geben, Netaudio von innen herraus aufzubrechen und endlich neue Wege zu gehen. Wege die endgültig beweisen, dass eben auch auf diese Weise vertriebene Musik, alles andere ist als nur umsonst. Das hier ist ein Meisterwerk, für mich jetzt schon die Platte des Jahres und vielleicht sogar das beste Netaudiorelease, was es bisher gegeben hat. Eben auch für jene Menschen hörbar, denen die elektronischen Standartreleases der letzten Jahre nichts gegeben haben, oder jene, die immer noch denken, da käme eh immer nur Zeug, dass man schon 100 Mal gehört hat. “
Nuff said.
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Und sonst so im Jahr 2008?
Ganz klar, die Renegade Rocker von Dubmatix bringt frischen Wind in den Roots-Dub, Marcel Dettmann legt mit seiner Mix-CD Berghain 02 ein extrem fetten Braten in den Ofen, dass einem ganz anders wird und Lee Jones bringt mit Electronic Frank einen etwas eigen- und neuartigen Sound auf die Teller, den ich sofort gefressen haben.
Mixe gab es auch jede Menge höhrenswerte:
Tanith seinen Yang-Mix, zu dem es auch ein Yin gab, z.B. ist mein definitiver Lieblingsmix des Jahres. Sowas hat sonst keiner gebracht. Nahedran waren aber Polaski, der den Kahvi-Katalog wunderbar zusammengemischt hat und Djorvin Clain, der mit Cressida aufs Derbste die Dubtechnokeule schwingt. 3 Mixe, die zeigen, wie bunt und qualitativ hochwertig dieses Jahr gewesen ist. Marko Fürstenberg sein Live-Auftritt in der Berliner Panoramabar sollte auch nicht unerwähnt bleiben.
Natürlich aber gab es auch Flops und ich werde jetzt nicht mit Thinners Bezahl-Kiste kommen. Vielmehr die 2008 nicht erschienenen Autoplate-Releases wären als wirklicher Flop zu verzeichnen. Das soll sich ja ändern und ich bin wirklich gespannt, was da in Zukunft ansteht, waren die letzten Releases doch so überirdisch gut. Auch das erst verschobene und dann verschwiegend nicht erschienene Album von Yagya auf Sending Orbs ist zweifelsohne ein Flop des Jahres. Zu guter Letzt noch das Solo-Album von Thomas D., was bei mir in die Kategorie Lachnummer fallen musste. Ich fand die beiden Vorgängeralben wirklich sehr gut, auch weil sie so düster und eigen waren. So ganz anders als dieses flache Teil hier.
Und dann war da noch die Neuton-Pleite die bei TFE für einigen Wirbel und für Löcher in der Labelkasse sorgte. Aber wir machen weiter, Beatport sei Dank.
Fazit 2008:
Netaudio ist noch lange nicht tot – im Gegenteil, es entwächst hingegen gerade den Kinderschuhen. Ihr werdet sehen.
Außerdem sollten wir im Jahre 2009 endlich mal wieder mehr Musik machen, man kommt ja zu nichts…
Schublade: Kopfkinomusik, Platte(n) der Woche


Auch wenn ich mich fast jedes mal darüber wundern muss, wie viel Zeit du doch am Tag vorm Rechner verbringen musst, um die gefühlten 2mio Posts zu schreiben, alle Dokus zu sehen, Platten zu hören und CCCs vorzubereiten, ich bin doch jedes mal auf’s neue dankbar über die vielen verschiedenen Einflüsse!
Vielleicht hab ich ja auch mal was: Kennst du schon dieses Projekt? -> http://www.amazona.de/index.php?page=26&file=2&article_id=1902
Rock ‘n Roll und einen guten Rutsch,
wir lesen uns 2009!
Dabei hatte ich die letzten Tage hier mal so richtig auf ruhig gemacht. ;) Danke, ich mach das gerne.
Und nein, kannte ich bisher nicht, guck mir das aber mal in Ruhe an. Jetzt wird gegessen, getrunken und die alten Geister vertrieben.
[…]# Boy # Tellier | Divine # Kenna | Say Goodbye To Love # Kings[…]
Hey… ja, was soll ich sagen.. es ist mir eine ziemliche Ehre, in dieser Liste zu stehen. Dafür wollte ich mich bedanken. Also..: Vielen lieben Dank! :)
Keine Ursache. Ich meine, es ist Deine eigene Selberschuld da drin aufzutauchen, Du hast schließlich dieses fantastische Album gemacht. Der Dank gebührt Dir! ;)