Martin Dulig, Sachsens Staatsminister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr im Gespräch mit einer besorgten Bürgerin

In Dresden wurde gestern an der Frauenkirche eine schon im Vorfeld diskutierte Installation des Künstlers Manaf Halbouni aufgebaut. Sie trägt den Namen „Monument“ und zeigt drei aufgestellte Busse, wie sie in Aleppo zum Schutz vor Heckenschützen und demnach ohne jeglichen künstlerischen Anspruch aufgebaut wurden.

„Monument“ ist ein Werk gegen den Krieg in Syrien. Halbouni will damit zu Diskussionen anregen und Brücken schlagen – vom damals zerbombten Dresden ins zerstörte Aleppo von heute.

Allerdings kommt das Dingen bei einigen Dresdenern nicht ganz so gut an, um das mal gelinde auszudrücken. Bei der heutigen Einweihung des Kunstprojektes kam es laut Straßengezwitscher, die einen Livestream (hier das Video online) hatten, den ich mir fremdschämend ansah, zu tumultartigen Szenen. Dort standen Menschen, die das „Monument“ anschrien und laut skandierten „Schrott muss weg!“ Später schrien sie dann „Hilbert [Oberbürgermeister von Dresden] muss weg!“ Das obligatorische „Merkel muss weg!“ durfte natürlich auch nicht fehlen. Es ist schon erstaunlich, wer und was nach deren Fassung alles so weg soll. Zu guter letzt schrien die Leute dem Kunstwerk „Widerstand! Widerstand! Widerstand!!11!!!!“ entgegen. Eine Sternstunde der Fremdscham. Ich hatte den Livestream dann ausgemacht, weil ich schon wieder Puls bekam – und den bekomme ich nicht mehr so gerne.

Am Rande der Veranstaltung versuchte Martin Dulig (SPD), Sachsens Staatsministerfür Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, den Dialog mit „besorgten Bürgern“ zu suchen. Das gelang nur – sagen wir mal – semigut, wie dieses Video und ein längeres Video auf Facebook zeigen. Aber es heißt ja immer, man sollte das Gespräch mit diesen Leuten suchen…


(Direktlink)

Später sagte Dulig, „Ich habe den Eindruck, dass es hier Leute gibt, die einfach nur ihren Müll abkippen, wo es gar nicht mehr darum geht, reden zu wollen“.

Der Geschäftsführer der Stiftung Frauenkirche, Frank Richter, sagte dem MDR, er habe „blanken Hass“ aus den Augen und Mündern der Kritiker erlebt. Mit der Diskussion, ob das Kunstwerk geeignet sei, zum Gedenken an den 13. Februar in Dresden zu stehen, habe das nichts zu tun. Richter gilt als Verfechter der Einstellung, man müsse miteinander reden. Mit dem, was er am Dienstag an der Frauenkirche erlebte, ist für Richter jedoch eine Grenze überschritten.
(via mdr)

Und die Polizei in Sachsen machte halt das, was man von der Polizei in Sachsen so erwartet.

Dennoch waren wohl mehr Unterstützer als Gegner bei der Einweihung.

Tagged: , ,






Kommentare: 14

  1. Ich hab ein Problem damit, Ronny, wenn der Gradmesser für einen Erfolg dieser Aktion darin liegt, wieviele Spacken kommen und wieviel Fussvolk jeweils dagegenhält. Meinst du das so?
    Pegida ist gut organisiert und diese Menschen müssen nicht viel mehr machen als aufmaschieren und Leuten auf den Sack gehen. Hinzugehen, weil einen das wirklich interessiert ist schwerer, wenn man weiß, dass man sich dann stundenlang in der Kälte anpöbeln lassen muss.
    Ich stand eine gute halbe Stunde zwischen den Fronten, und ließ mir von patriotischen Rentnern die Ohren volltrillern. Und es wäre ok gewesen wenn dreimal so viel Idioten gekommen wären. Wir haben die Eöffnung durchgezogen ohne ein einziges Wort von der Laudatio zu verstehen. Wir wussten nur wann wir klatschen mussten. Aber die Eröffnung hat sich gewissermaßen selbst vollzogen – ohne, dass sich auch nur einer der Teilnehmer in eine Schlägerei hat reinziehen lassen. Das alte Thema: Wie verhindet man das zu werden, was man verabscheut? Auf jeden Fall nicht, indem man wöchentlich die Konfrontation mit diesen IRREN!!!1 sucht.
    Die Installatin steht, die Eröffnung musste nicht abgeblasen werden. Die drei Busse machen jetzt genaus was sie sollen. Sie reißen ein riesiges Loch in die pseudobarocke Disneywelt. Und diesem Loch entweicht die Wahrheit in der wir leben.
    Ich hab jetzt einen Tinitus und ich will nicht wissen, wie es den Leuten hinter dem Rednerpult jetzt gehen muss. Aber heute waren wir stärker. Und ich habe stille mutige Menschen gesehen. Wieder mal. Klingt nach Propaganda, nicht wahr?

  2. Mario,

    Warum sind die Leute eigentlich so wild gegen diese Busse? Weil’s die Kulisse stört? Oder weil’s von einem Syrer kam? Oder weil sie sich das Gedenken an die Bombardierung nicht durch das Gedenken an Syrien kaputtmachen lassen wollen? Warum sind die so dermaßen aufgebracht?

  3. Ronny 8. Februar 2017 at 13:45  zitieren  antworten

    Mario,
    Nein. So war das nicht gemeint. Es geht eher darum zu zeigen, dass es auch in Dresden noch gute Leute gibt. Ich weise gerne darauf hin, weil mir sonst schon mal vorgeworfen wird, alle Dresdner in einen Topf zu stecken.

    Ich,
    Womöglich um dem vorzubeugen, dass irgendwelche Leute Halbouni aufgrund seiner Installation eine Nähe zum Salafismus vorwerfen wollen. Meinst du, er hätte die Fahne in Dresden lieber mit raufpacken sollen?

  4. Ronny 8. Februar 2017 at 13:46  zitieren  antworten

    Chris Gueffroy,

    Ich vermute von hier aus mal, dass diese Leute das „in diesen Zeiten“ als Provokation der Politik empfinden. So wie sie alles als Provokation empfinden, das nicht in ihrem Sinne geschieht.

  5. Chris Gueffroy 8. Februar 2017 at 13:59  zitieren  antworten

    IstEhEgalAlles,

    Ich find’s ne ziemlich starke Skulptur, zumal sie ja anscheinend an dieses Original aus Aleppo angelehnt ist:
    http://static.art-magazin.de/bilder/0e/e5/45239/article_image_medium/64816034.jpeg
    Als Dresdner müßte man doch eigentlich dankbar sein, zeigt es doch, daß solche Kriege immer zuerst Zivilisten in den Städten treffen? Dresden wie Aleppo.

    Ganz davon abgesehen, über Geschmack läßt sich ja bekanntlich streiten, aber das ist doch ohnehin nur eine temporäre Installation…?

  6. wormshaft 8. Februar 2017 at 14:55  zitieren  antworten

    Ronny,

    und als verteitiger von partikularinteressen weiß nur der ronny, wer die guten und wer die bösen leute sind.

  7. Mario 8. Februar 2017 at 19:19  zitieren  antworten

    Ronny,
    ich mag generell, wie du die Themen anfässt und dein Blick von außen auf Dresden hilft mir oft, bei der Auseinandersetzung im Inneren. Was ich in deinen Beiträgen vermisse, ist dann das worüber ich mir dann Gedanken mache. Also bitte weiter so.

    Chris Gueffroy,
    Eine Sammlung von Kritiken, die ich logisch nachvollziehe, aber in keinster Weise unterschreibe:
    – Das Objekt bezieht sich nur auf den syrischen Kriegsalltag und den globalen Krieg – müsste als erstmal erklären, ob es nicht beliebig ist.
    – Der Neumarkt ist der Ort, an dem sich die Dresdner zurückziehen um sich berieseln zu lassen. Es ist das urbane Wohnzimmer und es gelten dort besondere Empfindlichkeiten.
    – Das Mahnmal wird als Instrument von Politikern empfunden, die die Bürger zum Frieden mahnen und auf anderer Ebene am Krieg verdienen, bzw. dem gleichgültig gegenüberstehen.
    – Das Mahnmal ist zu sehr syrischer, aber kein bisschen ukrainischer Krieg.
    – Das Mahnmal ist nicht syrisch kriegerisch genug: Wo ist der Wüstensand, die Einschusslöcher, die eingeschlagenen Scheiben und die geplünderte Mechanik? Stattdessen Sparkassenwerbung.

  8. Ronny 8. Februar 2017 at 22:04  zitieren  antworten

    Ich,

    Und guck, es gibt eine recht plausible Erklärung dafür: http://www.lvz.de/Mitteldeutschland/News/Welche-Rolle-spielten-Islamisten-beim-syrischen-Vorbild-der-Neumarkt-Busse

    „Vermutet wird nun, dass der Stadtteil, in dem die Busse aufgestellt wurden, irgendwann von der Miliz erobert wurde und dass die ihre Fahne aufgestellt haben. „Es ist nicht auszuschließen, dass die Barrikade im Kriegsverlauf von verschiedenen Parteien in Anspruch genommen wurde. In der Situation dieses Krieges, unter der die Zivilbevölkerung leidet, gibt es viele Seiten“, sagt Halbouni.

    Er verweist zudem auf den syrischen Fotografen Nizam Najar. Der hatte 2016 verschiedene Aufnahmen der Barrikade angefertigt, auch ohne Flagge.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.