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Die Stadt Ahlen pfändet den Mops von Familie und verkauft ihn bei Ebay

(Foto: Pixabay)

Ich bin gerade nicht wenig irritiert, denn mir nicht klar, dass Tiere zu den Dingen gehören, die pfändbar sind, wenn man Schulden bei der Stadt hat. Aber dieser Umstand ist an dieser Geschichte, die sich in Ahlen abgespielt hat, nur ein Teil eines empathielosen Hammers auf Verwaltungsebene.

Eine Familie in Ahlen hat Schulden bei der Stadt, die sie nicht begleichen kann. Unter anderem steht unbezahlte Hundesteuer aus. Irgendwann kommt die Stadt und würde gerne den Rollstuhl des querschnittsgelähmten Mannes pfänden, was wohl nur deshalb nicht gemacht wird, weil der Rollstuhl Eigentum der Berufsgenossenschaft ist. So stellt man fest, dass der Mops wohl das Wertvollste ist, was man bei der Familie pfänden kann. Im ökonomischen Sinne, natürlich. Also pfändet man den Hund und verscherbelt ihn zu einem Spottpreis von 750,00 Euro bei eBay Kleinanzeigen, wo sich eine erst zufriedene Abnehmerin finden lässt. Die Sache scheint gelaufen, ohne dass irgendwer darauf groß aufmerksam wird.

Aber der Hund wird krank, seine neue Besitzerin muss ihn drei Mal operieren lassen. Für 1800 Euro. Sie fühlt sich durch die Stadt Ahlen arglistig getäuscht und fordert das Geld zurück. Erst dann bekommt die Geschichte die ihr zustehende Aufmerksamkeit.

Die Stadt Ahlen war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Gegenüber dem „AT“ sagte Sprecher Frank Merschhaus, dass die Pfändung eines Tieres und der anschließende Verkauf über Ebay Kleinanzeigen „nicht die übliche Vorgehensweise bei Vollstreckungen durch die Stadt Ahlen“ sei. „Der Sache wird auf den Grund gegangen“, erklärte Merschhaus gegenüber dem „AT“.

Mir stellt sich die Frage, wie menschlich verkommen in Verwaltungen verwaltet werden kann. Vielleicht könnte dort der moralische Kompass mal neu justiert werden. Sollte er wohl gar.

13 Kommentare

  1. Inka27. Februar 2019 at 12:51

    Alter. Mir ist echt grad ganz schlecht geworden bei so viel menschlichem Abgrund. :(

  2. m27. Februar 2019 at 12:54

    Nach BGB §90 sind Tiere bereits seit 1990 keine Sache mehr. Ist mir unverständlich, wieso die trotzdem Tiere pfänden dürfen.

      • HerrKah27. Februar 2019 at 18:23

        Ein paar Fakten dazu:

        § 90a BGB Tiere
        „Tiere sind keine Sachen. Sie werden durch besondere Gesetze geschützt. Auf sie sind die für Sachen geltenden Vorschriften entsprechend anzuwenden, soweit nicht etwas anderes bestimmt ist.“

        => Der zweite Satz sagt, dass sie trotzdem wie Sachen zu behandelns, sind es sei denn dazu ist ausdrücklich etwas abweichend geregelt.

        § 811 ZPO Unpfändbare Sachen
        (1) Folgende Sachen sind der Pfändung nicht unterworfen:
        […]
        3. Kleintiere in beschränkter Zahl sowie eine Milchkuh oder nach Wahl des Schuldners statt einer solchen insgesamt zwei Schweine, Ziegen oder Schafe, wenn diese Tiere für die Ernährung des Schuldners, seiner Familie oder Hausangehörigen, die ihm im Haushalt, in der Landwirtschaft oder im Gewerbe helfen, erforderlich sind; […]

        => Da der Mops sicher nicht der Ernährung dienen dürfte, ist er in menen Augen pfändbar.

        Interessant finde ich, dass die Schulden ja wohl auch aus der Hundesteuer stammen. Gleichzeitig finde ich es zumindest überlegenswert, dass auch Schulden bei der Stadt gezahlt werden sollten …

        Vermutlich bräuchte man mehr Hintergrundinformationen als öffentlich zugänglich sein sollten, um das besser zu beurteilen zu können. Zur Aufregung taugt das Thema auf jeden Fall, aber es gibt auch Leute, die selbst reichlich viele falsche Entscheidungen treffen und sich am Ende dann über die durchaus vermeidbaren Konsequenzen beschweren.

        • IReindl27. Februar 2019 at 18:35

          Und was wurde aus:

          § 811c BGB
          Unpfändbarkeit von Haustieren
          (1) Tiere, die im häuslichen Bereich und nicht zu Erwerbszwecken gehalten werden, sind der Pfändung nicht unterworfen.

          • HerrKah27. Februar 2019 at 23:18

            811 c ZPO dürfte passen. Die mögliche Ausnahme davon dürfte hier wohl nicht vorliegen.
            Also Pfändung sehr vermutlich doch nicht ok!

  3. Otto27. Februar 2019 at 14:38

    mich wundert das gar nicht. Meine größten negativen Erfahrungen im Bereich Mitmenschlichkeit und Empathie habe ich bei Ämtern gemacht.

  4. Donngal27. Februar 2019 at 15:26

    Ich gehe einen Schritt weiter und sehe in der Maßnahme absichtliche Boshaftigkeit von Menschen, die der Meinung sind, dass Hunde ein Luxus sind, die Menschen mit wenig Geld nicht zustehen. Zum Kotzen.

  5. Tho27. Februar 2019 at 20:34

    Auch frage ich mich , wie man ein aus einer Familie gepfändetes Tier wissentlich kaufen kann.
    Ah, die Käuferin ist Polizistin, da habe ich keine weitere Fragen…..
    Wichtig zu erwähnen ist dass der Mops „Edda“ auch von drei kleinen Kinden vermisst wird. Und die Pfändung fand im Dezember statt ….
    Quelle :
    https://www1.wdr.de/nachrichten/westfalen-lippe/mops-ebay-verkauft-100.html

    Vielleicht sollte sich das Internet darum kümmern und es ermöglichen das arme
    Tier wieder zurück in die Familie zu bringen. Würde auf jeden Fall eine entsprechende Kampagne unterstützen .

  6. Nappel227. Februar 2019 at 20:35

    Ich mag keine Hunde

  7. mio27. Februar 2019 at 22:54

    Kaputte VerwaltungsmitarbeiterInnen. Einmal Bahamas, oneway!

  8. Lenin1. März 2019 at 09:23

    Das ist so unterirdisch, der Hund wurde verkauft weil man einem Rollstuhlfahrer den Rollstuhl nicht pfänden konnte? W.T.F.?
    Was kommt als nächstes? ‚Zwangsentnahme‘ einer Niere auf behördliche Anordnung?
    Ich eröffne übrigens demnächst einen Webshop ‚Revolutionsbedarf‘: Heugabeln, Dreschflegel, Fackeln… [/sarkasmus]

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