
[Eigentlich sollte das nur ein Tweet werden, der dann aber zu lang wurde, wobei ich einen Thread hätte draus machen müssen, was ich nicht wollte, denn ich habe da ja so ein Blog. Ne.]
All jene, die den Jugendtreff, in dem ich arbeite, besuchen, sind komplett und von Grund auf verschieden. Das ist nicht in allen Clubs so, war mir aber immer wichtig. Ich hab kein „Cliquen-Klientel“ derer, die eh immer zusammenhängen. Hatte und wollte ich nicht nie ausschließlich.
Da sind die Kids aus Syrien, die den Laden seit fünf Jahren fast täglich besuchen und mittlerweile deutscher sind, als alle um sie herum, was mitunter ziemlich anstrengend ist – für mich.
Da sind jene, die draußen „entwicklungsverzögert“ gelabelt und auf ihre Weise alle originell sind, was draußen leider anders und meistens nicht positiv wahrgenommen und dargestellt wird. Dort gelten sie als „gehandycapt“.
Da sind die „Coolen“, die Abitur haben oder gerade daran arbeiten, es zu kriegen, wobei viele von ihnen mit einem – im Verhältnis zu den anderen – goldenen Löffel im Arsch geboren wurden. Brands kaufen, reisen und es sich meistens besser gehen lassen, als die anderen es können. Jene, die ich in ihrem Alter verachtet habe und denen wir als Clique von Working Class-Kids auf ihrem Heimweg damals die Caps abgezogen haben.
Und da sind die leider viel der zu wenigen Mädels, die dort so sind, wie sie sein wollen. Sein können. Ohne Kompromisse eingehen und ohne sich erklären zu müssen.
Sie und mit mir wir treffen uns dort täglich. Reden, spielen, entwickeln Ideen, setzten Projekte um, lachen, streiten, dissen und gegenseitig und manchmal pöbeln wir uns voll. Alle miteinander. Manche gegeneinander.
Und dennoch lacht niemand irgendwen einfach nur mal so aus. Keiner versucht, sich über irgendwen anderen zu erheben. Alle lachen mit- und nicht übereinander.
Ich habe in den letzten 15 Jahren da ziemlich gute Kids erwischt. Vielleicht habe ich auch einfach nicht alles falsch und manches richtig gemacht. Weil ich in meiner Arbeit die Idee eines solchen Treffs grundlegend genau so verankern wollte, damals.
Heute war wieder einer dieser Samstage, an dem all diese jungen Menschen zusammenkamen. Ohne vorher zu wissen, dass sie heute so zusammenkommen würden. Anmeldungen für Derartiges waren das letzte Mal zu Zeiten der SMS verbindlich. Seit WhatsApp geht jegliche Verbindlichkeit sämtliche Bäche runter, aber damit muss man arbeiten. Der Zeitgeist verlangt danach. Ich bemühe mich.
Wir spielten ein Fifa-Turnier. Alle gegeneinander. Wir waren ernsthaft, wollten gewinnen. Wir lachten viel, kochten, sprachen, rauchten (zu viel), und kamen ganz wunderbar in ganz viele Gespräche. Wenig über- aber dafür viel miteinander. Alle.
Und so lange das so bleibt, liebe ich meinen Job und mache ihn gern. Das war ein toller Tag, Kids.
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