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Doku: Wem gehört die Stadt? – Wenn das Geld die Menschen verdrängt

Bildschirmfoto 2014-08-20 um 00.20.25

Ich habe diese Doku unter nahenden Schmerzen gerade so bis zum Ende durchgehalten. Es muss nicht erwähnt werden, dass es in anderen Städten aktuell nicht wesentlich anders zugehen dürfte. Potsdam profitiert aktuell wahrscheinlich ein bisschen davon, dass es im Schatten von Berlin liegt, weshalb außerhalb der Stadt kaum einer darüber reden dürfte. Die Umstände dürften ähnliche sein.

Allerdings, und das ist auch gar nicht so verkehrt, fehlt der Doku der erhobene Zeigefinger und zeigt beide Seiten, die ganz offensichtlich jeden Morgen in ganz anderen Welten aufstehen. Genau das macht sie aus, auch wenn es das für Betroffene kein kleines bisschen besser macht.

Wem gehört die Stadt? All denen, die das Leben darin solange bezahlen können, bis es für sie nicht mehr geht. Ab da gehört sie anderen. Vielleicht soll das ja so sein.

Hier zu sehen in der ARD-Mediathek.

Ein Mietshaus in Neukölln soll saniert, in Eigentumswohnungen umgewandelt und teuer verkauft werden. Plötzlich entdecken Mieter, dass ihre Wohnung – schick aufgemacht – auf Immobilienportalen zum Verkauf angeboten wird. Ihnen selbst steht eine saftige Mieterhöhung ins Haus. Wie kann das sein? Wie können sich die die Mieter wehren? Und was führt der Besitzer im Schilde?!
Der Norweger Einar Skjerven landet regelmäßig mit dem Flieger in Berlin. Er hat Berlin als Immobilien-Dorado entdeckt. In großem Stil kauft und verkauft er inzwischen Eigentumswohnungen in der deutschen Hauptstadt – an zahlungskräftige Kundschaft aus ganz Europa, die in das Berliner „Betongold“ investiert. Was hat ihn an Berlin gelockt und warum lohnt sich die Stadt für ihn so sehr?

Ali Gülbol hätte nie gedacht, dass er einmal in den Schlagzeilen landen würde. Doch als die Gerichtsvollzieherin mit 800 Polizisten anrückt, um seine Kreuzberger Wohnung zu räumen, stellt sich ihm die Frage: Wem gehört die Stadt?
Ariane Mummert leitet den Vertrieb eines Maklerbüros, in dem über 40 Makler arbeiten. 280 Millionen Umsatz – und die Neubauprojekte werden immer größer. Da sind neue Vertriebsideen gefragt, um die teuren Objekte an die Kunden zu bringen – zum Beispiel eine nächtliche Immobilientour per Reisebus.

Eigentlich wollten die Geschwister Schöne nur die sanierungsbedürftige Altbauwohnung ihrer Eltern verkaufen: Doch nach nicht einmal zwei Tagen müssen sie die Anzeige aus dem Immobilienportal nehmen. Hunderte Anrufe, zahllose Mails, Kaufinteressenten, die im Treppenhaus Schlange stehen und sich hemmungslos überbieten. Der Berliner Markt läuft heiß.

600 Wohnungen mit mehr als 60.000 Quadratmetern – ein Riesenneubauprojekt in direkter Nachbarschaft – für Carsten Joost der Supergau im am dichtesten besiedelten Bezirk Berlins. Denn in Friedrichshain fehlt es eher an Parks und Grün, die Mieten steigen rasant und jetzt soll, so fürchten die Anwohner, ein gigantisches Projekt mit schicken Eigentumswohnungen die Lage noch weiter verschärfen. Joost und seine Helfer wollen die Öffentlichkeit mobilisieren. Ihr Kontrahent versteht das Problem nicht: Die Stadt braucht dringend neue Wohnungen und er will sie bauen. Sogar großzügige Geschenke hat er verteilt – eine kostenlose Kita und 3000 Quadratmeter preiswerte Mietwohnungen.

Der Film von Kristian Kähler und Andreas Wilcke gibt einen tiefen Einblick in das Geschehen am aufgewühlten Berliner Immobilienmarkt.

14 Kommentare

  1. Tim20. August 2014 um 09:19

    Die Frage ist nicht: Wem gehört die Stadt? Sondern: Wem gehört die Wohnung? Es gibt kein Grundrecht, gegen den Willen des Eigentümers billig zu wohnen. So einfach ist das.

    Man könnte statt dessen übrigens auch die Frage stellen, warum so wenig günstige Wohnungen neu gebaut werden. Das ist nämlich das tatsächliche Problem. Könnte man dann aber wahrscheinlich nicht so schön plakativ aufmachen

  2. glamorama20. August 2014 um 09:20

    Ohne die Doku jetzt ganz gesehen zu haben, werde ich das Gefühl nicht los, dass die tatsächlich existierenden Gentrifizierungsprobleme in Berlin unnötig dramatisiert werden. Berichte über explodierende Mieten und Einzelfallgeschichten von Zwangsräumungen halten einer statistischen Überprüfung nicht stand. Im Durchschnitt betrachtet gibt es zwar weniger Leerstand und höhere Mieten als vor zehn Jahren, aber bei Weitem keine „Wohnungsnot“ und auch keine „Mietkostenexplosion“. Wer nicht unbedingt in einem der gerade angesagten Kieze leben möchte, bekommt in Berlin nach wie vor die günstigsten Wohnungen, die man in einer westeuropäischen Hauptstadt finden kann. Von einer Situation wie in London, Oslo, Paris oder Madrid ist Berlin meilenweit entfernt. Bezieht man auch die Lebenshaltungskosten ein, ist Berlin geradezu spottbillig. Deshalb kommen ja so viele Menschen hierher.

  3. Ronny20. August 2014 um 09:36

    Tim,
    Eine Antwort auf diese Fragen zu finden, ist Teil der Doku. -.-

  4. Tim20. August 2014 um 09:51

    @ Ronny

    Der Teaser und auch Dein Kommentar weisen aber in eine andere Richtung.

  5. Ronny20. August 2014 um 09:53

    Tim,
    Klar, ist ja auch mein Kommentar, der mit dem Duktus der Doku naturgemäß nicht übereinstimmen muss, aber erst gucken und dann kommentieren liese wohl weniger plakative Kommentare zu. ;)

  6. sprudel20. August 2014 um 10:56

    Lebenshaltungskosten in Berlin sind vielleicht günstig – ABER nur wenn du dich nur von Dönern und Billigbier ernährst. Alles andere, egal ob im Geschäfts-, Freizeit- und Kulturbereich ist es längst nicht mehr „günstig“. Einmal Schwimmen 5,50€, einmal Pergamonmuseum 12,00€ und BVG-Ticket 2,60€ – bezahlt man auch in München für vergleichbare Angebote nicht mehr…

    Und eine Sache wird immer wieder vergessen – während man in anderen Städten ordentlich bezahlt wird, verdienen die Leute in B oft deutlich weniger. Bei manchen Jobs reicht es in den Zug nach Hamburg zu steigen und 50% mehr zu verdienen…

  7. Christian20. August 2014 um 12:31

    sprudel,

    Ich verstehe ja, dass die Entwicklung sich für Berliner manchmal hart anfühlen muss, aber im internationalen Vergleich wirken diese Klagen wirklich grotesk. Ich lebe in London, bin kein Banker oder Immobilienhai und schlage mich hier halt auch irgendwie durch – dann eben mit Döner und Billigbier und in einer Wohnung, die in Berlin als WG Zimmer gelten würde.

    Mir scheint die Berliner Debatte manchmal geradezu von der globalen Realität entrückt, so als ob die Mauer von innen nach außen verlegt wurde. Es ist doch total weltfremd zu glauben, man könne innerhalb Berlins eine andere Ökonomie oder Gesellschaft aufrechterhalten, wenn man gleichzeitig eine gigantische Verschuldung auf dem Stadtgebiet hat und auf Wirtschaftshilfe und Zuwanderung von Hochqualifizierten aus der gesamten Bundesrepublik angewiesen ist.

    Jetzt kann man natürlich den Systemwechsel fordern, ist ja auch jedermanns gutes Recht … aber bis dahin wäre es vielleicht sinnvoller, eine vernünftige Wohnungsbaupolitik zu betreiben und Pragmatikern anstatt Ideologen eine Chance in der Stadt zu geben.

    Versteht mich nicht falsch, ich finde Berlin ist eine der faszinierensten, kreativsten und aufregendsten Städte der Welt – z.B. in meinen Augen mehr als das überkommerzialisierte London. Aber um das zu verhindern, helfen eben mittelfristig die Mittelwege und Pragmatismus – und nicht das langfristige Streben nach einem Systemwechsel.

  8. Christian20. August 2014 um 12:32

    äh sorry… das war eigentlich gar keine antwort auf sprudel, sondern eher allgemein… tschuldigung.

  9. sprudel20. August 2014 um 21:18

    Ich sehe das auch an Freunden in anderen großen Städten (NY, London, etc.), dass gewissen Dinge in Berlin besser sind bzw. scheinen – aber mein Einwand bleibt bestehen: in Berlin wird in fast allen Branchen schlechter bezahlt und das ist auch ein Grund warum Leute sauer sind und die Miete von Jahr zu Jahr das Restleben auffrisst, ohne dass sich an der Bausubstanz irgendetwas für die Mieter ändert.

  10. Nacko21. August 2014 um 00:11

    glamorama,

    Gerne wird dabei vergessen, dass das Verhältnis zwischen Einkommen und Wohnkosten nirgendwo schlechter ist in Berlin. Nirgendwo in Deutschland geht mehr vom Einkommen fürs Wohnen drauf als in der Hauptstadt. Ich kann natürlich gut verstehen, dass man in Restdeutschland mit dem Kopf schüttelt, wenn sich in Berlin wer beschwert, ab sofort 500 Euro Miete für seine 2,5 Zimmer bezahlen zu müssen. Dass die meisten hier mit 0815-Jobs aber nichtmal an die 1000 Flocken im Monat herankommen, wird übersehen. Die ganzen Hartz IV – Menschen in Berlin sind ja auch nicht alle arbeitslos, wie man im Rest der Republik gerne denkt, sondern die verdienen halt nix. Was willste machen, wenn du den ganzen Tag arbeiten gehst und es trotzdem nicht reicht…? Da sind der eins-fuffzich-Döner und ähnlich „niedrige Lebenshaltungskosten“ nicht wirklich eine Hilfe.

  11. das nervt doch!21. August 2014 um 12:03

    das isn Reizthema, da kann man Stunden/Tage drüber diskutieren.

    Ich wohne in München, meine Schwester in Berlin.

    Sie verdient zwar etwas weniger als ich…..ähnlicher Job. Aber das ist nicht nennenswert!

    Das man in Berlin weniger verdient als in München z.B. ist zwar ZUM TEIL richtig…. aber in Berlin sind die Wohnungen trotz der starken Erhöhrung der letzten Jahre immer noch am günstigsten im Vergleich mit so gut wie jeder anderen Großstadt!!!

    Die wirklich sehr zentrale Wohnung meiner Schwester kostet 600,- warm.
    2 Zimmer, knapp 80qm…frisch umgezogen, also dem aktuellen Mietspiegel gerecht!
    Für 600,- warm findest du noch nicht mal im Umland von München ne 1 Zimmer Wohnung!

    Meine sehr günstige Wohnung, da alter Vertrag, kostet bei 66qm 800,- warm….selbst das findest du hier jetzt nirgends mehr….und ich wohne 700m neben dem Ortsausgangsschild von München! 2 Zimmer 80qm bist du Minimum 1100,- los…. da ist man in Berlin weit entfernt von!

    Diese 500,- mehr verdiene ich aber nicht mehr als meine Schwester in Berlin!
    Unterm Strich habe ich weniger.

    In Berlin wird meiner Meinung nach auf einem hohen Niveau gejammert!
    Da wo Berin jetzt anfängt, sind Hamburg Köln oder München schon seit Jahren!!!

    In Berlin schaffen es 2 Geringverdiener noch eine bezahlbare, relativ zentrale Wohnung zu finden für unter 700,- (350,- pro Nase). In GANZ München ist das quasi unmöglich!

    Ich suche seit ner ganze Zeit eine größere Wohnung hier!
    ich kapituliere weil ich nicht mehr als 1300,- ausgeben will!

    Mir geht das Gejammer aus Berlin etwas auf den Keks… denn es ist in Berlin im Vergleich mit dem Rest aus Deutschland immer noch im Rahmen!!!

    In der Doku sollte übrigens eine kleine 2 Zimmer Altbau-Wohnung (glaub 55-60qm?) für 110.000 verkauft werden (nach der Sanierung)… Legst du noch 100.000 drauf, fangen in München die 1 Zimmer-Wohnungen im 20-Geschosser an!

    Soviel weniger verdient man in Berlin nicht, dass es diesen enormen Mietunterschied rechtfertig. Berlin ist trotz Preiserhöhung noch bezahlbar!

    Ein geringverdiender Beamter (Polizist z.B.) wird nach Tarif bezahlt…wie viele andere auch. Und der Tarif richtet sich nicht nach der ortsüblichen Miete!!!

    Magdeburg ist übrigens die 4. GÜNSTIGSTE Stadt in Deutschland :-)

  12. some lucid dreams24. August 2014 um 17:04

    ich wage zu behaupten, die ängste rühren u.a. auch daher, berlin könnte seinen sehr eigenen charakter verlieren und zu einer ebenso kommerzialisierten, seelenlosen metropole werden wie andere -weniger gehypte, städte.

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