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„Jugendportale“

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(Foto: Alan Cleaver, CC BY 2.0)

[Eigentlich sollte das nur ein Tweet werden, weshalb ich munter drauf los getippelt und nicht gegengelesen habe. Alle Fehler könnt ihr behalten. Machen Jugendliche ja heute immer so. Haha.]

Mit Bento, dem neuen, vermeintlichen Jugendangebot, welches vom Spiegel getragen wird, kommt eine neue Diskussion um die Qualität von Angeboten auf, die wohl für jugendliche Menschen gedacht sind. Sie werden von Menschen gemacht, die schon nicht mehr jugendlich sind, aber so tun, als würden sie wissen, was Jugendliche im Netz sich so für sich wünschen. Und der Spiegel steht damit aktuell nicht alleine dar. Aktuell wollen wohl so einige „alte“ Medienhäuser nachziehen und ihre eigenen „Jugendportale“ ins Netz bringen.

Das sorgt für jede Menge Wirbel. Allerdings nicht unter Jugendlichen. Sondern unter jenen, die schon lange nicht mehr jugendlich sind, die sich aber schwer damit tun, sich das für sich und vor allem vor anderen einzugestehen. So um die Endzwanziger, die vor einer Dekadeeinhalb mal jung waren und deshalb glauben, immer noch zu wissen, was Jugendliche so vom Netz wollen. Oder unter jenen, die noch viel älter sind und die vorgeben zu wissen, wie „Journalismus“ gemacht werden müsste, damit der Jugendliche anspricht – das ist dann die Jugendportal-Contra-Ecke, die nicht weniger amüsant ist, aber sich hier mitunter ganz wunderbar ihre journalistische Eitelkeit zu pflegen versucht. Weil wo kämen wir denn da hin, wenn wir jetzt tatsächlich mal Jüngere fragen würden, was im Netz ihnen denn am Herzen liegen würde. Das wissen wir eh viel besser – und deshalb urteilen wir darüber. Nicht ohne dabei auch an uns zu denken. Weil: „Wir wissen es eh viel besser!“ Nun gut, vielleicht denken wir dabei auch ein bisschen oder gar komplett nur an uns, aber die Jugendlichen, über die wir reden, werden das eh nicht lesen. Also wird das keinen stören.

So ging das die letzten Tage in meiner Filterbubble. Auf einer Seite: Die Halbhalten, die „irgendwas mit Jugend“ auf die wackeligen Netzbeine bringen wollen, womöglich wissend, dass das dem nicht gerecht wird – aber immerhin zahlt dafür ein alteingesessener Verlag, dem man das als solches verkaufen konnte. Auf der anderen: Die immer alles besser wissenden Alten, die Journalismus noch als das verstehen, wofür der irgendwann mal zum Studienfach gemacht wurde. Und das ging damals schließlich irgendwie alles noch ganz anders. Egal wie – „aber so war das damals nicht gedacht!“ Mit dem ehrwürdigen Journalismus und so. So darf das also heute auch nicht sein. Dafür zitieren die Alten dann auch gerne mal genau _einen_ 18-Jährigen, der intelligent über das Angebot von Bento ranten konnte. EINEN. Einen 12-, 13-, 14-, 15-, 16-Jährigen hat man wohl nicht finden können, was etwas schade ist, wie ich finde. Denn immerhin wird dabei immer über Jugendliche geschrieben, die man einerseits zu bedienen, und über deren mediales Konsumverhalten man andererseits zu urteilen versucht. Genau diese Kids aber sind die „Jugendlichen“, über die gerade alle reden und vor allem schreiben. Meistens derer darüber Schreibenden selbst wegen. Leider.

Und wisst ihr was: Die Jugendlichen, über die ihr immer schreibt, geben einen Scheiß auf all diese Jugendangebote! Sie haben mittlerweile ihr eigenes Netz gebaut, was großartig ist. Von dem wir halb und darüberhinausalten allerdings keine Ahnung mehr haben. Sie organisieren sich in ihren, wo auch immer, geschlossenen Gruppen, und machen ihr ganz eigenes Netz. So wie wir – damals.

Sie kennen und lesen deshalb kein Buzzfeed, keine Vice, kein Bento. Auch deshalb kann es ihnen komplett am Arsch vorbeigehen, was alle schreiben, über sie zu wissen gedenken. Und genau so sollte es mit der Jugend sein.

Auf Facebook sind sie nur noch, um den Messenger zu nutzen und um ihren Eltern das Gefühl zu geben, diese an ihrem Leben teilnehmen zu lassen. Am Ende aber ist Facebook peinlich – weil die Eltern da schon vor ihnen waren. Sie lesen und kennen keine Blogs – also die wenigsten von ihnen. Ihr Netzleben findet auf Whatsapp, auf Instagram, auf Snapchat, auf Tumblr und auf YouTube statt. Wenn die alten Medien dort nicht hinkommen, brauchen sie diese nicht. Vielleicht sind sie auch genau dort, um von den alten Medien verschont zu bleiben. Die denken sich dabei ja auch was, diese Jugendlichen. Sie lieben 9GAG, wofür die Alten sie gerne nochmal doppelt doll verteufeln. Aber sie geben einen Scheiß auf das, was die (wir) Alten von ihnen halten. Und sie haben verdammt nochmal Recht damit! Das ist das Privileg der Jugend. Sie sollte den Teufel tun, sich da irgendwie von uns allen alt gewordenen Netz-Spießern reinreden zu lassen. Sie sollte genau das machen, was sie gerade tun mag. Auf ihren ganz eigenen Kanälen, von denen wir Alten halt mitunter nur , wenn überhaupt, noch eine Ahnung haben können. Und sie tut es recht damit. Sie soll sich nehmen, was sie dafür gebrauchen kann. Alles andere, und gerade das, worüber die Alten diskutieren, kann und sollte ihr getrost egal sein. So war es immer – so sollte es immer bleiben.

Und derweil können wir uns Halb- oder ganz Alte ja, die wir _alle_ mittlerweile Vice, Buzzfeed und Bento lesen oder zumindest auf FB geliked und/oder im Reader haben, darüber echauffieren, was irgendwelche Leute angedacht haben, für die Jugend ins Netzt gebracht zu haben. Das geht soweit, dass ein Fefe über das schreibt, was er glaubt, das Jugendliche für sich haben wollen. Oder eher für sich haben wollen sollten.

Meine Meinung ist da nicht repräsentativ. Ich habe täglich nur 15 bis 40 Jugendliche, die weit unter 20 Jahre alt sind, um mich herum. Ich rede mit ihnen. Auch gerne und gerade übers Netz. Das Netz derer scheint mir ein gänzlich anderes als das zu sein, von dem wir glauben, wir sollten eines für sie machen.

Brauchen die nämlich alles gar nicht. So. Sie zeigen uns derweil gepflegt den Mittelfinger und wissen nicht mal genau, warum genau sie das tun. Und genau so sollte es sein.

17 Kommentare

  1. odra14. Oktober 2015 at 23:07

    ich hab dich lieb, Rene

  2. Korona14. Oktober 2015 at 23:16

    Ein einheitliches Jugendangebot ist eine Denkweise, die von vorne herein falsch ist. Ob 14, 16 oder 18, die Prioritäten für Jugendliche wechseln mit den Jahren, in denen sie älter werden. Und vor allem: Nie hat eine Generation dieselbe Jugenderfahrung wie die davor. Daher sind Jugendangebote nur dann gut, wenn sie von denen gemacht werden, die eigentlich als Zielgruppe gedacht sind. Wer kann das also nicht tun? Richtig: Die Leute, die es derzeit versuchen.

  3. Joram15. Oktober 2015 at 10:15

    Du bist einer von den guten, Ronny. Schön zusammengefasst.

  4. Eisboer15. Oktober 2015 at 10:25

    „Das geht soweit, dass ein Fefe über das schreibt, was er glaubt, das Jugendliche für sich haben wollen. Oder eher für sich haben wollen sollten.“

    Wann genau war das wo zu lesen?

    @Topic: du hast natürlich recht.

  5. Roger Wilco15. Oktober 2015 at 10:44

    Mein Reden Rene.
    Ich war lange Zeit Jugendleiter in einem Verein, und hatte immer, einen guten Draht zur Jugend und wusste über einige Sachen bescheid, die die Eltern entweder auf die Palme oder unter die Erde gebracht hätten.
    Die Jugend braucht Ihren Raum und dass keiner von den alten Säcken da auftaucht ist gut so.
    Aber dennoch werde ich immer noch ab und zu um Rat gefragt.
    Vielleicht, weil ich immer versucht habe, Sie und Ihre Probleme und Sorgen ernst zu nehmen, was die meisten meiner Miterwachsenen scheinbar einfach nicht hinbekommen.

  6. kdm15. Oktober 2015 at 11:09

    Ich erinnere noch, wie ich als 13, 14, 15-jähriger Angeber das Fenster zum Hof aufgerissen und mein Kofferradio ganz laut plärren lies, damit alle (Alten) auch was davon haben: AFN, „Frolic at Five“ um kurz nach fünf bis 18:00. Der einzige Sender in Berlin, der „unsere“ Musik brachte: Eddie Cochran, The Drifters, Bobby Day, The Everly Brothers, Jerry Lee Lewis, Buddy Holly, Fats Domino, Paul Anka, Little Richard, Elvis Presley, Carl Perkins, Brenda Lee, The Coasters, Ricky Nelson, Bobby Helms, Duane Eddy, Connie Francis, Wanda Jackson, The Kingston Trio, The Ventures, Don Gibson, Neil Sedaka, Johnny Cash, Marty Robbins, Johnny and the Hurricanes, Bobby Freeman, Freddy Cannon, Lloyd Price …
    Heut‘ bin ich älter, viel älter. Und wenn ich manch „komische“ Musik der heute jungen höre, denk ich an meine junge Zeit und verzeihe auch den größten Bumm-bummm-bummm-bummm-Blödsinn.
    Das was die deutschen Radiosender damals musikalisch vermeintlich „Schickes“ brachten (Lys Assia, Willi Hagara, Bibi Johns, Vico Torriani…), erinnert mich an die oben erwähnten heutigen „Jugend“-Zeitungsversuche.

  7. martin15. Oktober 2015 at 12:00

    Hi Ronny, vielen Dank für Deine Zeilen! Ich kann vieles von dem nachvollziehen, was Du hier schreibst. Aus der Sicht eines Typen, der bei bento arbeitet, nur ein Hinweis: Unsere Zielgruppe sind in etwa 18 bis 30. Alle, die unter 18 sind, eben eher nicht. Und zwar aus genau den Gründen, wie Du es trefflich beschreibst. Beste, M

  8. milch15. Oktober 2015 at 12:02

    Heute morgen auf dem Weg zu „Orange“ über einen Artikel vom Handelsblatt zum Thema Netflix gestolpert. Wer sowas schreibt sollte jede publizistische Tätigkeit einstellen. Egal ob für Junge, Alte, Auskenner, Nichtschecker un den ganzen Rest:

    „Kunden bekommen zwar neue Karten, aber nicht unbedingt neue Kartennummern. Was soll das, fragten Analysten in der Telefonkonferenz und Finanzvorstand David Wells räumte ein, es waren wohl „verschiede Faktoren“ ursächlich gewesen, aber die Umstellungsaktion sei „sicherlich nicht hilfreich“ gewesen. Was die Anleger aber letztendlich friedlich stimmte, war der ungebrochene internationale Aufwärtstrend. Die 2,74 Millionen zusätzlichen Kunden lagen weit über den Erwartungen von rund 2,40 Millionen – im Vorjahresquartal waren es gar zwei Millionen“

  9. RhyminSimon15. Oktober 2015 at 12:33

    Gutes Ding!

    Aber wir hier schon erwähnt, geht es den Zeitungen doch um die Gruppe der 18 bis 30 Jährigen. So als richtiger Teenager gibt man doch sowie einen **** auf fast alles, das war auch schon immer so und wird wohl auch so bleiben. Nur, bisher ist dann jeder mit dem Eintritt ins Arbeitsleben oder das Studium irgendwann zum Zeitungsleser geworden. Das passiert aktuell nicht mehr so, die Leute lesen Blogs, Vice etc bla bla. Und genau das wollen die Alteingesessenen eben verhindern.

  10. PS15. Oktober 2015 at 21:45

    Habe mich vorhin mit dem Patenkind unterhalten; 16, f, Gymnasium.
    Sie meinte (in meinen Worten wiedergegeben)
    1.) ja, danke, ich verstehe auch die „normalen“ Medien. Ich brauche kein extra-Angebot.
    2.) nein, ich habe so viel in der Schule zu tun (G8) und keine Zeit, Zeitung zu lesen.
    Somit recht pragmatisches Feedback aus der plötzlich-doch-nicht-Zielgruppe.
    Aber über 18 lesen die doch eh alle Vice, oder nicht?

  11. Hank17. Oktober 2015 at 11:54

    Das Bedenkliche insb. an Bento ist doch, dass es laut Angaben der Betreiber ein Medium ist, was speziell für eine neue Form der Werbung und des Product Placements geschaffen wurde, um zielgerichtet eine kaufkräftige Zielgruppe anzusprechen. Bei Bento verschwimmen die Grenzen zwischen journalistischer Berichterstattung und Werbung, um trotz Ad-Blocker eine Generation zu erreichen, die sich mit allen Mitteln der Werbung zu entziehen versucht.

    Hab selber mal auf Bento vorbeigeschaut, aber mit diesem Wissen im Hinterkopf ist dieses „Angebot“, d.h. besser „Dauerwerbesendung“ keinen weiteren Besuch wert.

  12. martin17. Oktober 2015 at 13:31

    Hank,

    Moin Hank, also mal ganz langsam mit die Fische :) Erstens gibt es auf bento noch gar kein Native Advertising. Zweitens werden Native Ads, wenn sie denn kommen, ganz klar gekennzeichnet. Wie das funktioniert, wird hier erklärt: http://www.bento.de/faq/. Drittens könnte es durch diese Form der Werbung passieren, dass Du mit Werbung bei uns überhaupt nicht in Berührung kommst, weil du von deinen Freunden und Kollegen nur Artikel empfohlen bekommst, die keine Native Ads sind. Cheerio, M

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