Die DSL-Flatrate-Optionen der Deutschen Telekom ab 2016

André Vatter hat sich mal Gedanken darüber gemacht, wie die neuen DSL-Flatrates der Telekom ab 2016 aussehen könnten, wenn da auf politischer Ebene nicht noch etwas passiert. Sieht nicht so pralle aus.

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(klick für in groß, via Netzpolitik)

Stressabbau für Autofahrer auf Russisch

Hierzulande wird gehupt, es werden sich Piepmatzvögel, die flache Hand vor dem Kopf oder alle zur Verfügung stehenden Mittelfinger gezeigt. In Russland läuft das natürlich ganz anders. Zum Glück haben es alle Beteiligten gut überstanden.


(Direktlink, via reddit)

Eine Katze nuckelt am Staubsaugerrohr

Kommen wir nun wieder zu den wichtigen Dingen: ein Katze, die an einem laufenden Staubsaugerrohr nuckelt und das irgendwie wohl auch ganz geil findet.


(Direktlink, via Cute Overload)

Update zu hgm-Press: Morgen Verhandlung, es kam ein neuer Brief, und die Frage, wie die dazu kommen, Lizenzen der NASA als die ihren auszugeben

d10fa9086f719a5896db6e6e5319a95eIch hatte lange nichts über den laufenden Abmahnfall, wegen dem die Agentur hgm-press mich erst abgemahnt und später dann Klage gegen mich eingereicht hatte. Natürlich auch auf Anraten meines Anwaltes, denn aus dem sich aus der Klage ergebenden Schriftwechseln wurde schnell klar, dass die hier ganz offensichtlich ganz fleißig mitlesen. Ich habe mich deshalb mit dem Veröffentlichen zurückgehalten, und werde auch jetzt nicht alle relevanten Informationen hier reinpacken, so bleiben vielleicht dann für Morgen noch ein paar Überraschungen.

Morgen also um 11:30 Uhr findet vorm Landgericht in Hamburg eine sogenannte „Güteverhandlung“ mit anschließendem „Haupttermin“ statt. Beide Seiten haben ihre Beweise soweit vorgelegt, die Vertretung der hgm allerdings öfter und nachdrücklicher als mein Anwalt. Wir hatten in der Klageerwiderung eigentlich alles für uns wichtige erläutert und warten. Vor allem auf vertragliche Vereinbarungen, die die Kanzlei von hgm offensichtlich für „weltfremd“ hält. Schreiben sie auch genau so. Das allerdings sieht das Gericht zumindest bisher nicht ganz so locker und erwartet da doch ein wenig mehr.

Dem Umstand, dass die Nutzung und die AGBs von Facebook in dem aktuellen Fall eine durchaus wichtige Rolle spielen könnte, umschiffen sie sehr konsequent. Was allerdings natürlich auch nicht anders zu erwarten war. Ich erwartete ja eh so einiges.

So kam es dann auch nicht überraschend, das mir am 09.04. ein weiterer Brief im Namen der hgm zugestellt wurde. Der Vorwurf: eine weitere Urheberrechtsverletzung auf meinem Blog. Es geht konkret um ein Foto des Fotografen Lincoln Harrison, welches hier im Sommer 2012 von einem Gastblogger gebracht wurde. Man bat mich, dass Bild aus dem Blog zu nehmen und die Identität des Bloggers preiszugeben. Ich kam beidem nach, das Bild wurde gelöscht, um dem Risiko einer Auskunftsklage zu entgehen, habe ich nach Rücksprache die Identität des Betroffenen übermittelt. Allerdings konnte ich die erst zwei Tage nach Ablauf der mir gesetzten Frist übermitteln. Mein Anwalt war im Urlaub, ich wollte das mit ihm besprochen haben und schickte ActiveLaw zwei Tage später den Namen des Bloggers.

Natürlich nutzte die Kanzlei diesen Umstand um eben schnell noch ein „Eil“-Fax nach Hamburg zu schicken, dem sie unter anderem einen Screenshot des etwaigen Verstoßes anhängten. Dieser soll beweisen, dass ich auch aus der Abmahnung nichts gelernt habe und auch weiterhin ihre Fotos nutze. Das dieser Screenshot vermutlich allerdings schon gemacht wurde, als die erste Abmahnung (oder gar noch früher) an mich rausging, schreiben sie darin nicht. Ich hätte also gar nicht die Möglichkeit gehabt, dieses Foto zu löschen. Auch sah ich darin danach nicht wirklich eine Notwendigkeit. Der betroffene Fotograf nämlich bietet all seine Fotos auf 500px mit einem ausgewiesenen Embed-Code an, er stimmt damit der Verbreitung seiner Arbeiten demnach zu, sagt mir meine Logik, aber was weiß die schon. Besagter Blogger hatte das Foto tatsächlich „nur“ geframet und auf den Fotografen verwiesen. Die Rechte an diesen Bilder hat sich hgm – natürlich – per Mail im Oktober übertragen lassen. Gebloggt wurde das Foto bereits im Juni.

Wie auch immer, dass soll noch mal ein wenig Druck aufbauen und dem Gericht deutlich machen, mit was für einem bösen Raubmordkopierer es hier tatsächlich zu tun hat.

Hatte ich erwähnt, dass die hgm-press seit dem Dezember des letzten Jahres ein eigenes Blog leistet? Nein? Doch. Oh!Wow! (http://www.ohwow.de/) heißt das, ein „Online-Magazin zum Staunen“. Finde ich recht spannend, denn genau kurz vorher haben sie eine wahre Abmahnwelle in Richtung deutscher Blogger geschickt. Das ist ganz sicher nur ein merkwürdiger Zufall. Mich wundert dennoch, dass man als Agentur nicht schon vorher darauf gekommen ist, mit ihren Schätzen Geld zu verdienen. Da haben sie dann vielleicht gedacht, „Kiek mal, mit so Blogs kann man was verdienen! Das wollen wir auch! Aber guck mal, die haben da alle so Bilder drauf, für die sie vielleicht nicht mal Lizenzen zahlen! Das gucken wir uns mal genauer an und sagen unseren Kumpels von ActiveLaw Bescheid, sollen die mal dutzende Abmahnungen rausjagen. Den da draußen zeigen wir’s! Ja, und seitdem bloggen die Jungs. Mit „journalistischem“ Anspruch versteht sich. Was sie so bringen, ist nicht genau festzumachen. Von allem ein bisschen, Lustiges, Skurriles, Spannendes. So, wie andere Blogs das eben schon ewig machen. Es ist davon auszugehen, dass sie sich natürlich für die dort verwendeten Bilder die Rechte einholen. Und da kann man es natürlich nicht dulden, dass andere nicht machen. Das verstehe ich sogar frei von jeglicher Ironie. Die Konstellation allerdings finde ich dennoch in der Summe irgendwie amüsant. hgm bloggt jetzt den heißen Shice, nachdem sie etliche Blogger dafür abgemahnt haben. Oh, Irony.

Und ich bin jetzt natürlich regelmäßiger Leser bei denen. Die lesen hier ja auch schließlich mit – ich finde, man muss dann auch mal was zurückgeben, so unter Bloggern. Scheint auch gut zu laufen, die haben auf einer Seite mehr Werbung als ich in den letzten zwei Jahren auf dem ganzen Blog. Aber ich will da nicht missgünstig sein und wollte es nur erwähnt haben.

Und dann viel mir noch was auf. Die hgmler schaffen es sogar Fotos der NASA zu lizenzieren, obwohl die NASA eigentlich generell keine Bilder von sich unter fremder Leute Lizenzen veröffentlicht sehen will, wenn ich ich mich da jetzt nicht täusche und die AGBs der NASA richtig deute. Die NASA nämlich veröffentlicht generell all ihr Bilder unter CC-Lizenzen frei. So wie diese hier, die Astronaut Don Pettit von der ISS aus machte und die unter CC auf Flickr geladen wurde. Diese kann man grundsätzlich auch zusätzlich lizenzieren. Dann kann man auch sein ©-Hinweis drunter setzen, wie hgm in ihrem Blog das zu diesen Fotos (http://www.ohwow.de/?p=2856) auch tun. Dass das natürlich Leute auch verwirren kann und ein Hinweis auf die CC-Herkunft in dem Kontext zumindest fair wäre, spielt da keine Rolle. Laut CC-Lizenzregularien geht das in Ordnung, habe ich mir von einem Experten sagen lassen.

Merkwürdig trotzdem, denn die NASA stellt ziemlich eindeutige Bedingungen für die Nutzung ihrer Fotos und/oder Videos. So steht da unter anderem: „As a government entity, NASA does not „license“ the use of NASA materials or sign license agreements.“ und weiter „It is unlawful to falsely claim copyright or other rights in NASA material.“, genau das aber macht die hgm hier aber (http://www.ohwow.de/?p=2856). Vielleicht wundere nur ich mich darüber, weil ich da jetzt auch langsam etwas zickig reagiere. Vielleicht ist das auch völlig einfach zu erklären, und die NASA macht da auch Ausnahmen. Vielleicht sind hgm auch welche, deren Angebote man nicht ablehnen kann. Ich weiß es nicht, aber es riecht so komisch.

Das, was ich hier eben schrieb, wird mir später wieder ganz sicherlich als „reine Stimmungsmache“ ausgelegt werden. So nämlich nennt die Kanzlei der hgm es immer, wenn sie in Briefen an das Gericht in Hamburg darüber schreiben, dass ich die Vorgehensweise öffentlich mache. Und Sachen, die man über sich eben nicht ganz so gerne lesen will, nennt man selbstredend ganz wertfrei „Stimmungsmache“. Natürlich. Andere Dinge nennen sie auch „persönliche Bereicherung“. Zum Beispiel wenn man im Netz Geld dafür bekommt, um mit diesem gegen die vor Gericht treten zu können. Geld, das man gar nicht benötigen würde, wenn man nicht vor Gericht müsste. „Persönliche Bereicherung“, eine Welt der verschiedenen Draufsichten. Wie auch immer.

Ich hatte das mit Rene koordiniert, der war schneller und geht auch gleich noch ein bisschen weiter.

Neue Verhaltensregeln in den U-Bahnen Berlins: Fresse ziehen verboten

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(Notes of Berlin)

Wenn Reggae es mit Dubstep treibt: DJ Al Corino – The Original Dubsteppa Part One

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Da ist herrlich fieses Geballer bei, welches manchmal schon kurz einen über die Grenze zum Gefiedel-Step gucken lässt (bisschen cheesy ist es auch mitunter), aber ich will da heute nicht so sein, drehe die 3KW-Anlage bis kurz vor rotem Ausschlag auf und werde mich theoretisch auf ein Pädagogik-Angebot vorbereiten, was sehr pädagogisch sein wird. Da passt das.

DJ Al Corino kreuzt hierfür sehr konsequent den Reggae mit dem Dubstep und das passt selbstredend wie der Arsch auf den bekannten Eimer. Technisch über auch nur jeden kleinsten Zweifel erhaben. Und weil er davon noch viel mehr Tunes in der Tasche hat, ist das hier erst der Auftakt einer Trilogie. Und was für einer. Boom.


(Direktlink, via Blogrebellen)

Tracklist:
1. Cinematic Intro
2. Funtcase & Southbound Hangers ft Raff -(Original) Dubsteppa
3. Max Romeo – Chase The Devil (Dubstep Remix)
4. Groove Armada – Soundboy Rock (Cyrex Remix)
5. Tanya Stephens – It’s A Pity (G31 Remix)
6. Eddy Grant – Electric Avenue (Dubstep Kings)
7. Musical Youth – Pass The Dutchie (Dubstep Remix)
8. Ini Kamoze – World a Reggae
9. Ms Dynamite ft Flowdan Riko Killa P – Murder
10. Damian Marley – Welcome to Jamrock (GRiZ Remix)
11. Luniz – I Got 5 On It (6BLOCC vs. DJ 0045 and TDBZ)
12. Fugees – Ready or Not (6BLOCC vs. DJ 0045 and TDBZ)
13. Pablo Gad – When I Was a Youth(Hard Times Matta)
14. Foreigner – Cold As Ice (Specimen A Remix)
15. 12th Planet & EMU – Control
16. Dub Terminator ft Melloquence – Let it Blaze
17. OSC – Fallen Angel
18. Honorebel ft Chris Sane – Sound Clash Killing
19. FERAL is KINKY – My Selector
20. John Holt & Million Stylez – Police In Helicopter
21. Skrillex & Damian Marley – Make It Bun Dem (Dreadsquad Mash)
22. Bob Marley – Hold Ya Head (Apollo Remix)
23. 12th Planet & Juakali – Reasons (Doctor P)
24. Stenchman ft Doctor – Burning Cold (High Rankin Remix)
25. Snoop Lion ft Mavado – Lighters Up
26. Rusko – Sun is Shining Everyday (Netsky)Al Corino Personal Edit
27. Knife Party – Bonfire
28. 12th Planet & Juakali – Reasons (Wondawulf Drumstep Boot)
29. Dr. Dre – The Next Episode ft. Snoop Dogg, Nate Dogg (Hedegaard Remix)
30. Alex Clare – Too Close (Reggae Dub Mix by Jon Fx)
31. Kid Cudi – Pursuit of Happiness (Dubstep Remix)
32. The Police – Roxanne (Loo & Placido Remix)
33. Yves La Rock – Rise Up (Al Corino Secret Bootleg)
34. Pendulum – Set Me On Fire
35. Kill The Noise – Jump Ya Body
36. Hoax Tron Persist – I Dare You
37. Cypress Hill feat. Rusko – Can’t Keep Me Down
38. Twitch – Bassline Crew (FEEX Remix)
39. Snoop Lion – La La La (Jon Fx)
40. Radikal Guru – Strong Dub
41. Radikalguru And Ranking Scro – My Trees
42. The Spit Brothers – Oh Contrarians

Gastbeitrag von Ursula Demitter: Ein Leben in der DDR – Kindheit, Teil 4

Ursula Demitter aus Potsdam ist 67 Jahre alt, lebte und arbeitete in der DDR. Unter anderem bei der DEFA. Heute gibt sie Nachhilfeunterricht und schreibt hin und wieder ihre Erinnerungen von damals in Textdokumente. Da ich ohnehin ein großes Interesse an DDR-Biografien des Alltags habe und möchte, dass derartige Erinnerungen nicht auf irgendwelchen Festplatten verschimmeln und irgendwann einfach den Tod einer Festplatte sterben, packe ich die Texte von Ursula ab jetzt hier in unregelmäßigen Abständen rein. Hier finden sich alle ihrer Texte.

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(Foto: Richard Peter, unter CC von Deutsche Fotothek)

Wir waren also wirklich aus der Stadtmitte an den Stadtrand gezogen. Drewitz war damals noch ein eigenständiges Bauerndorf mit den dafür typischen Strukturen und gehörte noch nicht zur Stadt Potsdam. Es gab ein paar Großbauernhöfe. Noch hatte die Zwangskolletivierung zu Genossenschaften nicht stattgefunden. Dazu die kleine Infrastruktur: Es gab einen Schuster, zwei Bäcker, einen Fleischer, einen Fahrradfritzen, einen Gärtner, einen Frisör, zwei Kneipen, einen Taxifahrer, eine Drogerie und einen kleinen Wäscheladen. Dann noch eine Tischlerwerkstatt , einen Kohlenhändler und den Dorfpolizisten. Natürlich die Schule mit dem kleinen und dem großen Schulhaus und die Kirche, wo jeden Sonntag der Gottesdienst stattfand. Und es gab auch schon den gerade erst neu eingerichteten Konsum. Nach Potsdam fuhr man mit dem Oberleitungsbus über den Bahnhof Drewitz bis zum Rathaus Babelsberg. Von dort mit der Straßenbahn weiter. Die Endhaltestelle des Busses mit dem Wartehäuschen war Treffpunkt für Heranwachsende. Es zog halt die Jugendlichen zur Bushaltestelle, wie die „kleinen Italiener“ zum Bahnhof. (Ein erfolgreicher deutscher Schlager, gesungen von Conny Frohboes in den sechziger Jahren. Kennt heute keiner mehr)

Wir waren Zugezogene, gehörten noch nicht dazu und wurden kritisch beäugt. Aber da wir drei Kinder waren, hatten wir in drei Altersstufen Klassenkameraden, die jede mögliche Neuigkeit über unsere Familie im Dorf verbreiteten.

In Drewitz sprach man irgendwie ein anderes Idiom als in Potsdam. Die Umgangssprache beharrte unerschütterlich auf einer sehr abgespeckten Grammatik. Mich irritierte das zuerst, weil in meiner Familie mehr oder weniger Hochdeutsch, auf alle Fälle aber grammatikalisch richtig gesprochen wurde.

Die Drewitzer hatten es mit dem Maskulin: „Der Radio spielt, der Moped fährt und der Benzin stinkt.“ Das war gängiger Alltag. Am schönsten fand ich einen Zuruf einer Frau für die Fahrschüler nach Schulschluss: „Fährt ihr mit den Bus? Brauchta nich su rennen, der Bus fahrt schon.“

In der neuen Schule war alles anders. Schon dass wir zwei Schulhäuser hatten und dass Jungen und Mädchen in einer Klasse lernten, war für mich neu. Auch wusste ich nicht, dass es eine nette Geste der Aufmerksamkeit war, wenn die Jungen die Mädchen schubsten oder am Zopf zogen. Also ging ich als Kämpfer für Gerechtigkeit dazwischen und bekam ein paar Mal eine aufs Maul, bis ich begriffen hatte, dass es besser war, sich nicht einzumischen. Als Neuankömmling in der zweiten Klasse gehörte ich natürlich in das kleine Schulhaus. Das war ein uraltes Gebäude aus Glindower Klinkern, direkt gegenüber der Kirche. Wir Kleineren hatten einen eigenen Schulhof, der durch einen Zaun vom „großen Schulhof“ getrennt war. Die Pforte war immer offen, damit die Lehrer ungehindert von einem Haus zum anderen wechseln konnten. Aber nie kam es einem der Zwerge in den Sinn, sich auf dem großen Schulhof blicken zu lassen. Auch die älteren Schüler achteten das Verbot, unseren Schulhof zu betreten… War es Disziplin oder Autorität der Lehrer oder Angst vor Strafen? Wer weiß das schon. Jedenfalls war es eine gute Regelung. Gleich in den ersten Tagen meiner Anwesenheit zog die ganz Klasse direkt nach dem Unterricht durch das Dorf. „Zum Religion“ sagten die Kinder. Nur das einzige katholische Mädchen unserer Klasse durfte nicht mit, wofür sie mir sehr leid tat. Ich lief einfach mit, denn als Jüngste in der Familie war ich es gewohnt, mich anzuschließen, ohne zu verstehen, was ablief.

In einem ausgebauten Stallgebäude, an der Kreuzung Neuendorfer zur Trebbiner Straße fand unser Religionsunterricht statt. Offiziell hieß es „Christenlehre“, wie unsere Schwester Ida, die den Unterricht erteilte, immer wieder verbesserte. Schwester Ida war eine evangelische Diakonisse, deren Hände immer wie frisch gescheuert aussahen und nach Kernseife rochen. Sie las uns jedesmal einen Abschnitt aus einer Kinderbibel vor. Das Buch hieß „Das Wort läuft“ und enthielt die biblischen Geschichten in etwas verständlicherer Sprache. Es wurde auch gesungen und gebetet und der ganze Ablauf gefiel mir sehr. Zu Beginn der Stunde sollte sich immer ein Kind melden und die Geschichte von der letzen Woche nacherzählen. Ich erzählte und erzählte, wann immer ich konnte. Die anderen Kinder fanden es nicht so toll wenn sie drankamen und ließen mir den Vortritt. Jedesmal bekam ich bunte Bildchen über biblische Themen, die von einem großen Bogen wie Briefmarken abgerissen wurden.

Eines Tages , als Schwester Ida wieder die Anwesenheit prüfte, kam heraus, dass ich nicht auf ihrer Liste stand. Ich sagte meiner Mutter, „Du muss mich zum Religion anmelden, ich bin noch nicht auf der Liste.“ Das brachte einiges Durcheinander in unsere Familie. Es stellte sich heraus, dass wir alle drei nicht getauft waren und dass sich meine Eltern zu diesem Problem nie ausgetauscht hatten. Ich verlangte kategorisch, sofort getauft zu werden, was nach einigem Hin und her auch tatsächlich stattfand. Eine Taufe musste natürlich im Gottesdienst stattfinden, aber wegen des zu erwartenden Geredes im Dorf legte der Pastor die Taufe kurzerhand in den Kindergottesdienst. Es gab auch zu Hause eine schöne Feier, viele entfernte Verwandte kamen und brachten Geschenke. Plötzlich hatte ich „Patentanten“. Ich fand, dass es sich gelohnt hatte. Um unseren gerade erworbenen Glauben vor dem Dorf zu demonstrieren gingen wir nun jeden Sonntag in die Kirche. Mein Vater kam nur zu Weihnachten mit, sagte aber nie ein Wort dagegen.

Unsere Lehrer in der Schule waren anders, als in der alten Schule in Potsdam. Sie waren sehr nett, nicht so sehr auf Autorität bedacht und es herrschte eine familiäre Atmosphäre. Im Winter durften alle Kinder, die einen weiten Schulweg hatten Hausschuhe mitbringen und sich an den Ofen setzen. Viele Lehrer waren sogenannte „Neulehrer“ von denen meine Mutter immer ein wenig herablassend sprach. Aber sie konnten interessante Geschichten aus ihren früheren Berufen erzählen. Das forderten wir immer am ersten und letzen Schultag ein. Nur der Mathelehrer, der schon ziemlich alt war, las uns an solchen Tagen Balladen vor. Ich fand dass „Der Taucher“ oder „Der Handschuh“ von Schiller ungeheuer spannende Geschichten waren. Unsere Musiklehrerin war auf Volkslieder versessen. Was sollte sie auch machen, die neuen Pionierlieder waren nicht ihr Geschmack. So lernten wir der „Mond ist aufgegangen“ und „Kein schöner Land in dieser Zeit“ und vieles mehr. Die Lieder kannte ich alle schon von zu Hause und wurde schnell ihr Liebling. Bei Auftritten unseres Schulchores musste ich in der ersten Reihe stehen und immer den Anfang der nächsten Strophe leise soufflieren. In den neuen Liederbüchern standen die meisten Lieder verkürzt. Es fehlten immer die Strophen in denen der liebe Gott vorkam. Unsere Lehrerin ließ uns jedes Mal die fehlende Strophe ins Heft schreiben und wir sangen sie mit.

Mein Klassenlehrer in der Unterstufe war früher zur See gefahren und benutze noch das entsprechende Vokabular. „Wenn ich sage ausscheiden, dann ist ausscheiden.“ rief er oft, um uns zur Ruhe zu bringen. Später erfuhr, ich dass dies ein Kommando auf See ist. Einmal schrieb er ein Wort falsch an die Tafel. Ich begann mit ihm zu streiten, aber er blieb dabei. Als ich mich zu Hause bei meiner Mutter beschwerte, drückte sie mir einen Duden in die Hand. Damit marschierte ich am nächsten Tag in die Schule. Wenn ich daran denke, ist es mir heute noch peinlich.

In dem frühen DEFA-Spielfilm „Die besten Jahre“ gibt es eine ähnliche Szene.
Da beschwert sich einer über das mangelnde Wissen des Neulehrers beim Landrat.
„Solange wir nicht genug ausgebildete Lehrer haben“ sagt ihm der ganz ruhig, „wird Blume eben mit h geschrieben.“

Außer der katholischen Anna waren alle Kinder in meiner Klasse Pioniere. Sie besaßen ein blaues Halstuch und einmal in der Woche war Pioniernachmittag. Da durfte ich nicht mitmachen. Es war klar, das ich nicht dazugehörte. Sie machten Wanderungen in die umliegenden Nuthewiesen, sammelten Eicheln und Kastanien für die Waldtiere im Winter und bastelten. Da die Klassenlehrerin, den Pioniernachmittag gestaltete, wurde auch in den folgenden Tagen im Unterricht darüber gesprochen. Immer wenn der Pioniernachmittag begann und ich nach Hause geschickt wurde, war ich sauer. Zu Hause begann ich zu verhandeln. Von meiner Mutter kam nur Ablehnung, aber keine Begründung, kein Argument. In der Schule wurde ich mehrmals gefragt, wann ich denn nun eintreten wolle. Bis es mir zu viel wurde mit der Fragerei und ich sagte: „Nächste Woche“. Ich wurde noch gefragt, ob meine Mutter Bescheid wüsste, was ich eifrig bejahte. Es gab auch kein Schriftstück an meine Eltern. Ich wurde feierlich aufgenommen und bekam das ersehnte blaue Tuch. Vorsichtshalber versteckte ich es noch ein paar Wochen, war dann aber so ungeschickt, dass es irgendwann herauskam. Meine Mutter war beleidigt und ich wusste nicht warum.

Mit den Pioniernachmittagen fuhren wir auch manchmal in die Stadt. Wir lernten das funkelnagelneue Pionierhaus am Heiligen See kennen. Dort sahen wir Filme und Theaterstücke oder wurden zum Basteln angeleitet. Einmal mussten alle Schüler der kleinen Schule in eine Klasse kommen. Der Raum war völlig überfüllt. Dann wurde uns gesagt, dass ein großes Unglück geschehen ist, der Genosse Stalin ist gestorben. Einige größere Mädchen begannen zu weinen. Dann sollten wir eine Schweigeminute halten, was nicht recht gelang. Ich blickte an die Klassenwand. Dort waren vier Köpfe im Profil aneinadergefügt aus Presspappe und mit Goldbronze lackiert. Sogar ich wusste, wer das war: Marx, Engels, Lenin, Stalin.

Ganz andere auch sehr schöne Erlebnisse organisierte die Kirche. Es gab Spielnachmittage im Garten des Pfarrers mit Kaffe und Kuchen, es wurde ein großes Erntefest gefeiert, zu dem wir Kinder Blumenbögen für die Fuhrwerke binden durften. Zu Weihnachten übten wir ein Krippenspiel ein, bei dem ich immer mitspielen durfte. Zum Kindertag spannten die Bauern Fuhrwerke an, die mit Bänken bestückt waren. Wir fuhren ins Nachbardorf und wurden dort mit Spielen beschäftigt und mit Streuselkuchen versorgt.

Die größten Feste fanden im „Lindenhof“ statt. Sie waren mal von der Schule und mal von der Kirche ausgerichtet. Zu Weihnachten spielten wir ein Märchen von der Schule und zu Ostern eins von der Kirche. Auch Fasching wurde gefeiert, was uns Kindern großen Spaß machte.
Um an diesen Feiern teilzunehmen musste man immer ein bis zwei Briketts, eingewickelt in eine Zeitung mitbringen. Damit wurde ein eiserner Ofen gefüttert, der den Saal heizen sollte. Mit den Jahren wurden die kirchlichen Aktivitäten weniger. Inzwischen war eine LPG gegründet und etliche Bauern die nicht einverstanden waren, nach dem Westen gegangen.

Der alte Russe in einer Polizeikontrolle

Jaja, alt… Stört mich aber gerade mal nicht. Bin ja kein News-Ticker.


(Direktlink, via Pantoffelpunk, dessem Tumblr ihr alle folgen solltet)

Doku: This is Ska! (Und wie man ihn tanzt)

Schönes Erklärbär-Video, das erläutert wie man bitte schön auf Ska zu tanzen hat. So wisst ihr auch das, wenn der Ska noch mal flächendeckend wiederkehren sollte. Schön wäre das ja.


(Direktlink, via Joanne Casey)

Die Anleitung stammt aus der englischen Doku „This is Ska“ aus dem Jahre 1964.


(Direktlink | Danke, Markus!)

Video: Bonobo feat. Grey Reverend – First Fires

Auch nach dem 600sten Durchlauf ist das Album immer noch genau so gut wie am ersten Tag. „First Fires“ ist die neue Auskopplung, das Video kommt von Young Replicant. Passt.


(Direktlink, via Marc)

Ominöse Boards of Canada Platte zum Record Store Day in den Shops gelandet

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Am Samstag war Record Store Day und in einigen Geschäften tauchte zu diesem diese ominöse Platte mit dem Namen „—— / —— / —— / XXXXXX / —— / —–„. Die Urheberschaft wird keinen geringeren als
Boards of Canada zugeschrieben und das ist selbstredend einen kleine Bombe, die da platzt. Jetzt wird natürlich auf allen Kanälen wie verrückt rum spekuliert. Wann denn nun das neue Album kommen wird, weil das ob ganz offenbar keine Frage mehr zu sein scheint. Ick freu ma!

As part of Saturday’s Record Store Day festivities, Warp released a solitary 12″ credited to the pair through NY record shop Other Music. The disc features a short clip of a woozy none-more-BoC piece, plus a vocodered voice reading out the numbers “9-3-6-5-5-7″. It appears the record may be one in a series of jigsaw pieces: the record is credited as „—— / —— / —— / XXXXXX / —— / —–“ , and features dead space on either side of the clip, implying a fill-in-the-gaps approach.
[…]
We obviously approached the story with the requisite skepticism, but Pitchfork now claim they have had direct confirmation that the record is legit. An Other Music employee, Mikey IQ Jones, has also got in touch directly with FACT. According to Jones: „It’s real. We were given a copy to secretly place in the racks at Other Music; we’re really psyched that it was found by a big fan!”

As expected, there’s been a whirlwind of fact-scavenging and speculation on the web in the days following the record’s release. Dedicated BoC fanboys 2020k have been thoroughly documenting information about the 12″ as its emerged, and point towards a recorded phone conversation with Other Music, who confirm that the disc is the only US copy and that five others have been released in different countries. BoC, it should be noted, have some prior in this department. After practically zero promotion, 2002′s Geogaddi was premiered at listening parties in six churches across the world. The sessions took place in London, New York, Tokyo, Edinburgh, Berlin and Paris. The site also confirms that a Warp employee also delivered the album by hand to the store at 3pm on the day before Record Store Day, and that BoC have an official listing on the Record Store Day page.

There have also been some hijinks going on the BoC Youtube channel. A video to Geogaddi track ‘Julie And Candy’ was uploaded onto the band’s official YouTube channel, originally with „—— / —— / —— / —— / —— / —–“ in the subject line. Although this was subsequently removed, the title was also embedded into the clip at 4:20. 2020k note that, the following day, the message had moved to 4:19, suggesting there might be some sort of countdown in progress (although the clip has yet to move this morning).

Das Video zumindest, das 2020k als Snippet von der Platte hochlud jedenfalls klingt definitiv nach BoC. Und mir sind derartige Mysterien ja viel lieber als das Promo-Maschinengewehr, das Columbia bezüglich des neuen Daft Punk Albums abfeuert.


(Direktlink, via FACT)

Ein paar Kartentricks

Derek Ng hat eine Vorliebe für Karten. Die zeigt er auch. Und weil vielleicht nie einer mit ihm spielen wollte, spielt er eben ganz allein mit den Karten.


(Direktlink, via reddit)

Doppelmauliger, prähistorischer Tiefsee-Hai

Irgendwo da unten, wo die Sonne nicht hinscheint, haben Taucher vor der Japanischen Küste einen Koboldhai filmen können. Die sind ziemlich selten und wohl auch etwas schüchtern, was mich Angesichts dieser Hackfressen (Jehova, er diese Tiere hässlich gennant!) nicht wirklich überrascht.

Auf jeden Fall hat sich einer dieser possierlichen Tierchen gleich mal an dem Arm eines Tauchers festgebissen. Nicht so wild, war nur ein kleiner. Trotzdem, möchte ich diesen Flossentieren nicht im Dunkel begegnen. Nein, nicht mal im Hellen. Hülfe!

Hier das GIF, weiter unten dann ein Portrait des Rackers in Form eines Videos.
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(Direktlink, via Willy)

Wie man sich eine Drehmaschine baut

Wenn Ihr mich jetzt sehen könntet, würdet Ihr wissen, wie ich aussehe, wenn ich Bauklötze staune.

Ich stehe ja sehr auf das gute alte Handwerk. Chris ist ist offenbar Handwerker der alten Schule und der Meinung, so eine Drehmaschine braucht man nicht zu kaufen, die baut man sich halt selber. Kein Problem, wenn man es kann, über das dafür notwenige Werkzeug verfügt und mit diesem dann auch noch umgehen kann. So wie Chris. Der würde die Bauklötze nämlich auch nicht staunen, sondern sie schnell mal selber machen. Und weil das alles noch nicht genug ist, hat auch auch gleich noch dieses fantastische Video zum Bau seiner Drehmaschine gefilmt. Damit ein jeder sich so ein Ding bauen kann.

Habt Ihr schon was vor, am nächsten Wochenende?


(Direktlink, via Doobybrain)

Sonntagabend: Niveau im Keller, in dem sich zwei Pinguine kloppen, eine Kuh den allmächtigen Bruce mimt und eine Bärin auf der Suche nach Kaffee ist

Wenn du so ein Blog machst, ist der Sonntagabend quasi das freie Tor, welches du vom Elferpunkt vor völlig leeren Rängen treffen sollst. Und wenn du das tust, interessiert das keine Sau. Morgen früh haben es eh alle vergessen. Die hiesigen Kollegen werden natürlich alle das Gegenteil behaupten. Also Morgen, weil die jetzt entweder schon schlafen, besoffen sind, oder schon besoffen schlafen gingen. Ihr wisst schon.

Und genau dann ist der beste Moment, den totalen Nonsens der ganzen Woche rauszuschicken. Es ist Sonntagabend, das Niveau muss zwangsläufig unter dem Spalt der Küchentür gen Fußboden durchpassen, das gehört so – es ist Sonntag! Und sowieso liest dann eh keiner mehr mit. Fasst nie.

Beste Voraussetzungen also für Niveau-Limbo. Kann ich.

Hier sich zwei kloppende Pinguine. *batsch,batsch,batsch*


(Direktlink, via Say OMG)

Hier die Bruce Allmächtig Kuh. Und ab morgen dann wieder furchtbar seriös. Natürlich.


(Direktlink, via Bits & Pieces)

Und weil eben Sonntag ist, noch eine sich einen Lachs fangende Bärin, die haargenau so aussieht wie ich Montagmorgens, wenn ich auf der Suche nach der ersten Tasse Kaffee bin. Kein Shice. Wirklich.


(Direktlink, via Mogreens)