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Schlagwort: Potsdam

Mut zur Wahrheit: wie sich die AfD „linksextreme Hooligans“ herbeifantasiert

Die AfD mit einem neuen Beispiel ihrer Definition von „Mut zu Wahrheit“.

Ich bekam am Sonntag eine Nachricht, dass durch Potsdam ein alter Linienbus fahren würde, der zur AfD-Wahlkampfkutsche umgestaltet wurde und ob ich irgendwas darüber wüsste. „Nee“, schrieb ich, „weiß nichts“, und machte mir weiter keine Gedanken darüber.

Gestern Morgen las ich dann, das jener Bus tatsächlich durch Potsdam gefahren sei und ausgerechnet vorm Stadion des SV Babelsberg 03 rumgurkte, was ich für ziemlich dämlich hielt, aber gut, ist ja die AfD. In den Meldungen, die offenbar weitestgehend eine Pressemitteilung der AfD (Do not link-Link) weitergaben, die am Ende wohl auch so von der dpa übernommen wurde, stand, dass der AfD-Bus vorm Stadion des SV Babelsberg 03 von einem Dutzend „linksextremer Hooligans“ angegriffen wurde. Eine Scheibe soll zu Bruch gegangen sein. Im Wortlaut:

Am Sonntagnachmittag gegen 16 Uhr überfiel ein dutzend dunkelgekleideter Autonomer vor dem Potsdamer Karl-Liebknecht-Stadion den Wahlkampfbus der Potsdamer AfD. Die zehn Mitglieder der Partei, unter ihnen auch der Potsdamer AfD-Kreisvorsitzende und Landtagsmitglied Thomas Jung (59). Jung: „Die linksextremen Hooligans brüllten, „Raus mit den Nazis“ und rissen eine Werbe-Folie des Busses ab, zerschlugen mit Flaschen ein seitliches Fenster und hauten mit Fäusten auf die Busseiten.“ Mit einem Pkw blockierten sie die Weiterfahrt. Die Potsdamer AfD hatte zuvor in Groß Glienicke und Fahrland Flyer verteilt und war dann in Richtung Babelsberg unterwegs. Jung: „Für ein paar Minuten sah es aus, als ob die den Bus komplett demolieren. Da kriegt man es dann doch mit der Angst.“

Dann gelang es dem Fahrer, langsam an einem Baum vorbei zukommen. Die Angreifer folgten nicht. Den Schaden am Bus beziffert die AfD auf mindestens 2000 Euro. Anzeige wird erstattet.

Der Staatsschutz leitete Ermittlungen ein.

Jetzt stellt sich mal wieder raus, dass der Begriff der „Wahrheit“ für die AfD ein sehr dehnbarer zu seien scheint, denn vielleicht war alles gar nicht so dramatisch und autonom gefährlich wie AfD-Landtagsmitglied Thomas Jung es zu verkaufen versuchte. Nach seinem Statement vermutete man ja fast schon Hamburger Verhältnisse. Denn nun tauchen Zeugen auf und behaupten, dass es so – Überraschung – gar nicht gewesen sei. Es kommt der Verdacht auf, dass die AfD die „linksextremen Hooligans“ erfunden hätte.

Als wir den AfD-Bus bemerkt haben, ist zwar eine Gruppe zu diesem gegangen“, sagt sie. Geworfen oder eingeschlagen worden sei aber nichts, die Fans hätten nur „Haut ab!“ und ähnliche Sätze gerufen. Auch sei die Folie mit dem AfD-Aufdruck nicht beschädigt worden, sagt sie. Zu keiner Zeit sei Gewalt gegen die AfD verübt worden.

Vollständig mit Kulkes Schilderungen stimmen die Angaben von Matthias Kessler überein, der ebenfalls wegen der Liveübertragung vom Luckenwalde-Spiel im Karl-Liebknecht-Stadion war und die Situation beobachtet hat.

Ein Video, das ausgerechnet von der JA Brandenburg hochgeladen wurde, zeigt den Vorfall dann aus Sicht der Businsassen. Von Gewalt, Hooligans und linken Extremisten ist da recht wenig zu sehen. Gemessen daran, dass da ein AfD-Bus vorm Karli rumeiert, ist der Umgang mit dem Bus nahezu freundlich. Aber so scheint es halt mit der AfD. Mit der Wahrheit nimmt sie es ja ganz gerne mal nicht ganz so genau.

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Potsdam prüft ticketfreien Nahverkehr

(Foto: Smiley.toeristCC BY-SA 4.0)

Brandenburgs Landeshauptstadt prüft aktuell die Möglichkeit des ticketfreien Nahverkehrs. Bin ich seit je her Fan von und würde mich natürlich sehr darüber freuen, wenn man ausgerechnet hier damit mal beginnen würde. Wahrscheinlich dauert die Entscheidung noch eine ganze Weile und eine etwaige Umsetzung dessen dann noch mal sehr viel länger, schöner aber dass da ein Anfang gemacht zu sein scheint. Ich fänd’s geil.

Grund dafür sind die selbstgesteckten Klimaschutzziele der Stadt.

„Es muss alles auf den Prüfstand“, sagte Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) am gestrigen Montag bei der Vorstellung des neuen städtischen Masterplans „100 Prozent Klimaschutz“. Es stünden „radikale Veränderungsprozesse“ an. Daher werde auch der sogenannte ticketfreie Nahverkehr geprüft.

Bei diesem Modell müssten alle Einwohner der Stadt eine monatliche Pflichtgebühr für die fahrscheinfreie Nutzung von Bussen und Trams zahlen. Jakobs machte deutlich, dass ein Bürgerticket für den Nahverkehr allerdings nicht kurzfristig umsetzbar sei, sondern mit der Landesebene, aber auch mit dem Verkehrsverbund in der Region umfangreich abgestimmt werden müsse.

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In Farbe und HD: Potsdam im Juli 1945

Nach den Aufnahmen, die hier schon Berlin und Hamburg im Sommer 1945 zeigten, nun auch welche aus Brandenburgs Landeshauptstadt Potsdam. Ich mag derartig historisches Material ohnehin schon sehr gerne, finde diese hier aber aufgrund der Tatsache, dass ich täglich in dieser Stadt unterwegs bin, noch sehr viel beeindruckender. Viel näher dran halt.

Aufgezeichnet von amerikanischen Soldaten an einem schönen Julitag.

„Impressions filmed on the road from Berlin to Potsdam, just after the end of World War Two from Potsdam, close to Berlin (south-west). These images must have been shot in or after July 13th in 1945.
At 2:20 we see Lt. Col. George Stevens, head of the signal corps of the US Army, showing a card – maybe an invitation card – to the Berlin Conference of the Allied Powers that took place in July 1945.
Around Potsdam and in the city, the camera filmed many German refugees, families, pulling their last belongings. At the end (4:45) we get a short glimpse at Schloss Sanssouci.“


(Direktlink, via Blog in Berlin)

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Potsdam: Polizei pumpt Springbrunnen ab, um Demonstranten aus diesem zu holen

Gestern traf sich in Potsdam die Nachfolge-Truppe der hier gescheiterten pegidanahen Pogida-Spaten. Die nennen sich nun die „Freien Patrioten Potsdam“, haben einen neuen Anführer und hatten gestern auf dem zentral gelegenen Luisenplatz eine Demo in der Zeit von 14:00 bis 20:00 Uhr angemeldet. Ich hatte mir das mit 300-400 Potsdamern von aussen angesehen, musste dann aber nach Sachsen.

Am Ende saßen dort dann 50+ der Patrioten an Biertischgarnituren und grillten sich ein paar Würschte auf einem Grill, den zusammenzubauen ihnen einiges an Schwierigkeiten bescherte, was die Außenstehenden durchaus amüsierte. Bewacht wurden die freien Ex-Pogidi-jetzt-Patrioten dabei von hunderten Polizisten, zwei Wasserwerfern und ein paar Räumpanzern. Später liefen sie dann noch für ein paar Minuten durch die Stadt. Soweit alles wie immer.

Im Vorfeld allerdings kam es zu seinem seltsamen Zwischenfall, der sich in dem Springbrunnen des Luisenplatzes ereignete. Auf dem Platz also, auf dem die grillenden Patrioten in Ruhe und unter Publikum ihre Wurscht essen wollte.

Gegendemonstranten verabredeten sich schon um 12:00 Uhr zu einem Picknick auf dem Platz. Ich weiß nicht, ob die gepicknickt haben, aber als die „Gäste“ der Grillparty eintrafen, hatten die circa 25 Gegner den Platz quasi schon besetzt. Sie zogen die Schuhe aus und stellten sich in den dortigen Springbrunnen, der eine Wassertiefe von vielleicht 40 Zentimetern hat. Als die Polizei sie bat, den Brunnen zu verlassen, weigerten sie sich. Auch ausgesprochene Platzverweise von Seiten der Beamten konnten sie nicht überzeugen das Wasser zu verlassen. Nun war es wohl so, dass keiner der Polizisten seine Stiefel ausziehen oder es riskieren wollte, dass diese nass werden könnten. So rief man die Feuerwehr, die den Pool auspumpen sollte, so dass die Demonstranten in Gewahrsam genommen werden konnte. Weitestgehend mit trockenen Beamtenfüßen.

Und die PARTEI in Potsdam weiß, wie man Demonstranten mobilisiert.

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Wie ich mich heute mit einem pöbelnden AfD-Sympathisanten in der Bahn anbrüllte

Vorhin in der Tram: ich las auf dem Phone Augstein zur AfD, wie ich eigentlich immer was auf dem Phone lese, wenn ich unterwegs bin, manchmal halt Augstein. Meistens habe ich Kopfhörer auf – heute nicht. Um mich herum sitzen ein Dutzend Menschen, von denen fast alle aufs Phone gucken. Normal. 5-6 Haltestellen vor der Endstation beginnt ein älterer Herr, Ende 50, der mit seiner Frau auf einem Zweier saß, unmissverständlich rumzupöbeln. „Hier, kiek se dir an! Alle kieken nur auf ihr Smartphone, das wir Deutschen für sie bezahlen müssen. Diese ganzen Arschlöcher!“ Es war nicht nur eine Mitteilung an seine Frau, die hätte er leiser tätigen können. Es war eine Mitteilung an alle. Auch an mich, zumal ich ja auch aufs Phone guckte, das er garantiert nicht bezahlen musste, weil ich das selber tat.

Wir saßen in der Linie, an deren Endstation ein Zubringerbus einmal die Stunde bis runter zum Flüchtlings- und Obdachlosenheim am Stadtrand fährt. Mein Bus, weil ich dort um die Ecke wohne und morgens/mittags/abends immer mit Flüchtlingen und Obdachlosen im Bus sitze. Normal. Offenbar dachte sich dieser Mann, dass alle, die nicht deutsch aussehen würden, aus diesem Flüchtlingsheim kommen und somit auch Flüchtlinge sein müssten. Was total egal gewesen wäre und an dieser Situation auch nichts geändert hätte. Er roch nach Obstwein, ich vermute, er kam vom Baumblütenfest in Werder, wo die Deutschen eine Woche lang gerne auf ihre Normen und Werte bei furchtbar ekelhaft süßem Obstwein saufen. Er war zweifelsohne angeballert, was seine Zunge wohl locker und vor allem seine Stimme überdurchschnittlich laut werden ließ.

Nachdem ihm auf seine erste, eindeutig pöbelnde „Meinungsoffenbarung“ kein Widerspruch entgegengebracht wurde, fühlte er sich wohl bestätigt und meinte weiter pöbeln zu müssen. 40 Zentimeter vor ihm saßen zwei junge Männer, die für ihn wohl nicht aus Deutschland zu kommen schienen. Ein paar Meter weiter saßen noch 2-3 Menschen, die er offenbar ebenso für Flüchtlinge hielt. Ohne sie gefragt zu haben, wo sie denn herkämen und was sie hier so machen würden. Das wollte er gar nicht wissen. Er wollte einfach mal nur „abladen“. Das tat er auch.

„Diese Pisser haben hier nie was bezahlt und kriegen jetzt alles! Von meinem Geld! Nicht mal ich kann mir so ein Smartphone leisten! Aber die… Die haben alles! Von meinem Geld! Ich musste dafür 40 Jahre arbeiten! Alles Arschlöcher!“ (Lautstärke Capslock.)“

Ich bin in so einer Situation nicht sonderlich gut in Intervention. Mich regt das tierisch auf. Auch weil ich weiß, dass ich in so einer Situation kommunikativ bei so einem Menschen nichts erreichen kann. Aber ich wollte halt auch nicht so tun, als würde ich weghören wollen. Also sagte ich was.

Ich fragte ihn, warum er mich Arschloch nennt, nur weil ich auf mein Smartphone gucken würde. Ich fragte auch, warum er andere so nennt, die nicht kennen, und anhand ihrer Hautfärbung über sie urteilen würde. Er schrie mich an.

„Du Arschloch musst Dich hier gar nicht einmischen, nur weil ich mal meine Meinung sage! Ich habe 40 Jahre gearbeitet, damit diese Pisser und du sich eure Smartphones leisten können! Ich kann das nicht!“

Ich sagte ihm, dass das ja nicht mein Problem wäre und fragte ihn, wovon er denn leben würde. So 40 Jahre Arbeit und dann schon „soziale Hängematte“ kam mir etwas komisch vor. Er schrie wieder, so wie er offenbar am liebsten seine „Anti-Mainstream-Meinung“ schreiend in der Bahn zum Ausdruck bringt:

„Ich krieg Rente, Du Arschloch! Dafür habe ich 40 Jahre gearbeitet! Du hast noch nichts für Deutschland getan. Du guckst hier nur auf dein Smartphone und hältst deine Fresse, weil auch du vom Staat durchgefüttert wirst! Und jetzt sei bitte still! Du hast von nichts eine Ahnung. Ich werde ja wohl noch meine Meinung sagen dürfen!“ (Besoffen und pöbelnd.) „Meinung sagen“ und so.

Ich versuchte es erneut mit so was wie Kommunikation und sagte ihm, dass ich gerade von der Arbeit käme. Arbeit, der ich täglich nachgehe, und die auch dafür sorgt, dass er seine Rente kriegen würde. Ich fände es okay, wenn meine Steuern an ihn und an Geflüchtete gehen würden. Haben ja alle was von. Er fand das nicht.

Seiner Frau wurde die Situation zunehmend peinlich, so das sie ihn bat, jetzt damit aufzuhören. „Die Leute gucken schon.“ Natürlich guckten sie. Verschämt, sich mit dem Blick auf ihre Phones versteckend. Aber sie bekamen die Situation mit. Allein, sie sagten nichts. Er fuhr seine Frau an, dass er „ja wohl noch seine Meinung sagen dürfe“ und das sie still sein sollte.

Ich sagte ihm deutlich lauter werdend, dass er natürlich seine Meinung äußern, aber in einer dreiviertelvollen Bahn eben nicht erwarten könnte, dass jeder seinen Bullshit unwidersprochen hinnehmen würde. Da hätte ich so gar keinen Bock drauf. Die, die er eigentlich angesprochen hatte, duckten sich nachvollziehbarer weise weg und ich weiß nicht, ob sie froh waren, in dem Moment nicht mehr Ziel seiner primären Attacken zu sein. Ich hoffte es vielleicht. Außerdem ging mir dieser Kerl so auf den Saque, dass die mir eigentlich gegebene Gelassenheit vier Stationen vor Endhaltestelle ausstieg und ich mich dummerweise auf seine Kommunikationsform hinreisen ließ. Ich mag mich nicht, wenn ich laut werde, weil andere mir gegenüber laut werden. Ich mag es auch nicht, ausfällig zu werden, wenn andere mir das gegenüber sind, aber ich konnte in diesem Moment nicht anders. Denn noch weniger mag ich Menschen, die aufgrund der Kritik an ihrem Weltbild andere für Arschlöcher halten und meinen, dass diese nichts für die Gesellschaft getan haben könnten, eben nur deshalb, weil sie die Meinung dieser Knetbirnen nicht teilen würden. Es wurde noch lauter, seine Begleitung noch bittender, dass er doch endlich damit aufhören sollte, ihm wildfremde Menschen vollzupöbeln. Er sagte ihr, dass sie bitte still sein sollte und kam richtig in Fahrt. Ein Gedächtnisprotokoll in Capslock:

Er: „JETZT MISCHE DICH HIER NICHT EIN, DU ARSCHLOCH! DEUTSCHLAND WIRD UNTERGEHEN. UND DU MERKST DAS AUCH NOCH! ICH HABE 40 JAHRE GEARBEITET! MIR HAT NIEMAND WAS GESCHENKT!

Ich: DOCH! ICH MISCHE MICH EIN! UND WENN DU HIER IN DER ÖFFENTLICHKEIT SO DERMASSEN RASSISTISCHE KACKSCHEISSE ABSONDERST, FRAGE ICH MICH, WARUM ICH FÜR MENSCHEN WIE DICH LIEBER MEINE STEUERN ZAHLEN SOLLTE, ALS FÜR JENE DIE VOR KRIEG UND IHREM EIGENEN TOD FLÜCHTEN MÜSSEN? NACH 40 JAHREN ARBEIT. DU BIST DOCH IM VORRUHESTAND. ALLE ANDEREN MÜSSEN BIS 67 RAN! DU SCHAUKELST DIR SCHON MIT NOCH NICHT MAL 60 DIE EIER, ALTER!“

Er: „ARSCHLOCH SO EIN ARSCHLOCH! MISCHT SICH HIER EINFACH EIN…

DU NENNST MICH EINFACH SO ALTER! BELEIDIGUNG! ICH RUFE GLEICH DIE BULLEN.“

Ich: „*LOL*! MACH DOCH! BITTE.“

Er: „WARTE, BIS DIE ASYLANTEN IN DEINER NACHBARSCHAFT WOHNEN!“

Ich: „NORMAL! TUN SIE. KEIN PROBLEM.“

Er: „WARTE, BIS DER MUEZZIN IN DEINER NACHBARSCHAFT ZUM GEBET RUFT.

STELL DIR MAL VOR, ICH WÜRDE IM IRAK, IRAN, IN SYRIEN EINE KIRCHE BAUEN WOLLEN. WAS MEINST DU, WAS DIE DANN MACHEN WÜRDEN?!“

Ich: „JA, MACH DOCH, ICH FÜR MEINEN TEIL GLAUBE NICHT AN GOTT.“

Er: „DIE WÜRDEN MICH ABSCHLACHTEN. SO WIE IN ÄGYPTEN HEUTE! HABE ICH GELESEN!“

Ich: „DU GLAUBST AN GOTT?! DU SIEHST AUS WIE EIN OSTLER WIE ICH, NACH EINEM, DER NIE AN GOTT GEGLAUBT HAT! UND DU WILLST MIR WAS VON GOTT ERZÄHLEN?!“

Er: „UND WIE DIE MIT IHREN FRAUEN UMGEHEN. WILLST DU ARSCHLOCH DAS SO HIER HABEN?“

Seine Begleitung ihm: „Jetzt sei doch bitte mal still! Die Leute gucken jetzt alle schon!“

Er zu ihr: „NEIN! DU BIST JETZT STILL. ICH SAGE HIER NUR MEINE MEINUNG! DAS WIRD MAN JA MAL NOCH TUN DÜRFEN!“

Seine Begleitung ihm: „Bitte!“

Er zu ihr: „NICHTS BITTE! HALT JETZT DEIN MAUL! ICH WÄHLE AfD! DIE MACHT ALLES BESSER! WENN WIR ERSTMAL AN DER MACHT SIND. UND DIESE GANZEN WICHSER, DIE HIER AUF UNSERE KOSTEN AUF IHRE SMARTPHONES GUCKEN, KÖNNEN DANN WIEDER NACH HAUSE FAHREN. UND ZWAR SOFORT. ALLE RAUS!“

Ich: „DU, DER SEINE FRAU ANBRÜLLT, SIE MÖGE BITTE ‚IHR MAUL HALTEN‘, WEIL DU ÜBER DAS FRAUENBILD VON GEFLÜCHTETEN REDEN WILLST, WILLST DAS FÜR DAS ZU HALTENDE DEUTSCHE FRAUENBILD TUN. WAS GENAU EIGENTLICH IST BEI DIR SCHIEF GEGANGEN, ALTER?!“

Er: „DU HAST SCHON WIEDER ‚ALTER“ GESAGT! ICH RUFE JETZT DIE BULLEN. DAS IST BELEIDIGUNG!

ES WIRD ZEIT, DASS DIE HAKENKREUZFAHNEN WIEDER ÜBER DEUTSCHLAND WEHEN!“ (Ich habe mir das wirklich nicht ausgedacht. Menschen wie diese sind dort draußen tatsächlich unterwegs.)

Ich: „MAN RUFT NICHT DIE BULLEN. ABER WENN DU DAS TUN MÖCHTEST, UM ÜBER DEINE IDEE DER WEHENDEN HAKENKREUZFAHNEN ZU REDEN, WEIL ICH DICH ‚ALTER‘ GENANNT HABE, NUR ZU, DU RIESENARSCHLOCH!“

Eine junge Frau mit Fahrrad, keine 20, die hinter ihm stand, erstaunlich gelassen zu ihm: „Kannst du Wichser jetzt bitte mal einfach deine erbärmliche Fresse halten?!“ Ein Lichtblick.

Er zu seiner Begleitung: „SIEHSTE! NOCH SO EIN ARSCHLOCH, DAS KEINE AHNUNG VON GAR NICHTS HAT. DIE WISSEN ES HALT NICHTS! WEIL SIE IMMER NUR AUF IHRE SMARTPHONES GUCKEN! UND DIE HIER ALLE! IHRE SMARTPHONES, MEIN GELD, HABEN NIE WAS FÜR DIESES LAND GETAN. MEINE RENTE, DEUTSCHLAND, AfD! DIE MACHT ALLES BESSER“ Und alles!

Er zu mir: „DU WIRST ES AUCH NOCH MERKEN! WENN DEINE RENTE FÜRS LEBEN NICHT MEHR AUSREICHEN WIRD. WENN DEINE RENTE FÜR DEIN LEBEN NICHT MEHR AUSREICHEN WIRD!“

Seine Begleitung ihm: „JETZT SEI ENDLICH STILL! DER JUNGE MANN WIRD DIR BEIM AUSSTEIGEN NOCH IN DIE FRESSE HAUEN!“

Nicht meine Art, aber ich hatte in diesem Moment wirklich Bock auf genau das gehabt, was ja aber auch nichts bringt. Wissen wir. Ich entschuldigte mich beim kollektiven Aussteigen mit einem für diese Situation furchtbar peinlichen „Sorry“ bei jenen, die er für Geflüchtete hielt und die er deshalb vollzupöbeln meinte. Sie gingen dann Richtung „Tech-Center“ und lächelten verhalten. Eine ältere Frau rief – endlich – dem Arschloch entgegen, wie peinlich das war. Ich sagte ihr, „das war mehr als nur peinlich“ und lief immer noch völlig aufgeregt die Straße hoch. Seine Begleitung sorgte bewusst dafür, dass wir uns nicht nochmal näher kamen. Ich habe es verpasst, ihm zu sagen, dass ich mittlerweile zweifach privat rentenversichert bin und dafür zahle. Weil ich Frau und Kinder habe. Er hätte das nicht hören, und wenn doch, dann nicht verstehen wollen.

Ich kam aufgrund der vor Aufregung zitternden Hände nicht mal dazu, den Augstein-Artikel zum Ende zu lesen und seit dem nicht mal zum Essen. Arschloch!

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Der hier ist für jene

Jaja, schon voll alt und so. Aber ich war bisher nicht in der Stimmung, das hier so drin haben zu wollen. Jetzt aber komme ich gerade aus einer Ecke meiner Stadt, in der 1030 Cops 130 Pegida-Spaten an die Hand nehmen, um sie erst 1400 Meter durch ein multikulturelles Stadtgebiet, das quadratkilometerweit komplett hermetisch abgeriegelt wurde und an einem Flüchtlingsheim vorbeiführte, um die Menschenfeinde dann später in der Tram zu den umliegenden Bahnhöfen zu führen. So wie eine Mutti oder ein Vati, die ihre Kinder gerade vom Hort abholen. Eine Schande für diese Stadt.

Ich hab am Rande der 1000 Menschen starken Gegendemo mit ein paar Cops gesprochen, wenn sie mich mal nicht nur wie irgendwelche Disco-Prolls auf dem Land angebrüllt und weggeschubst haben. Wohlwissend über ihre eher gute Ausgangssituation. Stark, wie sie dann natürlich sind, pöbelnd wie schlecht erzogene Kids an den Bahnhöfen der Großstädte. Versteckt hinter der Vermummung, die sie uns lauthals verbieten. Alles so frustrierend gerade. Und traurig auch. Die AfD liegt bundesweit aktuell bei 12, im Osten bei 16 Prozent. Und der hier ist für jene, die sich zum Teil dessen machen! So.

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Und vielleicht brauchen wir dann doch noch mal ein neues Album von Muff Potter.


(Direktlink)

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Fehlende Baugenehmigung: Bußgeld für einen Holzstapel

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Hier in Potsdam ist die städtische Bauverwaltung der Meinung, dass man für einige Feuerholzstapel eine Baugenehmigung beantragen müsse. „Der Stapel sei nun mal durch seine ‚eigene Schwere‘ mit dem Boden verbunden und stelle daher eine bauliche Anlage dar.“ Deshalb fordert die Stadt jetzt 1250,00 EUR Bußgeld von einem Hotelier, der auf der Halbinsel Hermannswerder schon seit 20 Jahren sein Holz genauso lagert.

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Hausprojekte in Potsdam übergeben freiwillig gefährliche Gegenstände an die Polizei

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(Foto: Indymedia, CC BY-NC-SA 2.0 DE)

Aus Solidarität mit der Rigaer Straße, in der aktuell ein Kuchenbasar von der Polizei aufgelöst wird, haben sich hier in Potsdam linke Hausprojekte zusammengetan und überlegt, wie sie mit den Sachen umgehen, die die Woche in Berlin als „gefährliche Gegenstände“ von der Polizei beschlagnahmt wurden. Sie sammelten also bei sich all das Zeug ein und brachten es gestern der Potsdamer Polizei.

„Wir haben am Samstag den 16.1.2016 um 21:00 Uhr die Potsdamer Polizeiwache aufgesucht. Ziel unseres Besuchs war es im Hinblick auf die Ereignisse in Berlin einer Hausdurchsuchung vorzugreifen und alle eventuell „gefährlichen“ Gegenstände selbst auszuhändigen.

Wir übergaben den Beamten mehrere Eimer voll mit Schrauben, Steinen, Flaschen, Holz, Kohle, Fahrradschläuchen, etc.

Dazu verlasen wir folgenden Text:

„Wir, Hausprojekte aus Potsdam, sind schockiert über die Ereignisse rund um die Rigaer Straße in Berlin.
Entweder hat es eine Verschärfung des Waffengesetzes gegeben und Holz, Bauzäune, Kohle, Matratzen und Steine gelten seit Anfang der Woche als Mordwaffen – oder wir haben es mit dem größten Fall von Polizeiwillkür der Gegenwart zu tun.

Wir glauben, dass Letzteres zutrifft!
Wir sind besorgt und erschreckt.

Um dieser neuen „Polizeitaktik“ hoffentlich zu entgehen, übergeben wir freiwillig die Gegenstände, die uns mit viel Phantasie als „gefährlich“ ausgelegt werden könnten.

Denn die Polizei hat in den letzten Tagen ja bewiesen, wie viel Phantasie sie hat.

Da wird aus einer Körperverletzung ganz schnell ein Akt des Terrors, der es rechtfertigt, vier Häuser gewalttätig zu öffnen, die Bewohner_innen zu demütigen, Nachbar_innen zu terrorisieren und Privaträume zu verwüsten.

Wir verurteilen das Vorgehen der Polizei aufs Schärfste und bringen hiermit unsere Solidarität mit den Betroffenen zum Ausdruck.

Ein Angriff auf einige von uns ist ein Angriff auf alle!“

Der diensthabende Beamte Hr. K. versicherte uns, dass es sich bei den Gegenständen nicht um gefährliche Objekte handele und wir uns keine Sorgen machen sollen. Er wollte die Gegenstände daher auch nicht annehmen. Vorsichtshalber haben wir sie trotzdem dagelassen.

Wir hoffen der Beamte K. infomiert seine Kollegen in Berlin schnell über den aktuellen Stand der Gefahrengutklassifizierung, bevor die Berliner Beamten noch mehr Satellitenschüsseln von Dächern sammeln.

Solidarische Grüße!“

(via Milena)

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Das Potsdamer Stadtschloss, der Brandenburgische Landtag, darf morgen mit Steinen beworfen werden

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(Foto: Neues Palais, Potsdam, Ronile, Public Domain)

Also mit Styropor-Steinen. In Gedenken an den Radikaldemokraten und Revolutionär Max Dortu. Die linksalternative Wählergruppe die Andere will damit „an Ereignisse aus dem November 1848 erinnern, als im benachbarten Berlin gerade die Reste der sogenannten März-Revolution niedergeschlagen wurden und in Potsdam unter Führung des später hingerichteten Max Dortu wütende Bürger Steine gegen das preußische Stadtschloss warfen.“

Die Polizei hatte dieses Vorhaben erst untersagt, „unter anderem mit dem Argument, dass selbst Styropor-Steine, geworfen mit „ausreichend Kraft“, für Kopfverletzungen sorgen könnten.“ Ein Richter hat diese Entscheidung jetzt kassiert und so kann morgen jeder Steine auf das lange und zu recht diskutierte Stadtschloss werfen. Wollte ich schon immer mal, muss allerdings arbeiten.
(Danke, Profemo!)

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