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Schlagwort: Potsdam

1992: Potsdamer Jugendliche beklagen fehlenden Jugendraum

Die ganz frühen 90er im Osten. Die Mauer war gerade innerhalb kürzester Zeit Geschichte geworden, die Sache mit der neu gewonnenen „Freiheit“ war das ganz, ganz große Ding. Nicht nur für die Alten – gerade für die Jungen, für die dieses Wort nichts weiter als ein völlig abstrakter Begriff war. „Was meint sie überhaupt, diese Freiheit?“ war der Soundtrack dieser Tage. Zumindest wir probierten damals nahezu alles aus. Irgendwer würde uns schon sagen, wo genau die Grenzen dieser neuen Freiheit überschritten wurden.

Wir klauten in der Schulpause mit 25 Leuten bei Rewe, der vor nicht mal drei Jahren noch „die Kaufhalle“ im nun so genannten „Ghetto“ war, wogegen keiner was unternehmen konnte, weil 25 Leute schlicht viel zu viele waren, gegen die man hätte was unternehmen können. Und an Einzelpersonen ging man nicht ran, weil 25 junge Leute in so einem Laden einen Höllen-Respekt erzeugen konnten. Eine wirkliche Konsequenz ergab sich daraus nicht, außer dass der Rewe ein Verbot für Schülergruppen während der Pausen erließ. Damit konnten wir gut leben und gingen nach Schulschluss eben mit 10 Leuten darein.

Wir zerstachen dem Erdkunde-Lehrer in der Pause alle vier Reifen seines Ladas, weil er im Unterricht immer seine Schülerinnen begrapschte, die auch unsere Freundinnen waren. Konsequenzen gab es auch darauf hin nicht. Er wusste wohl, dass das, was er der im Unterricht trieb nicht das war, was einem Lehrkörper in seine Stellungsbeschreibung geschrieben gehört. Außerdem war er ein – mit Verlaub – ein echtes Arschloch, den sie aufgrund seiner politischen Vergangenheit übergangsweise an unserer Gesamtschule geparkt hatten. So wie viele andere der damaligen Lehrer auch. Nur wenige blieben für die restlichen drei Jahre unserer Schullaufbahn überhaupt an der Schule, „schieden aus“, wie das damals offiziell genannt wurde, was am Ende meist „hatte eine MfS-Vergangenheit“ meinte.

Mit dem selben Lehrer kloppten wir uns, wenn er sich in Rempeleien auf dem Schulhof einmischte, was an der Tagesordnung war. Keine Konsequenzen. Wir schlossen Lehrer in Räume ein, brachen den Schlüssel ab und verklebten den Rest des demolierten Schlosses mit Sekundenkleber zu, worauf hin der Hausmeister einen Schlüsseldienst rufen musste, der die arme Frau erst zwei Stunden später aus dem Raum befreien konnte, was mir heute rückblickend wirklich irgendwie sehr leid tut. (Entschuldigung, Frau Behrend!) Keine Konsequenzen.

Wir traten am Morgen nach einem Karate-Kid-und-Chuck-Norris-Abend ein Loch in die Tür des Lehrerzimmers, weil wir wissen wollten, wer sein Bein wohl höher bekommen würde. Der Paul rammelte seinen Fuß so dermaßen hart gegen die Pressspantür mit Pappwaben, das er mit diesem darin hängen blieb und auf einem Bein rückwärts hüpfen musste, als von innen mit einer Heidenaufregung diese Tür geöffnet wurde. Wir hatten keine Ahnung, dass dort Lehrer drin waren. Konsequenzen? Dafür? Keine. Vielleicht eine schriftliche Ermahnung, die unserer Eltern nie erreichten und die wir manchmal selber unterschrieben. Telefone waren damals noch nicht so.

Wir flaggten die komplette Inneneinrichtung eines Klassenzimmers aus dem dritten Stock, so dass das komplette Ghetto dieser Party zumindest aus sicherer Entfernung beiwohnen konnte. Und auch dafür gab es keine Konsequenzen. „Was wir ein geiles Ding, diese Freiheit!“, dachten wir damals. „Davon nehmen wir gerne noch mehr.“

Aber letztendlich gab es dann doch eine Grenze, die nicht überschritten werden durfte. Nachdem sich Paul ob eines Schlüsselbundwurfes des Direktors, der genau Pauls Stirn landete, mit dem Direktor ins Flicken bekam, kassierte er einen endgültigen und konsequenten Schulverweis. Ein halbes Jahr vor dem Abschluss der 10. Klasse. Ab da wurde es ruhiger, auch diese Freiheit also hatte Grenzen. Hätte man uns ja auch früher mal mitteilen können, aber ich glaube, die Lehrer wussten eben auch alle nicht so genau, wer nun wie weit gehen konnte. Sie waren das ja alles nicht gewohnt, woher also sollten sie das auch wissen. Das mit der Freiheit.

So war das zu Beginn der 90er in wahrscheinlich einigen Schulen im Osten. Vor allem in denen, in denen sich jene sammelten, die kein Bock auf Abitur und die Pfeifen an den Realschulen hatten. In den Gesamtschulen. Sicher landeten dort auch welche, die leitungsspezifisch keinen Platz am Gymnasium oder der Realschule bekamen, aber das waren nicht alle. Einige wollten eben nur mit den „coolen Leuten“ zur Schule gehen.

Wir drehten also schon im Schulalltag ziemlich bis sehr am Rad, mit dem nachmittäglichen Freizeitprogramm will ich erst gar nicht anfangen. Jugendclubs gab es zumindest in meinem Kaff damals noch keine, die sollten erst ein-zwei Jahre zum Thema werden, als man feststellen musste, dass sich die ehemaligen Jung- und Thälmannpioniere, die ihre Nachmittage in den Jahren zuvor noch in Sportvereinen, Betriebssportgemeinschaften und Musiknachmittagen verbrachten, auf der Straße sammelten, was kein schönes Bild abgab und nach 3,4,5,6,7 Bier ganz sicher auch keines mehr war.

Dabei sammelte sich dort in den Ansammlungen junger Menschen nicht nur übermäßig viel rechtes Gedankengut, sondern auch der Wunsch nach Jugendhäusern. Beides passte meistens nicht so gut zusammen, denn wer wollte schon Truppen von Rechtsradikalen Häuser stellen, in denen die sich dann auch nachmittags noch treffen und gemeinsam betrinken konnten. Städte und Gemeinden tat sich schwer damit zu begreifen, dass man in derartigen Jugendhäusern auch politisch aufklärerische Arbeit leisten konnte. Durch Sozialarbeiter beispielsweise, die sich auch damals schon durchaus über politische Brisanz junger Rechter im Klaren waren, was in der Politik noch sehr viel mehr Zeit in Anspruch nehmen sollte, wie die 90er heute rückblickend und mitunter auf tragische Art und Weise verdeutlichen.

Dieser kurze Film hier ist ein Zeitdokument aus dem Jahre 1992. Er zeigt Jugendliche in Potsdam, die im Stern (einem ziemlich großen Neubaugebiet) täglich auf der Straße rumhingen und offenbar das Ding mit der neuen Freiheit ausprobierten. Sich betranken, Scheiben einschmissen, rechte Ideologien als Meinung zu verkaufen versuchten und vieles taten, um diese zu relativieren, was zu jener Zeit im Osten ganz weit verbreitet war und was womöglich auch heute noch in Deutschland an der Tagesordnung ist.

Am Ende aber wollten sie damals eins: einen Jugendraum, den sie als solchen nutzen konnten. Die Stadt brauchte dafür allerdings noch etwas Zeit. Irgendwann bekam der Stern dann seinen Klub. Ob diese jungen Menschen hier dann davon Gebrauch machten, entzieht sich meiner Kenntnis. Ob man im Vorfeld durch einen Klub hätte forcieren können, dass manche die Bomber-Jacken und Martens nicht aus vermeintlich politischen Motiven anzuziehen gedachten, leider auch.


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Purple Velvet – Exclusive Nightflight Mix – 19.11.13

Diese Woche hatte ich zwei Jungs aus England am Start in meinem Nightflight auf Fritz… naja gut, wirklich am Start hatte ich sie nicht, aber sie haben den Exklusiv-DJ-Mix diese Woche zu meiner Sendung beigesteuert. Nachdem’s ja nun in der letzten Woche mit dem Cuthead-Mix ziemlich freaky, ordentlich verspielt und auch mal mit 90 BPM und weniger zur Sache ging, läuft’s diese Woche wieder ganz klassisch und gerade durch. Sehr schöner tiefer House, mit ganz vielen tollen Chords, netten Vocal-Parts, ab und zu auch mal ner knarzigen Bassline und durchweg oldschoolig-anmutendem Sound, der bei mir dafür sorgt, dass mein Fuß nicht still auf dem Boden stehn bleibt… eigentlich genau das, was man am Wochenende… ach eigentlich immer… im Club auf die Ohren bekommen will.

Purple Velvet heißen die Beiden und zusammen Musik machen sie schon länger… unter diesem Namen aber wohl erst seit etwa 2 Jahren. Irgendwann im letzten Jahr machten sie mal nen Release für den Kollegen Shir Khan und sein Label Exploited… das war das erste Mal, dass ich was von denen hörte. Dann folgte dieses Jahr ne dicke Scheibe bei den Schweden auf Local Talk und die „Death Of The Warehouse EP“ auf Dirt Crew… von der Platte hab ich wirklich jeden Track mindestens einmal im Nightflight gespielt… und nu waren Purple Velvet in der letzten Nacht mit nem DJ-Mix bei mir in der Sendung vertreten… geil!

Auf ihrem Soundcloud-Account verschenken sie auch gerade nen Track, so als kleines Dankeschön für den 2000sten Fan… äh… Follower… ansonsten gibt’s da natürlich noch jede Menge anderes Zeug zu hören… dazu is Soundcloud ja eben auch da.

Sooo… nu heißt’s Purple Velvet in the mix!..
… und wir lesen uns in der nächsten Woche wieder.

Tobi


Direktlink

Tracklist:

01. Moomin – I Whisper A Prayer – Smallville
02. Greymatter & KRL – Straight Billin‘ (Medlar Remix) – WOLF
03. Max Graef – Kaese Schinken Floete – Box Aus Holz
04. Art Of Tones – The Great Sgatmi – Local Talk
05. CTEPEO 57′ – Space Race – Tartlet Records
06. Mount Kimbie – You Took Your Time (Kyle Hall Remix) – Warp
07. Andrea Di Rocco – The Past Present – IWW Music
08. Triumph & Ivan Picaro – Soyuz (Opolopo Remix) – ReBirth
09. FJAAK – Don’t Cry (SLG Remix) – Baalsaal Records
10. HNNY – Kela – Let’s Play House
11. Pablo Valentino – One (Detroit Swindle Remix) – Room With A View
12. Starr Traxx – More (KiNK Remix) – Snatch!
13. DJ Sprinkles – Grand Central Part 1 (Deep Into The Bowel Of House) (MCDE Bassline Dub) – Mule Music

Hier findet Ihr…

… die komplette Playlist der Sendung.
alle bisherigen Mixe noch ein mal zu nachhören.
… und hier nochmal die komplette Sendung im Loopstream zum nachhören.

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Gastbeitrag von Ursula Demitter: Ein Leben in der DDR – Kindheit, Teil 3

Ursula Demitter aus Potsdam ist 67 Jahre alt, lebte und arbeitete in der DDR. Unter anderem bei der DEFA. Heute gibt sie Nachhilfeunterricht und schreibt hin und wieder ihre Erinnerungen von damals in Textdokumente. Da ich ohnehin ein großes Interesse an DDR-Biografien des Alltags habe und möchte, dass derartige Erinnerungen nicht auf irgendwelchen Festplatten verschimmeln und irgendwann einfach den Tod einer Festplatte sterben, packe ich die Texte von Ursula ab jetzt hier in unregelmäßigen Abständen rein. Hier finden sich alle ihrer Texte.

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(Foto: Richard Peter, unter CC von Deutsche Fotothek‎)

Anfang der Fünfziger Jahre wurde in unserer Familie beschlossen, umzuziehen.
Der Umzug hatte seine Gründe. Das Holländerviertel war damals keine besondere Adresse. Da wohnten einfache Leute in alten Häusern mit sehr einfachen Wohnungen. Meine Mutter hat später behauptet, sie hätte es vermieden, ihre Adresse zu nennen.

Mit den Jahrzehnten waren die Höfe, einst große Gärten, durch Schuppen, Ställe und kleine Handwerksbetriebe zugebaut. Ebenso die Brandgassen, die in ihrer alten Funktion nicht mehr notwendig schienen. Dem Viertel fehlte Luft und Licht. Die Keller waren feucht, da hier auf Sumpf gebaut worden war.

Nachts hörte man zwischen den Geschossen die Ratten unter den Dielen rennen. Es polterte richtig laut und jagte uns Kindern Angst ein. Auch im Keller gab es Ratten. Trotzdem fanden meine Eltern es völlig normal, eins von den Kindern in den Keller zu schicken, um etwas herauf zu holen. Meistens waren es selbstgemachte saure Gurken, die dort in einem Steintopf lagen. Da es im Keller kein Licht gab, bekam man eine Dynamo-Taschenlampe in die Hand gedrückt, die man ständig drücken musste. Vom Hof aus musste die Kellerabdeckung, die mit Gewichten über Rollen lief, angehoben werden. Der Keller stand fast immer ein wenig unter Wasser. Deshalb hatten die Mieter Bretter ausgelegt, die auf Mauersteinen lagen. Darauf balancierte man bis zum Gurkentopf. Dann wurde der Deckel abgenommen. Auf den Gurken lag zur Beschwerung ein Teller, auf dem Teller ein Stein. Beides musste raus. Dann griff man voller Überwindung durch die Kahmschicht und holte mit der Hand die geforderte Anzahl Gurken heraus. Nur schnell, so schnell wie möglich wieder raus. Ab und zu passierte es, das eine Ratte durch den Keller lief. Ich glaube, ich war nur einmal allein im Keller, dann verlangte ich Begleitung.

Eine noch größere Plage für die Bewohner des Viertels waren die Wanzen. Auf mich, ein sehr hellhäutiges blondes Kind, hatten sie es besonders abgesehen. Zweimal im Jahr, so etwa zu Pfingsten und Ende August wurden die Wanzen extrem aktiv. Dann sah ich immer sehr zerbissen aus und kratzte ständig an mir herum. Meine Mutter schämte sich dessen und hatte jahrelang geglaubt, mit äußerster Sauberkeit und regelmäßigem Großreinemachen, könnte sie den Wanzen beikommen. Sie nahm beim Putzen sogar die Betten auseinander und die Bilder von der Wand. In jede Öffnung sprühten wir das damals übliche Insektengift „Mux“ hinein. Wenn ich es recht erinnere, hat sie es sogar mit DDT versucht. Im nachhinein denke ich, es hat uns Kindern mehr geschadet, als den Wanzen.

Durch den Umzug waren von einem Tag auf den anderen, die abenteuerlichen Zeiten mit meiner Straßengang vorbei. Wir waren etwa zehn Kinder verschiedenen Alters. Ich war die Jüngste. Unsere Anführerrinnen waren zwei „große“ Mädchen. Kriemhild hatte brandrote dicke Zöpfe und viele Sommersprossen und war ein Umsiedlerkind. Wir nannten sie „Krimmi“ und nie habe ich gehört, dass sie wegen ihrer roten Haare geärgert wurde. Sie verstand es, sich zu wehren. Die zweite Anführerin, die eigentliche Eleonore hieß, nannten wir „Lori“. Sie gehörte zu einer Familie, die gegenüber der Hausnummer 18 im Hof eine Firma betrieben hatte. Noch lange Jahre konnte man die Firmenaufschrift über dem Torbogen lesen: „Stahlmatratzenfabrik Guderle.“

Wenn es dämmerte fanden wir uns zusammen. Zuerst spielten wir ein bisschen lustlos „Meister, Meister gib uns Arbeit“ oder „Herr Fischer, Herr Fischer, wie tief ist das Wasser“. Dann wurden wir aufgeteilt in Räuber und Polizisten. Das Spiel bei dem wir bis über den Bassinplatz ausschwärmten und uns gegenseitig zu überwältigen versuchten, nannten wir „Räuber und Pulle“.

Am liebsten machten wir „Klingelzug“ oder legten auf den Wegen des Bassinplatzes ein altes Portemonnaie an einem Zwirnsfaden aus. Auf den Faden wurde Sand gestreut und sobald sich ein Erwachsener nach der Börse bückte, zogen wir sie blitzschnell hinter die Hecke, wo wir versteckt lagen. Dann folgte lautes Geschimpfe auf die verflixten Straßengören und wir rannten davon, als hätten wir das Schlimmste zu befürchten.

Lange Jahre gab es um den Bassinplatz und in der heutigen Friedrich-Ebert-Straße noch zerstörte Häuser, eben Kriegsruinen. Es war uns strengstens verboten, diese Grundstücke zu betreten. Trotzdem sind wir bäuchlings in halb verschütteten Kellerfenster gerutscht und haben uns gegenseitig eingeredet, dort noch Schätze zu finden. Ein Wunder, dass alles gut gegangen ist.

Ich war gerade in die zweite Klasse gekommen, als unsere Familie aus dem Holländerviertel zum Jagdschloss Stern zog. Die Siedlung hieß Kolonie Drewitz und gehörte zum Dorf Drewitz, das damals noch kein Teil von Potsdam war. Später wurde das geändert, da waren wir Babelsberger.

Im Juni 1952 wurde es merkwürdig aufgeregt in unserer Familie. Meine Eltern hingen am Radio und machten ernste Gesichter. Mit uns Kindern sprachen sie nicht über ihre Sorgen. Das war immer so, wenn es politisch wurde. Sie hatten Bedenken, dass wir in der Schule etwas ausplaudern könnten, womöglich was Falsches sagten.

Meine Mutter erlaubte mir nicht, zu meiner Freundin zu gehen, was ich überhaupt nicht verstand. Am Nachmittag hörte ich ein lautes Brummen, das die Luft mit Schwingungen erfüllte. Ich lief durch den Vorgarten auf die Straße und sah in etwa hundert Meter Entfernung auf der Bahnhofstraße, die unsere Straße querte, eine Kolonne Sowjetpanzer. Sie kamen vom Güterfelder Truppenübungsplatz und fuhren stadteinwärts. Gemächlich bewegten sie sich vorwärts und wirbelten auf der unbefestigten Straße eine riesige Staubwolke auf.

Über die parallel verlaufende asphaltierte Jagdhausstraße konnten sie nicht fahren.
Die Russen hatten sich gleich 1945 einen Zaun um ihr Planquadrat gebaut und die Straße zur Sackgasse gemacht, weil sie links und rechts der Straße größere Villen besetzt hatten. Vor dem Krieg befand sich dort ein Sanatorium. Wir Anwohner mussten einen beträchtlichen Umweg über die Kohlhasenbrücker Straße machen, um zur Bushaltestelle in der Steinstraße zu gelangen.

Während ich gebannt auf die Panzer starrte, kam meine Mutter aus dem Haus gestürzt, schrie völlig hysterisch irgendwas von „verboten raus zugehen…“ zerrte mich wortlos auf unser Grundstück und verabreichte mir links und rechts eine kräftige Ohrfeige. Danach schloss sie sorgfältig das Gartentor ab, steckte den Schlüssel in die Schürzentasche und ging wortlos ins Haus. Normalerweise wurden wir Kinder nicht verhauen. Ich war acht Jahre alt und verstand die Welt nicht mehr.

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