Als die Fraudeshauses ihn damals fand, war er ein Findelkind. Seine Mutter hatte ihn neben seinen Geschwistern hinter einer Mülltonne abgelegt und sich nicht weiter um sie gekümmert. Er war der Dritte seiner Art in unserem kinderlosen Haushalt, auch der niedlichste, nicht nur weil er der Kleinste war. Er watschelte immer wie Charlie Chaplin es tat, und hatte für einen von der Strasse viel zu langes Haar. Sein Vater war Perser, das konnte man immer sehen. Er war einer von denen man sagen kann, dass er charmante Weise doof aussieht. Er war einer mit Charakter. Und verdammt verschmust. Das er immer nur der Kleine war, machte ihm nicht viel aus. Er war ein kuhler Tüp.
Vor einigen Wochen wurde er krank. Er verlor mehr Gewicht, als sich mancher vor einer Diät wünschen könnte. Der Arzt konnte ihm nicht helfen. „Entzündung“ und so. Man hätte was tun können, allerdings ohne wirkliche Chance auf Erfolg, es wäre eher so ein hilfloser Versuch gewesen, ihm doch zu helfen. Er wurde immer dünner.
Seit Vorgestern kam er nicht mehr nach Hause. Auch nicht zum Fressen. Die neue WG-Bewohnerin meinte, „sie ziehen sich zurück um zu sterben“ und ich glaube, sie hat recht. Ich glaube, er kommt nicht mehr. Ich werde ihn vermissen, den verfressensten Kater, den wir je hatten. Er wird mir auf meinem Kopfkissen fehlen. Jede Nacht.
(Nun hatte ich hier auch mal Katzencontent. So.)