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Das Kraftfuttermischwerk Beiträge

Das KFMW Adventskalender Neujahrsspezial #06: Thom Monn – Det är som mörkast innan gryningen

Der wirklich letzte Mix für die Kalenderausgabe 2019. Einer der für mich schönsten auch. Im Oktober stolperte ich über diesen Mix von Thom Monn und hörte diesen auf und ab. Und ab und auf. Ein neuer erstzunehmender Spieler im Ambient-Game. Davon gibt es nicht sonderlich viele, denen man das Spiel mit dem sanften Sound auch ohne weiteres und ernsthaft abnimmt. Thom aber ist einer von denen und ich wusste, dass ich einen Mix von ihm für diese Ausgabe unbedingt dabei haben wollen würde. Und jetzt sitze ich hier höre diesen und mein Herz lächelt. Ganz entspannt, ganz zurückhaltend. Musik, die jeden noch so kalten Winter akustisch zu erwärmen weiß. Ambient in seiner schönsten Form. Ich lieb das. Auch über den Winter hinaus, in einer Zeit, in der die Sonne wieder länger scheinen wird, werde ich diesen Mix ganz sicher noch des öfteren hören.

Und ab Morgen dann hier wieder der alltägliche Internetwahnsinn. Schön, dass ihr die letzten Tage auch ohne diesen hier ausgekommen seid. ;)


(Direktlink)

Style: Ambient
Lenght: 01:06:58
Quality: 320 kBit/s

Tracklist:
Ryan Davis – Dimmed
Steve Gibbs – Adrift
Max Richter – Infra 1
Erland Cooper – Maalie (Will Burns Rethink)
Burial – Untitled 1 [interlude]
Solomon Grey feat Imogen Heap – Twilight (Night Mix)
Global Communication – Epsilon Phase
Apparat – Black Water (DJ Koze Remix)
The Future Sound of London – Bird Wings [interlude]
Chris Zippel – Shikasta
Lukas Greenberg – Heydoo Intro [interlude]
Mario Hammer – Metaphysical Orchestra
Evvol – Denouement
Robag Wruhme – Brucke Eins [interlude]
Max Richter – Shadow Journal
Burial – Untitled 2 [interlude]
Lulu Rouge – Crazy Epilogue (feat. Alice Carreri)
Souns – Sun Inside The Sun (Loscil Remix)
Aphex Twin – Untitled 3 [interlude]
Robot Koch feat. Delhia De France – Hope
LP Alani – For All That He Was, For All That He Could Have Been… [interlude]
Max Richter – Written On The Sky

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Das KFMW Adventskalender Neujahrsspezial #05: Machtdose – CCbynight

Roland aka Machtdose, der immer noch ganz fleißig und unermüdlich die CC-Fahne, das Symbol der musikalischen Vertriebsrevolution, an die wir alle einst glaubten, hochhält und in ihrem Schatten nach Musik sucht, die für alle zu haben ist, ohne das irgendwer dafür zahlen müsste. Er zieht’s durch und haut Monat für Monat Mixe raus, die nur aus solcher veröffentlichten Musik besteht. So auch hier. Jede Menge elektronischer Tunes, die einzig und allein auf CC-basierter Veröffentlichungen besteht.

Gut, dass sich immer noch Leute darum bemühen. Danke dafür.


(Direktlink)

Style: Electronica
Lenght: 00:43:21
Quality: 320 kBit/s

Tracklist:
Tracklist mit Zeitangaben und Links zu den jeweiligen Release-Seiten:

00:00 – 02:04
AUDREY VIXEN – nerilka’s story
http://audreyvixen.bandcamp.com/album/blood-music

01:35 – 03:49
C1D – unravelled
http://c1dmusic.bandcamp.com/album/tones

03:38 – 05:36
JACKSON SCOVEL – sing me to sleep
http://astroskeleton.bandcamp.com/album/quieting

05:23 – 08:30
CARPATHIANS – uninmortality
http://carpathians.bandcamp.com/album/order-of-the-solar-temple

08:07 – 11:02
TANUION – outsway i
http://experimentalrecords.bandcamp.com/album/ohcell

10:31 – 15:52
GALA – brine pool clubbing
http://galarteal.bandcamp.com/album/cp089-underwater-bioacoustics

15:33 – 21:16
EEEM [EIM] – in shifting gravity
http://eeem.bandcamp.com/album/perturbed-trajectories

20:14 – 25:15
ELEMENTAL BILL – the sun hates me
http://ohyes.bandcamp.com/album/do-you-enjoy-your-life

24:33 – 29:47
BRYCE TERRY – interstate
http://bryceterry.bandcamp.com/album/songs-from-the-white-arcade

29:19 – 33:33
SINGULAR BALANCE – words
http://singularbalance.bandcamp.com/album/pulse

33:27 – 34:50
MEYDÄN – tired of life
http://meydan.bandcamp.com/album/h-vor

34:36 – 39:14
KOHAKU RIVVER – i can see u
http://kohakurivver.bandcamp.com/album/i-wld-die-4-u-ep

39:07 – 41:11
HAUNTED DISCO – astoria, or
http://haunteddisco.bandcamp.com/album/when-you-wake-up

40:56 – 43:20
SERGEY CHEREMISINOV – closer to you
http://sergeycheremisinov.bandcamp.com/album/charms

Zum Schluss noch der notwendige Lizenzverweislink, Mix als solches natürlich auch unter der Lizenz:
CC BY – https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/

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Das KFMW Adventskalender Neujahrsspezial #04: Elusive Elements – 170th Mix

Elusive Elements ist hier seit Jahren sehr gern gehörter und ebenso verbloggter Bass-Music-Selektierer, der sich immer wieder gerne um die 170 BPM durch den Bass gräbt und Musik liefert, die besonders gut „untenrum“ funktioniert. Finde ich. Denn Bass muss ja auch nicht immer voll auf die Fresse geben, der soll und muss massieren. Auch in der entspannten Region des Tals.

Einer der Mixe, die ich viel zu spät für den Kalender auf dem Schirm und dann nicht mehr geschafft hatte. Dann eben jetzt. Auf ’ner gediegenen Ladung Bass ins neue Jahr. Mag ich sehr, diesen Sound.


(Direktlink)

Style: Bass
Lenght: 00:56:53
Quality: 320 kBit/s

Tracklist:
00:00 Projekt 22 – kaizen
04:13 Alix Perez – 1984
08:28 Crypticz – last night i wanted
11:29 Mav – a journey through skylines but sweet dreams (Bop remix)
14:40 Jaskin & Uneven – again
17:50 Dissident – plazmoidz
20:35 Outer Heaven – trapline
22:50 Shiken Hanzo – oni
25:05 Es.tereo – temple of ra
27:42 Sotus – haze
30:30 Gremlinz & Jesta – recourse
32:48 Spinnet – normal curve
36:00 Okee – cascades
39:37 Instra:mental – shine
43:00 Instra:mental – elsewhere
47:30 Sorse – first sight
51:36 Instra:mental – photograph

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Das KFMW Adventskalender Neujahrsspezial #03: James Freud – Visit Of Her Royal Fatness #1

James, ein Freund von Djanzy, der zum 1. des neuen Jahrzehnts mit einer ganz klassisches Mixtur aus House mit leichten Disco-Anleihen um die Ecke kommt. Wer also noch ein bisschen Energie übrig hat, kann sie sehr gerne hier reinstecken und bissl dazu schwofen. Ich mache da jetzt mal Essen zu.


(Direktlink)

Style: House
Lenght: 00:54:04
Quality: 320 kBit/s

Tracklist:
None

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Das KFMW Adventskalender Neujahrsspezial #02: Djanzy – Cosmic Blue

Jens aka Djanzy begleitet mich musikalisch schon ziemlich lange und taucht hier immer wieder mal auf. Gerne, wenn er seine alten Soulsachen zusammenspielt. Die sind immer für Überraschungen gut. So wie auch seine Mixe, die musikalisch immer in großer Bandbreite spielen.

Durch seine regelmäßigen Sunday Joints bei den Blogrebellen hat er sich in meine Ohren gespielt und dabei immer wieder meinen Nerv getroffen. Auch und gerade weil er Musik spielt, die ich so genau gar nicht kenne und die mir gerade deshalb immer wieder neue Horizonte eröffnet. So wie auch in diesem Fall. Hier spielt er spirituellen Jazz, der afrikanische Einflüsse mitbringt. Und das alles sehr entschleunigt. Perfekt um meinen Kater zu pflegen, den ich mir über letzte Nacht hinweg zugelegt habe. Da darf es allzu aufgeregt heute nicht sein. Recht kurze Tracklist, aber manchmal ist weniger ja mehr.


(Direktlink)

Style: Jazz
Lenght: 01:14:54
Quality: 320 kBit/s

Tracklist:
1. Intro (Mouse on Mars – Download Sofist / Spoken Words by: Bela B & Oku Onuora)
2. Lloyd McNeill Quartet – Asha
3. Oneness Of Juju – Incognito
4. Sathima Bea Benjamin – Music
5. War – a. Koronos / b. Sometimes I Wonder (Is It For Real) / c. A Pattern Of Time
6. Charles Earland – Journey Of The Soul
7. Idris Ackamoor And The Pyramids – An Angel Fell
8. Third World – Slavery Days
9. Jackie Mittoo – Wall Street

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Das KFMW Adventskalender Neujahrsspezial #01: Erosive – Brocken English

So. Wie angekündigt hier ab jetzt die erste Mix-Serie des neuen Jahrzehnts. Und konsequenterweise mit kompromisslosem Techno, der direkt Ärsche tritt. So mit Bämm und mit jeder Menge Boom. Erosive bittet zum Tanz und darum, sich den Tritt in den Arsch direkt bei ihm abzuholen. Und dann trifft der halt. Auf den Punkt.

Begrüßen wir das neue Jahr und das neue Jahrzehnt mit einem formidabelen Techno-Mix aus Brandenburgs Landeshauptstadt. Besser kann man so ein Ereignis eigentlich kaum begrüßen, finde ich. Aber man kann sehr gut dazu tanzen. Zwei Stunden, 45 Tracks, Techno. Wat willste mehr? Mir fällt dazu nicht wirklich viel alternatives ein. Tanzt!

Keine Ahnung, wie ich das hier heute noch toppen kann, aber vielleicht ist das später nicht mehr wichtig – und ich versuche mein Bestes.


(Direktlink)

Style: Techno
Lenght: 02:06:48
Quality: 320 kBit/s

Tracklist:
1 Benjamin Damage – Hrm Tx [50WEAPONSCD18]
2 Albert Van Abbe – Ostinato 02 [Trolldans003]
3 Lara Kills – Sleepstart [IF? RECORDS]
4 SNTS – S7 [SNTS]
5 Shifted – A Way Beyond [DRFT002]
6 Dubiosity – Juxtaposed [PRRUKWHT009]
7 Tym – What The Fucks Your Problem [Krill Music]
8 Claudio PRC & Reggy van Oers – Field I [Telemorph001]
9 Merino – In Your Eyes [SEMANTICA110]
10 CNCPT – 002.4 [Brenda002]
11 Patrick Siech – 1133 [PRBL007]
12 Dustin Zahn & Edit Select – Tunnels (Dub Tool) [Enemy020]
13 Lewis Fautzi & Nuklear Default – Sinister [Soma375d]
14 Ellen Allien – Love Distortion (Edit1) [BPX002]
15 Keith Carnal – Backstage Gathering [ARTSCORE005]
16 Pfirter – Erosion 2[CLR 081]
17 Volte Face – The Otherwise Central Zone [K003]
18 Refracted – Polar Creatures [SUBL007]
19 Reeko – The Guest [MD13]
20 Luigi Tozzi – Faunus [MMV002]
21 Luke Slater – Love (Marcel Dettmann’s Black Gloves Remix) [MOTELP05]
22 Lewis Fautzi – Default (Oscar Mulero Remix) [WU45]
23 Pris – Margaux [Unbeknown01]
24 Rrose – 23 Lashes [EAUX291]
25 Rommek – Grey Wacke [BP052.1]
26 Ritzi Lee – Something Behind The Smoke [MordH004]
27 Sawf – Sfika [TPT044]
28 Seleccion Natural – Hox Genes [POLEGROUP50]
29 Tensal – Cause 2 [POLEGROUP039]
30 Vatican Shadow – Remember Your Black Day [HOS-399LP]
31 Vertical Spectrum – Parallel Horizon [NST150]
32 ROD – Screw Democracy [KLOCKWORKS15]
33 Reggy van Oers – TRC02 (Developer Remix 1) [Affin 012 LTD]
34 Echologist vs Matrixxman – Freeway [PRRUKBLKWHT]
35 Claudio PRC & Reggy van Oers – Field 2 [Telemorph001]
36 Christian Wünsch – Emission Lines [POLEGROUPBOX01]
37 Inland – 2122 [COUNTER011]
38 Antonio Ruscito – Trance 3017 [EDITSELECT32]
39 Edit Select & Shifted – A38 [NNN01]
40 Christian Wünsch ‎- Gamma [SEMANTICA57]
41 Kas:st – Endless Exodus (Takaaki Itoh Remix) [INFORMA012]
42 Keith Carnal – Van Gogh [SEC002]
43 Mørbeck – Mint [CODEISLAW017]
44 SSTROM – Damm [ROSTEN5]
45 Lewis Fautzi & Nuklear Default – Anti-Cake [Soma375d]

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Mein 2019

Eigentlich bin ich nicht so der Tüp für Jahresrückblicke, will in diesem Jahr aber eine Ausnahme machen. Weil es mir wichtig ist.

Ich startete, wie viele Jahre davor auch, vorsatzlos ins Jahr 2019. Weil, wenn man keine Vorsätze hat, kann man keine brechen. Es lief so los, wie das Jahr davor. Und das davor. Gutes Essen, wenig Bewegung, viel Stress, den ich als solchen nicht spürte, oder nicht wahrhaben wollte. Ich hatte seit längerem körperliche Schwierigkeiten, die ich aufs Altern schob. Und auf die 120 Kilo, die ich seit ein paar Jahren schon mit mir rumschleppte. Hin und wieder Druck in der Bauchgegend, wenn ich mal wieder schwer gegessen hatte oder mich körperlich anstrengte, wobei „Anstrengung“ da sehr relativ war. Manchmal reichte es schon, auf Treppen in die dritte Etage zu laufen. Dann hatte ich erst leichte Schmerzen, später dann zunehmend stärkere, die allerdings auch wieder weggingen. Bis zum Abend des 23. März‘. Wir aßen hier reichlich große Rinderrouladen, Bohnen im Speckmantel und tranken Rotwein. Nach dem Essen, das sehr lecker war, bekam ich echt fiese Schmerzen in der Bauchregion, musste kotzen. Ich dachte, es läge am wieder mal zu fettem Essen und dass das schon wieder vorbeigehen würde, wie es das in der letzten Zeit ja schon öfter mal der Fall war. Aber: irgendwie ging das dann doch nicht einfach wieder so weg. Ich bekam Schweißausbrüche und Schüttelfrost. Und ich bekam tatsächlich ein bisschen Angst, dass das eben doch nicht der Magen sei, wovon ich bis zu jenem Abend ja ausgegangen war. Die Frau des Hauses holte den befreundeten Arzt, der hier in der Nachbarschaft wohnt. Der beruhigte mich, tastete mich ein bisschen ab, maß meinen Blutdruck und ging davon aus, dass es sich dabei um eine Magen-Schleimhaut-Entzündung handeln würde. Dennoch bat er mich, ihn am nächsten Morgen in seine Praxis zu begleiten.

Ich war davor ewig nicht beim Arzt. Als ich 35 wurde, ließ ich mich mal durchchecken. Meine Blutwerte waren damals so beschissen, dass ich dachte, dass ich erst dann wieder zum Arzt gehen würde, wenn die besser wären. Allein: ich änderte genau nichts an meinen Lebensgewohnheiten. Stopfte die halbe Woche irgendwelchen Müll in mich hinein, davon viel zu viel, und den Rest der Woche kochte ich immer ordentlich Fleisch. Am besten mit viel Butter. Und ich aß Unmengen Eis, trank fast zwei Liter Mate und/oder Brause am Tag und machte mir keine Gedanken um meine Gesundheit. Außerdem bewegte ich mich so wenig wie nötig. Ich wurde nicht fetter, was mir bis dahin reichte. Ich wurde aber auch nicht dünner, was schon damals gut getan hätte. Wenn ich mal zum Arzt ging, dann nur bei irgendwelchen Notfällen. Die kann ich ganz gut. Meistens sagten mir die Ärzte dann, dass ich unbedingt 30 Kilo abnehmen müsste, worauf hin ich abwinkte. 30 KILO?! NIEMALS würde ich das packen. Und überhaupt – irgendwie ging es mir ja auch nicht schlecht. Lief ja alles, irgendwie.

Auf Arbeit ließ ich nie was aus. Alles, was anlag, nahm ich mit – und ich sagte nie wirklich nein. Meine Arbeit macht mir Spaß und ich verstehe sie eigentlich nicht als Arbeit. Zum März hin beendete ich nach 400 Stunden Arbeit ein Filmprojekt mit Jugendlichen. Ein Riesenpensum. Später aber merkte ich, wie viel Stress ich dadurch hatte. Nicht des Projektes an sich wegen, sondern weil ich nebenbei alles andere auch so tat, als gäbe es dieses Projekt gar nicht. Ganz schön viel am Ende – und irgendwann meinte mein Körper dann, „Reicht jetzt, Digger!“ An eben jenem Abend im März.

Der benachbarte Arzt nahm mich dann am nächsten Morgen mit in seine Praxis, nahm Blut ab, machte ein EKG und rief einen Krankenwagen. Ich hatte einen Herzinfarkt. Mit jungen 43 Jahren. Nun rächte sich also meine Egal-Haltung, die ich mir und meiner Gesundheit lange gegenüber entgegen brachte. Da saß ich nun, weinte, konnte und wollte das alles nicht glauben. Ich ließ mich schweigend ins Krankenhaus fahren und hoffte, dass sich das alles als irgendein Missverständnis herausstellen würde, was es nicht tat. Ich musste dort bleiben, bekam furchtbar üble Medikamente, die mich schlimmer aus dem Orbit kickten, als jede der Drogen, die ich mein Leben lang ausprobiert hatte.

Meine Blutwerte waren, um es gelinde auszudrücken, eine Totalkatastrophe. Leberwerte schlimm, Cholesterin schlimm, Blutzucker noch schlimmer, Diabetes stand als Diagnose, ich musste Insulin spritzen. Also mehr als „nur“ ein Infarkt. Körperlich ein Wrack, so in der Summe. Ich war mental komplett am Boden und hatte keine Ahnung, wie ich aus dieser Nummer wieder rauskommen würde. Ich müsste mein komplettes Leben ändern müssen und war mir nicht sicher, ob das zu schaffen ich überhaupt in der Lage sein würde. Ich zweifelte daran stark. Ganz stark.

Ich lag ein paar Tage im Krankenhaus, bekam die widerlichste Pille meines Lebens und kurz darauf zwei Stents, die verstopfte Herzkranzgefäße erweitern sollten. Die Dinger werden dann kurz aufgeblasen, so dass sie die Durchblutung verhindern. Und da war dann dieses miese, schmerzhafte und mich lähmende Gefühl, das ich seit Jahren immer wieder mal hatte und das ich halt immer für Magenprobleme hielt. Allerdings deutlich stärker, als ich das bis dahin jemals hatte. Das also war die Wurzel des ganzen Übels. Als die Stents dann ihre Arbeit übernahmen, überkam mich ein seltsam wohliges und warmes Gefühl. Lange fühlte ich mich nicht so wohl. Der Prozedur konnte ich auf großen Monitoren zusehen, was irgendwie faszinierend war. Die Ärztin schob eine Art Drähte durch meine Arterien und platzierte so die Stents in Herznähe. „Wow!“, dachte ich. Der handwerkliche Teil war erledigt, aber ich wusste, dass das allein nicht ausreichen würde, wenn ich dort nicht bald wieder liegen wollen würde. Und glaubt mir, diese Pille, die die mir dort gaben, will ich ganz gewiss nicht so schnell wieder schlucken müssen.

Neben all dem dann das mit der Diabetes. Ich hatte wirklich tierische Panik davor, mir auf Dauer Insulin spritzen zu müssen. Klar, wenn es denn unbedingt nötig wäre, würde mir nichts anderes übrig bleiben, aber ich sah mich nicht darin, mir auf Festivals oder so Insulin in die Bauchdecke zu drücken. Ich würde soviel verändern müssen – und das schien mir in dem Moment die am schwersten zu akzeptierende Perspektive. Mir wurde aber klar, warum ich seit Monaten sehr schlecht schlief und jede Nacht 3-10 pinkeln musste: der Zucker.

Irgendwie bekamen die guten Leute im Krankenhaus es dann hin, die Zuckerwerte medikamentös einzustellen. Ich verließ das Krankenhaus mit 114 Kilo und wusste, dass da jetzt ein anderes Leben auf mich zukommen würde. Auf mich zukommen müsste. Kurz darauf begann meine Reha. Ausgerechnet in dem Kaff, in dem ich aufgewachsen war und das ich aus Gründen mit 17 verlassen habe. Ich hasste es, dort zu leben – nun sahen wir uns wieder.

Die Reha brachte mich sehr schnell an meine sozialen Grenzen. Ich arbeite zwar sehr gerne in der sozialen Arbeit mit jungen Menschen, mag fremde Menschen privat allerdings nicht sonderlich und meide sie gerne. Geht halt nicht, wenn du auf Reha bist – diese Menschen sind da halt auch. Die zu Rehabilitierenden bestanden zum Großteil aus Kartoffeln aus Brandenburg und Sachsen und natürlich verging keine halbe Stunde, in der nicht irgendwer mit Politik anfing und seine Vorliebe für die AfD zum Ausdruck brachte. Zum Kotzen. Ich entschied mich dazu, dort nur noch mit Kopfhörern rumzulaufen, die Gruppengespräche zu meiden und Sport zu machen. Und das tat ich. Acht Wochen lang fuhr ich jeden Tag nur dort hin, um Stunden mit Musik auf den Ohren auf dem Laufband zu verbringen, Ergometer zu fahren und an sonstigen Trainingsgeräten zu verbringen. Alles andere ließ ich ausfallen – es ging für mich nicht anders. Ich entschied mich dort in diesem Kontext auch dazu, nicht immer alles machen zu müssen. Nicht im Privaten, nicht auf Arbeit und auch nicht im Blog. Ich lief und lief und lief. Ich kam mir vor wie Forrest Gump, aber ich schwitzte deutlich mehr.

Zu Hause stellte ich ziemlich radikal meine Ernährung um. Theoretisch wusste ich all das, was mir die Ernährungsberaterin erzählte. Ich koche seit 25 Jahren und kenne mich da nicht wenig mit aus. Ich ignorierte das Schlechte halt immer nur. Ich verzichtete fast gänzlich auf Fleisch und fing damit an, sehr viel Gemüse zu essen. Auch nicht schwer, Kind 2 ist schon lange Vegetarier und wir konnten dann alle gemeinsam mal kein Fleisch essen. Außerdem verzichte ich seit dem rigoros auf jede Art von Zucker. Keine Mate, keine Brause. Außer mal ganz selten als Belohnung nach dem Sport, den ich nach wie vor regelmäßig mache.

Mit 108 Kilo verabschiedete ich mich aus der Reha, der Blutzuckerwert ging immer weiter runter. Mir wurde gesagt, dass ich kein Insulin spritzen müsste und dass das über Tabletten einstellbar bleiben würde. Meine Werte waren nach acht Wochen so, dass die besser hätten nicht sein können, wie die Ärztin mir bei der Entlassung sagte. Ich bedankte mich und kritisierte gleichzeitig die kartoffelige Haltung der Patientenschaft, worüber sie lächelte. Auch sie empfand das als befremdlich. Ich sagte dem Kaff, in dem ich einst aufwuchs mal wieder Good bye! und auf ein nicht allzu schnelles Wiedersehen.

Zurück auf Arbeit war meine erste Prämisse, auch mal Dinge nicht zu machen. Mal „Nein“ zu sagen. Stress zu vermeiden, sei einer der wichtigsten Faktoren und so, sagten mir alle. Und dann sagte ich halt auch einfach mal Dinge ab, die ich nicht tun wollte, wenn es andere gab, die sie ebenso gut erledigen konnten. Und das fühlte sich verdammt gut an. Lässt sich aber auch nicht immer so machen, denn Stress zu vermeiden, ist halt auch eine der schwierigsten Herausforderungen, denen ich mich seitdem stellen muss. Weil das Leben dir den Stress halt manchmal auch einfach so ungefragt vor die Füße spuckt und du dann damit umgehen musst. Ob du willst oder nicht. Aber ich versuche mein bestes. Ein Grund dafür übrigens, warum hier in den letzten Tagen relativ wenig los war. Ich zwinge mich nicht mehr dazu, nur des Bloggens wegen zu bloggen. Manchmal sind eben andere Dinge wichtiger – und dann gehe ich heute eben diesen nach. Das vermeidet Stress. Wirklich.

Nachdem ich aus der Reha kam, kaufte ich mir ein paar alte Räder und baute diese neu zusammen. Und dann fuhr ich damit. Und fuhr und fuhr und fahre bis heute. Wenn es geht jeden Tag. Und das verschafft mir nicht nur Glücksgefühle. Es verbrennt auch jede Menge Kalorien. Soviel, dass ich jetzt seit dem Abend im März über 30 Kilo abgenommen habe. Meine letzten Blutwerte aús dem Labor sind aktuell nahezu peinlich streberhaft: Cholesterin: sehr gut, Leberwerte: top, Blutzucker: sehr gut. Und, was viel wichtiger als das ist, ich fühle mich so gesund und so fit wie seit Jahren nicht mehr. Alles scheint gut. Wahrscheinlich auch wieder nur so lange, bis mir das Leben mal wieder vor die Füße spuckt, wie neulich mit der Abmahnungssache. Aber die habt ihr aufgefangen, so dass der sich dabei entstehende Stress wahrscheinlich in Grenzen halten wird. Und da kann ich dann gut mit leben.

Was noch wichtig ist: ich habe während dieser Zeit mitunter wirklich gelitten, mich gequält, nicht immer Hoffnung gehabt und manchmal auch einfach geglaubt, alles wieder so zu machen wie früher. Und dann war die Frau des Hauses, die Kinder und die von mir geliebten Freunde, die mich irgendwie motivierten, durchzuziehen. Weil sie mich einfach noch ein paar Jahre bei sich wissen wollen. Und ich mich bei ihnen. ❤️ Auf genau die und mit einem Teil davon trinke ich heute auf das alte Jahr. Das neue Jahr. Und auf das Leben.

Und ich denke an euch alle, wo auch immer ihr seid. Auf euch trink ich jetzt ein bis zehn Schnaps. Prost! Kommt gut rüber und passt auf euch auf! Und meldet euch nächstes Jahr mal – wir könnten zusammen ’ne Runde radfahren. Oder so.

Zum Schluss noch mein Lieblingstrack aus dem Jahr 2019. Till von Seins „Junjung“. So schön.


(Direktlink)

Album des Jahres geht an Kummer, was allerdings bei jedem Hören irgendwie die Laune verschlimmert, weil es daran erinnert, in was für eigentlich beschissenen Zeiten wir gerade leben. Aber wir leben, aber ich lebe noch. Und das ist dann schon auch noch ein bisschen geil.

Ich hab das jetzt nicht gegen gelesen, muss jetzt nämlich das Raclette für die wirklich geliebte Fam vorbereiten. Wenn ihr also Fehler findet, fragt nicht nach einem Lektorat und behaltet die einfach. Weil: Lektorat gibt’s hier nicht. Prost!

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Das KFMW Adventskalender Neujahrsspezial

Kleine Starthilfe für das neue Jahrzehnt: ich hatte in diesem Jahr so viele gelieferte Mixe für den Adventskalender, dass da jetzt noch eine handvoll ungehörter von übrig sind. Da die aber alle sehr hörenswert sind, kommen die ab heute Nacht 00:00 Uhr über den morgigen Tag verteilt als ein Neujahrsspezial. Alles von Ambient bis zu einer Portion dollen Technos dabei. Also nicht umschalten, bleiben sie auf diesem Kanal und hören die definitiv erste Mix-Serie des neuen Jahrzehnts.

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Mix: Jozsef x Das Kraftfuttermischwerk at Shutter Island, Leipzig, 28.12.2019

Jahresende in einem für mich wirklich krassen Jahr. Es ist soviel passiert, worüber ich nachher nochmal gesondert was schreiben werde, aber es ist fast vorbei. Und klar, dass eines meiner alljährlichen Highlights dennoch nicht unbespielt davon kommen sollte. Congress. Der mittlerweile 36. und für mich mindestens der 15.

Ich guck mir da nicht soviel an, suche wenig neue Kommunikation, sondern bin seit jeher eigentlich nur dort, um meinen Beitrag zu diesem Congress beizutragen. Indem ich das tue, was ich zu so einem Anlass imho am besten kann: Musik auflegen, die ich liebe. Nicht mehr, nicht weniger und trotzdem auch heute für mich immer noch etwas ganz Besonderes. Quasi das Sahnehäubchen samt Cocktailkirsche zum Ende eines Jahres. Jeden Jahres.

Mal wieder das spielen, was auf keinem Dance funktionieren würde, weil man dazu nicht tanzen soll. Aber träumen. Und fliegen, so gedanklich. Allein dafür freue ich mich jedes Jahr so sehr auf den letzten Gig im Jahr. Seit so vielen Jahren. Und ich dachte, wir machen das in diesem Jahr halt nochmal besonderer als das für mich ohnehin schon seit immer ist. Ich dachte: „Lass mal son megalangen Slot nehmen und diesen zusammen mit Jozsef bespielen, ohne das thematisch, inhaltlich vorher zu besprechen. Lass uns beide fünf Stunden spielen und gucken, was dabei rauskommt“. Jozsef und ich redeten da irgendwann im Sommer mal drüber und dann passierte das halt so wirklich. In echt und alles. Ich war ein bisschen aufgeregt, weil wir halt wirklich nicht konkreter darüber gesprochen hatten, was genau wir dort in den Mixer schicken würden, was andererseits aber dennoch ziemlich entspannt lief, weil ich weiß, wie verdammt gut Jozsef seine Musik selektiert.

Wir kennen uns seit 25 Jahren, eher flüchtig, aber dennoch immer herzlich. Wir fingen beide etwa zeitgleich mit dem Auflegen an und kamen dennoch dabei nie wirklich zusammen, auch wenn uns der von uns gespielte Sound so sehr nie unterschied. Jozsef ist seit jeher Musikliebhaber. Gerne haptischer Natur. Vinyl, CDs und so. Und da sammelt sich heute halt mittlerweile jede Menge Musik, die du als MP3 nicht spielen kannst, wenn du sie nicht selber von Platte oder CD auf einen Stick gezogen hast. Und wir dachten beide, dass das ja auch irgendwie spannend sein könnte. Also machten wir das jetzt in Leipzig einfach mal. Die von uns beiden dabei gedanklich unterschriebene Bedingung: Ambient, maximal Downbeats.

Und dann trafen wir uns dort letzte Woche auf dem Congress; er mit all seinen Raritäten auf Vinyl und CD (ohne Rekordbox) und ich mit meinem Controller und der Prise Pop, die ich so mag. Und dann spielten wir halt unsere Musik, tranken jede Menge Rotwein und spielten einfach weiter. Am Ende über fünf Stunden lang – und das funktionierte besser als wahrscheinlich wir beide vorher gedacht haben. Es war für mich einer dieser ganz besonderen Momente. Ohne Peaks, ohne den Drang, irgendwen zum Tanzen bewegen zu müssen oder das zu wollen. Alles einfach nur irgendwie fließen zu lassen – für alle Anwesenden. Einfach nur Musik spielen, die einem irgendwann mal ganz viel bedeutet hat und diese teilen zu wollen. Hach, das war schön!

Und dann Jozsef, der elektronische Musik auch heute noch als Nachfolger des Jazz‘ zu verstehen scheint. Musik, die Strukturen aufbrechen und dabei auch nicht umhin kommen will, dem Zuhörer auch mal auf den Saque zu gehen. Weil das kann sie. Das soll sie. Jozsef spielt’s und macht’s einfach mal. Weil es der Rest viel zu selten tut.

Danke für diese ganz besonderen 5,5 Stunden. An Jozsef und an Mogreens, der uns beiden diese Möglichkeit eröffnet hat.


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