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Das Kraftfuttermischwerk Beiträge

Über 100 Interviews: Radio Corax‘ Wendefokus – Persönliche Blicke auf den Herbst ’89

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Das freie Radio Corax in Halle hat in den letzten Monaten mit über 100 Menschen über ihre persönlichen Erinnerungen an den Herbst 1989 gesprochen und die vielen mitunter langen Gespräche auf Wendefokus online gestellt. Die Idee dahinter ist großartig, weil sie persönliche Erfahrungen in den Fokus legt und nicht das, was am Ende in den Geschichtsbüchern stehen wird. Denn letztendlich hat jeder seine eigene Geschichte, für die in der Summe aller aber nur selten Platz bleibt. Wenn ich podcasten würde, würde das wohl in diese Richtung gehen. Wahnsinnig gut!

Wir schreiben das Jahr, in dem DDR in Rente geht – gehen würde, wenn wir in diesen Tagen nicht mit dem 25. Jahrestag der sogenannten Wende konfrontiert werden würden. Einmal mehr haben wir uns schwer getan mit der Idee, das Jubiläum bei uns im Programm stattfinden zu lassen.

Nicht, weil wir das Geschichtsrad zurückdrehen wollen würden und irgendeiner Zonenverklärung nachhängen. Vielmehr war es die Schwebe, in der sich die Reflexion der Wendezeit tatsächlich befindet. Offiziell diente der Herbst 1989 der Vorbereitung der sogenannten Wiedervereinigung, so, als sei diese das unumstrittene Ziel derjenigen gewesen, die sich bei den frühen Montagsdemos in Leipzig auf die Straße trauten. Wir stellen uns aber heute noch ganz andere Fragen: Was ist in der Zeit zwischen 1989 und dem Oktober 1990 für Einzelpersonen passiert? Welche Hoffnungen und Chancen haben sie gesehen und ergriffen? Welche Sicht hatten sie auf den Ereignisstrudel?

Ich packe hier mal zwei-drei interessante Interviews rein, alle anderen finden sich auf der Seite selbst.

Björn Hopfgarten wuchs in behüteten Familienverhältnissen, in einem “goldenen Käfig” auf, der durch die Ausreise des Bruders erschüttert wurde. Spätestens zu diesem Zeitpunkt verstand sich Hopfgarten – auch äußerlich erkennbar – als Punk. Hopfgarten gehört zu denen, die am 7.Oktober 1989 in Halle nach Auseinandersetzungen mit der Polizei auf Lastwagen abtransportiert wurden. Es erging gegen den 17-Jährigen wegen “Rowdytums” und Verstoßens gegen die staatliche Ordnung ein Haftbefehl. Hopfgarten spricht über Verhöre, Einzelhaft, Verurteilung, die Bildung eines “anarchistischen Blocks” auf anschließenden Montagsdemos in Halle und Leipzig, wo die ersten Straßenschlachten mit “den Faschos und dem Mob” stattfanden, die “wunderbare Zeit“, in der “jeden Tag eine neue Kneipe entstand” und Häuser besetzt wurden.

[audio:http://audioarchiv.k23.in/Radio/Radio_Corax/Wendefokus/2014/mp3/wendefokus_2014-bjoern-hopfgarten.MP3]
(Direkt-MP3)

Stefan Schleicher absolvierte seine Ausbildung und Arbeit bei der Verkehrspolizei, um ab 1985 bei der Kriminalpolizei in Halle tätig zu sein. Er habe jede Montagsdemo mitgemacht – “natürlich auf der anderen Seite“. Einen Willen zu Veränderung der Verhältnisse hat Schleicher nicht verspürt, eine Demokratisierung der Polizei habe nach 1989 kaum stattgefunden. “Nicht einfach” sei es für die Polizei, um die Zeit der sogenannten Wende gewesen: es herrschte ein “teilweise rechtsfreier Raum”, viele “Leute gingen [gegen die Polizei] schnell auf Kontra“.

[audio:http://audioarchiv.k23.in/Radio/Radio_Corax/Wendefokus/2014/mp3/wendefokus_2014-roman-ronneberg.MP3]
(Direkt-MP3)

Dore Richter durfte – nach mehreren Verhören der Stasi – seit 1983 keiner Arbeit nachgehen, weil ihr antistaatliche politische Aktivitäten unterstellt wurden. Richter wurde “unauffällig großgezogen“, später politisiert durch ihre Schwester und deren Freunde, die bei ihr die “Sehnsucht” nach “guten Büchern” und Musik weckte, während sie sich eher zurück hielt; aus “Angst um meine Tochter“. Mit den Einschüchterungen der Stasi, dem Misstrauen und Druck, versuchte Richter offensiv umzugehen. Nachdem die besten Freundinnen 1983 ausgereist sind, zog Richter ihren eigenen Ausreiseantrag 1985 zurück. Dennoch: “Ich hatte nie gedacht, dass sich was ändert“, was der frühen Beteiligung an den Montagsdemonstrationen – mit dem Ziel einer “Wiedervereinigung” keinen Abbruch tat.

[audio:http://audioarchiv.k23.in/Radio/Radio_Corax/Wendefokus/Geschnitten_2009/mp3/Wendefokus_2009-Doris_Richter.mp3]
(Direkt-MP3)

(Danke, Tim!)

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Doku: Zonenmädchen

Die Dokumentarfilmerin Sabine Michel hat sich und vier Freundinnen ab dem Fall der Mauer selber dabei beobachtet, was aus ihnen als Kinder der DDR wohl werden würde. Lief letztes Jahr im Kino, letzte Nacht auf arte und jetzt für sieben Tage auf arte+7.

Man kann sicher Kritik an dem Film üben, die schon damit los gehen würde, dass die Portraitierten hier alle durchweg ihr Abitur haben machen können, was nicht jedem als Möglichkeit gegeben war. Es gäbe auch weitere Kritikpunkte, aber sehen kann man den trotzdem, zumal die Idee zum Film alles andere als eine schlechte ist.

Sabine, Claudi, Vera, Claudia und Veruscha gehören zum letzten Jahrgang, der in der DDR sein Abitur macht. Gemeinsam erleben sie die neue Freiheit nach dem Mauerfall. Nach und nach verlassen sie ihre Heimatstadt Dresden und gehen nach Paris. Die Stadt ihrer Träume wird zum Ausgangspunkt für ihr neues Leben. Heute sind die Frauen in Berlin, Dresden und Paris zu Hause. Sie sind Karrierefrau, Studienabbrecherin, Mutter, Ehefrau, Alleinerziehende, Kinderlose, Frauen- und Männerliebende.

Mehr als zwei Jahrzehnte später geht die Dokumentarfilmerin Sabine Michel mit ihren Freundinnen noch einmal auf die Reise. Gemeinsam ziehen die fünf Frauen eine Bilanz des eigenen Lebens und fragen sich, wie stark die Erfahrungen der Kindheit ihre Lebenshaltung und ihre Sicht auf die Gesellschaft prägten. Wie viel Zone steckt noch in den einstigen „Zonenmädchen“? Spielt es noch eine Rolle, wo die fünf aufgewachsen sind? Wer sind sie heute? Und wohin könnte es noch gehen mit ihnen?

Es sind fünf völlig verschiedene Leben geworden, die sich in Weltsicht und Anspruch auseinander bewegt haben. Und so entladen sich im ungewohnten Zusammensein der Frauen auch Spannungen und Konflikte.

„Zonenmädchen“ – ein Film über Lebensträume und das Vermögen, sie umzusetzen, ein Film über Gewinn und Verlust in lang währenden Freundschaften und über das beherzte Älterwerden von Frauen.


(Direktlink)

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Auf Kassettenbändern scratchen: ScrubBoard

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(Klick für in groß)

Vermutlich braucht diese Erfindung von Jeremy kein Mensch, aber was soll man halt auch sonst mit den alten Walkman machen, die ganz unten in den Schubladen der Jugend noch liegen. Wegschmeißen ist ja auch keine Lösung für immer. Das Beste daran: es funktioniert!

Ganz offensichtlich aber will Jeremy nur mehr als ein Spaßprodukt schaffen und hat deshalb diese Kickstarter-Kampagne am Start. Ob das aber tatsächlich als Alternative zum Scratchen am Plattenspieler taugen wird, darf gerne bezweifelt werden.


(Direktlink)

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Wellenreiten POV: Diamond of the Desert

Koa Smith, Alex Smith, Travis Smith and Dylan Goodale waren mit ihren Brettern in Afrika unterwegs, LastNameFirst.tv haben sie dabei begleitet und mit ihnen diesen Film gemacht.

In this arid African Desert, 1/5 of all the diamonds in the world exist. They were so common at one point that the locals could walk across the dunes on a full moon and spot them shimmering from a far. We went to this rumored place and found a diamond of our own.

https://vimeo.com/103082729
(Direktlink | Danke, Chang!)

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Schöne Chemie: Beautiful Chemical Reactions

BeautifulChemistry ist angetreten um Chemie für jedermann interessanter und leichter zugänglich zu machen. Das funktioniert natürlich im besten Fall über visuelle Darstellungen, die in der Tat für mich immer das Beste an der Chemie waren. Kein anderes Fach habe ich so gehasst. So sehr ich dem hier aber auch fasziniert zusehen mag, so sehr wird mir das nicht leichter zugänglich. Aber die die Idee ist schon ganz gut.

Beautiful Chemistry is a new collaboration between Tsinghua University Press and University of Science and Technology of China that seeks to make chemistry more accessible and interesting to the general public. Their first project was the creation of several short films that utilize a 4K UltraHD camera to capture a variety of striking chemical reactions without the usual clutter of test tubes, beakers or lab equipment. I definitely would have paid a bit more attention in chemistry class if we’d had the opportunity to watch some of these.


(Direktlink, via Colossal)

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A special Twin Peaks Announcement

Nachdem David Lynch und Mark Frost in den letzten Tagen auf Twitter immer wieder Spitzen in Bezug auf Twin Peaks haben gucken lassen, gibt es nun eine (nicht viel sagende) Ankündigung. Irgendwas wird demnach wohl kommen im Jahr 2016. Ich bin gespannt. Aber sowas von! „A message from TWIN PEAKS creators and executive producers David Lynch and Mark Frost.“

Twin Peaks fans’ quarter-century wait is over. One of the top cult series of all time is coming back with a new limited series on Showtime from its original creators, David Lynch and Mark Frost. I’ve learned that the nine-episode series will go into production in 2015 for a premiere in 2016 to mark the 25th anniversary of when the series finished its run on ABC. In a fact that will delight Twin Peaks devotees, Lynch and Frost will write and produce all nine episodes, with Lynch set to direct every episode.
(Deadline)


(Direktlink)

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