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Das Kraftfuttermischwerk Beiträge


So steht es neben anderen Zitaten geschrieben. Gute Sache, eigentlich. Lauter tolle Zitate zum Thema Toleranz in der Stadt, die großflächig auf circa 15×4 Meter an die Scheiben der großräumigen Ausstellung im Hauptbahnhof plakatiert worden sind um die Neugier auf das zu wecken, was man dahinter entdecken könnte. Das neue Potsdamer Toleranzedikt stellt aus und zeigt dem geneigten Besucher all das, was in den letzten Jahren zu diesem Thema zusammengetragen wurde. Gute Sache, eigentlich, auch wenn man über dieses Edikt auch streiten mag – einige haben das getan. An sich ist das auch alles gut gewollt und vielleicht sogar gut gemacht, ich hatte noch nicht die Gelegenheit, mir das anzusehen.

Die wahrlich großzügigen Austellungsräume befinden sich im Potsdamer Hauptbahnhof. Dieser hat in den letzten Wochen jegliche Sitzgelegenheiten im inneren des Gebäudes rausgeräumt. Sie sind weg, wie vom Granitfliesenboden verschluckt. Im Sommer gab dort noch circa 50 Sitzgelegenheiten verteilt im gesamten Gebäude. Nach und nach sind davon jetzt noch 12 übrig geblieben, der Rest auf merkwürdige Weise abhanden gekommen. Es wird Winter, es wird kalt, die Penner suchen etwas Wärme und eine Gelegenheit zum Aufwärmen. Im Bahnhof werden sie diese nicht mehr finden. Ich habe dann im Bahnhof nach dem Zitat gesucht, Toleranz heißt auch, den Wärmebedürftigen die Bänke unter dem Hintern wegzunehmen. Ich habe sogar an den Haupteingängen nachgesehen – ich habe nichts derlei gefunden. Verlogener Drecksladen!

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Platte(n) der Woche #5

Till Brönner – Oceana | 2006 | Verve/Universal
Für mich die beste Platte, die der Deutsche Ausnahme-Jazzer bisher eingespielt hat. Alles rund von vorne bis hinten. Eine grandiose Geschichte, die dort fließend über 12 Songs hinweg erzählt wird. Niemals aufgeregt, sehr erdig und gedämpft, vor allem aber nativ. Grandioses Teil, nicht nur, aber auch wegen A Distant Episode, an dem ich mich wohl niemals satt hören werde. Regelmäßig zwischen Herbst und Sommer höre ich Oceana und verliere mich immer wieder aufs Neue darin, ohne jegliche akustische Abnutzungserscheinungen.

Ich wette, irgendwann wird Till Brönner eine Platte machen, die an genau diese hier musikalsich anschließen wird. Solange warte ich darauf, ganz geduldig, iund höre derweil einfach immer wieder diese hier.
(Reinhören)

Future Loop Foundation – Time And Bass | 1996 | Planet Dog
Eine der ersten Drum´n´Bass-Vinyls, die ich zu jener Zeit gekauft habe. Bis heute einer der mir liebsten, die ich überhaupt je gekauft habe. Wunderbar ambienter D´n´B, der sich komplett von Flächen und flauschigen Meldodien tragen lässt. Wenige dezent, aber doch sehr wirkungsvoll arangierte Vocals runden die ganze Chose zum Optimum ab. Ich nehme an, dass das Album komplett analog produziert wurde, zumindest klingt es so – warm wie Omas Ofen. Ich hatte das Dingen schon ewig nicht mehr in den Händen, als wir aber vor ein paar Wochen in der C-Base musiziert hatten, hatte ich sie vorsichtshalber in den Koffer gesteckt. Gespielt haben wir sie dann komplett. Und genau deshalb kam ich auch nur darauf. Der Sound von FLF ist heute ein anderer, aber das ist mir egal, schließlich hat Mark Barrott mit Time And Bass einen zeitlosen Klassiker geschaffen, der deutlich macht, wie langsam 160 BPM eigentlich klingen können, wenn man es darauf anlegt.
(Reinhören)

Bullwackies All Stars – Free For All | 1975/2007 | Wackies

Dieses spannende Dub-Album von 1975 basiert auf drei Versionen des mächtigen Tracks „Free For All Rhythms“. Es wurde in Jamaika produziert, in New York abgemischt und erschien ursprünglich auf Lloyd „Bullwackie“ Barnes‘ Label Aires. Die Musik stammt von Barnes und Melvin „Munchie“ Jackson, der Titeltrack wurde bei Randy’s aufgenommen und kam ursprünglich auf dem Heptones-Label Hepic heraus. Weiterhin gibt es Dubs wie Little Roys „Tribal War“ und „Black Bird“. Stranger Coles „My Application“, das später von den Heptones neu gesungen wurde, taucht hier als „Dis-Ya-A-Dub“ auf.
(Indigo)

Roots-Dub galore aus einer Zeit als noch alle Effekte aus Kisten kamen und nicht aus dem Rechner. 2007 wiederveröffentlicht von dem Basic Channel-zugehörigem Label Wackies, was immer wieder mal mit neu aufgelegten Klassikern zu glänzen weiß.
(Reinhören)

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Stopmotioned London

Ich kann mir vorstellen, dass Sachen wie dieses Filmchen hier irgendwann mal übrig bleiben werden von unser aller momentanen Internetzfummellei. Da wird dann jemand hinter seiner Gehhilfe stehen und sagen, „Ja, geiles Video, das muß so um 08/09 gewesen sein. War ne verrückte Zeit damals, jeder machte irgend so ein beklopptes Zeug, stellte es ins Netz und die Leute klickten sich dämlich. Hach.“

Ein Stop-Motion-Video aus 3328 Bildern, die ziemlich bewegt durch London wackelt. Das. Fetzt. Ganz besonders die Nachtaufnahmen.

(Direktlink, via Nerdcore)

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Eines muß man den Kids von heute ja wirklich lassen: einige von denen haben einen außerordentlich ausgeprägten Mut zur Hässlichkeit. Ich meine, so wie manche von denen auf die Straße gehen, hätte ich mich vor 18 Jahren nicht mal im Dunkel und auf dem Dorf, wo es eh keiner sieht, rausgetraut. Entweder also machen die sich keine Gedanken um sowas Oberflächliges wie das Aussehen, oder haben andere Schönheitsideale. Ich fürchte Zweiteres, obwohl mir Ersteres deutlich lieber wäre. Naja.

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Future Loop Foundation – Sunshine Philosophy

Durch und durch wunderschönes Video in 8mm-Optik des Engländers, den ich seit Jahren bis zum letzten Wochenende so rein gar nicht mehr auf der Leitung hatte. Da bin ich doch froh, dass sich das wieder geändert hat, auch wenn der Sound heute ein anderer ist, als der, den ich Mitte der Neunziger lieben lernte.

(Direktlink)

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Doku: Besuch in Sömmerda – Ein Film über den VEB Robotron

Kombinat Robotron – Vorzeigebetrieb der ehemaligen DDR, der sich anschickte Computer zu bauen, die dem damaligen internationalem Standart entsprechen sollten, Sitz in Sömmerda, kurz vor dem Besuch des „Staatsratsvorsitzendem“ Erich Honecker.

Uns Kindern in der Schule sagte man zu jener Zeit immer, dass die DDR die besten und international begehrtesten Chips ever bauen würde, was nur die Wenigsten glauben konnten. Ich, wenn ich mir das hier so ansehe, auch nicht so wirklich. Man achte ganz besonders auf die Rhetorik und diese vielen doch komisch klingenden Wörter in dem Beitrag. Zum Kringeln. Technische Details gibt es auch jede Menge. Erschließen tuen sich diese mir aber ebenso wenig wie diese vielen komisch klingenden Wörter. Und ich frage mich, wo die Menschen so ein Zeug ausgraben, um das dann ins Netz zu pumpen. Ich meine wo, bitte schön, liegt sowas denn verfügbar rum? Eine kurze, irgendwie niedliche und furchtbar unfreiwillig komische Dokumentation von 1986 in zwei Teilen.


(Direktlink Part 1)

Zweiter Teil:

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Nochmal zur Knüppelschwingaktion der Berliner Polizei von Sonntagmorgen in Postdam

Es macht ja bekanntermaßen rein gar keinen Sinn sich über Drecksblätter auszulassen, wie das Berliner Schundblatt BeZett ja nun mal eines ist, angesichts solcher Headlines wie „Hey Potsdam-Kids, legt Euch nicht mit der Berliner Polizei an“ (http://www.bz-berlin.de/BZ/berlin/2008/11/10/illegale-party-in-der-potsdamer-kurfuerstenstrasse/illegale-party-in-der-potsdamer-kurfuerstenstrasse.html#/url) kommt mir dann allerdings doch das Essen von vorhin hoch, meine Halsschlagader pulsiert und es stellt sich die Frage, wie so eine Ansage denn wohl genau zu verstehen ist. Es ist ja nun nicht so, dass diese uniformierten Berliner von den Besuchern der Veranstaltung eingeladen worden sind. Im Gegenteil: man hätte dort gerne aus sie verzichtet und ihnen ihren Sonntagmorgenbeischlaf gegönnt. Davon gehe ich besten Gewissens aus.

Die Frage, warum ausgerechnet, die ja als ganz gerne mal „Durchziehende“ bekannten Berliner Beamten, anders als ihr Postdamer Kollegen, nicht in Gorleben waren, wo es ja dann neben dem alten Haudrauf-Spiel für sie auch noch Zuschläge gibt, darf gerne gestellt werden, beantworten kann ich sie aber nicht und tut eigentlich auch nichts zur Sache.

Anders als das Berliner Drecksblatt versucht zumindest die PNN den Morgen zu rekonstruieren und lässt die Frage offen, warum Party-Besucher, die sich unmittelbar nach dem Eintreffen der Berliner Garde bereit erklären, die Veranstaltung zu beenden, die Anlage auszumachen, die Räumlichkeit zu verlassen und zu gehen, daraufhin angepöbelt, verprügelt und festgenommen werden. Wo bleibt da eigentlich die Verhältnismäßigkeit, wo der Schutz, wo bleibt da das Gesetz?

Ein detailliertes Gedächtnisprotokoll stammt von Lutz Boede von der Wählergemeinschaft Die Andere, der fünf Uhr morgens informiert wurde und zur Halle lief. „Ich versuchte zwischen Polizei und den Gästen der Feier zu vermitteln. Die Musik wurde sofort abgestellt, die Anlage binnen 10 Minuten abgebaut“, sagte Boede. So hätte es nicht einmal mehr eine Ordnungswidrigkeit gegeben, die hätte unterbunden werden können. Zudem hätten Polizisten einzelne Anwesende als „Schwuchtel“ beschimpft und ihre Dienstausweise nicht vorgezeigt. Während die letzten 50 Party-Teilnehmer das Gelände verließen, seien die Polizisten plötzlich auf das Grundstück gestürmt und hätten geschlagen und geschubst. „Mit der Herstellung der Nachtruhe hatte das nichts zu tun – hier tobten Hooligans in Uniform persönliche Defizite aus“, so Boede. Mehrere Menschen seien verletzt worden, ein Krankenwagen war im Einsatz.

Ähnliche Schilderungen machten weitere Zeugen des Vorfalls. „Wir verurteilen das überzogene Vorgehen“, sagte Tamás Blenessy, Sprecher des Allgemeinen Studierendenausschusses der Universität Potsdam. Von dem Studenten-Gremium waren fünf Mitglieder vor Ort. „Die Polizisten hatten sichtlich schlechte Laune, weil sie mitten in der Nacht aus Berlin anrücken mussten“, sagte ein anderer Zeuge. Die Polizei hätte zudem selbst gestellte Vorwarnzeiten missachtet. Die Berliner Polizei will sich heute zu dem Vorfall äußern, sagte ein Sprecher der Behörde.

Gemessen an dem was Potsdam nun schon seit Monaten mit den Kulturtreibenden und Kulturwollenden in der Landeshaupt treibt stellt es vor allem die Frage, in welche Richtung die Stadt eigentlich navigieren will? Auch die danach, wie lange die Potsdamer sich das ohne sicht- und spürbaren Widerstand wohl noch gefallen lassen werden. Ernsthaft! Wo soll das hingehen? Der Lindenpark wackelt, das Waschhaus wackelt, das Spartacus ist zu, das S13 ebenso (ganz anders als erst von der Stadt versprochen mit adäquater Ausweichmöglichkeit), das Archiv macht wohl auch nicht mehr lange, selbst wenn Initiative der Stadt dafür vorgegaukelt wird, dürfte es am momentanen Standpunkt als doch unpässlich empfunden werden: es befindet sich noch in der künftigen Schicki-Micki-Vorzeige-Wohngegend und es fällt mir sher schwer zu glauben, dass die Stadt daran wirklich festhalten will. Das stinkt doch alles zum Himmel!

Potsdam ist eine Stadt, derer kultureller Betrieb bisher nun mal auf den linksalternativen Initiativen anderer gründet. Nicht auf den Maßnahmen der Stadt. Das dürfte als Meinung sicher konsensfähig sein. Umso weniger bekomme ich meine Birne, wo das wohl enden soll. Was man wohl mit denen vor hat, die eben im kulturellen Bereich Potsdam auch dort hin gebracht hat, wo es heute steht, wenn auch nicht mehr lange. Es ist ja auch nicht so, dass die Betreiber der noch existierenden Einrichtungen keine Motivation mehr haben, das auch weiterhin zu tun, nur die Unterstüzung der Stadt sind eben marginaler Natur und leider auch wenig glaubwürdig.

Das mögen ja gerne lokalpolitsiche Probleme sein, wie es sie zu Hauf auch woanders geben mag, aber ich lebe nunmal hier und ich mochte den Kulturbetrieb hier immer sehr, auch weil er im Osten Deutschlands vielleicht einzigartig war, so wie er war. Und wenn ich dann so eine abgefuckte Headline der BeZett zum Abend bekomme, platzt mir der Arsch. Auch weil ich an die frühen Neunziger zurückdenken muß, in denen das Drecksblatt andere Headlines bringen musste, auch weil der Widerstand, das alles immer so hinzunehmen viel größer, härter, schmutziger und auch so war, das die Berliner Beamten dabei nicht ganz so sauber bei weggekommen sind.

Ich mache mir da echt Sorgen. Ich habe gerade die subkulturellen Möglichkeiten dieser Stadt immer zu schätzen gewusst, manchmal gar geliebt und ich sehe nun, wie genau diese von Seiten der Stadt suggestiv ins Aus getrieben werden. Das stinkt mir gewaltig und verletzt meinen Bürgerwillen.

Ich weiß, dass ich derlei Sachen hier eigentlich nicht haben will, aber der Umgang von seiten der Stadt geht mir langsam echt zu weit und es schleicht sich mir ein Lied in den Kopf: „…wenn Ihr den Sturm haben wollt, dann säht nur weiter Wind…“

Ich entschuldige mich vorbeugend für meine lokalpolitsichen Ausflüge und finde es gut, dass Frosch (Postdamer Unikum) da ebenso hinterher ist,
allerdings viel schneller war als ich.

Ich denke daran, wie das in 4-5 Jahren aussehen könnte und daran, dass der Nachwuchs dann auch Teil einer solchen VA sein könnte, wie dieses am Samstag stattfand… Und Himmel, was könnte ich gerade kotzen.

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Liebe Musikindustrielle,
wieviel und vor allem welche Drogen nehmt ihr eigentlich (nicht), um Euch so dermaßen grenzdebil durch die Welt fantasieren zu können? Ich finde ja angesichts dessen, man sollte Euch die Kohle geben und Euch kurzerhand zu Volkseigenen Betrieben machen. Zumindest wäre das mein Angebot an Euch, wenn Ihr Vollpfosten ernsthaft $25 Milliarden von mir fordern würdet um Euch zu gesunden. Nur meine gute Erziehung verbietet mir hier, Euch zu fragen, ob ihr den Arsch offen habt. Echt jetzt. Ich glaub´s ja nicht. Die spinnen doch alle.

Vielleicht aber sollte ich auch mal darüber nachdenken, irgendwie an das Geld aus dem Rettungsfond der Regierung zu kommen. Immerhin haben die Menschen im Ostblock letztlich weit mehr für den Fall der Sowjetunion getan als IHR. Und vielen von denen geht es um Vieles dreckiger als Euch, auch wenn Ihr lauter heulen könnt. Ich wüßte das Geld dann auch angemessen zu verteilen.
(via Fefe)

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