Brandenburg zu Beginn der 90er Jahre: Sich für eine Seite entscheiden müssen. Entweder bei den Nazis sein oder eben zu den anderen gehören und Stress mit den Nazis riskieren. Wenn es sein musste, drei mal die Woche. Vor ihnen wegrennen, sich einen Club über dem Kopf anzünden lassen. Manchmal es drauf ankommen lassen. Austeilen oder kassieren. Die Entscheidung vorher kaum einschätzen könnend. Mal ausgeteilt, mal kassiert. Austeilen fühlte sich immer geiler an. Trotzdem kassiert. Das nicht bereut. Es wieder drauf ankommen lassend. Reden wollten die nie.
Vor ein paar Wochen Reha in dem Nest in Brandenburg gehabt, in der ich genau das alles 1990 – 1993 erlebt habe. Weil ich dort heranwuchs und nach all dem ganz schnell das Weite Richtung Berlin suchte und auch fand. In der Zeit viele der alten, bekannten Gesichter gesehen. Kaputt mitunter. Mein Mitleid hielt sich in Grenzen. Sie waren einer der Gründe, warum ich von dort abgehauen, wo ich meine Kindheit verbrachte. Eben auch dieser Wichser wegen, die immer dachten, dass für sie andere Regeln gelten würden. Und der Staatsapparat gab ihnen damals nicht das Gefühl, dass sie mit diesem Bewusstsein falsch liegen würden.
Handys, an denen man Licht anmachen konnte, um seine Zähne auf dem Asphalt suchen zu können, gab es damals noch nicht. Ansonsten passt dieser Text von Felix Brummer alias KUMMER, seines Zeichens Sänger von Kraftklub, sehr krass auf die Erinnerung an meine Jugend. Und auf die Leute, die mich damals „klatschen“ wollten, und heute komplett im Arsch wie Zombies durch unser damaligen gemeinsames „Ghetto“ wanken. Zu den Opfern geworden, zu denen sie uns damals machen wollten. Fickt euch. Immer noch.
Kummer hat mit dem Spiegel über diesen Song gesprochen, über Nazis und über sein Leben in Chemnitz. Ein wirklich lesenswertes Interview. Und: ein Mega-Video auch.
Kraftklub haben am Freitagabend in der Arena Leipzig vor 12.000 Besuchern ihren Tourauftakt für „Keine Nacht für niemand“ gespielt. Das Motto wurde wohl sehr gerne allzu wörtlich genommen. In der Umgebung haben die Wände gewackelt. Manche Anwohner des Waldstraßenviertels waren so besorgt, dass sie die Feuerwehr riefen. Sie dachten, es gäbe ein Erdbeben. Und das nicht zum ersten Mal.
Felix und Karl haben sich ihr „Chemie Chemie Ya“ genommen und eine Weischpülelektropopnummer ala Gestört aber Geil draus gemacht, die sie nebenbei mal noch ganz konkret und ordentlich auf den Arm nehmen.
Vorhin in Winterthur, Schweiz: Kraftklub, Broilers und Feine Sahne Fischfilet spielen „Blitzkrieg Bop“ der Ramones.
Wir haben das Ding noch nicht verloren. Glaube ich. Hoffe ich. Wir müssen halt weiterhin wachsam sein. Und laut. Ich Morgenfrüh in Spandau. Gegenüber der Rudolf Heß feiernden Knetbirnen.
Felix Brummer, Sänger von Kraftklub, hat sich neulich während eines Festival-Auftritts bei „Rock am Kopp“ in Chemnitz gewohnt deutlich über Rechtspopulisten und deren Anhängerschaft geäußert. Er nannte sie „Vollidioten“ und bedachte sie mit einem „Fick-Finger“. Kann man machen, finde ich.
Bei dem Auftritt am 11. Juni rief er ins Publikum:
„Das geht übrigens auch raus an die ganzen Vollidioten, die sich ’ne ganze Weile (…) versammelt haben, von ‚Pro Chemnitz‘ oder von Pegida oder wie die alle heißen. Fick Finger!“
Martin Kohlmann, seines Zeichen Vorsitzender der rechtspopulistischen „Pro Chemnitz“-Fraktion im Chemnitzer Stadtrat findet, dass man das nicht machen kann und erstattet Anzeige gegen Brummer. Wegen Beleidigung.
„Wenn man eine ganze Gruppe von Leuten als Vollidioten bezeichnet, dann ist da schon eine rote Linie überschritten.“
Nachdem die letzte Single nicht zu Unrecht für Diskussionen gesorgt hat, hier nun das zweite Video des am 02.06.2017 neu erscheinenden Kraftklub-Albums „Keine Nacht für Niemand“. Mit jeder Menge Blut, einem ordentlich ausschlagenden Ironie-Detektor und am Ende gar Farin Urlaub.
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