Ich hatte im Sommer das wahrliche Vergnügen Kummer an einem Freitagabend auf der verhältnismäßig kleinen Seebühne in Lärz sehen zu können. Das war der totale Abriss inklusive Moshpit und kollektiven Ausrastens. Ich halte „Kiox“ immer noch für ein wahnsinnig gutes Album, kann es aber selten hören, weil es bei mir einfach immer instant schlechte Laune macht. Weil die Welt aktuell halt, wenn man es genau betrachtet, ganz schön scheiße ist und Kummer mit diesem Blick auf sie ziemlich ehrlich ist. Machen wir uns nichts vor.
Seine Welthassvibes tauscht er auch in seinem letzten Song nicht gegen Optimismus oder Hoffnungsfantasien und der knallt trotzdem oder genau deswegen. Vielleicht auch gut, dass das nun sein letzter sein wird – so viel Schlechtlaunigkeit ertrage ich auf Dauer nicht. Zur verschobenen und deshalb erst noch kommenden Kiox-Tour muss ich trotzdem. Weil das bestimmt ballert wie die Sau. Und wenn es ein letztes Mal ist. Alles wird gut? Nein. Aber dann wenigstens mit Kummer.
Kummer macht Rap wieder weich, macht Rap wieder traurig. Das am 11. Oktober erscheinende Kummer-Album könnte eine echte Granate werden. Leider aber kann man sein aktuelles Video nicht außerhalb von Youtube sehen, solltet ihr aber dennoch tun, hier der Link dorthin.
„Weder Rap über Businessmoves, Motivation. Kein steh wieder auf, wenn du am Boden bist. Lohnt sich nicht, wir sind alle gefickt.“
Habe vor 25 Jahren meine ersten Platten bei KIOX Tonträger beim Papa von @FelixBrummer gekauft. (FunFact: Dort hat damals @realtrettmann gearbeitet.) Jetzt nennt Felix sein Album »KIOX« und baut dazu noch den gleichnamigen Plattenladen in Chemnitz. Leude, das is so großartig! ❤️ https://t.co/xp5Gbqqyzd
Brandenburg zu Beginn der 90er Jahre: Sich für eine Seite entscheiden müssen. Entweder bei den Nazis sein oder eben zu den anderen gehören und Stress mit den Nazis riskieren. Wenn es sein musste, drei mal die Woche. Vor ihnen wegrennen, sich einen Club über dem Kopf anzünden lassen. Manchmal es drauf ankommen lassen. Austeilen oder kassieren. Die Entscheidung vorher kaum einschätzen könnend. Mal ausgeteilt, mal kassiert. Austeilen fühlte sich immer geiler an. Trotzdem kassiert. Das nicht bereut. Es wieder drauf ankommen lassend. Reden wollten die nie.
Vor ein paar Wochen Reha in dem Nest in Brandenburg gehabt, in der ich genau das alles 1990 – 1993 erlebt habe. Weil ich dort heranwuchs und nach all dem ganz schnell das Weite Richtung Berlin suchte und auch fand. In der Zeit viele der alten, bekannten Gesichter gesehen. Kaputt mitunter. Mein Mitleid hielt sich in Grenzen. Sie waren einer der Gründe, warum ich von dort abgehauen, wo ich meine Kindheit verbrachte. Eben auch dieser Wichser wegen, die immer dachten, dass für sie andere Regeln gelten würden. Und der Staatsapparat gab ihnen damals nicht das Gefühl, dass sie mit diesem Bewusstsein falsch liegen würden.
Handys, an denen man Licht anmachen konnte, um seine Zähne auf dem Asphalt suchen zu können, gab es damals noch nicht. Ansonsten passt dieser Text von Felix Brummer alias KUMMER, seines Zeichens Sänger von Kraftklub, sehr krass auf die Erinnerung an meine Jugend. Und auf die Leute, die mich damals „klatschen“ wollten, und heute komplett im Arsch wie Zombies durch unser damaligen gemeinsames „Ghetto“ wanken. Zu den Opfern geworden, zu denen sie uns damals machen wollten. Fickt euch. Immer noch.
Kummer hat mit dem Spiegel über diesen Song gesprochen, über Nazis und über sein Leben in Chemnitz. Ein wirklich lesenswertes Interview. Und: ein Mega-Video auch.
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