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Schlagwort: racism

Wenn du dich beim deutschen Länderspiel im Rang gegen Rassismus stark machst

Es gibt so Momente an denen man nicht weiß, wohin mit sich und dem gerade Erlebten. Ich kenne das und habe hier hin und wieder darüber geschrieben. Im Nachhinein weiß ich heute, dass ich das vielleicht hätte anders machen sollen. Konnte es in jenen Momenten allerdings nicht. Weniger emotional hätte gut getan und mit mehr Bedacht auf meine kommunikativen Fähigkeiten, denke ich manchmal. Und dann aber auch wieder: Genau so hab ich das in dem Moment gefühlt, genau so habe ich reagiert und genau so habe ich es wiedergegeben. Und daran kann ich dann selbst im reflektierenden Rückblick nichts Falsches finden. Weil die Leute da draußen tatsächlich mitunter so arschlochig unterwegs sind, dass ich es manchmal halt einfach anders nicht auszuhalten ist. Man muss ja irgendwas machen in diesen Situationen.

So ähnlich muss es gestern wohl auch dem Journalisten André „Dré“ Voigt gegangen sein, der eigentlich eher Basketball beschreibt, aber nun in Wolfsburg in den Rängen beim Testspiel zwischen Deutschland gegen Serbien gelandet ist – und sich jede Menge Scheiße anhören musste, die vielleicht viele von uns täglich in den Öffentlichen hören müssen. Geht zumindest mir so. Und dann diese Ohnmacht, dass keiner was sagt. Und dann macht man das halt selber, wenn man es gerade irgendwie so auf die Reihe bekommt. Und dann merkt man, dass viele gar nichts sagen, weil es für sie dazu offenbar nichts zu sagen gibt. Harter Scheiß. Wirklich.

Und ich weiß keine Antworten. Bleibe aber dabei, dass es in diesen Momenten immer wichtig ist, das Maul aufzumachen, so denn man dazu in der Lage ist. Das nicht als „normal“ durchgehen zu lassen, denn dann wird es irgendwann normal. Weil keiner was dagegen sagt.

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Kettcar – Mannschaftsaufstellung

Aus aktuellem Anlass.

Während wir hier in schönstem Sonnenschein über kroatische Inseln fahren, fällt mir erschreckend auf, wie sehr Kettcars Album „Ich vs. Wir“ in diesem Sommer knallt. Regelrecht in die Fresse haut. Bei fast jedem Song. Und nach den letzten beiden Tagen hier ganz besonders bei diesem.


(Direktlink)

(Liebe Hörerinnen und Hörer, sicher warten sie schon gespannt
Hier kommt sie: die Mannschaftsaufstellung für Deutschland)

Wir haben einen der die Steine reicht
(Einen der sie schmeißt)
Hoch motiviert, gut trainiert
Und sicher, dass wir hier nicht verlieren
Eine Mannschaft mit Kampfkraft
Die jetzt ihre Chance hat
Die jetzt ihre Chance sieht

Jeder weiß, jeder weiß
Worum es geht
Jeder weiß, jeder weiß
Worum es geht
Jeder weiß
Warum er hier steht

Wir werden Druck mit aller Macht ausüben
Aus der Deckung schießen, Hass und Lügen
Weltverschwörer auf der Sieben
Und zentral: Radikal, agressiv, stolz und national

Einer der im Weg steht, um die Retter zu blockieren
Fünf die applaudieren, während die anderen agitieren
Und einer der die Fahne trägt
Während einer mit Gewalt die Kameras zu Boden schlägt

[Hook]
Und als wir gemeinsam vor dem Radio saßen
Die Aufstellung hörten, unser Abendbrot aßen
Nahmst du meine Hand, und sagtest:
„Liebling, ich bin gegen Deutschland“

(Wir haben jetzt den Mannschaftskapitän am Mikrofon
Was habt ihr euch vorgenommen?)

Wir bilden eine Mauer, machen alle Räume dicht
Mit einem Populisten, der durch die Abwehr bricht
Ein‘ Stammtischphilosophen am rechten Außenfeld
Die Doppelsechs, die alles Fremde ins Abseits stellt

Einen Nationalisten als hängende Spitze
Zwei, drei Mitläufer für rassistische Witze
Für die Standards eine, die zuschlagen kann
Und die schweigende Mehrheit als zwölfter Mann

Mit falscher Neun und aus dem Block
Die Wut vom digitalen Mob
Als eingespielte Truppe
Immer Spitze in der Todesgruppe

[Hook]
Und als wir gemeinsam vor dem Radio saßen
Die Aufstellung hörten, unser Abendbrot aßen
Nahmst du meine Hand, und sagtest:
„Liebling, ich bin gegen Deutschland“

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Betroffener fragt die Bundespolizei, warum immer er kontrolliert wird – und was er dagegen tun kann

Ein Frage, die von einem, der davon immer betroffen ist, einfach mal sachlich gestellt werden kann. Mano Lorca hat das mal und bestimmt freundlich getan. Spoiler: er wird kontrolliert weil er aussieht, wie er aussieht – und er kann so gut wie nichts dagegen
tun. Racial Profiling als regelmäßige Erfahrung. Nur eben, dass die hier gefragten Beamten das so nicht nennen würden. Natürlich nicht.


(Direktlink)

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Gibt es einen ostdeutschen Rassismus? – „Hitler war ein Westler“

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(Foto: Pixabay)

Sehr interessantes Feature von Deutschlandradio Kultur, das der Frage nachgeht, ob es im Osten Deutschlands einen spezifischen Rassismus gibt. Und was die DDR mit dem heutigen Umgang mit Flüchtlingen im Osten zu tun hat. Es werden mehrfach Dinge angesprochen, die für mich ich als Ostler gut nachvollziehbar sind.

[audio:http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2016/06/01/drk_20160601_1930_6b52daab.mp3]
(Direktlink, via Swen)

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Rassistische Kommentare aus dem Netz auf Werbetafeln in der Nachbarschaft

Die Afro-brasilianische Bürgerrechtsgruppe Criola nimmt sich rassistische Kommentare auf Twitter und Facebook, die mit Geotag versehen sind, und klebt sie auf große Plakatwände in die Nachbarschft derer, die diese Kommentare ins Netz schrieben. Die Namen und Gesichter werden anonymisiert, aber jene, die auf diese Art mit ihren eigenen Kommentaren konfrontiert werden, schämen sich vielleicht. Ein bisschen. Auch für Deutschland keine schlechte Idee, finde ich. Virtual racism, real consequences.


(Fotos: racismovirtual.com.br, via bldgblog)

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Bei der CSU im Jahr 2015

Während das ganze Land fast täglich über Rassismus und die damit verbundenen Auswirkungen debattiert, setzt sich der Bayerns Innenminister Joachim Herrmann in eine Talkshow, in der über das Thema Flüchtlinge gesprochen wurde und nennt Roberto Blanco „einen ganz wunderbaren Neger“. Da bleibt mir glatt das Frühstück im Halse hängen.


(Direktlink)

Mittlerweile beteuert er, das Wort sonst überhaupt nicht zu benutzen. Ob man das glauben kann, weiß ich nicht, bei der CSU ist man seit jeher mit seinem Vokabular nicht sonderlich zimperlich.

Hermann macht damit sehr deutlich, dass er zumindest kein Problem mit rassistischem Sprachgebrauch zu haben scheint. Als Innenminster eines deutschen Bundeslandes, das nicht müde wird, sich für seine Integrationsmaßnahmen regelmäßig selber auf die Schultern zu klopfen.

Nicht nur angesichts dessen muss man fast zwangsläufig fragen, wie die es bei der CSU immer wieder schaffen, noch tiefer ins Klo zu greifen. Vielleicht machen sie es ja wirklich so.

Oder aber das Problem liegt viel tiefer und man hat dort schlichtweg keine Probleme, Aussagen wie diese mal eben öffentlich im TV von sich zu geben. Und vor allem auch diese dort auch unwidersprochen so stehen zu lassen. Deutschland 2015.

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