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Über offene Vermögensfragen und was mit „Eigenbedarf“ bei dem Haus meines Opas wohl gemeint war

Opas Haus (1 von 22)

Rückübertragungsansprüche. So nannten das damals alle. Offene Vermögensfragen war wohl der richtige Begriff dafür. Er steht für die Grundstücke und Häuser von jenen, die in der DDR enteignet wurden oder aus welchen Gründen auch immer, immobilares Eigentum in der DDR zurückgelassen hatten. Manche der Besitzer sind geflohen. Manche Besitzer wurden enteignet, andere haben Grund und Boden von ihren Eltern oder Großeltern geerbt, die geflohen waren, ausgebürgert wurden oder eben enteignet wurden. Nach der Wende ein riesiger Marktplatz an pfeilgebotenen Immobilien.

Mein Vater kaufte einst einen Garten einer sehr alten Frau. Er sparte sehr lange dafür, um sich einen Traum zu erfüllen, den er als Sohn eines Bauern lange schon hegte. Seitdem er dem Hof und dem dortigen Dorf seiner Eltern den Rücken gekehrt hatte und Richtung Stadt ging, wollte er einen Garten. Mit einem Bungalow am liebsten und mit viel Platz, um dort Obst anbauen zu können. Und Gemüse. Natürlich auch um beides zu ernten. Er zahlte irgendwann zu Beginn der 80er 6000 Ost-Mark an eine alte Dame, die genau so was loswerden wollte. Weil sie nicht mehr konnte und auch irgendwie keine Lust mehr auf Garten und so hatte. 6000 Mark für 900m² Land mit sieben Obstbäumen, einer eigenen Wasserpumpe, einer Hütte, die zum Schlafen für vier taugte, einem Schuppen und jeder Menge Platz für Gemüse. Das bestimmte ab dann nicht nur sein Leben, sondern das der gesamten Familie. Anbau, Ernte, Pflege, gießen, harken. Erdbeeren, Tomaten, Erbsen, Bohnen, Gurken, Zwiebeln, Blumenkohl, Äpfel, Birnen, Kirschen und wenn er mal wieder ein total verrücktes Jahr hatte, versuchte er sich auch mal an ungarischer Paprika. Später auch an Spargel, was der Familie dann daraufhin finanziell noch so einige Sommerurlaube ermöglichen sollte.

Kurz darauf dann baute er einen Bungalow auf das Grundstück, einen Pool gar, gegossen in Dezimeter breitem Beton. Die Hütte blieb stehen, der Schuppen auch. Wir verbrachten dort 5-6 Monate in jedes Jahr. Immer über die Sommer. Wir nannten es, aus heutiger Sicht verdammt niedlich, „unsere Sommerresidenz“. Wir alle liebten es dort zu sein. Immer. Uhrzeit spielte dort nur eine sekundäre Rolle. Alles richtete sich nur nach Sonnenauf- und Sonnenuntergang. Die Sonne bestimmte unsere Sommer. Es war rückblickend fantastisch.

Irgendwann im Sommer 1990 fuhr ein Mann im edel wirkenden Zwirn in einer großen Limousine den ewig staubenden Feldweg hoch und hielt vor unserem Garten. „Das hier“, so sagte er, „sei ja jetzt eigentlich mein Garten.“ Er war wohl der Sohn der alten Dame, von dem mein Vater das Grundstück damals kaufte und ging irgendwann nachdem in den Westen. Aber er war der rechtmäßige Erbe dessen und wollte wohl mal gucken, was seine Mutter ihm da mit dem Mauerfall überraschend an zu Geld Machendem hinterlassen hatte. Er war sehr nett und meinte, dass er das Grundstück gar nicht wiederhaben wollte. Er wollte eben „nur mal danach schauen“. „Geld hat er nicht nötig“ und überhaupt könne alles so bleiben, wie es ist, sagte er. Mein Alter war heilfroh. Er wusste, dass da irgendwann mal wer kommen und gucken würde. So kam es dann eben auch. Wir aber konnten bleiben. Das machte ihn heilfroh. Und wenn er froh war war ich es erst recht. Natürlich. Wir hörten von dem Tüpen nichts mehr. Vorerst.

Ein, zwei Sommer später aber kam dieser Mann dann wieder den staubigen Weg hochgefahren. Diesmal im Jogginganzug und mit einer klapprigen Ente unterm Hintern. Er bräuchte „jetzt doch unbedingt und unbedingt schnell etwas Geld“, sagte er. Und das er „das Grundstück nun doch gerne wiederhaben“ wollte – des Geldes wegen, was ein Verkauf dessen hergeben würde, sagte er. Mein Vater war so betrübt, dass er irgendwo ganz tief nähe Erdkern an all das dachte, was er die letzten 10 Jahre an Zeit, Liebe und Arbeit in diesen, in seinen Garten gesteckt hatte. Er war emotional am Boden. Aber er entwickelte einen Plan.

Mein Vater wusste, dass es diese Regelung der offenen Vermögensfragen gab und das er obhin dieser wohl kaum eine Chance haben dürfte, seinen eigentlich erworbenen Anspruch auf das Grundstück auch gerichtlich festsetzen zu lassen. Er wusste, dass er eine derartige Auseinandersetzung verlieren würde. Also willigte er einer Rückübertragung an diesen Mann, der Erbe der schon lange toten, einstigen Besitzerin war, zu. Seine Bedingung dafür, dass außergerichtlich klären zu lassen: ein Neuwagen. Einen Seat Toledo wollte er haben. In rot. Das war alles. Der Mann im Jogginganzug war sich wohl selber nicht ganz sicher, ob er einen diesbezüglichen Rechtsstreit gegen meinen Vater gewinnen würde und willigte ein. Warum auch immer. Vier Wochen später fuhr mein Alter mit einem niegelnagelneuen Toledo vor. In rot und im Wert von 32.000 DM.

Wir räumten dennoch schweren Herzens die Hütte, den Schuppen und den Bungalow leer, schütteten als Andenken an die nächsten Besitzer den Pool mit 14 m³ Beton am Stück zu und zogen von dannen. Das Grundstück wurde daraufhin geteilt, verkauft und keine zwei Jahre später standen Häuser auf beiden Grundtücken. Die stehen da bis heute. Natürlich. Von damals ist wohl nichts mehr geblieben. Außer einer kleinen Schatzkiste vielleicht, die ich damals als Kind im Garten vergrub und die da bis heute noch liegen dürfte. (Und ich werde die ausgraben gehen, bevor ich das Zeitliche segnen werde.)

Eigentlich hatten wir es recht einfach und irgendwie sind wir auch fair da raus gekommen, wenn man es genau nimmt. Anders als mein Opa.

Der wohnte kurz vor Potsdam, erwarb irgendwann in den 60ern dort ein ziemlich geiles Haus auf einem kleinen Berg mit Blick über die Häuser, 300 Meter Fußweg bis zum Fluss. Ich verbrachte als Kind dort viel Zeit. Es gab dort Wiesen, Wälder, Wasser und jede Menge Platz um Kind zu sein.

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Irgendwann in den 90ern aber kam auch dort jemand und wollte seine noch offenen Vermögensfragen klären. „Das Haus und das Grundstück hier gehört ja jetzt einer Erbengemeinschaft, von der ich ein Teilhaber bin“, meinte er, und „wir wollen das jetzt zurück haben“, sagte er. „Eigenbedarf. Wir wollen hier irgendwas machen und wir können Sie dann hier natürlich nicht mehr gebrauchen.“ Da stand mein oller Opa dann, schluchzte seicht und fragte nach so was wie Entschädigung. Schließlich hätte er dort 40 Jahre dafür gesorgt, dass die Bude stehen blieb. Und so. Er bekam einen fünfstelligen Betrag im niederen Bereich, räumte mit uns die Bude leer und zog in einen Plattenbau in Stendal, nähe Magdeburg. Das wars. Er lies die letzten Jahrzehnte seines Lebens hinter sich und hatte, anders als mein Vater in seinem Garten, dort wirklich jahrelang jeden Tag und jede Nacht verbracht. Er wähnte das sein Eigen. Bis zu jenem Moment, als da wer kam und ihm klarmachte, dass genau dem so nicht sei.

So war das damals. Viele im östlichen Schatten der Mauer hassten diese Tüpen, die dann aufliefen. Viele mussten Vieles aufgeben. Manchmal auch alles. Heute habe ich durchaus Verständnis für jene. Auch das.

Als ich heute in der Nähe des alten Hauses meines Opas war, dachte ich so: „Lass uns doch mal gucken, was die damals mit ‚Eigenbedarf‘ gemeint haben. Lass uns doch mal gucken, was die daraus gemacht haben. War ja doch ein recht schönes Haus. So mit Garten, Schuppen, Gewächshäusern und alles. Kann man ja was machen mit heutzutage.“

Was ich fand, war das. 20 Jahre nichts passiert. Verlassen, zerfallen, vergessen womöglich auch. „Eigenbedarf“. Strange irgendwie. Und Opa rotiert in seinem Grabe.

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29 Kommentare

  1. Nachholer31. Oktober 2013 at 22:03

    Ach, Kacke, eyh. Kenn wa allet und allet is irgendwie beschissen. (-_-)

    (Ja, nüschtsagend, aber bleibt irgendwie nur Fassungslosigkeit.)

  2. JUB31. Oktober 2013 at 22:06

    Mich macht sowas echt traurig und böse … warum nur sind soviele Menschen solch Arschlöcher …

  3. r0byn31. Oktober 2013 at 22:08

    oh man, irgendwie will ich was schreiben um dir zu sagen wie gut der artikel ist. finde aber nix passendes. sehr gute und ergreifende geschichte!

  4. Gast31. Oktober 2013 at 22:19

    Da fällt mir immer nur ein: Ein altes Unrecht durch ein Neues ersetzen geht halt auch nicht. Diese gesammte Regelung aus Wendezeiten macht mich jedesmal wenn ich drüber nachdenke so verdammt wütend. Das wäre wenn dann eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe gewesen, aber warum denn, wenn ich wehrlosen Individuen diese Last einfach aufdrücken kann. Vorallem welchen, die zu diesem Zeitpunkt meist auch noch völlig überfordert vom neuen „Rechtsstaat“ waren.

  5. Moellus31. Oktober 2013 at 22:25

    ja, diese bizarre Niemandsland-Epoche im Leben einer entwickelten sozialistischen Perönlichkeit #damals #flashback

  6. philomatik31. Oktober 2013 at 22:55

    sehr schön geschrieben!

    bei mir lief dazu auch noch dieses set, in etwa ab dieser zeitmarkierung:

    http://youtu.be/-9YLJuA1TV4?t=1h53m22s

    passender soundtrack irgendwie, macht’s nochmal doppelt traurig irgendwie :(

  7. Guuude1. November 2013 at 00:51

    Super Artikel, toll geschrieben…
    Bleibt anzumerken, dass ich finde, dass das verfallene Haus irgendwie eine gewisse düstere Romatik ausstrahlt (was die ganze geschichte natürlich nicht besser macht). Ich mag sowas…
    Achja – Typen mit Y …sorry, ich kann das nicht unkommentiert lassen :-D

  8. TheOriginalDog1. November 2013 at 03:24

    Wow. Auch wenn ich rechtlich das ganze noch nicht nachvollziehen kann (und auch mental, war ja nicht meine Zeit, bin da noch n Stücken zu jung), krasse Geschichte. Und krasse Fotos.

  9. klinkhart1. November 2013 at 03:42

    philomatik,

    Das mit der Musik war jetzt nicht fair! Aber dennoch ziemlich großartig.

    Nun sitzen wir hier und beweinen die Vergangenheit. Das Unrecht, das doch nach dem Gesetz Recht war. Und was machen wir daraus? Nichts. Wir warten auf den nächsten feinen Artikel hier und gehen dann zur Tagesordnung über. Wir sind dann nicht besser, als der Typ in Jogginghose. Nicht besser, als das kleine Mädchen von Helmut Kohl. Warum kaufen wir diese Ruinen nicht zurück und verbringen unsere Sommer wieder auf dem Land? Warum lassen wir unsere Kinder nicht wieder mit der Sonne ausfstehen und ins Bett gehen? Warum sind wir nicht die Väter und Opas, über die wir hier nachdenken? Ich hätte große Lust darauf. Macht irgendwer mit?

  10. Sandro1. November 2013 at 07:27

    Kommt mir alles bekannt vor … doch bei uns war es die Stadt und sie meldete Eigenbedarf. Und das tut Sie noch Heute. Wenn ich an das Gutshaus von meinen Großeltern denke … Perfekt in Strandlage … Gibt es heute nicht mehr … heute wuchert dort alles zu.

  11. Captain Correction1. November 2013 at 10:16

    Das 3. Bild nach dem Text und das Klingel-Bild finde ich super!!

  12. Andre1. November 2013 at 10:23

    Danke für Wort und Bild. Macht mich grad sehr nachdenklich.

  13. Anna1. November 2013 at 11:06

    Das tut mir wirklich leid. Für euch alle. Kackleute gibt es.

  14. nixname1. November 2013 at 12:23

    Die Verwahrlosung ist nicht einmal bösartiger Natur. Das ist die Krux mit den Erbengemeinschaften. Eine handvoll Erben, deren Interessen nicht unter einen Hut zu bekommen sind, schon alleine weil Tante Erna Onkel Wille eins auswischen will. Wenn dann noch Erben sterben und deren Nachkommen am Zug sind, dann wird es immer komplizierter …

  15. piet1. November 2013 at 13:03

    Ach Scheiße ….. wenn Dir so ins Leben gepfuscht wird. Eines verstehe ich nicht. Galten DDR Kaufverträge auf einmal nicht mehr ? Ich meine, die Oma wurde ja nicht enteignet. Sie hat das aufgegeben, weil sie es nicht mehr bewirtschaften konnte und hat verkauft, Punkt. Ich kann es leider nicht nachvollziehen, war nicht dabei, warum sich der Mensch Ost nicht mehr gewehrt hat. Hat der Gesellschaftswandel alle paralysiert ? Wir haben im Westen davon ja auch mitgekriegt,was im Osten läuft und ich bin mir ziemlich sicher, daß der ein oder andere hier heimlich zum Grundbuchamt West marschiert ist, um nochmal nachzuschauen, ob alles seine Ordnung hat, denn sowas will echt keiner erleben – Ach Scheiße ….

  16. schwerkraftrebellin1. November 2013 at 13:58

    Fetzt nicht. Weil sich Fassungslosigkeit mit Hilflosigkeit vermischen und man nichts machen kann. Ist ja alles rechtens.

    Erinnert auch ein wenig an meine eigene Story:
    Meine Eltern haben vor ca 22 Jahren ein Stück Land gepachtet, kleiner Garten, wollte keiner. War schon 30 Jahre vorher Garten, paar alte Obstbäume. Neben dem Garten Feld, kleine Idylle. Mein Dad baute alles auf: Laube, Pavillon, paar Bäumchen, Beete, alles. Ich verbrachte meine letzten 22 Sommer dort. Urlaub im Kleinen.
    Letztes Jahr kam raus: 3/4 des Landes gehört der Stadt. Wurde vor 40 Jahren mal getauscht, aber nirgends registriert. Nach der Wende interessierte das alles keinen mehr und es wurde jetzt jemand darauf aufmerksam, dass da was nicht stimmt, weil eine Straße gebaut werden soll. Nur ist da unser Garten. Und die Verpächter ahnten das auch nicht. Verkauften vor 22 Jahren unter großem Druck ihr Land und wussten nicht wirklich was sie kauften.
    Bei uns: Verzweiflung. Ratlosigkeit. Aber: Widerstand regt sich. Wegen diesen paar Hundert Quadratmetern Grün bin ich Landschaftsarchitektin geworden. Und kenne genug Mittel, um eine vollkommen sinnfreie Straße zu verhindern, die nur zum Zweck der Fördermittelvernichtung gebaut werden soll.
    So nicht!

  17. Elektrosandy1. November 2013 at 16:55

    Da kenn ich auch so ne ähnliche Geschichte. Und zwar von meinem Onkel. Die Lausitz war ja früher Tagebaugebiet. Und für diesen wurden um Senftenberg herum ganze Dörfer einteignet und abgebagert. So auch das Haus von meinem Onkel. Kurz drauf kam die Wende, die Treuhand meinte das sich der Tagebau nicht mehr lohnt. Kohle gabs da eh nur noch wenig und so wurde eben alles geschlossen. Der Tagebau kan also nicht mehr. Umsonst enteignet.

  18. Strugarkowski1. November 2013 at 18:57

    ‚Er bekam einen fünfstelligen Betrag im niederen Bereich, räumte mit uns die Bude leer und zog in einen Plattenbau in Stendal, nähe Magdeburg. Das wars.‘

    Entwurzelung. Ich hoffe, das hat ihn nicht zerbrochen.

  19. Tscho1. November 2013 at 19:10

    Oh man, das tut beim lesen sehr weh :( Ich hoffe dein Opa ging daran nicht kaputt

  20. Elektrobanause1. November 2013 at 19:16

    wie die heuschrecken sind diese aasgeier damals über das ddr-gebiet hergefallen.
    allerdings hatten diese offenen vermögensfragen auch ein gutes: als ich ende der neunziger nach erfurt gezogen bin, konnte man wunderbar billig im unsanierten altbau mit ungeklärten eigentumsansprüchen wohnen. teilweise sogar mit gasetagenheizung, 55m² für 180 euro kalt. das war meine letzte wohnung 2006. vor der währungsumstellung gabs auch solche buden für 200 mark.

  21. Holger1. November 2013 at 22:47

    Schöner Text. Verstehe nur nicht ganz: wenn Vati für 6000 Mark von einer lebenden Frau gekauft hat – wie kann es dann hinterher von der noch jemand „rechtmäßig“ geerbt haben? Das lässt sich auch nicht durch die Wirren der Zeit erklären…

  22. Martin Hasselblatt3. November 2013 at 07:54

    Schöner Text über die Vergänglichkeit der Dinge. Tröstlich, dass unsere Erinnerungen Bestand haben.

  23. DasKleineTeilchen3. November 2013 at 11:58

    „eigenbedarf“.

    nö, „erbengemeinschaft“. da wunderst mich nicht, daß da nix weiter passiert ist.

  24. Agentur für Alternativen3. November 2013 at 17:55

    Ja, sehr traurig – und sehr schön geschrieben.
    Ich möchte einen Zusammenhang mitteilen, der mich zur Zeit beschäftigt, vielleicht trifft er auf einige, wenn auch nicht auf alle traurigen Geschichten hier zu. Ca. 2005 bin ich beim surfen auf Spezialreporte gestossen, von Heinrich von Cannstatt und anderen. Dort wurden für wenig Geld Anleitungen angeboten, u.a. wurde Schritt für Schritt erklärt, wie man auf brachliegende Grundstücke vorallem in Berlin und Umgebung, mit Häuser oder Ruinen drauf, Hypotheken aufnehmen kann und damit dann am amerikanischen Immobilien-Markt hin und her kauft und verkauft. Dabei hatte man es bei 1 Mio. Ausgangsbasis als Grundstückswert zeitweise mit 20 Mio. zu tun. Nachdem alles wie beschrieben abgewickelt war, kam am Schluss eine glatte Mio. plus raus. Das konnte man dann wiederholen so oft man wollte, was viel ertragreicher und stressfreier war, als zu renovieren, vermieten etc. Seit dann der amerikanische Immobilienmarkt zusammengebrochen ist, brach ein riesiger Bauwahn aus. Selbst das Grüne Band ist betroffen, dass ja in der Nachwendezeit demokratisch vom Neuen Forum u.a. ausgehandelt wurde. Aus Pietätsgründen sollte auf dem Mauerstreifen nicht gebaut werden, vor allem der fertigzustellende gesamte Mauerpark bekam mehrmals weitreichende Rechte, die letztes Jahr, wie alle, selbst konservative Beobachter bestätigen, völlig illegal geschreddert wurden. Auf der Seite der Stiftung Weltbürgerpark ist eine Bestätigung der Polizei, dass Gruppen die sich friedlich für geltendes Recht und die Schonung der Steuerzahler einsetzten angezeigt und bespitzelt wurden – und dass kompromissbereite Bürgerinitiativen dazu involviert wurden (steht erst weiter hinten, vorne bla, bla). Die Anzeige kam von der Senatsbehörde für Umwelt und Stadtentwicklung, die das Recht auf das Grüne Band und die Frischluftschneise eigentlich hätte einklagen sollen und können. Vielleicht passt das nicht ganz hierher muss aber doch irgendwo gesagt werden, denn es ging nicht nur „damals“ vieles drunter und drüber und mit den Klagen gegen die Deutsche Bank wegen der faulen Immobilien Geschäfte in den USA ist das Ganze wieder hoch aktuell. Es sollte einen Untersuchungsausschuss zu all den brach gelegenen Grundstücken, auch für den Weddinger Teil des Mauerparks geben. Der 9. Nov. wäre ein guter Tag all der Verzweiflung zu Gedenken, die die Betroffenen von Enteignungen und Bürgerinitiativen seit dem Mauerfall erlebt haben. Öffentlich zu machen, dass es immer noch Ignoranz und Hilflosigkeit, Opfer und Bespitzelung gibt. Das der hoffnungsvolle friedliche Aufbruch und der Durchbruch der Mauer für viele unserer Mitmenschen in Hoffnungslosigkeit endete. Das ist in diesem Artikel und den vielen Kommentaren sehr anrührend beschrieben. Der Mauerpark wäre ein guter Ort zum Angedenken dessen, die Bernauer Str. und Bornholmer Str. zwischen denen er liegt, zählen zu den allerersten Mauer-Öffnungen. Wer möchte am 9. Nov. mit Kerzen in den Mauerpark kommen und gemeinsam eine „Andacht“ anmelden? Bei einer Andacht soll das wohl im Gegensatz zur Demo unbürokratisch und in einem Tag gehen. Runde Tische sollten folgen, zur Aufarbeitung und zu dem was wir wirklich wollen.

  25. Links | sixumbrellas6. November 2013 at 21:01

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