Komplettausgaben: DDR-„Genex Katalog“ und „Genex Katalog Auto“ von 1977

Der Genex Katalog war ein Katalog, der im Westen angeboten wurde, damit die im Westen lebenden Verwandten und/oder Bekannten Geschenke in die DDR machen konnten. Jeder Ossi über 30 hat davon ganz sicher schon mal gehört. Anfänglich gab es nur Ostprodukte, in den 80ern allerdings gab es dann von Lebensmitteln über Autos bis hin zu ganzen Häusern alles was das Herz begehrte – auch die Westwaren. Jene Leute im Osten, die über Genex Waren bezogen, hatten immer besonders viele Freunde, wenn ihr versteht. Bekannte meiner Familie haben sich ein ganzes Haus so zukommen lassen. Allerdings haben sie dafür nötige Kohle vorher auf komplizierten Umwegen in den Westen transferiert. Kurz nachdem sie ihr Haus bezogen hatten, sind sie im Jahr 1989 ausgereist, aber das ist eine andere Geschichte.

Wikipedia hat zu dem Katalog auszugsweise das hier:

Die Geschenkdienst- und Kleinexporte GmbH (kurz Genex; später nur noch Genex Geschenkdienst GmbH) war ein am 20. Dezember 1956 von der DDR-Regierung gegründetes Unternehmen. Es war eine der wichtigsten Devisenquellen der Kommerziellen Koordinierung, einer Abteilung des Ministeriums für Außenhandel der DDR. Hauptsitz war in Ost-Berlin.
[…]
Die Waren im Katalog waren zu etwa neunzig Prozent aus der DDR-Produktion. Neben Lebensmitteln und Konsumgütern wie Möbeln, Kosmetik, Kleidung, Werkzeug und HiFi-Anlagen konnte man aber auch Motorräder, Autos (ohne die sonst üblichen mehrjährigen Wartezeiten), Campingwagen und sogar ganze Fertigteilhäuser, die so genannten Neckermannhäuser, bestellen.

Neben Motorrädern von MZ und Simson, sowie z. B. 1986 einem Yamaha-Motorrad, gab es die ostdeutschen Autos Trabant, Wartburg (auch als Pickup) und Barkas sowie osteuropäische Fahrzeuge von Škoda, Polski Fiat und Lada, die in der DDR schon als bessere Wagen galten. Aber man konnte auch ausgewählte Modelle von westeuropäischen Automobilkonzernen verschenken. So wurde z. B. im Katalog von 1986 ein Fiat Uno 60 Super, Renault 9 GTL, Ford Orion, VW Golf, VW Passat und der VW Transporter angeboten. Auch die Marken Mazda und Volvo gab es zeitweise im Angebot. Hierbei war zu berücksichtigen, dass bei einigen westeuropäischen/japanischen Marken die Ersatzteilversorgung nur für fünf Jahre gegen Mark der DDR erfolgte; danach nur noch gegen DM.

Dem Beschenkten entstanden keine Kosten, die sonst schwer erhältlichen Waren wurden ohne große Wartezeit (bei Autos beispielsweise nur vier bis sechs Wochen) direkt an die DDR-Bürger geliefert.

Wer also das Glück hatte über Genex Geschenke zu bekommen, war die kuhlste Sau in Town, um das mal salopp zu sagen.

Ich habe immer wieder mal versucht, an so ein Teil ranzukommen, was mir nicht gelang. Vor einigen Tagen bin ich dann im bei Dirk Schuette über diese drei Komplettausgaben gestolpert. Ich habe versucht, herauszubekommen, wer sich die Mühe gemacht und die Kataloge gescannt hat, was mir leider auch nicht gelungen ist. Anne vom Pappenforum hat sie von irgendwem als Kopie bekommen und in Umlauf gebracht, weiß allerdings nicht mehr, wer genau das war, was schade ist. Ich hätte nämlich gerne gefragt, ob es okay ist, wenn ich die Bilder auf Flickr lade. Ich finde nämlich, dass diese Dinger unbedingt ins Netz gehören! Deshalb habe ich sie nun ohne ausdrückliche Zusage von irgendwem hoch geladen und hoffe damit niemandem auf die Füße zu treten. Das es mit der Jauerfood AG Ärger geben könnte, schließe ich mal aus.

Der Autokatalog von 1977, der ein echter Kracher ist

Ich liebe diesen DDR-Fundstücke, von denen es im Netz immer noch viel zu wenig gibt. Auch sehenswert für den geneigten Leser, der heute zu der Seite der Schenkenden gehören würde.

Flickr-Alben:

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Kommentare: 14

  1. […] Komplettausgaben: DDR-”Genex Katalog” und “Genex Katalog Auto” von 1977 (tags: DDR) […]

  2. Anonymous 1. Mai 2009 at 11:05  zitieren  antworten

    danke

  3. julia 4. Mai 2009 at 19:01  zitieren  antworten

    vielen dank!!! interessiere mich sehr für alte ddr fundstücke, werd gleich mal meine nase in diese kataloge halten ;)

  4. […] wurde ich eingeschult. In der DDR. In Berlin-Pankow. Den Genex-Katalog kannte ich natürlich nicht. Denn: Der Genex Katalog war ein Katalog, der im Westen angeboten wurde, damit die im Westen lebenden […]

  5. […] und die DDR Genex Kataloge […]

  6. 1977 in der DDR…

    1977 wurde ich eingeschult. In der DDR. In Berlin-Pankow. Den Genex-Katalog kannte ich natürlich nicht. Denn:
    Der Genex Katalog war ein Katalog, der im Westen angeboten wurde, damit die im Westen lebenden Verwandten und/oder Bekannten Geschenke in die…

  7. Hans-Jörg 27. Oktober 2010 at 01:36  zitieren  antworten

    Hallo und guten Tag, sehr Interessant danke !!!

  8. Holger B. 4. Dezember 2010 at 07:29  zitieren  antworten

    Danke für dieses Stück Zeitgeschichte.
    Es macht mich ein wenig wütend wenn ich sehe was bei spendabler „Westverwandtschadt“ möglich war und für die breite Masse doch nur ein Traum.
    Letztendlich tröstet mich das genau diese „wohlfeile Ware“ ein Nagel im Sargdeckel der DDR darstellte.

  9. Ben 11. Februar 2011 at 22:14  zitieren  antworten

    Super Sache, habe uns gerade köstlich amüsiert, ein Link auf Wikipedia zu den eingescannten Katalogen wäre nicht schlecht. will das aber nicht eintragen, ohne die Seiten selbst zu haben.

    Kennt jemand eine Quelle, wo man so einen Katalog noch bekommen könnte. Meine Eltern würden brüllen, wenn sie so ein Ding bekommen könnten. Sie haben die alten weggeschmissen und ärgern sich jetzt elend darüber.

  10. Torsten Reiffarth 18. Januar 2012 at 19:23  zitieren  antworten

    Tolle Sache, gehört doch die Firma Genex und der Genex-Katalog zu unserer ostdeutschen Geschichte. Ich selbst habe auch noch ein (leider arg zerlesenes) Exemplar aus dem Jahr 1981.

    In diesem Zusammenhang ein kleiner Witz, der Mitte der 80-er Jahre in der DDR kursierte:
    Honecker besucht eine Veteranin zu ihrem 100. Geburtstag. Er fragt, wie es ihr in der DDR so ergeht.
    Die alte Dame ist begeistert:“Ich habe ein schönes neues Haus, zur Unterhaltung einen tollen Farbfernseher und wenn ich mal irgendwo hin muß, habe ich einen Lada, mit dem mich dann mein Enkel fährt.“
    Darauf Honnecker:“Wissen Sie, daß Sie das alles meiner Arbeit zu verdanken haben?!“.
    Darauf die Dame: „Das ist aber schön, ich wollte Sie schon immer einmal kennenlernen Herr Genex!“.

    M.f.G. aus Sachsen
    Torsten Reiffarth

  11. Kai Guleikoff 31. August 2012 at 12:11  zitieren  antworten

    Gier raubt Verstand – das Erfolgsrezept des Kapitalismus. Ulbricht und Honecker waren als „Köche“ beteiligt mit den Zutaten GENEX, INTERSHOP, EXQUISIT und DELIKAT. Warum haben sie dafür eigentlich nicht das „Große Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband“ verliehen bekommen? Undank ist aller Welten Lohn …

  12. Sjalabais 2. Januar 2013 at 22:07  zitieren  antworten

    Genial, danke!

  13. Ossi 30. Oktober 2013 at 17:14  zitieren  antworten

    Hallo Ronny,

    Danke für das „teilen“ der Kataloge, da kann man endlich sehen wie den Verandten in die Tasche gegriffen wurde …..

    Grüße aus Dresden

  14. Michael 1. Januar 2014 at 11:48  zitieren  antworten

    Hallo & Danke für die Infos. In einem Katalog habe ich auch einen 3er BMW E30 gesehen. Leider weiß ich nicht mehr welche Ausgabe- Bekannte wohnen im Erzgebirge und hatten noch ein paar zerlesene Exemplare welche ich mal durchstöbert habe!

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