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Kategorie: Täglicher Sinnwahn

Empathiefähig wie eine Kartoffel: die bayrische Sozialministerin besucht ein Abschiebeheim „Balkan-Zentrum“


(Direktlink, via reddit)

Vorneweg noch ein paar der bewegenden Szenen aus München, ab 1.10 dann die bayrische Sozialministerin Emilia Müller gestern im sogenannten „Balkan-Zentrum“ in Ingolstadt, das Flüchtlinge aus dem Balkan sammelt. Auch, um sie schneller abschieben zu können. Dort begrüßt sie einen aus dem Kosovo stammenden Flüchtling mit den Worten, „Sie wissen aber, dass Sie zurückmüssen?“. Egal ob sie seinen Ablehnungsbescheid aus einem „Entscheiderzimmer“ schon gelesen hat, oder gänzlich auf eine Prüfung verzichtet, bevor sie solch eine Aussage trifft,… Ich muss die Headline korrigieren – womöglich wäre selbst eine Kartoffel empathiefähiger.

Das dachte wohl auch der anwesende Kameramann.



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Eine nicht ganz ernstgemeinte Serie über einen kleinen Tunnel zwischen Ost und West: Sedwitz

Das Erste hat mit Sedwitz gerade eine sechsteilige Serie im Programm, die sich dem Mauerfall mal von einer anderen Seite widmet. Nicht ganz ernst gemeint, aber durchaus amüsant. Gerade für einen Ostler wie mich, deren Vater einst Grenzer war und der nie das Privileg einer Westverwandschaft genießen konnte.

Im Mittelpunkt steht der DDR-Grenzoffizier Ralle Pietzsch (Thorsten Merten), der 1988 von einem sterbenden Stasi-Führer den Schlüssel zu einem hoch geheimen Tunnel unter der Grenze erhält. Statt den Schlüssel abzugeben, möchte er seinem Sohn den sehnlichsten Geburtstagswunsch erfüllen und ihm einen Zauberwürfel schenken. Doch den gibt es nur im westlichen Teil des fiktiven thüringischen-fränkischen Ortes Sedwitz.

[…]

Stefan Schwarz und Regisseur Paul Harather („Indien“, „Die Schlawiner“) schrieben die Drehbücher zu „Sedwitz“. „In unserer Serie ermöglichen wir es mit einem kleinen Trick, dass sich Ost und West vor der Wende wie in einem Laboratorium begegnen“, beschreibt Autor Schwarz den neuen Blickwinkel von „Sedwitz“, „ganz ohne Sektregen und Trabbikolonnen. Wir machen die Mauer im Jahr 1988 einen Spalt auf, sodass nur wenige durchschlüpfen können, damit wir besser sehen können, was die Mauer für den Normalbürger war.“

Dafür, dass dieser Blick ins deutsch-deutsche Labor nicht bierernst gerät, steht Regisseur Paul Harather, der findet, man müsse ja nicht über das Thema lachen, „aber man darf den Humor nicht verlieren“. Auch deswegen heißt Harathers Produktionsfirma, die „Sedwitz“ im Auftrag des BR und des MDR für Das Erste produziert, NSA (Neue System Agentur). Die Redaktion liegt bei Elmar Jaeger (BR) und Uwe Heilenz (MDR), die Federführung bei Annette Siebenbürger (BR).

Zu sehen gibt es „Sedwitz“ ab dem 3. September 2015 donnerstags im Ersten und jeweils montags vor Ausstrahlung online auf DasErste.de und wohl auf YouTube.


(Direktlink, via Christian)

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Bei der CSU im Jahr 2015

Während das ganze Land fast täglich über Rassismus und die damit verbundenen Auswirkungen debattiert, setzt sich der Bayerns Innenminister Joachim Herrmann in eine Talkshow, in der über das Thema Flüchtlinge gesprochen wurde und nennt Roberto Blanco „einen ganz wunderbaren Neger“. Da bleibt mir glatt das Frühstück im Halse hängen.


(Direktlink)

Mittlerweile beteuert er, das Wort sonst überhaupt nicht zu benutzen. Ob man das glauben kann, weiß ich nicht, bei der CSU ist man seit jeher mit seinem Vokabular nicht sonderlich zimperlich.

Hermann macht damit sehr deutlich, dass er zumindest kein Problem mit rassistischem Sprachgebrauch zu haben scheint. Als Innenminster eines deutschen Bundeslandes, das nicht müde wird, sich für seine Integrationsmaßnahmen regelmäßig selber auf die Schultern zu klopfen.

Nicht nur angesichts dessen muss man fast zwangsläufig fragen, wie die es bei der CSU immer wieder schaffen, noch tiefer ins Klo zu greifen. Vielleicht machen sie es ja wirklich so.

Oder aber das Problem liegt viel tiefer und man hat dort schlichtweg keine Probleme, Aussagen wie diese mal eben öffentlich im TV von sich zu geben. Und vor allem auch diese dort auch unwidersprochen so stehen zu lassen. Deutschland 2015.

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Gelöscht

Ich hatte hier ein Video eines Mannes, der sich auf wirklich unterirdische Weise über die Problematik in Heidenau äußert. Offenbar alkoholisiert. Ich habe das Video verbloggt, weil es zeigt, was für Menschen dort auch vor dem Heim stehen und „Kritik üben“. Eben nicht nur solche, aber halt auch.

Es gab diesbezüglich Kritik, dass dieses Video einen „offensichtlich kognitiv eingeschränkten Menschen vorführt“ und nur zu diesem Zweck gedreht und hochgeladen wurde. Ich kann das nicht beurteilen. Weder ob der Mann tatsächlich kognitiv eingeschränkt ist, noch ob das Video einzig dazu da ist, ihn vorzuführen.

Mache ich selten bis nie, aber nach reiflicher Überlegung habe ich mich dazu entschieden, das Video samt Beitrag zu löschen, da ich eigentlich an beidem nicht teilhaben will. Manchmal nehme ich Kritik auch an. Danke dafür.
(via Christian)

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Was blieb, als Flüchtlinge ihr Zeltlager verließen

Die Macht der Bilder. Gerade auf Facebook aber auch in anderen Medien wird diese gerne gebraucht, um Propaganda zu betreiben und etwaige Vorurteile zu bestätigen. Auch dieses Foto würde sich dafür bestens missbrauchen lassen. Allerdings zeigt es tatsächlich ein von Flüchtlingen verlassenes Zeltlager. Im Jahre 1989.

Das Bild wurde vom Deutschen Roten Kreuz im Herbst 1989 in der Prager Botschaft der BRD aufgenommen.

Vor kurzem haben die in die Botschaft geflüchteten DDR-Bürger das Lager verlassen. „Inzwischen versinkt die kurzfristig leere Zeltstadt im Müll“, heißt es beim DRK in der Bildbeschreibung.

Facebook-User Benny Stobiński kam vielleicht auch aufgrund dieser Story auf die Idee, die Leute mal daran zu erinnern, wie einfach es ist, sich von Bildern mit entsprechendem Text ein falsches Bild vermitteln zu lassen.

So wird also ein Flüchtlingscamp von "Wirtschaftsflüchtlingen" verlassen!?

Bevor jetzt hier gleich die Rassisten lospö…

Posted by Benny Stobiński on Mittwoch, 26. August 2015

(via Tanith)

Ein Kommentar

Als ich einst diesen alten Hippie kennen lernte

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(Alte Hippie-Kiste in neu, aktuell für 145k auf eBay)

Als es bei mir finanziell mal schlecht bis gar nicht lief, was es bis vor einem Jahr eigentlich immer tat, lernte die Frau des Hauses bei ihrem Job einen damals 54-jährigen Alt-Hippie kennen. Das ist gut 15 Jahre her.

Ich malerte erst für ihn seine Bude. Er bezahlte mich dafür ziemlich gut. Er war damals über 50 und rauchte morgens um 08:00 Uhr seinen ersten Joint auf dem Klo, bevor er sich gegenüber in der Wilmersdorfer Straße beim Bäcker seinen ersten Kaffee holte. Am Abend hatte er dann wohl um die 10 bis 15 Joints intus, die er sich mit bestem marokkanischen Haschisch vollgestopft hatte. Das Zeug kam von seinem Hof in Marokko, den er irgendwann in den 70ern gekauft hatte. Dort lebte eine Familie, die sich um die Pflanzen kümmerte, und aus diesen eben jenes Hasch machte, das er täglich rauchte. „Voll Bio“, wie er damals schon sagte. Es war das beste Haschisch, das ich jemals geraucht habe – und es war nicht billig. Ich musste dafür nichts zahlen, weil ich für ihn arbeitete. Und er zahlte daneben immer noch mit gutem Geld.

Ganz früher war er mal beim BND und wurde wohl Ende der 60er Jahre im Libanon mal festgenommen, weil er dort aufflog. Das hat er nie erzählt, aber weil er vor der Renovierung seiner Bude damals so schlampig war, dass er nichts wegräumte, musste ich das halt tun. Und die Regale leer räumen, hinter denen ich die Wände weißen wollte. Er führte damals Tagebücher und spickte diese mit Papieren, die man halt so über die Jahre sammelt und die beim Umräumen halt mal so rausfallen, so das ich sie eigentlich ungewollt lesen konnte/wollte/musste.

Ich war ein wenig dekonstaniert ob dem, was ich dort fand. Ich hatte einen alten Hippie kennengelernt, der sich von jetzt auf gleich als ehemaliger BNDler rausstellte, was mir irgendwie meine damalige Hippie-Romantik versaute. Und zwar ordentlich. Er war bis dahin ein wirklich ziemlich cooler Tüp, was kurz in jenem Moment eben kurz wegbrach.

Er hat gelitten, damals im Knast im Libanon, und entschied sich daraufhin, seine Arbeit für den BND einzustellen, ging nach Marokko und kaufte jene, oben erwähnte, Farm. Ab dort machte er in Haschisch. Ich wusste damals davon genau nichts.

Objektiv war er ein cholerisches Arschloch, der jeden zusammenbrüllte, der nicht exakt seiner Meinung war, oder tat, was er einem aufgetragen hatte. Schließlich zahlte er dafür. Mir war das egal – ich machte meine Arbeit. Er zahlte dafür.

Irgendwann war seine Bude fertig renoviert und es gab dort für mich nichts mehr zu tun, als er mich fragte, ob ich mir nicht vorstellen könnte, für ihn olle Benz-Transporter ausbauen zu können. Er kaufte immer alte 508er, die ich mit zwei Freunden zu Wohnmobilen ausbauen sollte. Was wir taten. Er zahlte halt wirklich gut.

Die Dinger wurden von ihm auf Busse für Surfer konzeptioniert. Wir sägten, schweißten, klebten und schliffen ihm das so hin, wie er das haben wollte. Immer und überall mit den von ihm angedachten Hohlräumen in der Karre. Im Stahlgeflecht, in der Tischplatte, in der Box für die Surfbretter, in der damals schon mit LEDs blau beleuchteten Dusche, in dem Bett, das man über eine Seilzug-Vorrichtung von der Decke in den „Wohnraum“ senken konnte. Wir dachten darüber nicht nach. Wir machten das, er zahlte gut.

Später, nachdem er mal wieder eine dieser Kisten, die er aus Prinzip _immer_ für unter 5000 Mark ein- und später für 50.000 bis 80.000 Mark verkaufte, vom Hof eines respektablen Berliner Bus-Unternehmers ging, wo er seine Werkstatt angemietet hatte, in der wir für ihn werkelten, fragte er mich, ob ich denn nicht mal für 25.000 Mark so ein Mobil von Marokko nach Deutschland bringen wollen würde. Von seiner Farm aus. „Nichts Großes“.

Die Grenzer bis nach Österreich rein würden davon wissen und wurden von ihm dafür geschmiert. Einziges Risiko: die Grenze von Österreich nach Deutschland. Da konnte er bis dato keinen für bezahlen und die 25K waren eben genau jene Risiko-Pauschale, die er dafür zahlen wollen würde. Ich lehnte das ab. Vehement. Ich war gerade davor, Vater zu werden, wie ich zu diesem Zeitpunkt schon wusste, hatte nicht mal einen Führerschein und hatte neben seinen Tagebüchern nicht nur ein Kilo des besten Dopes der Welt gefunden, sondern auch einen Revolver, von dem ich bis heute davon ausgehe, dass dieser nicht nur echt sondern auch durchgeladen war. Ab diesem Moment entfernten wir beiden uns emotional.

Ich hatte viel von ihm gelernt. Zum Beispiel, dass man auch 35 Jahre lang kiffen kann, ohne irgendwann an der Spritze landen zu müssen. Dass man mit seiner brasilianischen Frau das Auto nicht verlassen würde, wenn man mit ihr im Osten Deutschlands unterwegs sein würde. Das aus guten Gründen. Dass man in Deutschland selbstständiger Unternehmer sein könnte, der sein Geld mit einer Haschisch-Farm in Marokko macht, wonach am Ende keiner fragen würde – Hauptsache das Finanzamt bekommt auch seinen Teil davon. Dass auch Hippies das Ding mit dem Geld für sich Kapital vermehrend in ihren Alltag integriert hatten.

Nach dem ich ihm damals sagte, dass ich für ihn keinen seiner mit 25K D-Mark bezahlten Haschisch-Busse von Marokko nach Deutschland bringen wollen würde, überwarfen wir uns irgendwie. Er war halt ein cholerisches Arschloch, das trotz des ganzen Dopes keine Widerrede ertragen konnte. Außerdem wollte er den von uns damals gemeinsam vereinbarten Stundenlohn von Heute auf Morgen nicht mehr zahlen. Weil ich nicht so wollte wie er.

Er war ein kluger Mann und wollte schon Ende der 90er das an den Start bringen, was iTunes heute macht. „The imagine five“ wollte er das nennen. In Anlehnung an die Beatles. Ich sollte einer der Imagine sein, weil ich schon damals mehr mit dem Netz zu tun hatte, als er womöglich heute.

Nachdem wir uns überworfen hatten, holte er – cholerisch angepisst – seinen PA-Verstärker bei mir ab, den er mir vorher als „Dauerleihgabe“ für unser damaliges Studio überlassen hatte.

Und ich frage mich bis heute, ob der Mann noch lebt.

(Ich kam gerade drauf, weil Jens diese eBay-Auktion geteilt hat. Alter Benz-Bus. Auf neu umgebaut. Vielleicht die beste Variation von allen. Der Tüp, als alter Hippie meinte damals, er würde nur Daimler kaufen, weil er den Support dafür auch aus der Sahara raus erreichen könnte.)

Wir haben uns niemals wieder gesehen.

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