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Kategorie: Täglicher Sinnwahn

Ich spiele, also schwänz ich

Der Sinn der Forderung danach, vormittags in Kaufhäusern und Elektronikfachmärkten die Konsolen und Computer auszuschalten, um Schulschwänzerei einzudämmen, entzieht sich mir gänzlich. Zu dieser Zeit sind die Kinder doch in der Schule. Und selbst wenn dem nicht so ist, schließt man ja auch keine Bahnhöfe vormittags, weil die Kids dort rumhängen könnten, was wohl noch mehr Schulschwänzer dem Zocken in Kaufhäusern vorziehen.

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Vielleicht dürfen mir anzugtragende Männer, die an der Tramhaltestelle innig „Die Magie des Power-Selling“ lesen und studieren ja sogar suspekt vorkommen. Wundern würde mich das gar nicht.

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Welches Ferkel sucht im Netz eigentlich immer nach „Desiree Nick nackt“? Ick gloobe, it hackt! Wie ekelhaft bitte kann man den sein? Oder will sich da wer was abgewöhnen?

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Biologie

Also der Sinn von Bio-Kaffee ist mir ja klar. Auch von dem, der in diese Pads gefüllt wird und dann in eine mittlerweile ziemlich populäre Maschine kommt, um den leckeren, heißen Saft dadurch in die Tassen zu pressen. Biologisch kontrollierter Anbau, keine Zusatzstoffe und im besten Fall noch fair gehandelt. Finde ich nicht schlecht und wenn der dann auch noch schmeckt um so besser, kann man mal kaufen, dachte ich. Was sich mir hingegen so rein gar nicht erschließen will, ist die Frage, warum zum Teufel jedes dieser Pads dann einzeln in nicht kompostierbarem Kunstoff aromaversiegelt wird. So lange hält der Kaffee eh nicht und die Bio-Idee ist damit auch für die Tonne. Für die gelbe wohlgemerkt. Schwachmaten.

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Familiensamstag. Puh.

Gestern war es nicht mal 23.00 Uhr und ich war so alle, dass ich mich nicht mal mehr auf den Beinen halten konnte. Ich hatte nicht mal was viel getrunken und wollte nur noch in mein Bett. Was war passiert?

Die Tochter nahm an einem Tanzwettbewerb teil, wie das mal hieß. Heute heißt es Battle und genau so gefährlich wie das klingt, geht es da auch zu irgendwie. Ich dachte im Vorfeld, man fährt auf irgendein Dorf, sitzt mit dreizig anderen Zuschauern in einer ostarchitektonisch geprägten, nach altem Turnschuh riechenden Turnhalle vor einer plärrenden 1,6 KW-Anlage und hofft , das irgendwer gewinnt. Schnell gewinnt. Klar, vielleicht sogar die Tochter. Man fuhr um 7.45 Uhr los. In ein irgendein Dorf, in dem gut 400-500 Leute in einer neuen, streng nach Turnschuh riechenden Turnhalle ausflippten. Auch wegens ihrer Kinder. Klar. Anstatt der plärrenden Anlage jedoch gab es eine fette PA samt Lightshow, gefühlte 20 Tanzcrews, einen Veranstalter, der offenbar mit weitaus weniger Gästen gerechnet hatte, zur Halbzeit war alles, was man hätte zu sich nehmen können, irgendwie alle. Und zu guter letzt den wohl prolligsten Moderator, den rs2 zu bieten hatte. Reißerisch kündigte er alles und jeden an, machte aus seiner Vorliebe für die halbbekleideten jungen Damen auch keinerlei Geheimnis und als er endlich Feierabend hatte, verließ er mit einem Chevrolet, der übersät war mit Aufklebern in Form amerikanischer Flaggen, ganz fix den Parkplatz.

Es wurde getanzt und getanzt und getanzt. Nach vier Stunden wurde mir klar, dass ich im Vorfeld nicht genau wusste, worauf ich mir hier einlies. Ich dachte eher romantisch an meine sportliche Kindheit zurück, in der ich immer irgendwo ein Handballspiel zu gewinnen hatte. Da fuhr man dann hin, machte ein Punktspiel und fuhr wieder nach Hause. Hier aber wollte ein ganzen Bundesland mitspielen und es nahm scheinbar kein Ende. Es war auch irgendwie ein ganz schlechter Einstieg, für den die Veranstalter sorgten. Sie besorgten eine Teenager HipHop-Combo aus Blankenfelde, was ja der Credibility schonmal nicht zu gute kommen kann. Eigentlich hatte ich nach denen schon genug. Aber ich blieb. Wegen der Tochter. Da muss man eben durchhalten. So sah ich mir aufmerksam Mädchen mit Mickey Mouse-Ohren an und welche, die in neongrün-pinken Puschelkostümen – die locker wegen auslösenden Augenkrankheiten verklagenswert gewesen wären – einen modernen Ententanz aufführten. Mir wurde klar, dass der HipHop-Streetdance den die Gruppe der Tochter tanzt, hier schlechte Karten haben würde. Eine Erzieherin in der Jury mag es eben etwas kindlicher lieber. In den restlichen Kategorien, die sich alle nach Alter staffelten, gab es fast ausschließlich Streetdance, der immer gnadenlos die volle Ladung Mainstream-Hiphop als Beschallung mit sich brachte, was mir wirklich schwer zu schaffen machte. Aber ich musste durchhalten, es gab kein Entrinnen.

Als die Gruppe der Tochter im Halbfinale rausflog, war ich einerseits traurig, andererseits sah ich eine echte Chance, hier so schnell wie möglich wegzukommen. Denkste. Die wollten natürlich alle wissen, ob denn nun die Micky Mouse-Ohren oder die Augenkrebsler gewinnen würden, die nebenbei alle um einiges schlechter waren, als die Gruppe der Tochter. Auch klar. So blieben wir und blieben wir bis nach neun(!) Stunden HipHopserei endlich alles klar war. Ich hatte starke Kopfschmerzen und zu rein nichts mehr Lust. Kurz dachte ich darüber nach, dass es mir eigentlich lieber wäre, wenn die Tochter Handball spielen könnte oder so. Das aber verwarf ich schnell wieder – sie mag kein Handball. Für mich war sie und ihre Gruppe Gewinner. Klar, wer setzt auch eine Erzieherin in eine Jury, die die Fähigkeiten von Tanzenden beurteilen soll. Tzzzz. Highlight des Dorfes, war eine Pinte, die sich mit dem Namen „Erikas Bierstube“ auslobt. Ich sah die nicht von innen, aber der Name macht schon ziemlich was her, dachte ich.

Neun Stunden HipHop! Vater sein kann eine furchtbar schwierige Angelegenheit sein.

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„Wahrheit macht frei“ (Dokumentation, D 1991)

Finster wie der Nachthimmel. Gut, gedreht von 1989 bis 1991, nur ob sich da heute wirklich was geändert hat, kann ich nicht sagen. Zu der Zeit war es Alltag um mich rum. Die großen Jungs damals tickten in genau diese Richtung und machten daraus auch keinerlei Hehl, da draußen im Osten. Grußelig auch heute noch.

Dokumentarfilm von 1991, der anhand von Interviews mit führenden Neonazis und Holocaustleugnern sowie Archivmaterial von konspirativen Treffen den Zustand der deutschen Neonaziszene kurz nach der Wende aufzeigt und deren internationalen Verquickungen, die bis ins Europaparlament reichen.


(DirektjungeGeschichte)

Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte.

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Er sitzt eine Reihe vor mir und liest: „Gute Väter – Selbstbewußte Töchter“. Dabei sieht er alles andere als selbstbewusst aus. Er sieht auch nicht gut aus und ich frage mich, ob das dann wohl alles was taugen kann.

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Ich habe es echt probiert

Viel Geduld hatte ich, habe alles mögliche versucht, dass es irgendwie so läuft, wie ich mir vorgestellte hatte, das es laufen sollte. Im Netz habe ich gesucht, mich durch Foren und schlaue Beiträge geklickt, immer in der Hoffnung, dass ich irgendwie damit zu recht kommen könnte. Ich dachte echt, es liegt an mir, ich hätte irgendetwas falsch gemacht, was ja passieren kann. „Ist alles immer nur eine Sache der Einstellung“ hatte Inge mal zu mir gesagt. Ich habe ihm geglaubt. Echt. Ich befand mich als zu blöd dafür, und dachte, ich knacke das. Nachdem ich nun 1 Jahr lang probiert hatte, und heute im Endstadium gleich fünf mal den „blauen Bildschirm“ geshen habe, habe ich mich ernsthaft gefragt, was zum Teufel ich eigentlich mit Windows auf meinem Macbook will. Wozu das ganze, habe ich mich gefragt? Dann habe ich es gelöscht. Machs gut, Parallels Desktop. Du stinkst!

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7er

Sie parkt ihren niegelnagelneuen 7er BMW direkt vor der Bank, auf der ich sitze. Der riesige Kühlergrill starrt mir direkt ins Gesicht. Er erinnert mich an an das Gitter eines Löwenkäfigs, dahinter faucht es bedrohlich. Als sie aussteigt bin ich überrascht, wie klein sie ist. Sie ist Ende vierzig und trägt die Haare wie Petra Pau, nur dunkler. Dazu eine dieser avantgardistischen, eckigen Brillen. Als sie mit mir spricht entdecke ich das kleine, rote und dreieckige Parteiabzeichen der LINKEn auf dem Kragen ihrer Jeansjacke.

Die Zeiten ändern sich. Nichts ist mehr wie es mal war.

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